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Kronsteen

James Bond Club Deutschland - SPECTRE Nr. 005

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Beiträge: 4 317

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1

Samstag, 25. Mai 2013, 21:43

DER FILM: Dr. No

In diesem Thread bitte alles rund um den ersten Bondfilm schreiben.

[img]http://www.hinundweg.de/spezial/sites/hinundweg.de/files/Drehort_Jamaika.jpg[/img]

Hier der Thread zum Film im razyboard.

Und hier die letzten 5 Beiträge dort:

Zitat von »Scarpine«

James Bond Rewatched


# 01: James Bond jagt Dr. No (1962)



OT: Dr. No; GB 1962; 110 Min.; R: Terence Young; D:
Sean Connery, Ursula Andress, Joseph Wiseman, Jack Lord, Anthony Dawson,
John Kitzmiller, Zena Marshall, Eunice Gayson, Bernard Lee, Lois
Maxwell, Peter Burton.




Schon der erste Bondfilm schafft es mit einer ausgewogenen und
überzeugenden Darstellerriege aufzuwarten. Die Besetzung der Hauptrolle
mit dem damals noch unbekannten Schotten Sean Connery kann man mit einem
Blick zurück nach 51 Jahren nur als Glücksgriff betrachten. Eine
Weltkarriere sollte folgen. Sowohl für 007 als auch für seine ersten
Kinointerpreten Connery. Er zeichnet schon zu Beginn einen eiskalten
Profi, der Feinden mit entschlossener Härte und Frauen mit dominanter
Männlichkeit gegenübertritt. Die Schweizerin Ursula Andress gilt vielen
als das kultigste Bondgirl. Das kann man nicht bestreiten, doch die
schauspielerische Leistung der Andress ist da schon eher kritisierbar
und bestenfalls mit dem Prädikat "durschnittlich" zu versehen.
Fairerweise gilt es aber auch zu erwähnen, dass die Figur der Honeychile
Rider auch nur wenig Interpretationsraum bietet und schon in der
Vorlage mehr durch Naivität und Körperlichkeit, als durch interessante
Charaktereigenschaften besticht. Joseph Wiseman dagegen ist ein würdiger
Antagonist für Sean Connery. Ihm gelingt es der Rolle des titelgebenden
Dr. No mit sparsamen Mitteln Profil zu verleihen. Die elegante
Geschmeidigkeit, die eiskalte Freundlichkeit und die unerschütterliche
Fassade von Nos "Porzellangesicht" vermag der Kanadier auf geschickte
Weise zu präsentieren. Als 007s Vorgesetzter "M" kann der
Charakterdarsteller Bernard Lee glänzen, der bereits bei seinem ersten
Serienauftritt die Rolle des Agentenchefs eindrucksvoll ausfüllt und mit
unerbittlicher Autorität glänzt. Er sollte alsbald zu Prototyp aller
Vorgesetzten im Bereich des Agenten- und später Actionthrillers werden.
In der Rolle der gutseligen Sekretärin erleben wir die bezaubernde Lois
Maxwell, die diese Rolle insgesamt 23 Jahre bekleiden sollte. Jack Lord
und John Kitzmiller sind gute Helfer, aber aus heutiger Sicht machen die
Darstellungen des Sunnyboy-Ermittlers und des abergläubischen Fischers
doch einen recht antiquierten Eindruck. Unter den vielen Handlangern
des chinesischen Doktors sticht der mit allen Wassern gewaschene
Professor Dent hervor, der von Anthony Dawson als aalglatter Widerling
mit Saubermann-Image dargestellt wird. In den restlichen Nebenrollen
dürfen auch zwei (für 1962) vielschichtigere Frauenfiguren auftreten. So
hinterlässt Zena Marshall als hinterhältige Miss Taro ebenso Eindruck,
wie die selbstbewusste Spielerin Sylvia Trench, die von Eunice Gayson
souverän verkörpert wird.



Das Drehbuch von Richard Maibaum, Johanna Harwood und Berkely Mather
hält sich recht eng an den Roman Ian Flemings und erlaubt sich
eigentlich nur gelegentlich leichte Veränderungen und Kürzungen, die dem
Film aber meist zu gute kommen. So hat man bereits im ersten Film
geistesgegenwärtig Dr. Nos SMERSH-Verbindung zu einer
SPECTRE-Mitgliedschaft umgewandelt. Auch die Kürzungen rund um die
Querelen mit dem Gouverneur von Jamaika und Bonds qualvolle Prüfungen in
Nos Gefangenschaft machen Sinn. Der Kampf mit einer Riesenkrake hätte
mit den filmischen Mitteln der Zeit wohl nur sehr unbefriedigend
umgesetzt werden können und hätte zudem wohl ziemlich trashig gewirkt.
Das hätte dem damaligen Zuschauer wohl ein wenig zu viel Phantastisches
geboten. Auch die Raketensabotierungspläne sind eine gelungene Erfindung
der Skriptautoren, muten Nos Aktivitäten im Roman doch recht
beschaulich an. Auch das Ende des Doktors hat man gut ersetzt, wobei ich
Nos Dahinscheiden in der Vorlage als durch aus interessant erachte.
Rundherum kann man mit der Adaption vollauf zufrieden sein. Dem Briten
Terence Young wurde die Ehre zuteil den ersten Bondfilm zu inszenieren
und er leistete gleich beim ersten Mal Maßarbeit. Zum einen schliff
Young den Rohdiamanten Connery zum Juwel, indem er ihn auf die Rolle
vorbreitete, zum anderen setzte er für die filmische Umsetzung des
sechsten Bondromans auf exotische Schauplätze, stilsichere Dekors und
eine ikonisch konzipierte Hauptfigur. Wenn man bedenkt, dass der
Streifen in der Endabrechnung nur rund 1 Million Dollar kostete, muss
man dem Spielleiter angesichts des Ergebnisses echten Respekt zollen.
Der Film sieht deutlich teurer aus. Young kompensierte die
phantastischen Elemente der Story geschickt mit der eiskalten Härte und
Präzision des Agentenhandwerks, die bei Strangways`s Ermordung und Dents
letztem Einsatz besonders stark aufflammt, und schafft somit eine
ausgewogene Mischung zwischen einer verträumten Karibikatmosphäre und
Agentenabläufen, die sich durch die Machenschaften des mysteriösen, im
Hintergrund agierenden Inselbewohners auf harmonische Weise miteinander
verbinden. Der Regisseur inszeniert temporeich und besitzt ein gutes
Gefühl für Spannungsmomente. Einzig die Verfolgungsjagd im Gebirge macht
handwerklich keinen so einwandfreien Eindruck. Doch das kann man
vernachlässigen. Terence Young definiert mit diesem und seinem nächsten
Film den frühen Stil der Serie.



Zu den Elementen, die dem ersten James Bond-Abenteuer fehlen, gehört ein
eigener Titelsong, der auch schmerzlich vermisst wird, weil der Score
von Monty Norman zwar in Ordnung geht, aber aufgrund seiner
Durschnittlichkeit und seiner leicht klischeehaften Tracks doch eher am
hinteren Ende rangiert. Revolutionär und prägend wurde hingegen das
James Bond-Theme, dass dem Komponisten zwar zur Ehre gereicht, aber aus
heutiger Sicht als alleinige akustische Attraktion etwas dünn wirkt. In
den Bereichen Titeldesign und Production Design treten uns dagegen
sofort die großen Heroen des Franchise entgegen: Maurice Binder und Ken
Adam. Binder serviert dem Zuschauer gleich zu Beginn eine souveräne
Sequenz, die zwar nicht zu seinen besten zählt, aber sicherlich ein paar
schwache Achtziger-Vorspanne hinter sich lässt und dem zeitgenössischen
Zuschauer gewiss ein Augenschmaus war. Der große Ken Adam startet
ebenfalls sofort durch und trägt ein entscheidenden Teil dazu bei, dass
der Reißer im Jahre 1962 sein Publikum beeindrucken konnte. Mögen das
Casino, der Tarantelraum, Dr. Nos Gästesuiten, dessen prunkvoller
Speiseraum unterhalb des Meeresspiegels und der Reaktorraum noch nicht
Adams ganzes Genie offen legen, so beweisen sie doch die hohe kreative
Qualität des Designers und die nachhaltige Bedeutung der oftmals
visionären (Innen-)Architektur, die zu einem unverwechselbaren
(Erfolgs-)Signum der ersten 11 Bondfilme werden sollte. Seit Sir Ken
Adams Abschied von der Serie 1979 hat das Production Design zwar immer
noch ein hohe, aber keineswegs mehr so entscheidende Bedeutung für die
Reihe.



Die Schauplätze hinterlassen ein deutlichen Eindruck, sind jedoch am
Anfang der Serie noch in wesentlich limitierterer Zahl als in späteren
Jahren vertreten. Neben den obligatorischen Londonszenen bezieht "Dr. No"
seine Atmosphäre alleine von Jamaika und seinem Karibikflair. Und das
ist auch vollkommen passend, denn mit keinem anderen Handlungsort kann
man besser eine unlokalisierbare Gefahr und unter der Oberfläche
schwellende Gewalt konterkarieren als mit einer exotisch-sonnigen
Location, die für quasi jeden Betrachter die Vorlage für eine
idealisierte Paradiesvorstellung bildet. Die Cinematograhie Ted Moores
bietet dem Betrachter viel fürs Auge. Die Dekors und Schauplätze
präsentieren sich in bunten und kräftigen Farben. Virtuose Höhepunkte
der Kameraarbeit schließen unter anderem den nächtlichen
Tarantelangriff, Bonds Konfrontation mit Dent, die
Maschinengewehr-Attacke am Strand, Bonds erstes Zusammentreffen mit Dr.
No, sowie das Finale im Reaktorraum mit ein. Insgesamt trägt die
Cinematograhie zum Gelingen des Streifens bei.



Gesamtwirkung: Ein rundum gelungenes Seriendebüt, dem es sowohl
gelingt der ikonischen Romanvorlage gerecht zu werden, als auch dem
damaligen Kinozuschauer einen eigenwilligen und völlig neuen
Filmcocktail zu servieren. Mögen manche später etablierten Trademarks
und Ingredienzien noch fehlen und zudem gewisse Elemente noch etwas
unsicher umgesetzt sein, so debütiert der Agent mit der Serienummer 007
doch mit einem spannenden, furiosen und phantastischen Erstlingseinsatz.




Meine Wertung: 4 von 5 Punkten


Zitat von »Spree«

Ich hab's noch nicht gelesen, aber es ist so schön, dich wieder hier zu
haben, Scarpine. Ich freu mich jetzt schon auf die Lektüre dener
Beiträge!

Ich könnte diese Dinge nie so geordnet zu Papier bringen.[img]http://home.arcor.de/guru007/Nagoldforum/smilies/confused.gif[/img]



PS: Wie immer gut analysiert, auch wenn ich manche Sachen weniger
euphorisch empfinde und DN bei mir immer einen der hinteren Plätze
einnehmen wird.

Das Lesen macht dennoch immer wieder Spaß und ich bin schon auf weitere Beiträge gespannt!


Zitat von »MisterBond«

Schöner Beitrag, auch die Parallelen zum Roman.

Ich hoffe jedoch, dass dies dann kein Kriterium für den Gütesiegel des
Films wird. Die Filme wichen später ja noch stärker von den Romanen ab.

Und "Hello again", Scarpine [img]http://home.arcor.de/guru007/Nagoldforum/smilies/wink.gif[/img]


Zitat von »Scarpine«

@ Spree & MisterBond



Danke für das Lob.



Die Romannähe spielt sicherlich in der Bondreihe eine untergeordnetere
Rolle als bei anderen Literaturadaptionen, eben weil die filmischen
Qualitäten von 007 teils ganz andere sind als die seines literarischen
Ursprungs. Keine Frage. Aber ich finde Änderungen müssen auch berechtigt
sein, denn wenn diese eine Verschlechterung gegenüber dem Original
darstellen, muss man das dann schon kritisieren. Ich denke, dass dieser
Aspekt insbesondere bei den drei Siebziger-Bondstreifen, die Guy
Hamilton inszenierte, nochmal expliziter zur Sprache kommen wird.


Zitat von »Kronsteen«

Schön zu lesen, tolle Rezension, Scarpine! [img]http://imageshack.us/a/img716/1755/prostu.gif[/img]



Wäre mal interessant, wie DN unabhängig vom Franchise wirken würde.

Zumindest bei mir hat er einen gewissen Bonus des Erstlings, in dem
schon so viele später als klassisch geltende Elemente wie
selbstverständlich auftauchen.
"Wer ist schon Bond im Vergleich zu Kronsteen?!"

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Kronsteen« (2. Juni 2013, 10:37)


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Samstag, 1. Juni 2013, 15:42

Gestern Dr. No im O-Ton angeschaut.

Positives:
+ Die Sets und Drehorte haben einen tollen Touch, der Film ist sehr atmosphärisch. Das fehlt mir etwas bei allen Bonds nach 1987.
+ Der Villain: vor allem im Vergleich zu den Auftritten der Villains in allen anderen Bonds, gefällt es mir, dass Dr. No erst so spät auftritt. Gibt es allerdings einen bestimmten Grund warum er Bond die Bettdecke kurz wegzieht? Oder soll das nur Spannung und Interesse beim Zuschauer wecken?
+ Das ganze Set in Dr. No's Esszimmer
+ Die typischen Bond-Momente. Natürlich die Casino-Szene am Anfang und auch ganz stark der Spruch "You've had your six".
o Der Soundtrack auf der CD ist leicht schräg, aber die Musik im Film (tlw. nicht auf der Soundtrack CD enthalten) ist gar nicht mal so schlecht.
o Jamaika hat bzgl. exotischer Schauplätze zwar den Anfang in der Franchise gemacht, allerdings handelt der Film eigentlich nur dort (ausgenommen die Szenen in London).
- Die Szene mit dem Panzer. Aberglauben mag ja in den 60er weiter verbreitet gewesen sein, aber die Szenen sind heute betrachtet schon etwas albern.
- Das Vorhaben von Dr. No , das Stören der Raketenstarts der USA, wirkt auf mich nicht sonderlich bedrohend. Die Einzelszenen um Dent, Strangways und Taro finde ich allerdings sehr gelungen.


Mit Dr. No ist die Franchise zwar noch am Anfang, aber dennoch ist das Gesamtpaket aus Schauspielern, Drehbuch und Sets stimmig.

"Gert Fröbe war der beste Gegenspieler, den ich je hatte." - Sean Connery

Martin

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Samstag, 1. Juni 2013, 17:16

Gibt es allerdings einen bestimmten Grund warum er Bond die Bettdecke kurz wegzieht? Oder soll das nur Spannung und Interesse beim Zuschauer wecken?


Ich denke, man hat die Szene einfach aus dem Roman übernommen. Da checkt Dr. No Bonds körperliche Fitness für den geplanten Todes-Parkour am Ende. Im Film hat man aus dem Parkour aber nur eine mäßig gefährliche Flucht durch halbherzig gesicherte Lüftungsschächte gemacht (was ich auch nie ganz nachvollziehen konnte), deshalb wirkt die Szene mit der Bettdecke etwas unmotiviert.

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Samstag, 1. Juni 2013, 18:56

Gibt es allerdings einen bestimmten Grund warum er Bond die Bettdecke kurz wegzieht? Oder soll das nur Spannung und Interesse beim Zuschauer wecken?


Ich denke, man hat die Szene einfach aus dem Roman übernommen. Da checkt Dr. No Bonds körperliche Fitness für den geplanten Todes-Parkour am Ende. Im Film hat man aus dem Parkour aber nur eine mäßig gefährliche Flucht durch halbherzig gesicherte Lüftungsschächte gemacht (was ich auch nie ganz nachvollziehen konnte), deshalb wirkt die Szene mit der Bettdecke etwas unmotiviert.
Ah ich verstehe.
Vielen Dank für den Hinweis zum Roman.

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Kronsteen

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Sonntag, 4. August 2013, 09:53

Wie im Bondfilm-Thread angedeutet, hab ich mir gestern mal wieder DN angeschaut. Und da mir der Film diesmal wirklich ausgezeichnet gefallen hat, möchte ich eine kleine Rezension dazu schreiben. Förderlich war sicher, dass ich gestern einen Urlaub für Jamaika gebucht habe, weshalb ich besonders auf die Locations geachtet habe (der Urlaub war überhaupt erst der Anlass, gestern DN anzuschauen).

Aber nun zum Film:

DN ist ein sehr authentischer Film, geradezu bodenständig und detailverliebt. Wo es noch kein Over-the-Top gibt, muss eben noch das Detail entscheiden. So finde ich die 1. Stunde des Films unheimlich schlüssich und gradlinig erzählt. V.a. dann wenn Bond kreativ sein muss (wie er seinen Schrank mir einem Haar markiert, um zu sehen, ob jemand die Türe geöffnet hat, oder den Koffer mit Puder bepustet, um zu sehen, ob sich jemand daran versucht hat), finde ich grandios. Es bedarf keiner großen Tricks, um eine spannende Geschichte aufzubauen.
Der Film ist logisch aufgebaut und hat ein ausgezeichnetes Tempo. Mich stört dabei auch nicht, dass sich DN bis auf die grandiose Anfangssequenz in London (ich liebe die Casino-Szene - vielleicht zusammen mit TB die beste aller Bondfilme) ausschließlich an einem Ort abspielt. Das hat mich z.B. auch bei YOLT nie gestört. Wenn man nur tief genug in die Locations eindringt und das Land authentisch darstellt, dann stört mich das überhaupt nicht.

Etwas schwächer wird der Film dann, wenn es nach Crab Key rübergeht. Und gestern fiel mir richtig auf, was für mich der Hauptgrund dafür ist: Der Drache. Er spielt zwar nur eine zweitrangige Rolle, aber diese Idee um den Drachen finde ich dermaßen unrealistisch und unötig, dass es mich diesmal richtig gestört hat. Leider ist auch Honey Rider zwar nett anzuschauen, aber in ihrer Rolle doch extrem beschränkt. Ich finde es z.B. völlig unglaubwürdig, dass sowohl Honey als auch Quarrel noch von einem Drachen reden, wenn diese billig aussehende Maschine nur 50 Meter entfernt ist. Und dass Dr. No als neuer Eigentümer Crab Keys unter den "Eingeborenen" einen Aberglauben streuen kann, erscheint mit auch wiet hergeholt. Aberglaube entwickelt sich im Laufe von Generationen und wird nicht spontan verbreitet.

Alles in allem aber ein guter Auftakt der Reihe, dem man an der einen oder anderen Stelle die noch etwas biligere Produktion anmerkt, der aber andere Vorzüge hat. Für ich ist DN in dieser Form ein Kandidat im gesicherten Mittelfeld der Bestenliste.

Pluspunkte:
  • Location Jamaika
  • Ausgezeichnetes Erzähltempo (wie hier schon mal dargestellt, ist die Handlung sehr stringent)
  • Logik der Handlung (jeder Schritt ist nachvollziehbar)
  • Bonds Einführung im Casino hätte klassischer nicht sein können (1. Szene: "Bond. James Bond")
  • Jack Lord als Felix Leiter
  • Anthony Dawson als Prof. Dent
  • Spannungsaufbau bis zur ersten Begegnung mit Dr. No (man will unbedingt wissen, wer diese Person ist: Man weiß von ihm, dass seine Mitarbeiter sich umbringen oder den Arm brechen lassen, nur um nichts zu sagen, man lernt seine Stimme kennen, man sieht seine Umrisse und seine Arme - aber erst zum Schluss No als Ganzes)
  • Sets von Ken Adam (speziell der "Tarantal-Raum")


Minuspunkte:
  • Drachen-Geschichte
  • Allzu naive Darstellung Honeys (auch wenn sie süß ist)
  • Bedrohungsszenario wirkt im Vergleich zu späteren Filmen gering
  • Teilweise wirkt der Film etwas in die Jahre gekommen (im Gegensatz zu seinen direkten Nachfolgern aus den 60ern)
"Wer ist schon Bond im Vergleich zu Kronsteen?!"

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Sonntag, 4. August 2013, 10:32

:prost:

Wie so oft bin ich mal wieder ganz deiner Meinung.

"Gert Fröbe war der beste Gegenspieler, den ich je hatte." - Sean Connery

Don-Corleone

009 - Killed in East Berlin - Dressed as a clown with a fake Faberge egg in my hand

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Sonntag, 4. August 2013, 13:32

Sehr schöne Rezession, die ich 1:1 unterschreiben würde :thumbup:

Auch ich finde die erste Hälfte von Dr.No, sehr gut. Die Einführung von Connery ist legendär (besser geht's nicht). Atmosphärisch ist der Film sehr stark, er baut gezielt eine fast schon "mystische" Spannung kontinuierlich auf. Die 2 Hälfte kann das zwar nicht ganz halten, hier muss ich Kronsteen recht geben, die Thematik mit dem Drachen passt nicht so ganz und auch solche Szenen wie der etwas naive Umgang mit Radioaktivität wirken doch etwas antiquiert. Höhepunkt der 2ten Hälfte ist für mich das gemeinsame Dinner von Dr.NO und Bond. Die Dialoge zwischen den beiden sind sehr gelungen, wir erfahren zum ersten mal etwas über Spectre (die deutsche Übersetzung ist da natürlich verwirrend) und das Setdesign von Ken Adam ist wie immer fantastisch.

Für mich ist Dr.No ein guter "Abenteuerfilm" der in meinen Augen zwar auch ein bisschen schlechter gealtert ist als die anderen 60er Jahre Bonds, im Gesamtergebnis aber ein würdiger und gelungener Auftakt der besten Franchise aller Zeiten ist.

Dieser Film zeigt schon sehr viele Elemente die später sinnbildlich für den Erfolg der Reihe sind , der Film ist "bondtypischer" (auch wenn eine solche Kategorisierung natürlich sehr subjektiv ist) als der in meinen Augen qualitativ bessere Nachfolger. Charismatischer Villain mit körperlicher Behinderung, Exotische Schauplätze, tolles fantasivolles Setdesgin ( man kann Ken Adam nicht oft genug würdigen), sehr gut aussehendes Bondgirl, eine Casinoszene usw..
Schönes Gewehr, passt eigentlich mehr zu einer Frau. - Verstehen Sie etwas von Waffen Mr.Bond ? - Nein, aber etwas von Frauen.

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Don-Corleone« (4. August 2013, 13:34)


Feirefiz

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Sonntag, 4. August 2013, 23:20

Pluspunkte:
  • Location Jamaika
  • Ausgezeichnetes Erzähltempo (wie hier schon mal dargestellt, ist die Handlung sehr stringent)
  • Logik der Handlung (jeder Schritt ist nachvollziehbar)
  • Bonds Einführung im Casino hätte klassischer nicht sein können (1. Szene: "Bond. James Bond")
  • Jack Lord als Felix Leiter
  • Anthony Dawson als Prof. Dent
  • Spannungsaufbau bis zur ersten Begegnung mit Dr. No (man will unbedingt wissen, wer diese Person ist: Man weiß von ihm, dass seine Mitarbeiter sich umbringen oder den Arm brechen lassen, nur um nichts zu sagen, man lernt seine Stimme kennen, man sieht seine Umrisse und seine Arme - aber erst zum Schluss No als Ganzes)
  • Sets von Ken Adam (speziell der "Tarantal-Raum")


Minuspunkte:
  • Drachen-Geschichte
  • Allzu naive Darstellung Honeys (auch wenn sie süß ist)
  • Bedrohungsszenario wirkt im Vergleich zu späteren Filmen gering
  • Teilweise wirkt der Film etwas in die Jahre gekommen (im Gegensatz zu seinen direkten Nachfolgern aus den 60ern)


Auch ich kann hier nur beipflichten, lediglich einen Pluspunkt habe ich zu ergänzen, nein zwei:

Obwohl sich der Score natürlich noch nicht mit den darauffolgenden Großtaten gerade John Barrys messen kann, leistet das Bond-Theme hier schon geradezu mythenbildende Arbeit.

Vor allem aber möchte ich die hervoragende schauspielerische Leistung Joseph Wisemans unterstreichen. Vielleicht keiner seiner Nachfolger hat so wenig Screentime wie er, und aus seinen wenigen Szenen holt er das Maximum heraus. Sicher ist die Wirkung seines ersten Auftritts auch der Inszenierung geschuldet, der langen Herauszögerung seines Erscheinens, obwohl er die Titelfigur ist und die ganze Zeit nur über ihn geredet wird - selbst ein mittelmäßiger Schauspieler hätte bei dieser Vorarbeit einen wirkungsvollen Auftritt hingelegt, aber bei Wisemans bewusst zurückgenommener, stoischer Darstellung stimmt - bei aller Anknüpfung der Figur an alte Pulp-Klischees vom verkrüppelten mad scientist bis zum asiatischen Superschurken - jede Geste, jede Intonation, und so wurde er zur Blaupause des Bond-Villains, wie Gert Fröbe dessen Zenit bleiben wird.
We are not now that strength which in old days
Moved earth and heaven, that which we are, we are —
One equal temper of heroic hearts,
Made weak by time and fate, but strong in will
To strive, to seek, to find, and not to yield.

AnatolGogol

Supernase

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9

Freitag, 27. Dezember 2013, 09:38

Ich bin überrascht, dass DN bei vielen von euch im Vergleich zu den folgenden Connery-Filmen recht schlecht wegkommt – ist er für mich doch nicht nur einer der prägenden Filme der Serie sondern in seiner straffen Inszenierung und liebevollen Umsetzung auch im oberen Drittel meiner Bondfilmrangliste angesiedelt. Gerade auch was die Besetzung der Schlüsselrollen Bond-Schurke-Bondgirl anbelangt ist DN für mich bei den Allerbesten dabei. Connery prägt die Rolle bereits in seinem Erstling dermaßen durch seine Ausstrahlung und sein Charisma, wie es gerade für einen relativen Neuling schon außergewöhnlich wenn nicht sogar einmalig ist. Seine natürliche, harte und maskuline Ausstrahlung kombiniert mit dem Charme und der Eleganz, die Young der Rolle und Connery verordnet hatte prägte die Figur in einer Weise, die ihn für viele auch heute zu „dem Bond“ schlechthin machen. Das einzige Manko, dass seine Darstellung gegenüber den in meinen Augen noch etwas besseren Leistungen in FRWL und GF hat ist die Tatsache, dass Connerys Bond in DN noch nicht den Witz späterer Filme hat. Das kann man natürlich aber auch genauso gut als Vorteil ansehen, da Bond gerade dadurch wesentlich härter und zynischer rüberkommt (so gesehen kann man eigentlich auch nur zu dem Schluß kommen, dass die Besetzung von Kindler auf Connery innerhalb der deutschen Synchro letztlich doch die bessere Variante gegenüber GGH war, da dadurch das humorlosere und zynische Auftreten Connerys auch in der deutschen Version sehr gut transportiert wurde).

Als fast genauso großer Glücksgriff kann die Besetzung von Ursula Andress als Honey Rider angesehen werden. Sie verkörpert im wahrsten Sinne des Wortes das wilde Naturkind Honey und versprüht eine Erotik, wie es keiner ihrer Nachfolgerinnen auch nur ansatzweise gelang (umso bemerkenswerter dass dies in einem Film des Jahres 1962 geschah!). Die Chemie zwischen Andress und Connery ist famos, das Knistern in der ersten Szene am Strand mit dem launig vor sich hin singenden Connery ist nahezu spürbar! Dass die Figur der Honey eigentlich kaum mehr als eine oberflächliche Männerphantasie ist tut der Wirkung und der Bedeutung von Andress für den Film keinerlei Abbruch, im Gegenteil reduziert gerade diese Klischeehaftigkeit die Figur auf ihre eigentlichen Stärken ohne irgendwelchen pseudoanspruchsvollen Schnickschnack. Auch Joseph Wiseman kann in der Rolle des titelgebenden Doktor No überzeugen. Dies ist alles andere als selbstverständlich, da seine Figur ja über ¾ des Films als gesichtslose Gefahr perfekt aufgebaut wurde und diese innerhalb der Fantasie des Zuschauers aufgebaute „Überfigur“ leicht durch die Enthüllung des wahren Dr No hätte zerstört werden können (Pleasences Blofeld in YOLT ist hier für mich das Paradebeispiel). Aber Wiseman gelingt es praktisch durch eine einzige Szene, nämlich der Dinnerszene, seiner Figur gleichermaßen Charisma und Gefährlichkeit zu verleihen ohne die zuvor aufgebaute gesichtlose Figur zu beschädigen. Auch das chinesische Makeup und die Metallhände tragen zur Stilisierung des Dr No als fast schon übermenschliches Wesen bei.
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Kronsteen« (27. Dezember 2013, 10:03) aus folgendem Grund: Dieser Beitrag wurde vom Thread "Die Bestenliste" hier her kopiert.


  • »Mr. Fogg« ist männlich

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10

Freitag, 27. Dezember 2013, 10:49

@AnatolGogol: Ganz famos! Du hast eine Menge von mir sehr eingängigen Punkten ins Wort gebracht, die auch in meiner Bestenliste DN sehr weit oben ansiedeln. Platz 6!
God save the Queen!

Mister Bond

Felix Leiter

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Samstag, 28. Dezember 2013, 16:24

Ursula Andress Auftritt in DN wird leider seit Lebzeiten hochstlisiert.
Welche Erotik? Die der naiven Muscheltaucherin? Sie sieht schon gut aus, aber Erotik versprühen eine Domino oder Fiona oder auch die burschikose Pussy.
Ganz zu Schweigen, dass eine Daniela Bianchi oder eine Claudine Auger einen viel besseren Körperbau haben.
Und ein Knistern zwischen ihr und Bond vernehme ich nie, auch wenn Sie sich für Bond einsetzt und andersrum. Weshalb? Weil Sie eben zu naiv wirkt um überhaupt sexuelles Interesse an ihm zu zeigen, vielleicht auch wegen ihrer schlechten Erfahrung zuvor.
Joseph Wiseman als Dr. No ist recht gut, aber er verblasst gegen Fröbe, Celi oder Savalas.
Action? Eigentlich, wenn man ehrlich ist, auf Jerry-Cotton-Niveau. Damit möchte ich aber nicht die beliebte Cotton-Reihe schlecht machen.
Score? Bis auf den Bond-Theme nicht erwähnenswert. Passt nicht zu Bond, sondern zu einem 50er Jahre US-Detektivfilm.
Sets? Die sind wirklich gut, gab es aber schon noch besser.
Einzig und Allein Connery prägt den Film mit seiner Aura und eventuell Jack Lord als bester Felix Leiter.
Ach, was aber dafür sorgt, weshalb DN bei mir hinten liegt: Der Film ist im Großen und Ganzen langweilig und für mich ist der qualitative Unterschied zum Nachfolger groß.

Martin

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Samstag, 28. Dezember 2013, 22:51

Ich denk mal, das Hochstilisieren ging vor allem von der Generation aus, die DN in relativ jungen Jahren im Kino sah und Andress' Bikini-Auftritt als aufregend und sensationell empfand. Aus heutiger Sicht ist das nicht mehr so ganz nachvollziehen. Ich habe den Hype um Andress als das einzig wahre Ur-Bondgirl auch nie verstehen können. Wobei ich sagen muss, dass so etwas Naives grundsätzlich schon auch etwas Erotisches haben kann. Hat es nur leider in dem Fall für mich nicht. Da fand ich die Vorstellung der Honey im Roman tatsächlich ansprechender.

Mister Bond

Felix Leiter

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Sonntag, 29. Dezember 2013, 13:54

Eben, genau das denke ich auch. 1962 war es ein Wow-Effekt als Sie aus dem Meer kam, aber ich finde den Sexappeal einiger Kolleginnen später größer.
Trotzdem war die Ursel natürlich eine schöne Schauspielerin, wobei Sie aber auf mich in Filmen wie "Die tollen Abenteuer des Monsieur L." (mit Belmondo), "Was gibt's neues, Pussy?" oder "Casino Royale" (1967) eine erotischere Ausstrahlung verübte als in DN.
Honey bleibt natürlich noch in meine Top 7 Bondgirl-Liste, aber eben kein Podiumsplatz mehr.

Und um nicht alles auf Honey zu wälzen, DN wirkt halt als einziger Bondfilm altbacken.
Die Begeisterung einiger Feuilleton-Kritiker kann ich auch nur damit erklären, dass dies der Startschuss zur erfolgreichen Franchise war.

Django

Der Andere

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Sonntag, 29. Dezember 2013, 20:49

Was Ursula Andress betrifft, so konnte ich diesen Hype um ihren Auftritt in DN auch nie wirklich nachvollziehen. Sie ist okay und passt zum Film (arbeitete für eine niedrige Gage), aber mehr ist da nicht. Und das sage ich als Schweizer.

Zu DN: Der Film ist natürlich wichtig, da es ohne ihn die Bondfilmreihe wohl nie gegeben hätte. Dennoch weist er für mich erhebliche Defizite aus, die ihn für mich weit ins untere Mittelfeld befördern: Etwa der Fruchtbaum-Score, die fehlende PTS (ja!) oder die grauslich gemachte "Autoverfolgung" (und da gibt es echt Leute, die sich an den Disco Volante-Effects in TB stören...). DN wirkt insgesamt in vielen Punkten einfach noch sehr unbeholfen. Da hatten andere - spätere - Filmreihen einen wesentlich besseren, routinierten Start (man denke nur an Indiana Jones) und es grenzt eigentlich schon beinahe an ein Wunderr, dass es 1. nach DN weitere Bondfilme gegeben und dass diese 2. nicht auf B-Movie-Niveau blieben. Von daher ist der Qualitätssprung zu FRWL wirklich gigantisch, denn dieser Film besass bereits sämtliche Merkmale, die einen guten und typischen Bond-Film ausmachen.

Zugute halten muss man DN aber der zwar leicht trashige und gegen das Ende stark abbauende, aber durchaus gelungene Plot und dessen Adaption, die schönen Schauplätze und ein insgesamt ziemlich gelungener Cast.

AnatolGogol

Supernase

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15

Sonntag, 29. Dezember 2013, 21:37

Ich kann eure genannten Kritikpunkte gut nachvollziehen und sehe einige davon ebenfalls durchaus kritisch, wenn gleich bei weitem nicht so sehr wie ihr. Dass der Film verglichen mit anderen Produktionen der frühen 60er so schlecht gealtert ist finde ich jetzt nicht, dass die Produktionswerte nicht mit den Folgeproduktionen mithalten können ist aufgrund des begrenzten Budgets ja auch kein Wunder (der Vergleich mit Indy 1 hinkt gerade deshalb ja auch recht stark). Tatsächlich ist die rührend-unechte Rückprojektion während der Autoverfolgung für mich ein weit geringerer technischer Faux-Pas als der peinliche Upspeed der Disco Volante in der ungleich teureren und prestigeträchtigeren TB-Produktion (von den ebenfalls schreiend unechten Rückprojektionen 20 Jahre später wie auch von den katastrophalen CGI-Krabbelversuchen in DAD ganz zu schweigen), dieser tötet für mich die Stimmung der Szene nämlich völlig und was noch schlimmer ist gibt sie der unfreiwilligen Lächerlichkeit preis.

Aber zurück zu DN: was ich an dem Film so schätze ist u.a. gerade sein nostalgischer Spät-50er Jahre-Flair, der für mich an den literarischen Werken Flemings dadurch so nahe ist wie kaum ein anderer Film. Auch dass man eben aus den begrenzten Mitteln absolut beachtliches geleistet hat, vor allem der Einsatz der Location Jamaica erzeugt für mich eine Exotik und Abenteuerstimmung wie kein anderer Bondfilm. Klar, es gibt viele mondäne Locations, aber die Mischung aus Exotik und Wildnis hat man so später nicht mehr (man denke an die Dschungelszene in OP, die mehr was von einer abgefilmten Pauschalreise hat als von rauer Wildnis). Ebenso ist gerade angesichts des geringen Budgets die Arbeit von Ken Adam umso erstaunlicher. Sets wie der Raum, in dem Dent die Spinne bekommt, Nos Wohnzimmer oder der Reaktorraum sind einfach fabelhaft in ihrer Gestaltung und in ihrer abstrakten Konzeption nahezu zeitlos. Dann wäre da noch Youngs Inszenierung zu erwähnen, die straff und absolut auf den Punkt gerichtet ist wie ebenfalls für mich keine andere innerhalb der Reihe. Zusammen mit Hunts rauem, dynamischen Schnitt trägt dies in erheblichem Maße zum harten, zynischen Touch des Filmes bei. Und natürlich die bereits erwähnte Chemie zwischen Connery und Andress. Die beiden verstanden sich bekanntlich beim Dreh ja von der ersten Minute an prächtig und blieben seitdem über die ganzen Jahrzehnte freundschaftlich verbunden (herrlich, wenn die Andress bei Interviews in ihrem breiten schwiizerdütsch von „Schoooon“ spricht) und diese Chemie kommt im Film einfach spürbar rüber. Connery hatte eigentlich immer eine gute Chemie mit seinen Leading Ladys, aber in DN ist das für mich schon einzigartig.

Ich kann gut verstehen, dass einem DN aufgrund der geringeren Produktionswerte und dem noch rauen und in einigen Dingen noch nicht völlig entwickelten Stil der späteren Serie etwas als Aussenseiter vorkommt, aber ich finde seine von vielen Fans geschätzte Qualität nur auf den Premierennimbus zu reduzieren wird dem Film nicht gerecht.
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Kronsteen

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16

Sonntag, 29. Dezember 2013, 21:52

Ich möchte nun auch mal eine zumindest kleine Lanze für DN brechen (und das jetzt nicht deshalb, weil ich durch den Besuch der Locations auf Jamaica angefixt wurde ;) ).
Die 1. Stunde des Films ist eine der besten des Franchise. Die Handlung ist gradlinig, stringent und erzählt eine einwandfreie Agentengeschichte (ich liebe die Szenen, wie Bond sein Zimmer "präpariert", um nachher überprüfen zu können, ob jemand drin war). Zudem noch im von Anatol schon angesprochenen Flair des Jahrzehntwechsels 50er/60er. Die Exotik bricht für mich überall durch und selbst der "Fruchtbaum-Score" (danke, Django :D ) passt ins Bild.
Ohne große Gadgets und ohne Brimborium wird kühl und nüchtern ermittelt. Und die fabulöse Inszenierung des Verbrechers No, den man sehr lange nicht sieht, sondern nur die Geschichten über ihn hört, mochte ich als Kind schon (die Spannung, wer dieser Kerl ist, steigert sich ins Unermessliche).
Leider hält die 2. Hälfte inkl. der (leider nur) sehr ansehnlichen Ursula Andress dieses Niveau nicht. V.a. die Drachen-Geschichte macht mir da einen Strich durch die Rechnung. Ebenso dass die Bedrohung durch das Toppling nie wirklich greifbar wird.
Aber alleine schon die Sets Adams sind dermaßen phantastisch, dass ich DN immer irgendwie bewundern werde - auch wenn er (und da gebe ich vielen anderen Vorrednern recht) wie kein anderer Bondfilm in die Jahre gekommen ist. Aber das mag auch am naürlich damals noch sehr begrenzten Budget liegen.
"Wer ist schon Bond im Vergleich zu Kronsteen?!"

AnatolGogol

Supernase

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Sonntag, 29. Dezember 2013, 22:32

@Kronsteen: die von dir angesprochene Zweiteilung des Films empfinde ich ebenso. DN ist im Kern betrachtet ja eine Kombination aus zwei verschiedenen Genres: zum einen ist er der harte, spannungsreiche und straffe Agentenreisser. Gleichzeitig entpuppt er sich aber auch noch als fantasiereicher und exotischer Abenteuerfilm. Die erste Filmhälfte inklusive Bonds Ermittlungen auf Jamaica repräsentieren dabei ganz klar den Agentenreisser während nahezu alle Szenen beginnend ab Crab Key dann den Abenteurfilm widerspiegeln. Natürlich ist die Trennung nie so ganz klar und beide Elemente greifen immer mal wieder ineinander, aber dennoch fällt der Abenteuer und Fantasy-Faktor (Drachen-Story, Doktor Nos Laboratorium und die ganze Toppling- und Weltraum-Thematik) ab Crab Key besonders auf. Mit diesem Mix wurde gleichzeitig auch die Erfolgsformel für alle folgenden Filme festgelegt, da es letztlich immer diese beiden Elemente sein sollten, die in unterschiedlichen Mischverhältnissen die Basis der Filme bilden sollten.

Die Drachengeschichte passt thematisch in die zweite Fimhälfte gut rein, erscheint in unserer modernen und weitgehend aufgeklärten Welt aber schon als Anachronismus. Aber da muss man den Film halt auch als Zeitdokument verstehen – Aberglaube war in den 60er Jahren ohne Zweifel auf den damals noch recht „weit-ab-vom-Schuss“ liegenden karibischen Inseln ein weit größeres Thema, gerade unter der Einheimischen Bevölkerung. Nicht umsonst stammen Religionen wie Voodoo, Santeria oder Obeah aus diesem Teil der Welt. Da ist es dann auch nicht mehr so weit hergeholt, dass man eine Legende sowie einen umfunktionierten Traktor zur Abschreckung der einheimischen Bevölkerung benutzt.

Einen deutlichen Qualitätverlust in der zweiten Filmhälfte empfinde ich nur bedingt. Zwar nimmt spätestens ab der Gefangennahme von Bond und Holly auf Crab Key das Tempo schon etwas ab, aber dafür gibt es auch in der zweiten Hälfte diverse denkwürdige Szenen wie das Dinner mit Dr. No, Bonds Flucht durch das Tunnelsystem oder der finale Kampf mit Dr. No auf der sich senkenden Plattform. Auch die Explosion am Ende empfinde ich aufgrund der grandiosen Location der Bauxit-Mine immer wesentlich aufregender als zB ähnlich gelagerte Explosionen in anderen Bondfinals.
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Maibaum

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Sonntag, 29. Dezember 2013, 23:28

Hmm, DN sieht jetzt aber auch nicht altmodischer aus als FRWL, und ist insgesamt betrachtet sogar viel typischer als dieser. Auch GF sieht für mich ähnlich altmodisch aus. Das liegt vor allem daran daß der Übergang in die Moderne was Moden und auch den Stil der Filme betrifft sich erst so richtig ab Mitte der 60ger entwickelt hat.
Gefühlt hat es auch damit zu tun daß Bond hier noch oft Hut trägt. Und vielleicht auch ein wenig daß im 1,66:1 Format gedreht wurde. Erst TB war der erste Scope Film.

Die Auswahl des Romans (der Erstling CR und TB standen ja nicht zur Verfügung) war perfekt um den Grundstein für die Reihe zu legen. Und tatsächlich sind die meisten Elemente der Bond Formel, mal abgesehen von dem Fehlen der später bestimmenden ganz großen Actionszenen, schon in sehr ausgeprägter Weise vorhanden.

Das Budget war jetzt aber nicht wirklich klein für einen europäischen Film. Zumal die Crew hier mit Sicherheit deutlich weniger bekam als bei den Folgefilmen. Es war keine Premium Produktion, aber auch weit von einem B-Picture entfernt.

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Montag, 30. Dezember 2013, 06:23

(...) Gefühlt hat es auch damit zu tun daß Bond hier noch oft Hut trägt. (...)
Wobei dieser Punkt mich in soweit überrascht, dass ich seit einigen Jahren wieder sehr viele, besonders junge Männer mit Hüten sehe. Eine begrüßenswerte Entwicklung, wie ich finde, bietet sie doch die Chance, dass auch Bond sich evtl. in den nächsten Filmen das hübsche, alte Ritual wieder zu eigen macht, den Hut auf den Garderobenständer zu werfen. Das letzte Mal tat er es, glaube ich, vor nunmehr 32 Jahren in FYEO (oder danach nochmal?). Diese Gewohnheit symbolisierte auf originelle Weise die Verspieltheit, mit der Bond den etwas tristen Büro-Alltag bewältigte. Sein Gegengewicht zur immer etwas steifen Atmosphäre beim Rapport in Ms Büro!
God save the Queen!

Maibaum

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Montag, 30. Dezember 2013, 10:31

(...) Gefühlt hat es auch damit zu tun daß Bond hier noch oft Hut trägt. (...)
Wobei dieser Punkt mich in soweit überrascht, dass ich seit einigen Jahren wieder sehr viele, besonders junge Männer mit Hüten sehe.


Ich habe das kürzlich schon mal gelesen, habe aber selber noch keinen gesehen. Nun, es gibt oder gab in diesem Millennium auch wieder Mädchen die ein Kopftuch trugen, bei denen das sehr hip aussah weil es ein Kontrast zu ihrer sonstigen Kleidung war, aber ein wirklicher Trend ist das jetzt nicht geworden.

Ich mag keine Hüte. Höchstens Hütten.