Sie sind nicht angemeldet.

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: Das James Bond Forum. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

Kronsteen

James Bond Club Deutschland - SPECTRE Nr. 005

  • »Kronsteen« ist männlich
  • »Kronsteen« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 4 317

Registrierungsdatum: 17. Mai 2013

  • Nachricht senden

1

Donnerstag, 30. Mai 2013, 21:48

DER FILM: Diamantenfieber

Hier bitte alles rund um den ersten Bond der 70er Jahre.

[img]http://sundoglitblog.files.wordpress.com/2013/02/diamonds-are-forever-movie-poster.jpg[/img]

Hier der alte Thread im archivierten razyboard.

Und hier die letzten Beiträge von dort, die gleichzeitig der Start der DAF-Filmwochen darstellen (DAF wäre gemäß der Chronoogie im razyboard der nächste Film gewesen):

Zitat von »Django«

Nachdem ich im Rahmen meines "Bond-Film-Anguck-Marathons" bei DAF angelangt bin, möchte ich hierzu noch ein kurzes, aber aktuelles Review geben:

Positiv zu vermerken ist, dass DAF unterhaltsam ist und Spass macht. Guten Beispiel hierfür sind etwa die Autoverfolgungsjagden, in denen so richtig exzessiv Schrott produziert wird. Das war's dann aber auch schon mit dem Positiven... Ansonsten ist der ganze Film einfach lächerlich. Lächerliche Handlung (schon nur diese ganzen extrem komplizierten, jedoch extrem ineffizienten Versuche von Blofeld und seinen Leuten, Bond umzubringen...), lächerliche Charaktere, lächerliche Dialoge. Vermutlich war das so gewollt - die Franchise sollte "erneuert" werden. Im direkten Vergleich wirkt DAF denn auch deutlich "moderner" als OHMSS, ist aber dennoch viel schlechter gealtert.

Connerys Spiel passt hervorragend zur Art von DAF und im Gegensatz zu YOLT wird ihm in DAF zu Glück auch wieder die Gelegenheit gegeben, seine Rolle auszufüllen. Apropos ausfüllen: Connery ist in DAF eindeutig zu fett. Zudem sind seine Haare zu Lang und die Koteletten wirken aus heutiger Sicht auch ziemlich lächerlich. Insgesamt kommt Connery in DAF vom Aussehen her nicht sehr "bondig" rüber. Wie frisch und dynamisch wirkte doch da zwei Jahre Später Moore - obwohl sogar etwas älter als Connery - in LALD.

Auch das Finale von DAF ist schwach (obwohl es eigentlich noch ziemlich anfängt): Bond schleudert Blofeld in dessen Mini-U-Boot ein paar Mal gegen die Kommandozentrale - der Countdown bricht dadurch(?) plötzlich ab und das war's dann!?

DAF wird in meiner Bond-Rangliste im unteren Mittelfeld bleiben - ich kann diesen Film einfach nicht ernst nehmen.


Zitat von »Kronsteen«

Ich denke, dass DAF einer der wenigen Filme des ansonsten so zeitlosen Franchise ist, der zwar vermochte, den Zeitgeist seiner Epoche einzufangen, nicht aber, diesen in andere Jahrzehnte zu transportieren.
Ich bin ja ein ausgewiesener Liebhaber von DAF, kann die Kritik aber durchaus nachvollziehen.
Mich stören diese Ungereimtheiten aber weniger, da für mich die Stimmung des Films und seine Schauplätze passen. Zudem mit dem vielleicht besten Score Barrys ausgestattet ist für mich DAF ein ungeschliffener Diamant, der für die Serie viel bedeutender ist, als man gemeinhin annimmt.


Zitat von »Andy007«

Es ist wirklich so, dass der Sprung von OHMSS zu DAF ein gewaltiger ist.

OHMSS repräsentiert noch den alten Agentenfilm der 60er Jahre und mit DAF sind wir plötzlich in den schrillen, bunten 70ern angekommen. In der gesamten Reihe gab es keinen größeren Unterschied zwischen zwei aufeinander folgenden Filmen.

Bei den Bondfilmen kann jemand, der das jeweilige Produktionsjahr nicht kennt, wohl auf Anhieb sagen, in welchem Jahrzehnt er entstanden ist. Bond war schon immer innovativ.


Zitat von »JackStraw«

Im Gegensatz zu einigen Vorrednern halte ich von DAF auch als Parodie nicht viel, denn er ist schlicht albern und nicht witzig....das könnte auch an der Synchro liegen, im Original habe ich den Film noch nicht gesehen. Als ernsthafter Agentenfilm taugt der Film ohnehin natürlich umso weniger.

Man hat ständig das Gefühl, alles schonmal gesehen zu haben, nur wesentlich besser und überzeugender. Nachdem die erste 3/4 Stunde noch kein allzu großes Ärgernis darstellt, mit Ausnahme des Faustkampfes im Fahrstuhl ziemlich langweilig, aber ganz brauchbar, so wird der Film dann zusehends verwirrender und artet zu einem hochbudgetierten Klamaukspektakel mit geringem Unterhaltungswert aus. Die rot leuchtend explodierenden Raketen kommen in die engere Wahl für die dümmste Sequenz im ganzen Franchise....

Einige Seiten früher wurde mal geschrieben, dass sich die Bondreihe zu ANfang der 70er mit dem Hamilton'schen Trio in einer Qualitätskrise befand. Dem kann ich uneingeschränkt zustimmen.

Zwar ist LALD auch aus heutiger Sicht ein Klassiker der Reihe, aber er besticht in erster Linie durch RMs erfrischende Bonddarstellung und eine ungemein rasante Story. Aber die tristen Bauten, das fehlende Breitwandformat und die trüben Farben haben nichst von der Klasse und Eleganz der früheren Jahre. DAF und TMWTTGG sind mit Abstand die Tiefpunkte der klassischen Filme und wurden erst mit den Brosnan Filmen unterboten. ABer die rangieren sowieso unter ferner liefen. Erst mit TSWLM kehrt die Stilsicherheit aus wohldosiertem Humor, Spannung und atemberaubender Action wieder in die Serie zurück.


Zitat von »Django«

Zitat von »JackStraw«


Die rot leuchtend explodierenden Raketen kommen in die engere Wahl für die dümmste Sequenz im ganzen Franchise....

Finde ich auch. Der schreiende Chinese(?), der brennend durchs Bild läuft, ist dann noch das Tüpfelchen auf dem i [img]imageshack.us/a/img443/9106/grinsr.gif[/img]


Zitat von »MisterBond«

Zitat von »felixleitner«


Oder "So much feathers and still can't fly" (TSWLM). Und nicht zu vergessen: "I'm an early riser by myself"[img]imageshack.us/a/img211/9788/daumen.gif[/img] (Bond zu Jenny Flex in AVTAK)

Ich kann jedem nur empfehlen, die Bond-Filme im Original anzuschauen. Die Dialoge kommen wesentlich geschliffener und eleganter. Wenn Moore in TSWLM sein abfälliges "Women Drivers" loslässt, kommt das wesentlich cooler als das etwas prollige "Frau am Steuer".

Und wie beim berüchtigen "Malone" gibt es öfters Probleme mit der Sinnhaftigkeit. In GF z.B. fragt Felix Bond bezüglich Pussy: "Why did she call Washington?" In der Snychro wird das dann falsch betont: "Warum hat sie Washington angerufen?" Hier scheint sich Felix zu mokieren, dass Pussy den falschen Amtsweg eingeschlagen hat.

Stimme ich teils zu. Ich sah alle Bondfilme auch auf Englisch. Ich mag aber die deutschen Synchronisationen sehr, so dass ich in Zukunft beides sehen werde.

Positives Beispiel für die englische Version ist eben dass mit den "Feathers" aus TSWLM.
Finde ich irgendwie witziger.

Man muss aber auch verstehen, dass nicht alles Sinngemäß übersetzt werden kann und dann kommt auch noch die Problematik mit der Lippensynchronisation dazu.

Zwei Filme aus der Bondreihe weichen in der deutschen Synchro etwas stärker ab, merkwürdigerweise zwei aus der ersten 70er-Hälfte, als die Brandt-Synchros total angesagt waren:
DAF & TMWTGG

Trotzdem möchte ich diese nicht missen. Die Professionalität der Sprecher spricht für sich.
Heutzutage wirkt vieles leider wie Einheitsbrei.

Dass mit "Tampa" und "Malone" ist schon bedauerlich.
Bei "Tampa" habe ich aber früher gedacht, dass es eine Anlaufstelle, eine Bar oder ähnliches, von Bond wäre, deshalb fand ich es, bis ich den Film im O-Ton sah, auch immer ok.
Bei "Malone" ist es was anderes, weil wir immer noch rätseln wer dieser Malone ist und warum Draco mit ihm darüber sprechen will [img]imageshack.us/a/img443/9106/grinsr.gif[/img]


Zitat von »JackStraw«


Zwar ist LALD auch aus heutiger Sicht ein Klassiker der Reihe, aber er besticht in erster Linie durch RMs erfrischende Bonddarstellung und eine ungemein rasante Story. Aber die tristen Bauten, das fehlende Breitwandformat und die trüben Farben haben nichst von der Klasse und Eleganz der früheren Jahre.

Dass mit den Bauten sehe ich nicht so dramatisch, passt doch eher zum Flair und zur Story. Da brauche ich keine Riesenbasis und superelegante Suiten.
Auch dass mit dme Breitwandformat stört mich nicht. Von mir aus hätten alle Filme im 1,85:1 bleiben können.
Du willst doch nicht behaupten, dass die Zurück in die Zukunft Trilogie, Aliens oder Avatar auch keine Klasse haben.
Bei den Farben aber stimme ich dir nicht zu. Da ist nix trüb...du Tasse


Zitat von »Kronsteen«

So, dann kopiere ich mal zum Beginn der Filmwoche "DAF" meinen Beitrag vom anderen Forum rüber. Solange nicht entschieden ist, wie es weitergeht, machen wir hier einfach mal weiter.

Filmwoche: Diamantenfieber

Da wir alle 60er Bonds im alten Forum bereits im Rahmen der Filmwoche gewürdigt haben, steht heute mit Diamonds are forever der erste Bond des neuen Jahrzehnts an.

Diamantenfieber - sicher einer der kontrovers diskutiertesten Bondfilm überhaupt. Für viele eine Klamaukorgie mit einem unwilligen Connery. Für wenige andere ein Riesenspaß mit einem selbstironischen Connery, der damit die Richtung für das neue Jahrzehnt vorgab.
Vielleicht etwas kurz auf 2 große Pole der Bondfans heruntergebrochen, aber die meisten von uns dürften sich einer dieser beiden Gruppen zugehörig finden.
Ich jedenfalls tue es und bin eindeutig der 2. Meinung angehörig.

Diamonds are forever ist für mich ein Riesenspaß. Auf kaum einen anderen Bondfilm hab ich so viel und so häufig Lust. Nur wenige andere Bondfilme habe ich öfter gesehen.
Manchmal traue ich mir selber nicht, da ich an einem Film, der weite Teile der Fanszene dermaßen abschreckt, eine solche Freude verspüre.

DAF ist für mich ein roher Diamant, der in der richtigen Betrachtung schillernd und groß ist.

Wir schreiben das Jahr 1970.
Nach einem an den Kinokasssen eher mäßig erfolgreichen "Im Geheimdienst Ihrer Majestät" (niemand konnte ahnen, welchen Status dieser Film in einigen Jahrzehnten in der Fanszene einnehmen sollte) und einem tatsächlich wider allen Mutmaßungen selber zurückgetretenen Hauptdarsteller George Lazeny steht das Bond-Franchise vor einer schwierigen Aufgabe. Wie kann man in einer Zeit, die smarte Helden wie James Bond gegen lässige Aussteigertypen wie Easy Rider ausgetauscht zu haben scheint, eine etwas ins Stocken geratene Serie neu beleben. Mit dem letzten Darsteller George Lazenby war dies nun nicht mehr möglich, da dessen Manager Ronan O'Rahilly bezeichnenderweise die Bond-Serie als zu antiquiert angesehen hatte, seinem Klienten eine Hollywood-Karriere prophezeit hat und diesen dadurch zum Rücktritt von der Bondrolle animierte - vermutlich die größte Fehleinschätzung in Lazenbys Berufsleben.

Zu einem Zeitpunkt der Umbrüche konnte das Franchise nur durch einen Mann gerettet werden: Sean Connery.
Lazenbys zumindest temporärer Misserfolg warf zwangsläufig die Frage auf, ob Bond ausschließlich auf Sean Connery zugeschnitten sei und das Publikum andere Schauspieler überhaupt akzeptieren würde.
Man setzte daher auf das Altbewährte und konnte mit einem äußerst lukrativen Angebot den Schotten zur einmaligen Rückkehr überreden: 1,25 Millionen US-Dollar Gage inkl. einer Beteiligung von 12,5% am Einspielergebnis, sowie die Finanzierung zweier Filme seiner Wahl (von denen aber letzten Endes nur einer - "Sein Leben in meiner Gewalt" - realisiert wurde).

Connery war zurück und die Botschaft "Sean Connery IS James Bond" aus "Man lebt nur zweimal" schien bestätigt.

Im neuen Jahrzehnt, den schriller 70ern, war es nun aber auch nicht mehr ausreichend, schlicht auf die Marke "Connery" zu vertrauen.
Die Figur des James Bond, die bereits in den mitteleren und späten 60ern diversen Persiflagen ausgesetzt war, musste sich in gewissem Maße neu erfinden. Der bereits im letzten Connery-Bondfilm YOLT eingeschlagene Weg wurde weitergegangen. Die Zeiten, in denen ein nüchtern und bodenständiger Bond ähnlich einem Detektiv hart ermittelt, gehörten endgültig der Vergangenheit an. Passend hierzu wurde jener Regisseur für die Umetzung verpflichtet, der 7 Jahre zuvor mit "Goldfinger" einen Mega-Erfolg und außerdem den ersten "Over the Top"-Film geschaffen hatte: Guy Hamilton. Zudem konnte Ken Adan für das Production Design zurückgewonnen werden und John Barry steuerte einen vorzüglichen Soundtrack bei, dessen Motive sich ins kollektive Fanbewusstsein einbrennen und wie in kaum einem anderen Film mit den Figuren harmonieren.
Die Figuren in DAF sind zwar teilweise Ian Flemings Roman "Diamonds are forever" von 1956 entnommen, wurden aber in eine komplette neue Handlung eingebettet (z.B. Wint und Kidd). So ist der Diamantenschmugglerring um die Gebrüder Spang (die im Film nicht mal auftauchen) nur Mittel zum Zweck - zum Zweck der Weltherrschaft, die der traditionelle Connery-Bondfilm-Bösewicht Ernst Stavro Blofeld mittels einer Laser-Waffe aus dem Weltall an sich reißen will.
Zu diesem "Over the Top"-Plot passen die Schauplätze perfekt: Nach einer kurzen Weltreise in der Vortitelsequenz, in der Bond seinen alten Widersacher rund um den Globus gehetzt zu haben scheint, offenbart uns DAF einen kurzen Einblick nach Südafrika und eine interessante Stipvisite in Amsterdam, um schließlich in einer zum Film passenden schillernden "Over the Top"-Stadt wie Las Vegas zu gipfeln.

Den ganzen Film begleitet eine für jene Zeit wohl sehr maßgeschneiderte Art von Humor, die sich - im Gegensatz zu den zeitgenössischen Einfärbungen der anderen Bondfilme - der "Nachwelt" nicht mehr komplett erschließt. Für das damalige (Kino-)Publikum schien es aber genau das Richtige gewesen zu sein, konnte DAF doch seinen Vorgänger OHMSS an den Kinokassen toppen und sogar fast an alte Zeiten der mittleren 60er anknüpfen.

Bond war in den 70ern angekommen und schuf mit "Diamantenfieber" die Grundlage dessen, was Roger Moore in den kommenden Jahren perfektionieren sollte.

Ich persönlich habe mit dem Humor in DAF nie Probleme gehabt, wobei man zugeben muss, dass die deutsche Synchro da doch teilweise stark an der Schmerzgrenze ist. Im englischen Original wirkt der Film wesentlich härter und gradliniger. Ich weiß nicht, ob die deutsche Synchro jener Zeit zu sehr von den damals aktuellen Blockbustern wie "Die Lümmel von der ersten Bank" geprägt war.

DAF hat für mich mit Mr. Wint und Mr. Kidd zwei der erinnerungswürdigsten Figuren des Franchise. Mit Peter Franks und Willard Whyte gibt es sehr interessante Nebenfiguren und mit Bert Saxby (als Hommage an Cubby Broccoli komplett ausgeschrieben "Albert R. Saxby"), Shady Tree, Morton Slumber und der 3 Ganoven vom Flughafen eine schöne Reihe an Bösewichten. Die Girls in DAF sind für meinen Geschmack eher durchschnittlich. V.a. die seltsame Wandlung der Tiffany Case von einer selbstbewussten Frau zu einem Dummchen wirft einige Fragen auf. Ebenso mittelmäßig ist für mich Charles Gray als Blofeld, der mir in YOLT als Henderson besser gefallen hat. Gray ist aber in gewissem Maße auch Opfer des Drehbuchs, das der Figur des Blofeld nicht nur die überflüssige Doppelgänger-Geschichte, sondern auch einen Auftritt in Frauenklamotten zumutete.

Ein weiterer Minupsunkt sind die Logiklücken. Damit meine ich nicht mal den vielleicht berühmtesten Filmfehler des Franchise, das von den rechten auf die linken Räder wechselnden Ford Mustang, sondern eher die fehlenden Stücke in der Handlung. Dies war z.T. selbst verschuldet, da man einige Szenen rausgeschnitten hatte, die eine stringentere Handlung ermöglicht hätten. Z.B die Szene, in der wie erfahren, wo Bond und Tiffany sich treffen wollen, nachdem Tiffany die Diamanten erhalten hat. Somit fragt sich der Filmgucker, in welcher Villa denn Tiffany plötzlich auftaucht, warum Bond dort am Pool liegt und v.a. woher die im Pool ermordete Plenty O'Toole diesen Ort kannte.
Genauso unverständlich bleibt, wieso Wint und Kidd die unsinnigsten Mordideen gegenüber Bond haben (Bond soll lebendig verbrannt werden, Bond soll unterirdisch im Kanalsystem verenden). Gelungen bei Wint und Kidd finde ich aber den Running Gag Guy Hamiltons, der in DAF zum ersten Mal die Idee umsetzt, dass die Henchmen im Showdown nicht anwesend sind, dann aber ganz am Schluss zum finalen Kampf nochmals in Erscheinung treten (bei LALD war es Tee Hee, bei TMWTGG Schnickschnack).

Hier mal die Pluspunkte in der Übersicht:

- Sean Connery
- Wint und Kidd
- Las Vegas als Schauplatz
- Score Barrys (v.a. das Thema zu "Wint und Kidd")
- Sets von Ken Adam
- Das Whyte House
- Die Auto-Verfolgungsjagd (damals die größte, die es je gab)
- Der Film ist extrem unterhaltend, cool, schillernd und locker




Hier die Minusunkte:

- Logiklöcher (s.o.) und Handlungslücken
- Die überflüssige Doppelgängr-Geschichte
- Die seltsame Wandlung der Tiffany Case
- Die heute extrem veraltet wirkende Tricktechnik
- Die deutsche Synchro


Alles in allem komme ich für mich zu em Enschluss, dass DAF sicher etliche Schwächen hat (die Liste der Minuspunkte ist lange), die objektiv kaum zu leugnen sind. Diese stören mich komischerweise aber kaum.
Rein subjekitv ist DAF für mich ein unheimlich unterhaltendes Werk, das mir jedes Mal aufs neue Spaß macht. Ein Spiegel seiner Zeit, dem wir mehr zu verdanken haben als wir gemeinhin annehmen - einer der unterschätztesten Bondfilme überhaupt.


Zitat von »Spree«

Kommt selten genug vor, mein lieber Kronsteen, aber zu DAF kann ich dir unumwunden recht geben.

Gleichwohl ist mein Verhältnis zu DAF inzwischen etwas gespaltener: früher von mir vergöttert (als ich anfing, mir alle Filme zu besorgen), inzwischen sind mir viele Stellen zu albern (v.a. diese halbherzigen Mordversuche an Bond: in ein Rohr legen, aus dem er später einfach rausklettert, Bambi & Klopfer, etc.). Aber allein Wint & Kidd machen den Film für mich jedesmal so vergnüglich, dass ich ihn immer wieder gerne sehe (v.a. ihre Sprüche über Mrs Whistler sind göttlich).


Zitat von »ollistone«

Spätestens bei der Verfolgungsjagd mit dem Mondfahrzeug sollte man eigentlich ausstellen, wegen groben Unfugs. Doofer Film. Jede Menge Beteiligte, von denen man nicht weiß, was sie eigentlich im Film tun, bis sie dann sterben.

Die Doppelgänger-Nummer ist ein unverzeihliches Stück Nonsens, die Synchro unterirdisch, Blofeld in Frauenkleidern, nun ja, das wurde ja bereits alles angesprochen. Der Mangel an Höhepunkten verärgert ebenso wie die aus heutiger Sicht peinlichen Zoten und Seitehiebe gegen Homosexuelle (der Schwule, der es genießt, wenn man ihm zwischen die Beine packt - oh Gott.)

(Die Nummer mit Plenty O'Toole habe ich übrigens auch nie begriffen.)

Schlechter Film.
"Wer ist schon Bond im Vergleich zu Kronsteen?!"

Kronsteen

James Bond Club Deutschland - SPECTRE Nr. 005

  • »Kronsteen« ist männlich
  • »Kronsteen« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 4 317

Registrierungsdatum: 17. Mai 2013

  • Nachricht senden

2

Donnerstag, 30. Mai 2013, 21:48

Zitat von »felixleitner«

Ein Hochgenuss des schlechten Geschmacks! Camp für Fortgeschrittene. Kann man blöd finden. I love it.


Zitat von »macon«

Bei der letzten Scihtung hat DAF ja erstmals bei mir gewonnen und wird in der nächsten Bestenliste erstmals die rote Laterne abgeben. Vor allem die erste Hälfte macht extrem Spass. Amerika als Schauplatz gefällt mir - wie so oft - allerdings gar nicht.


Zitat von »DrShatterhand«

„Diamonds are Forever“ ist ein Film, den ich mit gemischten Gefühlen betrachte. Er hat eine Reihe sehr guter Einzelteile, die in der Gesamtheit aber nicht so wirken.

Unsterblich ist natürlich der Austausch „Hi. I´m Plenty!“ „But of course you are.“ Lana Wood mag kaum „screen time“ gehabt haben, aber das hat sie unvergesslich gemacht. Ebenso trägt Sean Connerys erneutes Mitwirken zu den positiven Elementen des Films bei. Die Selbstsicherheit, die er an den Tag liegt, mag damit zu tun gehabt haben, daß er sich sicher war, daß er danach nie mehr für einen Bond vor der Kamera stehen würde, und sich daraus bis zu einem gewissen Grad eine „Nach mir die Sintflut“-Einstellung gebildet haben mag.

Die Böslinge, denen sich Bond gegenüber sieht, schätze ich ebenfalls sehr. Bambi und Thumper sehen zunächst gar nicht aus wie Blofelds Schläger, eher wie Kunstturnerinnen, bringen Bond aber dann ziemlich ins Schwitzen. Ich frage mich aber immer noch, wieso die beiden kein Land mehr sehen, sobald sie im Pool landen, denn dann hat Bond doch eher leichtes Spiel mit ihnen. Mr Wint und Mr Kidd finde ich großartig. Zwei schwule Mörder, die ihre Arbeit mit Stil versehen und den Zuschauer zum Lachen bringen. Ihre „Bomb surprise“ ist ebenfalls unvergesslich.

Wenn man mal davon absieht, dass der Ford mitten bei der Verfolgungsjagd die Position wechselt, ist diese Verfolgungsjagd ein Höhepunkt in diesem Film; waren die Macher dabei vielleicht von Steve McQueens „Bullit“ beeinflusst? Ich weiß es nicht, ich spekuliere hier nur. Ebenso gefällt mir der Kampf zwischen Peter Franks und Bond im Fahrstuhl sehr gut. Einen guten Kampf zu inszenieren, ist eine Sache, dies aber in einem engen Fahrstuhl hinzubekommen, in dem man sich kaum bewegen kann, ist eine andere, und die Macher haben das hier gut hingekriegt. Das trainierte Auge fragt sich aber, wieso Peter Franks eine größere Glasscheibe ergreifen kann, um Bond zu verletzen, und sich dabei keinerlei Schnitt zuzieht …

Ich bin mit Tiffany Case nicht so glücklich, genau weil ihr Charakter im Lauf des Films mehr und mehr verflacht. Sollte das darstellen, dass Frauen, die Bonds Charme ausgesetzt sind, ihren Widerstand im Lauf der Zeit aufgeben? Das hätte man besser machen können.

Was mich nicht überzeugt, ist der Endkampf auf der Ölplattform; er wirkt in der Tat einfallslos, etwas zusammengestrickt nach dem Muster „Wir brauchen eine große Kulisse, in der viel kaputtgehen und explodieren kann, der Rest kommt von alleine.“; das hat hier m.E. nicht funktioniert, und wenn man daran denkt, daß andere Ideen für den Endkampf existierten (eine Verfolgungsjagd mit mehreren Booten, ein Showdown in Mexiko in einer Salzmine), frage ich mich, wieso es am Ende diese Ölplattform war.

Die Ölplattform bringt mich zu Blofeld; meiner Meinung nach kriegt Charles Gray gegen Telly Savalas keinen Stich; Gray wirkt überhaupt nicht bedrohlich, und er diskreditiert sich noch dadurch, daß er tatsächlich diese tuntigen Klamotten anzieht, um zu entkommen. Sollte das eine unauffällige Verkleidung sein, so zieht die auf einer Ölplattform überhaupt nicht. Charles Gray ist auch deshalb eine unglückliche Besetzung, weil ihn jeder noch als Dikko Henderson in Erinnerung hat; anscheinend wurde er aber auch deshalb für die Rolle des Blofeld genommen, weil er vielen Zuschauern in der Henderson-Rolle gefallen hat und so eine gewisse Popularität erreicht hat, was potentiell mehr Zuschauer zieht bzw. ziehen würde.

Ich bin mir auch nicht sicher, ob Blofeld am Ende des Films wirklich tot war; mir scheint, dass die Produzenten das auch nicht waren, denn warum hätte man in der Eröffnungssequwnz von „For your eyes only“ den Glatzkopf im grauen Anzug mit der Katze präsentiert und „abserviert“?

Alles in allem rangiert der Film in meiner persönlichen Liste im Mittelfeld.


Zitat von »MisterBond«


Da wir im LALD-Thread auf David Hedison kamen.
Ich finde Norman Burton als Leiter doof
Da gab es noch John Terry in TLD, der wiederum einfach nur blass war.

Allerdings sorgte wohl die deutsche Synchro, welche wohl die schwächste Arbeit zu einem Bondfilm ist, viel für das merkwürdige Verhältnis Bond und Leiter.
Da machen die Ochsen aus dem "You" einfach mal ein Sie.
"Wer ist schon Bond im Vergleich zu Kronsteen?!"

Beiträge: 83

Registrierungsdatum: 2. Juni 2013

  • Nachricht senden

3

Sonntag, 2. Juni 2013, 15:37

Gestern den Film zum ersten Mal im Original gesehen......und vermutlich auch zum letzten Mal für lange, lange Zeit.

DAF wirkt wie der Anti-Bondfilm schlechthin, mit aufgedunsenem Hauptdarsteller, dämlichen Bondgirl und grausam schlechten Tricks. Man hat immer das Gefühl, alles schonmal gesehen zu haben, nur wesentlich besser und überzeugender gemacht. Die Story ist einmalig konfus, wirr und langweilig. Sie hat auch kein wirkliches Spannungsmoment, sondern zieht sich zäh wie Kaugummi von einer fad inszenierten Actionszene zur nächsten. Nie war ein Finale eines Bondfilms beliebiger. Das beste am Film sind die Szenen mit Wint & Kidd, aber die treten auch zu selten auf, um den Film irgendwie zu retten. Ganz klar der schlechteste "klassische" Bondfilm noch hinter TMWTGG.

Bestes Blofeld Zitat: "if we destroy Kansas, the world may not hear about it for years...." :D

Kronsteen

James Bond Club Deutschland - SPECTRE Nr. 005

  • »Kronsteen« ist männlich
  • »Kronsteen« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 4 317

Registrierungsdatum: 17. Mai 2013

  • Nachricht senden

4

Mittwoch, 5. Juni 2013, 22:00

Gestern den Film zum ersten Mal im Original gesehen......und vermutlich auch zum letzten Mal für lange, lange Zeit.

DAF wirkt wie der Anti-Bondfilm schlechthin, mit aufgedunsenem Hauptdarsteller, dämlichen Bondgirl und grausam schlechten Tricks. Man hat immer das Gefühl, alles schonmal gesehen zu haben, nur wesentlich besser und überzeugender gemacht. Die Story ist einmalig konfus, wirr und langweilig. Sie hat auch kein wirkliches Spannungsmoment, sondern zieht sich zäh wie Kaugummi von einer fad inszenierten Actionszene zur nächsten. Nie war ein Finale eines Bondfilms beliebiger. Das beste am Film sind die Szenen mit Wint & Kidd, aber die treten auch zu selten auf, um den Film irgendwie zu retten. Ganz klar der schlechteste "klassische" Bondfilm noch hinter TMWTGG.


Ich bin wirklich erstaunt, dass so viele User diesem Film so wenig abgewinnen können.
V.a. im Original hat er wesentlich mehr Fluss als in der deutschen Fassung.
Ich finde die Handlungen schlüssig und die Story stringent.

Vermutlich ist DAF der Bondfilm, dessen Zeitgeist auf andere Generationen am verstörtesten wirkt.

Keine anderen Meinungen mehr in der DAF-Filmwoche?
"Wer ist schon Bond im Vergleich zu Kronsteen?!"

Mi6london

MI6 Außendienst Mitarbeiter

  • »Mi6london« ist männlich

Beiträge: 279

Registrierungsdatum: 27. Mai 2013

  • Nachricht senden

5

Mittwoch, 5. Juni 2013, 22:06

Hn zwar noch nie mit original Ton gesehen,doch ich mag ihn sehr gerne finde ihn schon flüssig und spannend!
Er gehört bei mir definitiv zum ersten drittel der Reihe,außerdem mag ich den Soundtrack sehr gerne!

Einzigster Kritikpunkt ist der schlecht gelöste Stunt mit dem Auto,da hat das b-Stunt Team gepennt!
"Double 0 Seven reporting for Duty" "This Never Happend to the other Fella"

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Mi6london« (5. Juni 2013, 22:11)


Sohnio

Anfänger

Beiträge: 4

Registrierungsdatum: 1. Juni 2013

  • Nachricht senden

6

Donnerstag, 6. Juni 2013, 02:47

Bei mir rangiert DAF am Ende meiner persönlichen Bond- Hitliste, was unter anderem daran liegt, dass ich während des gesamten Films die Ernsthaftigkeit vermisse (unter anderem das "Döschen im Höschen" und noch vieles mehr, was mir einfallen würde, wenn ich DAF mal wieder ansehen würde) aber auch die Atmosphäre trägt nicht dazu bei, dass ich den Film besser bewerten würde. Wenn ich an DAF denke sehe ich immer das glitzernde Las Vegas und allgemein eher kitschige Sets, was für mich nicht wirklich überzeugend ist, es geht immerhin darum, dass Bond die Welt retten soll, da erwarte ich mehr Düsterheit und Ernsthaftigkeit (da fällt mir gerade die Szene in Amsterdam ein, als Bond in der Ecke steht und sich selbst umarmt und küsst- finde ich auch nur so "naja" und jetzt fällt mir noch die Marsmobil Jagd ein...).
Nichts desto trotz hat der Film durchaus auch seine starken Seiten, so finde ich den Titelsong richtig gut, ebenso finde ich die Grundidee mit dem Laser aus dem All nicht schlecht (so dass sie für DAD nochmals recycelt wurde). Das andere Aussehen Blofelds wurde hier immerhin versucht plausibel zu erklären und die Idee mit Willard Whyte an dessen Stelle Blofeld getreten ist finde ich auch nicht schlecht, allerdings wirkt das alles für mich zu wenig bedrohlich aus den oben genannten Gründen (während dem Schreiben sind mir noch deutlich mehr eingefallen, die ich jetzt aber nicht alle aufzählen will) und dadurch leidet der Gesamteindruck von DAF doch sehr, weshalb DAF wie erwähnt doch zu meinen persönlichen Schlusslichtern zählt.

Kronsteen

James Bond Club Deutschland - SPECTRE Nr. 005

  • »Kronsteen« ist männlich
  • »Kronsteen« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 4 317

Registrierungsdatum: 17. Mai 2013

  • Nachricht senden

7

Donnerstag, 6. Juni 2013, 08:42

Hn zwar noch nie mit original Ton gesehen,doch ich mag ihn sehr gerne finde ihn schon flüssig und spannend!
Er gehört bei mir definitiv zum ersten drittel der Reihe,außerdem mag ich den Soundtrack sehr gerne!

:thumbup:

Bei mir rangiert DAF am Ende meiner persönlichen Bond- Hitliste, was unter anderem daran liegt, dass ich während des gesamten Films die Ernsthaftigkeit vermisse (unter anderem das "Döschen im Höschen" und noch vieles mehr, was mir einfallen würde, wenn ich DAF mal wieder ansehen würde) aber auch die Atmosphäre trägt nicht dazu bei, dass ich den Film besser bewerten würde.

Diese Klamauk-Übersetzungen im Stile der zeitgenössischen "Hurra, die Schule brennt"-Filme waren v.a. ein deutsches Problem. Im Original wirkt das definitiv anders.



Wenn ich an DAF denke sehe ich immer das glitzernde Las Vegas und allgemein eher kitschige Sets, was für mich nicht wirklich überzeugend ist, es geht immerhin darum, dass Bond die Welt retten soll, da erwarte ich mehr Düsterheit und Ernsthaftigkeit (da fällt mir gerade die Szene in Amsterdam ein, als Bond in der Ecke steht und sich selbst umarmt und küsst- finde ich auch nur so "naja" und jetzt fällt mir noch die Marsmobil Jagd ein...).

Gerade das glitzerne Las Vegas ist ein Highlight. Genau SO muss Las Vegas meiner Meinung nach sein. Ähnlich wie beim (leider zu kurz gekommenen) Gastspiel im geteilten Berlin in "Octopussy" bin ich auch bei Las Vegas froh, dass die Bond-Produzenten ihrem Protagonisten diesen Auftritt gegönnt haben, bevor die Stadt sich wandelt. Ein interessant zeitgenössisches Dokument. Das Las Vegas von 1970/71 waren wohl die letzten Züge des "alten" Vegas, das danach an Bedeutung verlor und erst durch Investitionen von Steve Wynn ("Mirage") wieder Glanz erhielt.
"Wer ist schon Bond im Vergleich zu Kronsteen?!"

Don-Corleone

009 - Killed in East Berlin - Dressed as a clown with a fake Faberge egg in my hand

  • »Don-Corleone« ist männlich

Beiträge: 964

Registrierungsdatum: 26. Mai 2013

  • Nachricht senden

8

Donnerstag, 6. Juni 2013, 20:01

Die 60er Jahre Ikone ist in den 70ern angekommen. Wie schon mehrfach im "alten Forum" diskutiert,war Bonds Zeit eigentlich vorbei. Nach dem qualitativen hervorragenden aber nicht mehr ganz so erfolgreichen OHMSS, war die große Frage wo führt der Weg von Bond hin. Zu erstenmal hat man alles richtig gemacht als man Sean Connery zurückgeholt hat (auch wenn mich ein 2ter Lazenby sehr interessiert hätte). Connery, dem ja gerne Lustlosigkeit in dem FIlm vorgeworfen wird, interpretiert die Rolle sehr souverän, zumt Teil selbstgefällig, ironisch, zynisch, zum Teil auch brutal und kaltblütig.

Dieser Film spiegelt den Zeitgeist Anfang der 70er sehr gut wieder. Was mir besonders an diesem Film gefällt ist diese einmalige Atmosphäre, allen voran in Las Vegas. Was eine geniale Idee Bond in der "verfluchteste Stadt der Welt im Jahr des Herren 1971" auftreten zu lassen. Der Film hat einige Logikfehler - natürlich, für mich aber eher sekundär. Zuviele Szenen haben sic bei mir ins Hirn reingebrannt die ich einfach genial finde:

Der Aufzugkampf mit Franks, die Szene im Krematorium mit den passenden choalen Klängen, Fahrt und Kletteraktion auf dem Fahrstuhl im Whyte House usw.

Der Film macht einfach Spaß und ich glaube er ist MR der Film den ich mir am häufigsten anschaue, weil er mich nie langweilt. Positiv erwähnen möchte ich natürlich den genialen Titelsong inkl des kompletten Soundtracks (Barry at his best). Es gibt nicht viele DAF Fans in diesem Forum, ich gehör aber dazu und freue mich das noch ein paar andere gibt, die die Faszination an diesem FIlm teilen. :D

P.S. Ich schau mir die Bondfilme meistens abwechselnd in Deutsch und Englisch an, aber DAF empfehle ich eindeutig im OT anzuschauen, weil die deutsche Synchro manchmal mit seinen Albernheiten über das Ziel hinausschiesst.
Schönes Gewehr, passt eigentlich mehr zu einer Frau. - Verstehen Sie etwas von Waffen Mr.Bond ? - Nein, aber etwas von Frauen.

thomas004

Killed by KGB on Gibraltar

  • »thomas004« ist männlich

Beiträge: 230

Registrierungsdatum: 3. Juni 2013

  • Nachricht senden

9

Montag, 8. Juli 2013, 12:50

Gestern gab es DAF im Kino! In Pforzheim im Rahmen der dortigen Bond-Ausstellung:

[img]http://imageshack.us/a/img833/3137/hlv1.jpg[/img]

Ich gebe zu, dass ich den Film gar nicht mag und ursprünglich auch nicht hinfahren wollte. Letztendlich habe ich mich dann aufgerafft - und es nicht bereut! :)

Der Film wurde von Blu-ray gezeigt, was für eine unglaublich Schärfe und Farbbrillianz sorgte! Das Bild war einfach überragend, vor allem im Vergleich zu meiner alten DVD. Schön hell und bunt, großartig. Richtig beeindruckend waren für mich die vielen Totalen (v.a. in Las Vegas), wo deutlich mehr vom Hintergrund als daheim am TV zu sehen war. Wie schon letzte Woche bei TB im Kino in Stuttgart war es die pure Bildgewalt, die mir gefiel. Es kommen immer wieder Details ins Bild, die ich nie vorher gesehen habe. Ein Beispiel dafür ist der Gemüsekorb mit Paprika, Auberginen, Zucchini und Knoblauch (!) auf dem Wohnzimmertisch von Tiffany Case ... :thumbsup:

Die Handlung fand ich - wie immer - sehr schwachsinnig und konstruiert. Wobei ich feststelle, dass mich Bond im Kino mehr fesselt - gerade bei Szenen, wo ich daheim aus Langeweile schon nebenbei was anderes gemacht hätte. Im Kino bin ich definitiv näher dran, verstehe inhaltlich mehr und lasse mich mehr begeistern. Wint und Kidd fand ich gestern großartig und konnte auch oft lachen (gut, wir hatten vorher Sekt, Wodka und Bier konsumiert ...)

Kurios fand ich gestern, dass die beiden extremsten Bond-Tötungsversuche der ganzen Serie in einem Film sind: Das lebendige Verbrennen im Krematorium ist wohl Bonds aussichtsloseste Situation - "Los, wir legen ihn in ein Rohr!" dagegen die wohl schwachsinnigste ... :bamm:

Ds Finale kam mir vor, als fehle da was. Bond schleudert Blofeld am Kran rum - der Countdown bricht dadurch plötzlich ab - Bond stürzt sich aus mir unerklärlichen Gründen panisch ins Wasser (statt Blofeld zu erledigen) - Ende. Keine finale Explosion der Plattform, keine Erklärung, was mit Blofeld ist. Blöd. ;(

So richtig wird mir die Bedrohung der Welt auch nicht klar. Man hätte statts der albernen Explosionen rund um den Globus auch mal die Reaktionen der Weltmächte zeigen sollen, die panisch sind und keine Ahnung haben, was da gerade geschieht. So kam mir Blofeld eher wie ein Hobby-Astronom als wie ein Weltzerstörer vor.

Fazit: DAF hat mir im Kino gut gefallen, was haupstsächlich daran lag, dass es im Kino war. :haha: Die Schwächen bleiben erhalten, weswegen sich DAF nach wie vor kurz vor dem Ende meiner Bestenliste befindet.

Gruß, Thomas

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »thomas004« (8. Juli 2013, 14:22)


Beiträge: 83

Registrierungsdatum: 2. Juni 2013

  • Nachricht senden

10

Montag, 8. Juli 2013, 22:15

(gut, wir hatten vorher Sekt, Wodka und Bier konsumiert ...)


Das erklärt einiges :D Und ist vielleicht Voraussetzung, um den Film gut zu finden. Sonst: Zeitgeit hin oder her, Parodie ja oder nein.....nicht witzig, lahme, wirre Story, größtenteils langweilig. Die Verfolgung mit dem Mond Buggy, die "Hatz" durch Vegas, das Finale, alles so bemüht komisch, aber doch so unlustig, null Tempo und ohne Spannungsmoment und heute eher zum Fremdschämen. :thumbdown:

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »JackStraw« (8. Juli 2013, 22:19)


James

Agent 007033

  • »James« ist männlich

Beiträge: 127

Registrierungsdatum: 7. Juni 2013

  • Nachricht senden

11

Dienstag, 9. Juli 2013, 09:08



Ds Finale kam mir vor, als fehle da was. Bond schleudert Blofeld am Kran rum - der Countdown bricht dadurch plötzlich ab - Bond stürzt sich aus mir unerklärlichen Gründen panisch ins Wasser (statt Blofeld zu erledigen) - Ende. Keine finale Explosion der Plattform, keine Erklärung, was mit Blofeld ist. Blöd. ;(


Es waren eigentlich noch Szenen nach der Plattform geplant (Blofeld entkommt und Bond verfolgt Ihn auf eine Insel - wenn ich mich richtig erinnere). Man sieht auf dem Filmplakat auch Taucher. Diese Szenen wurden auch nie verwendet oder vielleicht sogar nie gedreht.
Es hätte also vielleicht ein passenderes Finale geben sollen, aber Sir Sean hatte ja nur 18 Wochen Zeit um seine 1.25 Mio. $ zu verdienen. ;)

Für mich ist DAF zwar ein etwas anderer aber durchaus für Anfang der 70er passender Film. Hier ist Bond noch der überlebensgrosse Superagent, auch wenn er etwas in die Jahre gekommen ist. Sean Connery hat aber die Ausstrahlung eines
alten Profis. Das gefällt mir.
Life's a Blast... even when you're different. :thumbsup:

"you dirty double-crossin limey fink, these god-damned diamonds are phoneys" X(

Thunderball

Harry Palmer

Beiträge: 164

Registrierungsdatum: 26. Mai 2013

  • Nachricht senden

12

Dienstag, 9. Juli 2013, 09:59

Zitat

P.S. Ich schau mir die Bondfilme meistens abwechselnd in Deutsch und
Englisch an, aber DAF empfehle ich eindeutig im OT anzuschauen, weil die
deutsche Synchro manchmal mit seinen Albernheiten über das Ziel
hinausschiesst.
Auch wenn es eigentlich kein vernünftiges Kriterium "gegen" den Film ist, aber diese deutsche Synchronisation ist eins meiner Hauptprobleme, die ich mit DAF habe.
Kalauersynchronisationen Marke Rainer Brandt finde ich meistens schwer erträglich, auch wenn es deutlich schlimmere Beispiele für diese Art der Synchronisation gibt als DAF.
Leider ist es eben aber diese deutsche Fassung, die sich über Jahre hinweg durch TV-Ausstrahlungen und auf VHS bei mir zwangsläufig eingeprägt hat. Der Film wird bei mir immer im hinteren Drittel der Rangliste rangieren, auch wenn er in Englisch durchaus gewinnt.

Sehr, sehr gerne mag ich wiederum John Barrys Musik und den Titelsong. Beides ein Highlight der Bond-Reihe, wie ich finde. :thumbup:

Kronsteen

James Bond Club Deutschland - SPECTRE Nr. 005

  • »Kronsteen« ist männlich
  • »Kronsteen« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 4 317

Registrierungsdatum: 17. Mai 2013

  • Nachricht senden

13

Dienstag, 9. Juli 2013, 14:29

@ thomas004

Bin schon gespannt, wie Deine nächste Bestenliste ausschaut. :dance:

(gut, wir hatten vorher Sekt, Wodka und Bier konsumiert ...)


Das erklärt einiges :D Und ist vielleicht Voraussetzung, um den Film gut zu finden. Sonst: Zeitgeit hin oder her, Parodie ja oder nein.....nicht witzig, lahme, wirre Story, größtenteils langweilig. Die Verfolgung mit dem Mond Buggy, die "Hatz" durch Vegas, das Finale, alles so bemüht komisch, aber doch so unlustig, null Tempo und ohne Spannungsmoment und heute eher zum Fremdschämen. :thumbdown:


Erstaunlich, wie weit man hier auseinanderliegen kann.
Ich finde DAF zwar nicht witzig im klassischen Sinne, aber locker und skurril unterhaltend. Eine nicht uninteressante Story, die zwar an manchen Punkten den Bogen überspannt (Blofeld in Frauenklamotten,...), aber dennoch eine schlüssige Agentenstory darstelt. Die Verfolgung mit dem Mond Buggy und die "Hatz" durch Vegas finde ich klass! Das Finale ist zwar etwas mau, aber der Film an sich ist einfach gute Kost für mich. Leider scheint DAF im Unterschied zu anderen Bonds den Zeitgeist heute für viele nicht mehr zugänglich zu machen. Ich atme beim Schauen von DAF den Übergang der 60er zu den 70ern förmlich ein. ;)
"Wer ist schon Bond im Vergleich zu Kronsteen?!"

MilesM

MI6 Staff

Beiträge: 158

Registrierungsdatum: 25. Juni 2013

  • Nachricht senden

14

Dienstag, 9. Juli 2013, 15:32


locker und skurril unterhaltend.
"Skurril unterhaltend" - fabelhafte und treffende Beschreibung. Wobei es letztlich nicht soo verwunderlich ist, dass DAF (vielleicht zusammen mit TMWTGG) die weiteste Streuung hat, da mMn diese beiden Filme eben nicht das Zeitlos-klassische haben, sondern eben sehr im Zeitgeist gefangen sind. Und diesen mag man entweder, oder eben nicht. Ich persönlich mag es, wenn Filme ihre Zeit förmlich atmen und habe auch nichts gegen Schlaghosen oder zu kurze, rosafarbene Krawatten.
You know what's great about you English? Octopussy. Man I must have seen that movie... twice.

Felix Leitner

Witwe Bolte

  • »Felix Leitner« ist männlich

Beiträge: 262

Registrierungsdatum: 26. Mai 2013

  • Nachricht senden

15

Dienstag, 9. Juli 2013, 15:56

Ich atme beim Schauen von DAF den Übergang der 60er zu den 70ern förmlich ein. ;)


Geht mir ebenso. Anfang der 70er war das Naiv-Bunte der 60er passé. Ein Film wie YOLT scheint zu diesem Zeitpunkt von Vorgestern zu sein, die Leinwand wird dominiert von schmutzigen, "realistischen" Bildern und einer Menge Zynismus. Nackte Haut und spritzendes Blut suggerieren erwachsenes Kino.

Schwule und (angedeutet) lesbische Killerpärchen, Flintenweiber wie Tiffanny Case und dralle Vegas-Bräute wie Plenty O'Toole, Blofeld in Frauenkleidern, Bond auf dem Klo, Ami-Gossensprache. Nichts scheint mehr so wie es im halbwegs sauberen Mainstreamkino der 60er noch war. Der subversive Zeitgeist ist beim Blockbuster angekommen, aus dem Eleganten wird das Vulgäre und Bond, ganz wie sein Darsteller, amüsiert sich darüber und weint der vergangenen Ära keine Träne nach. DAF wirkt fast so, als hätte Robert Crumb einen Bond-Film geschrieben. Dass bei soviel schrillem Panoptikum die Handlung nur noch Nebensache ist, versteht sich von selber.

Wer zu dieser speziellen Stimmung aber keinen Bezug hat, "versteht" DAF auch nicht. Vielleicht genauso wenig wie Hunter S. Thompson oder Robert Crumb.
"I don't like your manner." "I'm not selling it."

Luca

Donald 'Red' Grant

  • »Luca« ist männlich

Beiträge: 23

Registrierungsdatum: 3. Juni 2013

  • Nachricht senden

16

Dienstag, 9. Juli 2013, 20:14

Zitat

P.S. Ich schau mir die Bondfilme meistens abwechselnd in Deutsch und
Englisch an, aber DAF empfehle ich eindeutig im OT anzuschauen, weil die
deutsche Synchro manchmal mit seinen Albernheiten über das Ziel
hinausschiesst.
Auch wenn es eigentlich kein vernünftiges Kriterium "gegen" den Film ist, aber diese deutsche Synchronisation ist eins meiner Hauptprobleme, die ich mit DAF habe.
Kalauersynchronisationen Marke Rainer Brandt finde ich meistens schwer erträglich, auch wenn es deutlich schlimmere Beispiele für diese Art der Synchronisation gibt als DAF.
Leider ist es eben aber diese deutsche Fassung, die sich über Jahre hinweg durch TV-Ausstrahlungen und auf VHS bei mir zwangsläufig eingeprägt hat. Der Film wird bei mir immer im hinteren Drittel der Rangliste rangieren, auch wenn er in Englisch durchaus gewinnt.
Die Synchro von DAF ist auch mMn total daneben, ist aber, wie schon erwähnt, typisch für diese Zeit der Synchros; hat nicht das gleiche Schicksal auch die erste Staffel von Star Trek erfahren? (da kenn ich mich nicht so gut mit aus) Selbst Jahre später wurde das ja noch gerne praktiziert, die Neuauflage von Das A-Team bei RTL ist da ein gutes Beispiel. Bei Die 2 war es ja noch extrem gut gemacht, den Leuten ist die Sendung dadurch aufgefallen und wurde von vielen gerade wegen der Synchro bzw. den Sprüchen lieb gewonnen, aber das gleiche in einer bereits bestehenden, bekannten und extrem erfolgreichen Film Reihe zu machen, und dann auch noch so schlecht, ist fast unverschämt. :P Bei LALD zwei Jahre später hingegen hat man ja nur vereinzelt eigens ausgedachten Klamauk mit reingebracht, der aber schon ganz gut gemacht und vor allem auch witzig war, wenn ich da an "Morgenstund ist aller Laster Anfang" oder "Wo mach lacht, da lass dich ruhig nieder, böse Menschen lachen immer wieder" denke.
Bei DAF nerven die Sprüche aber meistens; "Na sieh einer an, man lebt also doch zwei mal" oder der sächselnde Dr. Metz sind nur zwei Beispiele dieser unsäglichen Umsetzung, was hat man sich da nur gedacht? Die Synchro rückt in den Film in meiner Auffassung in ein noch schlechteres Licht.
James Bond playing at Casino Royale - He won a lot of money and a gal at Casino Royale! Oh, he's not really such a wonderful spy - But winning lots of money and a gal, he's a fabulous guy!

Dabei seit dem 04.05.2009 (y)

Don-Corleone

009 - Killed in East Berlin - Dressed as a clown with a fake Faberge egg in my hand

  • »Don-Corleone« ist männlich

Beiträge: 964

Registrierungsdatum: 26. Mai 2013

  • Nachricht senden

17

Mittwoch, 10. Juli 2013, 22:18

Naja egal ob Sekt, Bier oder Wodka :D der Film ist für mich immer wieder ein großer Spaß. Wie schon von Kronsteen und Felix Leitner richtig angemerkt, zeichnet diesen Film vor allem das Flair Anfang der 70er Jahre aus, Connerys zynische selbstgefällige Darstellung und natürlich Las Vegas, für mich perfekt und stimmig eingefangen. Ja auch ich finde es bei Bondfilmen besonders gut, wenn der Film die Epoche wiederspiegelt in der spielt, angefangen vom Look, Humor und Design bis hin zu den modischen Verirrungen dieser Zeit.

Toll war es diesen Film auf großer Leinwand sehen zu können, die von Thomas004 erwähnte sehr scharfe und detaillierte Bildqualität war schon beeindruckend. Was die Synchro betrifft, ja auch das ist 70er Jahre like und an manchen Stellen zu viel des Guten (oder besser gesagt des Blödsinns). Der Film wirkt im OT in einigen Szenen wesentlich ernster als in der deutschen Version (z.B. das Treffen mit Thumper und Bambi).
Schönes Gewehr, passt eigentlich mehr zu einer Frau. - Verstehen Sie etwas von Waffen Mr.Bond ? - Nein, aber etwas von Frauen.

Scarpine

Verschlagener Korse

  • »Scarpine« ist männlich

Beiträge: 542

Registrierungsdatum: 25. Mai 2013

  • Nachricht senden

18

Samstag, 27. Juli 2013, 10:31

James Bond Rewatched

# 07: Diamantenfieber (1971)

OT: Diamonds Are Forever; GB 1971; 120 Min.; R: Guy Hamilton; D: Sean Connery, Jill St. John, Charles Gray, Lana Wood, Jimmy Dean, Bruce Glover, Putter Smith, Bernard Lee, Lois Maxwell, Desmond Llewelyn.

Nach dem – aus der damaligen Sicht der Produzenten und Kritiker – (finanziell) fehlgeschlagenen Experiment "On Her Majesty’s Secret Service" und dem direkten Ausscheiden des Neulings George Lazenby, versuchten die Macher krampfhaft zu alten Erfolgmustern zurückzukehren. Dieses Erfolgsmuster hieß "Goldfinger". Also mussten Guy Hamilton, Ken Adam und vor allen Dingen Sean Connery wieder mit von der Partie sein. Mit einem einmaligen Angebot köderten United Artists und EON den Schotten noch einmal die Hauptrolle zu übernehmen. Finanziell sollte sich dieses Kalkül auszahlen. "Diamonds Are Forever" geriet zum erfolgreichen Kassenschlager, aber aus heutiger Sicht kann man das Werk – trotz allen Wohlwollens – wohl kaum als ein Musterbeispiel für Qualität innerhalb der EON-Serie ansehen. In Punkto Selbstreferenzialität, Zeitgeist-Assimilierung und tagesaktueller Kolportagestimmung nimmt "Diamonds Are Forever" aber eine Ausnahmestellung innerhalb des Franchises ein.

Abermals erleben wir keine durchgängig überzeugende Besetzung. Sean Connery kann zwar wieder mit deutlich erhöhter Spielfreude und mehr Ironie punkten, aber sein zunehmendes Alter und seine offensichtliche Unfitness machen sich nach 5 Jahre Pause schon stärker bemerkbar. In dem Charaktermimen Charles Gray als drittem Leinwand-Blofeld sollte er eigentlich einen würdigen Antagonisten finden, aber weit gefehlt. Grays Darstellung hätte zu einem echten Triumph werden können, hätte das Drehbuch seinen Part nur ernsthafter angelegt. Tiffany Case hat mit ihrem Romanvorbild kaum mehr etwas gemein und wird von Jill St.John nur unzureichend Profil gegeben, während Lana Wood als wunderbar naiv-erotisches Eye-Candy – auch dank dramatischem Ende – weit mehr überzeugen kann. Die Helfer in Gestalt von Norman Burton und Jimmy Dean präsentieren sich leider nur in ihrer Unterdurschnittlichkeit. Die Mi6-Stammmanschaft kann hingegen wieder mit pointierten Auftritten punkten und Bruce Glover und Putter Smith liefern als Killerduo Mr. Wint & Mr. Kidd ein echtes Kabinettsstückchen ab.

Die Rückkehr von Erfolgsregisseur Guy Hamilton gibt leider keineswegs zu Jubelstürmen Anlass. Seine Inszenierung ist lahm, in den filmischen Mitteln weitgehend einfallslos und in manchem Momenten geradezu schlampig. Es gereicht ihm letztlich zum Vorteil, dass die Pulphaftigkeit des Plots, die vielen skurrilen Einfälle und sarkastischen Momente, die zu einem gewissen Teil auf sein Konto gehen dürften, die mäßige Regieleistung über weite Strecken vergessen lassen. Als kleines inszenatorisches Highlight darf immerhin die nächtliche Ersteigung des Whyte-Domizils mit der anschließenden, atmosphärischen Konfrontation mit Blofeld gelten. Das Skript von Richard Maibaum und Tom Mankiewicz darf man guten Gewissens als die bisher schwächste Drehvorlage bezeichnen. Mag man noch vertreten können, dass der Romanplot erheblich aufgepeppt wurde, so rätselt man voller Unverständnis, wie man die spannenden Spectreville-Geschehnisse und die packende Zugjagd der Vorlage im Mittelteil des Films durch eine mäßige Autoverfolgungsjagd und eine banale Fabrikflucht ersetzen konnte. Neben Logiklöchern, einer unzureichenden Verwendung des Diamantenthemas als Projektionsfläche (im Vergleich zu "Goldfinger"), enttäuscht vor allem das Bohrinselfinale. Hier tragen aber die Produzenten eine erhebliche Mitschuld. Ihr Drängen, den Film – nach dem enttäuschenden Ergebnis des Vorgängers – um jeden Preis unter 120 Minuten zu halten, erweist in qualitativer Hinsicht als Bumerang. Es wurden Zusammenhänge verkompliziert, die mit den geschnittenen Szenen leicht verständlich gewesen wären. Zudem hätte die im Drehbuch eigentlich angedachte Nachklappkonfrontation Bonds mit Blofeld, die nie gedreht wurde (aber das Kapitel Blofeld würdig abgeschlossen hätte), den Film in der Endabrechnung sichtlich aufgewertet.

Abermals erfreuen John Barrys gelungene Kompositionen das Ohr des Zuschauers. Dieser Soundtrack gehört abermals zu seinen gelungensten Arbeiten. Bei diesem, ihrem zweiten Titelsong trumpft Shirley Bassey wiederum mit souveräner, gesanglicher Klasse auf und kann sogar beinahe an ihren Kultohrwurm aus dem Jahre 1964 heranreichen. In Maurice Binders Titeldesign verbinden sich Frauen und Diamanten zu einer schönen optischen Fabel, die sich unter die Riege der besseren Schöpfungen des Designers einreihen kann. Die Dekors von Ken Adam erreichen zwar nicht die monumentale Größe seiner Kreationen für die Gilbert-Bondstreifen, präsentieren sich aber in subtil-kreativer Verspieltheit. Sah man jemals ein edleres Schlafzimmer als in Bonds Las Vegas-Suite oder eine schönere, nach modernen Formen konstruierte Kommandozentrale als die von Blofeld im Whyte-House? Auch im "Kleinen" kann Adam Großes schaffen. Die Locations sind mit London, Amsterdam, Las Vegas und der Bohrinsel vortrefflich ausgewählt. Kein anderer Bondstreifen mit dem Schauplatz USA konnte das Amerika-Feeling so konsequent beschwören wie dieser. Hinter der Kamera finden wir Routinier Ted Moore wieder. Seine Cinematographie fängt die schillernde Glitzerwelt von Las Vegas in den frühen Siebzigern in kräftigen, bunten Farbtönen ein. Ein echter Genuss für das Auge. In dynamischer Hinsicht kommt die Kameraführung aber nicht an Michael Reeds Virtuosität heran, was aber in Hamiltons müder Regie mitbegründet sein mag. Kleine Highlights kann man lediglich mit der Vortitelsequenz, dem Aufzugskampf und dem letzten Einsatz des Killerpärchens benennen.

Gesamtwirkung: Pulp, Slapstick und Selbstreferenzialität sind die Schlagworte, die uns in Guy Hamiltons zweiter, schundig-schöner Regiearbeit, entgegengeworfen werden. Von der Vorlage bleiben nur Bruchstücke, von Hamiltons einstiger inszenatorischer Größe ebenso. Die gelungene Kameraarbeit, der eingängige Score und das vortreffliche Production Design, werden leider durch eine hausbackene Regie, ein unter seinen Möglichkeiten bleibendes Ensemble und ein höchst mittelprächtiges Drehbuch nicht im gebotenen Maße unterstützt. Ohne Frage ein großer, amüsanter Unterhaltungsfilm, aber ein qualitativ-überzeugender Bondstreifen sieht freilich anders aus.

Meine Wertung: 2,5 von 5 Punkten
"Enjoying our little party, Monsieur... Saint John Smythe?"

Mister Bond

Felix Leiter

Beiträge: 1 415

Registrierungsdatum: 26. Mai 2013

  • Nachricht senden

19

Samstag, 27. Juli 2013, 12:40

Wieder schön zu lesen. ICh stelle fest, dass wir bei allen bisherigen 7 Bondfilmen auch mit der Wertung konform gehen. Ok, ich gebe DAF vielleicht 3 von 5.
Auch die Schwächen und Stärken von DAF sehe ich exakt wie du :prost:
Besonders hervorzuheben bei Stärken:
Kampf mit Franks, Mr. Wint und MR. Kidd, Connerys ironisches Spiel, Sets und Score.

Schwächen:
Lahmes Bohrinsel Finale, das langweiligste Bondfinale überhaupt.
Blofeld wirkt leider nicht bedrohlich genug.
Lahmes Drehbuch.

Allerdings genieße ich die US-Schauplätze in LALD wesentlich mehr. In DAF überzeugt nur Las Vegas.

Ps.: ich mag auch Bonds Kraxelei am Whyte Tower und das Treffen mit Blofeld. Für mich, mit dem Kampf gegen Franks, das Beste am Film.

Spree

Bondforumswissenschaftlicher Forscher & Mitglied der QOS-Splittergruppe

  • »Spree« ist männlich

Beiträge: 1 008

Registrierungsdatum: 25. Mai 2013

  • Nachricht senden

20

Samstag, 27. Juli 2013, 12:45

Auch von mir mal wieder herzlichen Dank für all deine Reviews, denen auch ich mich bisher - abgesehen von kleineren Abweichungen in der Bewertung der Schwere der Schwächen - in großen Teilen anschließen kann.
Chapeau! :thx:
I never left!