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DanielCraig

Felix Leiter

Beiträge: 1 541

Registrierungsdatum: 25. Mai 2013

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61

Sonntag, 13. Mai 2018, 12:01


Ok - der Film wäre dann 10 Minuten kürzer... :)

Exakt. Und außerdem wären dann 90 % aller Actionfilme wesentlich kürzer :D

...und DAS wollen wir doch nicht. :D

Daniel Dalton

Felix Leiter

  • »Daniel Dalton« ist männlich

Beiträge: 1 722

Registrierungsdatum: 18. Februar 2014

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62

Samstag, 6. April 2019, 21:44

Leben und ableben
lassen“, wie Danny Wilde sagen würde, trat im Jahre 1973 erstmals
in Erscheinung und stellt den achten offiziellen Bondfilm dar,
viereinhalb Sterne werden diesem hiermit zuteil, der MGM-Löwe
erwacht, ein musikalisch glanzvoll und ungewöhnlich untermalter
gunbarrel („it's all about the music“, sagte Bondkritiker Calvin
Dyson schon sehr passend und gleichermaßen überzeugt spricht diese
Meinung auch aus mir hervor) brächte sodann bereits Schwung in des
Soundes Seele, vorgestellt wird sogleich ein aus damaliger Sicht
neuer Bonddarsteller, bedauerlicherweise mitnichten Die-2-gleich von
Lothar Blumhagen synchronisiert werdend, dafür aber im Originaltone
des Gehört-Werdens wahrlich wert, nämlich Roger Moore, dessen
erstes 007-Abenteuer im Raume NYC's begänne, umfasst von geradezu
gigantomanisch gewaltigen Hochhäusern, durchwandernd die Wegpfade
einer legendären Stadt, in welcher sich der eine oder andere
unsanfte Widersacher mit einem dicklich bullig blubbernden
US-70er-Straßenkreuzer und Bewaffnung auf uns zuschleicht, ...der
selbst aus gegenwärtiger Sicht trotz der Einflüsse des
Blaxploitation-Genres überraschend entpolitisierte bzw. für ein
entspanntes Sehgefühl immerhin zur Genüge unpolitisch seiende Film
er weiß es zu vermögen, zu gefallen und zu erblühen, gelobt gar,
einen hohen und gewissen Wiedererkennungswert an den Tag zu legen,
sowohl klanglich wie inhaltlich spiegelt sich diese Stärke merklich
wider.



Einige nicht völlig
unwesentliche Details zeichnen für selbigen Wiedererkennungswert
mitverantwortlich, als da wäre u.a. der meines Erachtens gar
bestgelungene Stunt ALLER Bondfilme, die hüpffreudige Sprungschau
auf den Rückenwelten der Krokodile nämlich (gleichwohl diese etwas
unsanften Erscheinungsbildes uns zu erschrecken imstande seienden
Gestalten mir ob der Erschütterung auf ihren Rückenknochen sogar
etwas leidtaten, die 80-Kilo-Menschenmasse potenziert sich im
Augenblicke des Auftretens auf ein Mehrfaches hiervon, wie auch
immer, jedenfalls hätten sie Bond Unschöneres antun können als er
ihnen), pointiert wird ebendiese geniale Idee aus manuellen und
CGI-losen Stuntzeiten abermals mithilfe eines den Erfolg des
Entkommen-Seins unterstreichenden Untermalungszaubers musikalischer
Art, doch auch schon zu Beginn geizt das Werk keineswegs bezüglich
bemerkenswerter Schauwerte, zumal der belustigende Beerdigungshumor
(„Wessen Begräbnis ist das?“ - „Deins!“) harmoniert der
gemütlichen Kontraste wegen geradezu symbiosenhaft mit dem groovigen
70er Jahre Style der hohen Audio-Qualitäten des Films, gleich auch
schon in der ersten Sequenz (noch vor dem Erklingen des Titelliedes)
bereisen wir bereits mehrere (!) sagenhafte Schauplätze, die
Örtlichkeit des Schlangenkults etwa (ein etwas albern anmutendes
Spielzeugtier hielt für diese erste Szene dieser Art her, unbequemer
wurde der Dreh des Films erst in späteren Passagen), aber auch das
private Domizil Bonds (für gewöhnlich in den Filmen gar nicht erst
auftauchend) darf alsbald erkundet werden, auch unter der Anwesenheit
der ersten Carla Wilks („Ist ein Name wie Krause“, drei Damen
gaben sich diesbezüglich die Ehre in „Die Jagd nach der Formel“,
Die 2, „...würde bitte die echte Carla Wilks Platz nehmen?“,
….und mit dem Herrn, welchen Lord Brett Sinclair als die Nummer 3
beschrieb, wären es gar vier an der Zahl, verzeihen Sie mir die
kleinen Insider, ich bin sicher Sie erteilen Absolution, ich
verspreche auch feierlich, in Bälde auf Bond zurückzukommen,
wahrhaftig.


Schon diese anfängliche
Sequenz im Hause mutet recht dynamisch an, Helga Trümper (bisweilen
auch angesetzt auf Laura Gemser) als hiesige Miss Moneypenny (Lois
Maxwell) verabschiedet sich von Bond in betont exotischer Sprache in
leicht flirtfreudig angehauchtem Tone, Sätze wie „Die Technik
macht's möglich“ prägen anschließend zwischenmenschliche
„Erfindungen“ mit Carla und die ersten Minuten wirken im
Gesamtkelche an und für sich auch geglückt, doch gleichwohl ließe
sich aus meiner Sicht nicht völlig leugnen, dass Rogers Auftritt
(mehr noch dann im Folgewerke aus dem Jahre 1974) etwas hölzern
erscheint, weshalb der Slogan „Alles Roger“ wohl erst auf seine
dritte Darbietung vollends zuträfe (den Film „Der Spion, der mich
liebte“, der aber ansonsten nicht ganz an Rogers Erstlinge
heranreicht, ebenso wenig an die späteren Darbietungen Octopussy und
insbesondere for your eyes only), ferner wirkt er des jünglich
kurzen Neuschnitts der Haare wohl wegen trotz des hohen
Einstiegsalters auch fast etwas zu jung für die Rolle (das genaue
Gegenteil wiederum darf mit Fug und Recht hinsichtlich „Im
Angesicht des Todes“ behauptet werden), immerhin aber gälte es
hinsichtlich live and let die zu sagen, dass sich der etwas steife
Brite darauf besann, sich nicht ausschließlich auf Eleganz und
Wortironie zu verlassen, sondern durchaus bestrebt gewesen ist (auch
nicht ohne Erfolg), sich auch auf physischer Ebene binnen kürzester
Zeit auf die doch recht schlagkräftig veranlagte Rolle gebührend
vorzubereiten, nicht nur seine Person wird dabei nicht zum einzigen
Male ihrer Filmrolle nachkommen, denn auch David H. (Kamerad Felix
Leiter) erwiese sich als eine Person, welche eines Tages (allerdings
außerhalb der Ära Moore) erneut für den Part besetzt wird, siehe
„Licence to Kill“, 1989, der Vice-Bond mit Biss und
Persönlichkeit.


Im Gegensatze zu den
gegenwärtigen Werken der Reihe, welche obendrein auch nur noch
bedingt von den eigentlichen Fleming-Arbeiten leben (obzwar Daniel
gewisse Fleming'sche Qualitäten nicht gänzlich erfolglos
wiederbelebte), profitierten die damaligen Filme der Bondserie noch
von recht kreativen Namensgebungen der einzelnen Charaktere, so
erlebet das zuschauende Wesen etwa eine hinreißend atemberaubende
Miss Solitaire, die sich passend zur Bezeichnung solidarisch verhält
und auch dem gleichnamigen Spider-Spiel meiner Frau Großmutter
mütterlicherseits nicht abgeneigt zu sein scheint, darüber hinaus
begegnen wir einem „Whisper“, welcher seine Stunden
whispernderweise im leisen Flüstern verbringt, erstgenannte Jane
Seymour ist dabei geprägt von einer erdentrückten, sphärischen, ja
gar fast göttlichen Schönheit sowie von einem über alles Irdische
hinausgehenden Maße an Zartheit wie selten gesehen (zuvor wie auch
im Anschlusse: fast nie), ihre berufliche Tätigkeit im Filme wird
im Zuge dessen bestimmt von weiblicher Intuition, Bauchgefühl,
sanftmütiger Stille, Kartenmacht und hellsichtiger
Betrachtungskunst, sie bildet zweifelsohne einen personifizierten
Kontrast zu der ansonsten eher gröblich und fast giftig
eingefangenen, atmosphärisch kraftvollen Voodoo-Kultur, deretwegen
der Film wiederkehrend an Dynamik gewänne, nicht alle Pointen zwar
genössen dabei die Fähigkeit, auch nachhaltig oder gar nur
momentweise zu zünden (außer „der Höhepunkt unseres Rundgangs,
vermute ich“, diese Stelle ist seit jeher von einer
Situationskomik, die ihresgleichen sucht und einen jeden Humoristen
schwärzlicher Todesgags vollends schmunzeln ließe), doch im
wesentlichen Kerne der Dinge gelänge fürwahr das, was man als das
Kreieren von lebhaften, inspirierten Dialogen bezeichnen könnte,
auch diese Tugend entglitt dem jüngsten Film der Reihe.


Brillant besetzt worden
ist u.a. auch Horst Sachtleben (Columbo u.a.), seine Stimmdarbietung
als obskurer Taxifahrer, humoristisch eingebettet in einen makabren
Kontext („...heute ist Ihr Glückstag: Sie dürfen ohne Fallschirm
springen!“), trüge maßgeblich zur lächelnden Aura des Werkes
bei, während sechs Meter lange Mini-Immobilien (achtzylindrige
Fahrzeuge) gleitend durch die United States cruisen und ein Hauch von
Jazz-Musik ertönt, deren klangliche Richtung zwar mitnichten meinen
geschmäcklerischen Bereich träfe, sehr wohl jedoch zum
Gesamtcharakter des Films passen will und diesen auch mitschüfe,
Zeilen im Stile von „Namen sind was für Grabsteine, Baby“
bewirken ein Übriges, eine weitere massive Stärke des Films ist
auch die in der hiesigen Sprachfassung zu wortgewordener Entfaltung
findende Dagmar Heller („Frühlingserzählung“, Frankreich,
1989/90, Dagmar ruhe in Frieden) auf den Lippen Jane Seymours (als
besagte Solitaire), ihr Stimmorgan beflügelt mittels zartfühlender
Klangfarbe, brillant auch vier Jahre darauf auf Barbara Bach, weniger
vielversprechend hingegen 1974 im Agentinnenmunde einer guten Nacht
(für die Insider), spürbar ist in jedwedem Falle die damalige Liebe
zum Detail, die Filme sind je nach Sichtweise Kunstfilm und absurder
Spaß zugleich, vor allen Dingen erhöben sie auch oftmals die
Gegenseite zur Sympathieträgerin, zumal es gilt: „Wo man lacht, da
lass' dich ruhig nieder, böse Menschen lachen immer wieder“, wie
Bond so richtig bemerkte.


Schafft den Weißen
raus und macht ihn fertig!“, mit unschön gearteten Äußerungen
dieser Art wird Bond gewissermaßen zu kämpfen haben und
konfrontiert werden, allzu leicht macht es ihm Kananga keinesfalls,
doch selbstredend befinden sich auch Verbündete auf Bonds Seite, ein
Ebensolcher wird übrigens von Klaus Kindler (Sean Connery in Doctor
No) synchronisiert – und was in DN auf stimmlichen Ebenen noch
nicht vollumfänglich hat funktionieren können bzw. für die Rolle
noch zu jünglich klang, trug in den 70er Jahren wiederum bereits die
Früchte tieferen Klangsoundes und wäre unter späteren
Connery-Werken womöglich sogar häufiger als begrüßenswert zu
erachten gewesen, doch nur noch in „Im Sumpf des Verbrechens“ hat
es diese historisch jahrgangsgleiche Kombination Connery/Klaus geben
sollen, in jedwedem Falle klänge er ab Alter 40 (ungefähr) deutlich
bondiger als zu seiner Bondzeit 1962/63, wie dem auch sei, live and
let die lebet von einer geheimnisumwobenen Aura einiger
erinnerungswürdiger Szenen da so exotisch als stürbe eine Göttin
höchstpersönlich doch die Seel' sie bliebe erhalten, der nette und
liebliche (bisweilen sogar nahezu „spannende“, gleichwohl dann
aber auch wieder genau das nicht) Film strahlt etwas aus, Bond
allerdings (obschon er auch verhaltenstechnisch erträglicher ist als
kurz darauf im 74er) verlöre stellenweise ein paar Sympathiepunkte
(was andererseits begrüßenswert anmutet, beschrieb Ian Fleming
seinen Helden doch nie ausschließlich als Sympathieträger...), so
ist es vor allen Dingen der
„Vorher-hätt'-ich-dich-bestimmt-nicht-umgebracht“-Part, das
sexualdreiste Zitat sozusagen und eine Zeile von Frechheit, die sich
– sich suhlend im Humore hin oder her – „nicht gehört“, denn
zumindest (das maße ich mir einfach mal an, ich bin so frei) wenn
man den Anspruch erhöbe, dem weiblichen Geschlecht
sprachelegant-respektvoll und liebenswürdig zu begegnen, vielleicht
sogar fast mit einer gewissen Ehrfurcht und Bewunderung, so schlösse
man sich Bonds hiesigem Ansatze nicht an.


Er vernachlässigt hier
seine „Vorbildfunktion“ (nun gut, nicht dass er sie jemals
erfüllt hätte und das soll er in gewisser Weise auch gar nicht,
ganz im Gegenteil, auf jeden Fall aber kommt dem Film damit der
„Ich-will-wie-Bond-sein“-Aspekt abhanden, tatsächlich (ich kann
kaum fassen das zu sagen) wäre ich in DEM Augenblick fast lieber ich
selbst als er, das erinnert an eine Szene aus Rohmers „Der Freund
meiner Freundin“ (1987), in welcher thematisiert wird, dass
Perfektion nicht automatisch Perfektion ist („ich gebe zu, ich bin
lieber ich als er“), sondern sie je nach Auslegung auch annähernd
abstoßende Seiten ihr Eigen nennen kann (natürlich nicht muss),
außerdem wäre der Spruch in umgekehrter Weise umgedrehten Spießes
(also dem Manne gegenüber) ebenfalls nicht gerade der Erzeuger von
erotisierender Stimmung, „auch eine Frau“ (ob sie nun Rosie
Carver hieße, Solitaire oder weiß der Himmel wie) bedarf jawohl des
Rechtes auf ein „Ego“ oder dergleichen und ist hoffentlich nicht
darauf angewiesen, ihren Stolz derart angreifen zu lassen wie hier
nun es geschah, obzwar ich aber einräume, die Szene ernster zu
nehmen als es der Betrachtung eines Bondfilms guttäte, wie dem auch
sei: Rosie, ich wohne und stehe dir bei, schade nur dass du es der
alsbaldigen Vogelscheuche wegen nicht mehr persönlich erleben wirst
– das dürfte Insider Nummer 309 gewesen sein...


Doch sei dem wie dem
wolle, auch live and let die ist (wie jeder Bondfilm es als
Anti-Misserfolg für sich hat verbuchen können) definitiv
Weltkulturerbe, besagter Herr Kindler bildete dabei übrigens
erwähnenswerterweise keineswegs den einzigen Doctor-No-Bezug, de
facto begegnen wir (wenngleich in neu besetzter Form) Mister Quarrel,
zu diesem ist Bond durchaus herzlich, bedauerlicherweise aber lassen
seine negativeren Eigenschaften des Films mal wieder nicht sonderlich
lange auf sich warten, denn Solitaires (sie gehört übrigens zu den
wenigen Damen, welchen ich dergleichen tatsächlich „abkaufe“,
sie formt den vermeintlichen Humbug zu etwas sehr Anziehendem und
verschmilzt mit ihren Karten regelrecht) ureigene Kartenphilosophie
(an welche sie tatsächlich zu glauben scheint, wie Bond auch fast
etwas ironisch bemerkt, ohne sie dabei vollends ernstzunehmen) zum
eigenen Sexualzwecke zu „missbrauchen“, grenzt schon fast zu sehr
an Manipulation, als dass es mein Grinsen genösse, obgleich es
zumindest als „Notfallstrategie“ in einer anderen
(entsexualisierten) Hinsicht akzeptabel erschiene, nämlich insofern,
als er sie im Dienste einer funktionierenden Operation gegen Kananga
tatsächlich braucht, auf ihr Wissen angewiesen ist, also schleicht
er sich in ihre Vertrauenshöhle hinein und hoffet auf ihre
Kooperation, reizt es womöglich etwas zu sehr aus, doch für
damalige Verhältnisse „geht es vergleichsweise noch so gerade“.


Trotz des sich als
außerordentlich bedauerlich erweisenden Verzichts auf die
Zauberdienste eines Ken Adam (master of production design), ist der
Film gleichwohl ein Fundus für Freunde visueller Pracht bzw.
zumindest ansatzweise/halbwegs tolerabel in dieser Hinsicht, derweil
richtet sich unsere Konzentration aber leider Gottes weder auf
Hoffnung noch auf die Natur, geschweige denn auf die Kunst der
Kulissen, sondern auf ein Faktum, welches die Tatsache beinhaltet,
dass Kananga die „seinige“ Solitaire regelrecht beherrscht, drum
ihre Angst auch nach dem Verkehre mit dem Bonde zeichnet ihr Gesicht
(das Antlitz des Himmels) in Besorgnis, daher sprach sie: „...die
hohe Priesterin, ….das heilige Band … ist zerrissen“, in noch
fast jungfräulich anmutender Symbolik philosophiert sie gequält vor
sich hin, auch hier wirkt Bonds Visage im Ausdrucke zu ironisch,
obgleich ich mich nicht als Heiligen darzustellen gewillt bin und
durchaus zugebe, dass nur wenige Menschen nicht bestrebt gewesen
wären, Solitaires Karten zugunsten einer Verkehrsfindung neu zu
vermischen, auswärts warten auf uns indes wundersame Wasserfälle,
die Umgebung wird bewacht von einem skurrilen und ungemein
scherzfreudigen Baron Samedi mit „Zauberflöte“ im Munde („...ein
WUNDERVOLLER Tag“, hierzu würde auch Mister Wints „Die Kinder
werden BEGEISTERT sein“ passen, 1971), die alsbaldig beklemmender
zu werden gelobende Atmosphäre im Sumpfe weiß zu gefallen und ein
jedes krokodilartige Geschöpf stellt zum Zwecke einer nicht
sonderlich entspannten Reise durch Louisiana abermals den perfekten
Extremkontrast zur geradezu engelsgleich verträumten Schönheit
Solitaires dar (deren Schauspielerin Jane das Wort „Altern“
übrigens nie in ihrem Sprachschatze verankert hat, denn: in dem im
Jahre 2017 gedrehten Emma-Roberts-Film „Little Italy“ erstrahlt
sie „mit 66 Jahren“ im Glanze ausgedehnt worden seiender
Adoleszenz), doch die Kroko-Viecher bilden nicht die einzige
Kontrastfigur zur zartfühlenden Solitaire, auch Kanangas
eigentümlicher „Untertan mit der Kralle“ bliebe in Erinnerung
(„Bravo, Albert“, hier bin ich fast geneigt, Bond Zustimmung zu
schenken, doch andererseits macht es fast Spaß, zu sehen nämlich,
wie belustigend der Knabe sichtlich Vergnügen findet mit seinen
vierbeinigen Kameraden an seiner Seite).


Sein Vorgesetzter Kananga
macht mit Zeilen im Stile von „Ich habe dich gut behandelt“
(Solitaire gegenüber) unangenehm auf sich aufmerksam, seine
Vorstellung von guter Behandlung ließe nach meinem Dafürhalten VIEL
ZU WÜNSCHEN übrig, doch das weiß niemand besser als sie selbst,
sie allein erduldete Qualen en masse, Fluchtfahrten finden daher
teilweise auch MIT Solitaire statt, zu Lande aber, denn zu Wasser
sodann begäbe sich Bond eher allein ins Boot, die Witzblattfigur
Sheriff Pepper wird sich dabei meiner persönlichen Ansicht nach zu
urteilen nicht als sonderlich unterhaltsam erweisen (lediglich sein
auf sein Job bezogenes Unvermögen trüge für ein paar Pointen
Sorge, doch im Gesamtbilde verstand ich nie so recht, weshalb der
Lustigkeitsgrad von einigen Zeitgenossen als recht hoch eingestuft
wird, so läge Humor eben immer im Auge des Betrachters), seine
Inkompetenzkompensationskompetenz blüht aber wie im Nachfolger
durchaus auf, tatsächlich verkaufet er jede seiner Albernheiten, all
die Missgeschicke, als eine Erfolgsgeschichte, das Absurde ist
hierbei zur Genüge stark ausgeprägt, um ihn nahezu permanent
großspurige Sprüche ins Leben rufen zu lassen, doch nicht nur er
passt nur bedingt in das Bild eines reüssierenden Bondfilms, denn
auch Roger Moore scheint mit der Rolle naturgemäß noch nicht so
heimelig vertraut und verheiratet zu sein wie einige Jahre darauf
(was auch schon anklang im Rahmen dieser Rezension), daran vermögen
auch die zahllosen Qualitäten des Films (die ihn/Roger vermeintlich
tragen, etwa das gebührende Finale mit Totenkult, lebendigen
Grabsteinen, feurigen Gesängen und dergleichen mehr) wenig zu
ändern, im Gegenteil: in einem schlechteren Film hätte Moore
womöglich eine positivere Wirkung hinterlassen, so hingegen bildet
er aber nicht vollstmöglich die personifizierte Hauptstärke des
Werkes.


Es heißet ja gern,
Lazenby würde in OHMSS von einem grandiosen Meisterwerk getragen,
doch tatsächlich leistet er Großes, denn angesichts der
überragenden Stärken des „Films selbst“ fiele es in meinen
Augen erst recht auf, stünde vor uns ein Bonddarsteller, der die
Rolle nicht wird ausfüllen können, ...es gelänge ihm also
durchaus, mit den Qualitäten des Films überwiegend mitzuhalten.


Die Rauschgiftgeschichte
des Kananga-Films riefe bereits indirekt erste
Licence-to-Kill(-1989-)-Ansätze hervor, wozu auch die Besetzung
Felix Leiters hervorragend passt (wenn auch LTK eher in Werken wie
Scarface seine Entsprechung fände), auch Haie stellen hierbei eine
gemeinsame LALD/LTK-Idee dar, wobei diese Wesen wiederum nicht
wenigen Bondfilmen zugedacht waren über die Jahre, ursprünglich
erstmals „Feuerball“, weshalb der Verdacht eines „Zufalls“
eher naheliegend erscheinen dürfte, der Weg des 73er Finales führet
buchstäblich in die Höhle des Löwen, hindurch durch hochmoderne
Türen und direkt in besagtes Haifischbecken hinein – sobald diese
Unannehmlichkeiten aus der Welt geschaffet worden sind, folgen die
letzten freudlosen Augenblicke „im Zuge“ mithilfe des „Arms von
dem Armleuchter“, anschließend verkehren sich die beiden
Bettgenossen Jane/Bond gemeinsam in Richtung Abspann und die
legendäre Bond-will-return-Zeile war nach damaligen Zeit- und
Produktionsumständen argumentiert auch durchaus noch ernstzunehmen
beziehungsweise stellte kein Ammenmärchen dar wie im Rahmen der
gegenwärtigen Dekade, in diesem Sinne verbleibe ich nicht ohne Dank
und betone abermals das Resultat von respektablen viereinhalb
Sternen, Samedi segne uns



Geniestreich im Kulte der
tot seiend' Seelen,


liebliche Dame der Karten
ist mein Herz,


ein begrüßenswert'
Filmwerk drum wahrlich zu empfehlen,


gelungenste Balance wohl
zwischen Innenschmerz und Scherz.



Die 70er Jahre drum neu
nun entdeckt,


die dritte Figur nach nur
11 erbondeten Jahren,


die Ära der Blumen wie
sie Nostalgisches erweckt,


die Karten sie sprachen
dass wir mögen uns gar paaren.
"Loyalität bedeutet mir wesentlich mehr als Geld." - Aus des Problembeseitigers Spiegelbilde sprach die Stimme sanften Verwesens!
Bond '89 - Robert Davi

Mister Bond

Felix Leiter

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63

Mittwoch, 10. April 2019, 21:06

Mein zweitliebster Roger Bondflm, der Film, der mich in meinen jungen Jahren zum Bond-Wahn brachte.

Ferner muss ich dir aber noch was mitteilen. Du erwähnst, dass Roger schon fast zu jung in Leben und sterben lassen wirkt, aber deinen kleinen Seitenhieb mit dem Lothar kannst du dir doch nicht sparen ;)
Gott bewahre, sage ich nur. Zum Lordchen passte der Lothar Blumhagen, aber gerade die viel zu jugendliche Stimme des Blumhagen würde auf Bond überhaupt nicht funktionieren.
Erst 1988, als Sat.1 fehlende Farbfolgen von Simon Templar mit Blumhagen statt Clausnitzer, welcher zeitgleich sehr wohl damit beschäftigt war einen gewissen Familienoberhaupt der Familie Tanner sprach, ausstrahlte, passte der damals 60 jährige Blumhagen auf Sir Roger Moore, welcher in diesen Templar Folgen Ende 30, Anfang 40 war.
Vielleicht liegt es daran, dass du ein Fan der Persuaders bist, ich allerdings auch, aber als erwachsene Respektsperson passte in den späten 60ern, den 70ern und überwiegend 80ern der gute Niels Clausnitzer viel besser auf Bond und Templar.

Wo wir noch bei Stimmen wären und ich dir mal zustimme:
Dagmar Hellers Timbre fand ich damals auch sehr wohlwollend und erotisierend. Auch auf Barbara Bachs Anya Amasova oder Kristina Wayborns Magda.

Daniel Dalton

Felix Leiter

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64

Freitag, 12. April 2019, 11:04

Insbesondere bei Barbara Bach, dem schlösse ich mich mehr als an, lediglich bei Goodnight ging es weniger gut, die Figur bot Dagmar auch wenig Potential, um sprachschauspielerisch spannend zu experimentieren (vorsichtig formuliert).
Nun, bei Lothars Lord und Blumhagens Blumen der Sprache werden wir weiterhin unterschiedlich denken, nie klang er herrlicher als in den 70ern, ob als genialer Columbo-Mörder in "Ein gründlich motivierter Mord", als absonderlicher Psychiater in "Harold and Maude", ich liebe diese geschwollene Sprachspielwiese, auf welcher sich dieser Mensch ausbreitet und ein rhetorisches Picknick abhält in aller Gemütsruhe.
Bei mir liegt LALD innerhalb der Moore-Ära auf Platz 3 (knapp vor dem 74er, aber deutlich nach OP und insbesondere FYEO), Nr. 5 TSWLM, 6 MR, 007 AVTAK.
Und Stichwort "Respektsperson":
In Szenen wie "Da kannst du dich aber drauf verlassen" oder so ähnlich (TMWTGG) oder "So, und jetzt deck' deine Karten auf" (LALD) muss ich sehr stark aufpassen, nicht zu lachen, Clausnitzer überzeugt vielleicht teilweise in ganz normalen Dialogen, aber wenn der Ton deutlicher wird (nicht dass Blumhagen Autorität ausstrahlen würde), so entwickelt sich sein Sound nach meinem Ohrendafürhalten äußerst albern, gleichwohl ich das in Fankreisen eigentlich nicht sagen darf ;-), liebe Grüße
"Loyalität bedeutet mir wesentlich mehr als Geld." - Aus des Problembeseitigers Spiegelbilde sprach die Stimme sanften Verwesens!
Bond '89 - Robert Davi

Daniel Dalton

Felix Leiter

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65

Freitag, 12. April 2019, 13:38

Dabei fiele mir ein:
Ich habe ja auch eine Kritik zu "Die 2" geschrieben, ich denke sie passt aufgrund der diversen Bondverweise halbwegs in den Thread, da wir ohnehin auf die Serie zu sprechen kamen.
LG

Die 2“
persuadisierten das piekfeine Geschehen, wir schreiben das Jahr 1971,
ein Dekadenwechsel formte sich, ein neues Jahrzehnt gedachte sich
erfolgreich auf dem breiten Altar der Sprache auszubreiten, Rainer
Brandts Schreibfeder brennt vor Ideenreichtum, humoristisch spaßkluge
Figuren wie etwa Karlheinz Brunnemann befinden sich im
synchronbezogenen Hintergrunde „brüllanter“ Einfälle, Lothars
Lord und Blumhagens Blumenrhetorik bemühen sich nicht ohne Erfolg um
wortgewordene Genialität (Brett Sinclair: Eine der höchsten
Sternstunden in der Geschichte deutschsprachiger Synchronarbeit,
insbesondere im Rahmen der 70er Jahre – 1972/73 –, d.h. u.a. die
möglicherweise BESTE Episode „Adel vernichtet“ betreffend, --das
Original „Adel verpflichtet“ versorgte übrigens ebenfalls
Blumhagen mit dem richtigen Tone--, mit leichten Abstrichen aber auch
in den Folge-Arbeiten in den Jahren 1984 – Der große Lomax, -Seine
Lordschaft Danny Wilde – und 1994: z.B. „Am Morgen danach“,
überzeugten die Klangformen, Sprachfarben, Stimm- und Stilelemente
sowie diverse mit Neologismen spielend' Experimente erhabener
Wortneuschöpfung), Sinclair und Wilde ergänzen sich prächtig,
Lothar setzt sprachlich an Punkten an, deren Akzente er auch schon
etwa als seltsam betonender Psychiater in „Harold and Maude“,
oder aber als brillanter Mörder in „Ein gründlich motivierter
Mord“ (Columbo), setzte und an den Tag legte, die hiesige Box nun
stellt (nachdem bislang nur BD-Kameraden in den Genuss umfangreichen
Bonusmaterials gekommen sein dürften, mir persönlich läge keine
BD-Box vor) erstmals auch DVD-Käufern ein breites Portfolio an
Extras zur Verfügung, als da wären: Dokumentation bezüglich der
Dreharbeiten, Audiokommentare, nicht enthalten ist hingegen (wie
schon bei der vorherigen Box) das aus dem Jahre 2005 bekannte
Booklet, welches u.a. auch von einer 85er Die-2-VHS erzählte, die
sie aber nirgendwo zu finden ist, vermutlich vergriffen.



Nur 24 Folgen (jeweils
weniger als eine Stunde in Anspruch nehmend) beinhaltet die Serie,
streng genommen also füllt sie, rein mathematisch gesehen zumindest,
„noch nicht einmal“ einen Tag aus, doch diese Kalkulation zöge
ich selbst bei kühler Betrachtung im Leben nicht herbei, denn de
facto erwerben Sie hier eine Zeitreise, deretwegen es Ihnen wird
möglich sein können, die beiden Figuren ganze Jahre (!) über zu
begleiten, ich selbst führte mir diese (auch auf visueller Ebene
durchaus an massivem Aufwande grenzenden) Perljuwelen in den 2000er
Jahren als Kind nicht selten zu Gemüte, jedweder Reim ist von
unbeschreiblichem Soge, nahezu alles eine Symbiose, die bunte und
wärmliche Kunst steht so stilprägend für die 70er wie später
Miami Vice es für die 80er Jahre vermochte und als Erfolg für sich
hat verbuchen können, in Schwesterchens Muttermal (1) begegnen wir
einem auferstandenen Gangster und einem herrlich leise sprechenden
„Driver“ („ja, das geht in Ordnung“….. „endgültig...“),
in den Geschäften mit Napoleon (2, man bemerke: wir gehen nun
schnurstracks die Episoden durch, man verzeihe mir dabei die häufig
verwandt werdende Einleitung „im“) sind wir der lieblichen
Michelle Devine behilflich und rasen vor unserem köstlich
schurkenhaften Widersacher Martin Hirthe (herrlich wie sein
Protagonist seine Tochter beim Reiten lobt und währenddessen Morde
verhandelt) davon, im Sterben bringenden Erben (3) nehmen wir es mit
einer es faustdick hinter den Ohren habenden Zartgestalt und Bengelin
blöndlichen Haares auf, im Geheimnis von Greensleeves (4) erforschen
wir ein ein Faszinosum seiendes Schloss (in welchem Jackson sich zur
Ruhe begäbe und der Adel schmerzverzerrt spitz „getroffen“ wird
– „getroffen?“, „ja“, „siehst du!“) von Brett, dem
Künstler der abgehobenen Aussprüche, üben außerdem Ungarisch und
reden mit dem Hunde des Domizils, in der Welt der toten Tänzerin (5)
besuchen wir einen „Hüpfdirektor“, diskutieren mit dem
„Amtsschimmel“, lassen den Jaguar zum Sprunge bereit sein und
schauen an einer Klippe tänzelnd spaßeshalber hinunter, im „live
kommenden“ Tode (6) stünde eine Zaubergestalt am Straßenrande und
es folget eine nicht unerhebliche Entdeckung im Walde, des Weiteren
schössen Unannehmlichkeiten durch das TV-Programm.


Im doppelten Lordchen (7)
begegnen wir einer abgewandelten Form dessen, was wir ursprünglich
von Brett Sinclair dachten, auch „M“ erscheint uns im Gemälde,
als Bombenjunge Daniel dann ( 8 ) erforschen wir Sektion 007 und
verlören/gewännen am Spieltische, in der Vergangenheit des Grafen
(9) schlügen wir historische Töne an und erleben einen, gelinde
gesagt, äußerst unangenehmen Fanatiker nebst stimmgewaltigem Tilo
Schmitz als Assistent, interessant auch der Auftragskiller/Beseitiger
(„...das ist eine sehr unschöne Art abzutreten“), sodann bei dem
Festival (der Mörder, 10) träfe das wilde Ich in uns einen
einstmaligen Kameraden namens Angie, der er gewissen Veränderungen
unterlag, es handelt sich um Larry aus Al Bundy's neunter Staffel,
„Die Fernsehlegende“ („das kann tun nicht ich, MITNICHTEN sag'
ich!“), sein Engel von Freundin ist fast noch gefährlicher, eine
Freundschaft zerbräche..., sogleich in der Welt des Mannes mit dem
Köfferchen (11) treffen wir, ebenfalls kongenial interpretiert von
Martin Hirthe, auf den einzigartigen Johann Sebastian Brams, den
besten Einzelgänger seiner Branche, der er sich genau in sein
Zielopfer hineinversetzt („mach' die Leute glücklich, aber mach'
sie nicht....“, was genau sagte er hier?, ich habe es nie
verstanden, „klig“?, meinte er klug?, ...sei's drum),
anschließend als Lordschaftswunder Danny Wilde (12, „Danny Wilde
ein Lord Sinclair, eine graaaaaaaaaaaaaaaaaaaaauenhafte Vorstellung“)
trüge der etwas aufdringliche Ölmillionär aus den USA britische
Geschwollenheitszeilen vor im Kleide des lotharschen Fahrers des
gelblichen George-Lazenby-Aston-Fahrzeuges, bei der Jagd nach der
Formel (13) bekommen wir äußerst verlockende Geldangebote und
begegnen obendrein drei (!) Carlas sowie einer space queen („wenn
ich jemanden sehe, halte ich“), schlössen zudem gegen Ende mit dem
nachdenklich uns stimmenden Zitate „Die Welt ist noch nicht reif“,
Carla ist ein engelsgleiches Geschöpf und erwiese ihrem
dahingeschlichenen Erzeuger im Dienste der Ehre seinen letzten
Herzenswunsch.


In „Der Lord ist fort“
(14) betreuen wir den unvergleichlichen Archie, einen „steifen
Bock“ mit unbeschreiblich sportiven Ambitionen der Kletterkünste
(„Brett, alter Junge“, …. „nicht ja“), beim großen Lomax
(15) reüssiert die belustigende Zusammenarbeit mit meinem Freund
Mitchell („...und das habe ich auch als besonders angenehm
empfunden“), die Luftwaffe der Vereinigten Staaten wird mit
Gegenwind zu rechnen gehabt haben („IRVING!!!!, was?!, gefällt
nicht?!“), im Albtraumschlößchen (16) dominieren unheilsam
unschöne Kräfte das Landgeschehen und die Duplizität der
Ereignisse brächte den Vogelexperten Bond mit einer Eule zusammen,
im Zuge der drei Meilen bis Mitternacht (17) küsset uns (uns im
wahrsten Plural-Sinne des „die 2“ betreffenden Wortes nicht
singulärer Art) eine potentielle Diva namens Joan Collins und
schmuggelt mit uns einen Unruhestifter zu einem Zielorte, bei der
Entführung auf Spanisch ( 18 ) niest ein Herr im Hotel und ein
Widersacher schnitt sich nicht die Haare, darüber hinaus verbittet
sich ein erzürnter Bursche den verklemmten Humor seiner Untertanen,
am Morgen danach (19) ehelicht die schönste Frau Schwedens (und
Catherine von Schell lieblich von Arianne Borbach synchronisiert
worden seiend vor 25 Jahren nun) den vermeintlich ungebundenen Lord,
Bibi einstweilen wohl steht Schmiere bei gewissen Strolchen, ...auf
und in dem Kopfe des Mannes mit dem Toupet (20) nähmen dann
politisch brisante Informationen Platz und unser Mister Bond namens
Roger träfe 007-gleich seinen alten Kameraden Felix wieder, im
vernichtet werdenden Adel (21) sind die Dinge gegen Ende sehr
unkleidsam für Onkel Roland, Kate und Danny setzen sich selbst matt,
einem Heiligen ist laut Onkelchen Opa „alles zuzutrauen“, eine
Topfpflanze fiele vom Himmel bzw. es läutet, ein Dudelmeister trabt
endgültig davon („Onkel Angus, rühr' das Tor nicht an!!!“), ein
Schluckspecht ersöffe in seiner eigenen Spitzenlage, beglückte
Pilze werden weiblichst beflügelt, Masken spielen gekonnt am Grabe
und Leuchte Onslow spielet sich mit einer entsprechenden Mordgitarre
buchstäblich die Seele aus dem Leibe, es ist ein Abschiedskonzert
oberster Güte fürwahr, ein Fest für alle toten Sinne.


Beim Betrachten der
Ozerov-Juwelen (22) begegnen wir im Winter der Stimme der guten alten
Freundin von Jerome in „Claires Knie“, Aurora ließ grüßen, in
Bälde kämpfen wir mit dem unliebsamen Verwandten der beiden Damen
und freuen uns auf ein Wiedersehen mit Grunther aus einem 1969er
Schnee-Bond (50 Jahre OHMSS), beim Verführen der Seifenprinzessin
(23) trennen wir uns von 100 Scheinchen für einen guten Zweck und
betrögen am Kartentische, in „Ja, wo rennen sie denn?“ dann (24)
rasen wir buchstäblich in den Tod und erleben Lois Maxwell in ihrer
bislang unsanftesten Moneypenny-Darbietung, aber im Kerne nicht
weniger charmant.


All dies ist DIE 2,
auch/gerade der noch nicht seine gebührende Erwähnung gefunden
habende Richter Fulton spielt gekonnt mit Sprachdiplomatie („es
könnte sein dass es hier und da ein bisschen Ärger gibt, ich meine
dass man Sie auszuschalten versucht“) und schüfe es stets und
wiederholbar erneut, die beiden prunkvollen Playboys für neue
Arbeitsprojekte begeistern zu können, welche auf des ersten Blickes
Beobachtung noch nicht so recht zu den Lebemännern passen möchten,
im Detail aber umso reichhaltiger deren Andacht fordern und ihnen auf
den Leib geschrieben sind, all dieses wird visuell farbenfroh,
sprachlich kunstvoll, poetisch glänzend und soundtracktechnisch
erfreulich (genial: John Barry) serviert, ist prädestiniert für
jedweden Kultstatus und für jeden Deutsch-Leistungskurs besser
geeignet als eine jede Goethe-Lektüre (not kidding!), die teils
kindlich verspielte Präsentation eines antiquierten Frauenbildes
genösse in so gut wie allen erdenklichen „normalen“ Filmen
mitnichten meine Zustimmung, doch neben der Tatsache, dass es sich so
gesehen auch um Zeitdokumente handelt, die als Ebensolche betrachtet
werden können, schwänge und weht bei alledem stets ein derart
ironisierter Hauch mit, dessentwegen es nahezu unmöglich schiene,
dem etwas zu erleben gewillt seienden Lorde etwas übelzunehmen,
selbiges gilt für seinen etwas lauter auftretenden/vorfahrenden
Kameraden Danny nicht minder, dessen Aussprüche ebenfalls mehr als
tolerabel erscheinen, lediglich sein häufig sehr nahes
An-die-Personen-Herantreten, gepaart mit einem regelrechten
Sie-Umzingeln und nervösen Elementen des Um-sie-Herumlaufen-Wollens,
hinterließe dabei eine Wirkung, die so anmutet als „überfiele“
er die Damen regelrecht, weshalb mir die „zurückhaltendere“
(wenngleich immer noch unmissverständlich baggerfreudige)
Körpersprache seines britischen Pendants im Zweifel lieber ist, in
jedem Falle aber gälte stets fünfsternige Empfehlung, getränkt in
einen Kelch allumfassender Erinnerung, welch anmutig schöne,
unvergesslich kreative Serie!



Unkleidsam des „Rollis“
Kronenakt,


Familienmorde als Kunst
der Späße,


Maske trüge wer die
Leichen verpackt,


entsorget“ sie dann
bis Polizei es vergäße.



Kontraste zweier Länder,

doch im Kerne fast gleich,

beide Herren zwei
Verschwender,


Bilder stets so betagt und
reich.



Nizza Monte Carlo Spanien,

das Land des Films es
hieße Orkanien,


Orkan der Sprache nämlich
wir können uns nicht spar'n ihn,


soeben wohl Sie sah'n ihn,
es ist der Wahn in ihm,


die Zuschauer haben vor
Lachmuskelerregung geschrien,


um eine Box wie diese war
lange zu bitten auf Knien.
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Daniel Dalton

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PS:
Bei den Zahlen 8 und 18 kommt versehentlich ein Antlitz.
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Freitag, 12. April 2019, 16:28

PS:
Bei den Zahlen 8 und 18 kommt versehentlich ein Antlitz.
Mach ein Leerzeichen zwischen "8" und ")"!
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Freitag, 12. April 2019, 19:51

Hör auf Mr. Fogg.



In Szenen wie "Da kannst du dich aber drauf verlassen" oder so ähnlich (TMWTGG) oder "So, und jetzt deck' deine Karten auf" (LALD) muss ich sehr stark aufpassen, nicht zu lachen, Clausnitzer überzeugt vielleicht teilweise in ganz normalen Dialogen, aber wenn der Ton deutlicher wird (nicht dass Blumhagen Autorität ausstrahlen würde), so entwickelt sich sein Sound nach meinem Ohrendafürhalten äußerst albern, gleichwohl ich das in Fankreisen eigentlich nicht sagen darf ;-), liebe Grüße

Ich denke, dass "Da kannst du dich aber drauf verlassen" auch eher lustig gemeint ist, also passt das. Und du schreibst ja, nicht dass Blumhagen Autorität ausstrahlen würde. Mit dem Lothar würde ich das ganze noch komischer finden.
Ich finde Blumhagen ja auch super, aber er passt viel mehr zu versnobten Typen, Aristokraten, Dandys und Hallodris. Gerade in der frühen Phase.
Toll fand ich Blumhagen auch auf John Saxons Roper im Bruce Lee Klassiker "Der Mann mit der Todeskralle". Kenne den O-Ton dort nicht, aber Roper wirkt schon wie so ein Dandy und Hallodri.

Ansonsten bin ich so frei und zitiere deinen Text zu "Die 2" zum entsprechenden Thread. Wir haben nämlich einen dazu. Zuletzt von mir wiederbelebt und von Sir Phileas kommentiert.


Edit:
Da wir doch keinen Thread zu "Die 2" hatten, war es im Roger Moore Thread.

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Daniel Dalton

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Sonntag, 14. April 2019, 09:22

Habet Dank.
Nun, bei dem TMWTGG-Beispiel kann ich dir im Nachhineine gewissermaßen beipflichten, lieber Mister Bond, denn vor Pepper muss es kein herrischer Ton sein, da ist Bonds Anliegen nicht ernsthaft genug, das stimmt schon.
Zu dem "So, und jetzt deck' deine Karten auf"-Part stehe ich aber zu 100%, für mich die mit Abstand komischste Stelle im gesamten Film, pardon ;-)
Natürlich passt Blumhagen nicht zu Bond, aber mein Problem ist doch:
Ich bin mit Roger als Bond "eigentlich", nun ja, wenn man so will, "nicht einverstanden", habe ihn in dieser Rolle nie so recht gesehen. Also dächte sich das Ich in mir doch folgerichtig:
WENN schon Roger (was für mich ohnehin schon etwas unpassend erscheint in einer ursprünglich steinharten Rolle wie dieser), dann bitte wenigstens so wie ich ihn kenne und liebe, nämlich als Brett Sinclair, sprich, dann kann man das Blumige und weniger Harte auch gleich derart ausreizen, dass es ironisch auf die Spitze getrieben wird. Doch nun gut, ich bin einsichtig insofern, als all dieses meinen sehr persönlichen Ansatz darstellt, ich vollzöge also nach, dass vermutlich 90% der Allgemeinheit diese Meinung nicht teilen, vielleicht auch 95, wie auch immer ;-). LG
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Montag, 15. April 2019, 13:23

PS:
Bei den Zahlen 8 und 18 kommt versehentlich ein Antlitz.
Sensationeller Satz. Den muss ich unbedingt in meinen Alltag einbauen.
You know what's great about you English? Octopussy. Man I must have seen that movie... twice.

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Montag, 15. April 2019, 14:28

;-), vielen Dank, spontane Sätze sind mir immer lieb
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Scarpine

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Dienstag, 18. Juni 2019, 23:39

James Bond 007: Leben und Sterben lassen

Bond Marathon # 00…8; Originaltitel: Live And Let Die, GB 1973, Regie: Guy Hamilton, Drehbuch: Tom Mankiewicz nach dem Roman von Ian Fleming, Darsteller: Roger Moore, Yaphet Kotto, Jane Seymour, Clifton James, Julius Harris, Geoffrey Holder, David Hedison, Gloria Hendry, Earl Jolly Brown, Madeline Smith, Bernard Lee, Lois Maxwell, Desmond Llewelyn u. a., Premiere: 27. Juni 1973

Zitat von »James Bond 007: Leben und Sterben lassen«

Binnen kürzester Zeit werden drei britische Agenten in Übersee ermordet. M schickt 007 über den großen Teich, um die Sache aufzuklären. Alle drei Männer waren direkt oder indirekt mit Nachforschungen über einen gewissen Dr. Kananga betraut, der als Präsident des kleinen Inselstaates San Monique in der Karibik zurzeit an einer nordamerikanischen Konferenz im Hauptquartier der UN in New York teilnimmt. Kaum in der Stadt angekommen, entgeht James Bond einem heimtückischen Attentatsversuch nur denkbar knapp. Die Spur führt Bond nach Harlem, wo er in die Fänge des Gangsterbosses Mr. Big gerät. Big, einer der mächtigsten Figuren der New Yorker Unterwelt, macht mit Kananga gemeinsame Sache. 007 trifft auch die blutjunge Solitaire, die über die Fähigkeit der Tarot-Weissagung verfügt und Kananga für die Zukunft die Karten legt. Der Doppel-Null-Mann entgeht mehreren tödlichen Situationen und besucht die Karibikinsel San Monique. Hier zieht er Solitaire auf seine Seite und entdeckt, dass Kananga heimlich – mithilfe des Voodoo-Glaubens der Einheimischen – große Mengen Mohn anbaut, das der schwarze Gangsterkönig von New York dann im großen Stil auf den heimischen Markt bringen will. Als Bond mit seinem Wissen und dem Mädchen zu fliehen versucht, ziehen Kananga und Mr. Big das Netz um die Beiden rasch immer enger...

Zitat von »Scarpine (2013)«

Trotz eines betont ironisch-dandyhaften neuen Hauptdarstellers kehrt man mit dieser Produktion weitgehend zu Härte und Zynismus der frühen Filme der Serie zurück. Das Ensemble, der Score und der neue Mann sorgen für jede Menge Frische. Lediglich eine zu laxe Handhabung der Vorlage durch den Skriptautor, leichte darstellerische Defizite, durschnittliche Dekors, das Drehen im Normalformat und kleine technische Pannen schmälern den Eindruck des dynamisch-mysteriösen Voodoo-Trips.

Im alten Forum gab es mal mehrere Themenstränge, die sich intensiv mit der Frage beschäftigten, ob und wieso die frühen Siebziger Jahre eine wahlweise unruhige, schwierige, wechselhafte oder glücklose Zeit für die Serie waren. In Bezug auf die drei Hamilton-Filme geisterte – aufgrund ihrer starken Zeitgeist- und Subgenre-Assimilierung - auch vielfach die Einschätzung als sogenanntes "Trash Triple" durch den Raum. Auch wenn ich nicht soweit gehen wollen würde, sehe ich den Kernaspekt dieser Kritik auch deutlich stärker als früher hervortreten. Live And Let Die wirkt – wie ich finde - noch sehr viel amerikanischer als Diamonds Are Forever oder Licence To Kill. Die Handlungsorte, die Optik, der Humor; alles wirkt wie für den US-Markt zugeschnitten. Der Einfluss von Black Power und Blaxploitation erscheint ebenso allgegenwärtig, wie der Voodoo-Look aus der Klischee-Mottenkiste: Schlangen, Särge, Kreuze, Friedhöfe, Beerdigungen, Vogelscheuchen, Angst-Kulte, Tarot-Magie, Wahrsagerei, weiße Jungfrauen, schwarze Priester, Menschenopfer, Todesriten, abergläubische Eingeborene, Totentänze, Giftpfeile, Fahrstuhl-Gräber, lebende Tote, Faschingsverkleidungen, maskierte Bösewichte, Nachtclubs mit Fall- und Geheimtüren...; die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Das alles wirkt bisweilen in der Summe so, als hätten Hammer-Horror und Edgar Wallace-Grusel als späte Rache der Sixties Bond simultan geentert. Man könnte beinahe vermuten, jemand wie Alfred Vohrer hätte auf dem Regiestuhl Platz genommen. Neben all diesen fremdartigen Kitsch- und Geisterbahn-Elementen, die den Film a-typisch erscheinen lassen, sind es vor allem die ausgesprochen blass abgelichteten Schauplätze und einfallslosen Dekors, die das Debüt von Roger Moore in meiner Wahrnehmung deutlich nach unten ziehen. Denn ansonsten ist der Streifen sehr solide in Szene gesetzt, hat eine flüssige, temporeiche Handlung und gewiss die besten Action-Szenen zwischen 1969 und 1977 zu bieten.

Eine exzellente Performance gelingt Roger Moore in der Hauptrolle. Es dürfte sich – neben Connerys Doctor No-Auftritt - um den besten darstellerischen Einstand eines 007-Amtsinhabers überhaupt handeln. Nur Moores Intro in den Film gerät etwas arg dünn, auch wenn die Szene an sich recht amüsant ist. Dem Chef im Morgenmantel mal eben die Tür aufmachen? Na ja. Da haben alle anderen Bond-Mimen bessere, kultigere Einführungen gewährt bekommen. Ansonsten jedoch eine sehr sichere Top-Leistung des Engländers, der den Streifen fast im Alleingang trägt. Der restliche Cast präsentiert sich dagegen wenig einprägsam oder gar sonderlich großartig. Die Rolle von Jane Seymour erscheint im Gesamtbild etwas beiläufig und unscheinbar, auch wenn sie von der Darstellerin gut gespielt wird. Mit Kananga/Mr. Big hat man einen etwas unentschlossen-durschnittlichen Bösewicht kreiert, obwohl Yaphet Kotto prinzipiell nicht viel verkehrt macht. Die Doppelgesichtigkeit steht ihm aber irgendwie - im wahrsten Sinne des Wortes - nicht gut zu Gesicht. David Hedison ist ein überzeugender Felix Leiter und nach dem völlig vergessenswürdigen Vorgänger in dem Part des Bond-Buddy fast eine schauspielerische Offenbarung. Die restlichen Helfer sind aufgrund ihrer Austauschbarkeit kaum eine Erwähnung wert. Über den fragwürdigen Klamauk-Part von Clifton James breite ich lieber den Mantel des Schweigens; es ist schlicht nicht meine Art von Humor. Ein Totalausfall ist zudem Gloria Hendry als Rosie Carver. Mag der Charakter auch nicht gerade genial geschrieben sein, Hendrys Spiel raubt der Figur dann den letzten Funken Glaubwürdigkeit. Hier gräme ich mich persönlich richtig, dass man nicht eine wirklich talentierte Afroamerikanerin wie beispielsweise Vonetta McGee verpflichtet hat. Die Handlanger sind mit dem fistelnden Whisper und den beiden um die Wette grinsenden bzw. lachenden Tee-Hee und Samedi durchweg als Karrikaturen angelegt. Sie erfüllen allerdings ihren Zweck und können sichtlich mehr Bedrohlichkeit als ihr Boss ausstrahlen. Im Gesamtbild der Serie gehören Julius Harris, Geoffrey Holder und Earl Jolly Brown für mich aber eher in die zweite Reihe der Henchmen. Das Duo Bernard Lee und Lois Maxwell hat dieses Mal einen amüsanten, etwas individuelleren Auftritt, während die Abwesenheit von Q den Zuschauer nicht weiter stört.

Interessanterweise hat das Werk da seine Stärken, wo der Vorgänger schwächelte und bietet in den Bereichen Defizite, wo der erste Hamilton-Bond der Siebziger Jahre noch souverän den Standard halten konnte. Live And Let Die hat seine Vorzüge in den wichtigeren Bereichen wie Regie, Drehbuch und Action, was ihm klar den Vorrang sichert. Dafür sieht es im handwerklichen Sektor leider teilweise arg mager aus. Die Arbeit von Ted Moore beispielsweise bleibt sehr blass. Zwar ist die Kameraführung wieder dynamischer geworden, aber das Szenenbild wirkt zu oft ungemeim uninspiriert trist und die Cinematographie zeigt – abgesehen von ein paar knalligen Auswüchsen des Kostümdesigns – nur äußerst reduzierte Farben in fahlem Licht. Zurecht wird desöfteren ein milchig-beliebiger US-TV-Look kritisiert, der mehr an Shaft oder Die Straßen von San Francisco erinnert, als an einen stilsicheren Bondfilm. Auch die Schauplätze leiden bisweilen stark darunter. Der ganze Streifen wirkt fast so als hätte man nur in New Orleans und auf der Sumpf-Farm des Krokodilbesitzers gedreht, so eintönig nehmen sich die Karibik-Sequenzen über weite Strecken aus. Gleichsam schwachbrüstig kommt das Production Design von Syd Cain daher, das keinerlei Akzente zu setzen weiß. Maurice Binder arrangiert einen gewohnt guten Vorspann und der Titelsong von Paul McCartney & The Wings fügt sich harmonisch in die Stimmung des Films ein. Vor George Martin muss ich meinen Hut ziehen. Sein Score dürfte im Gesamtbild mit die gelungensten Kompositionen beinhalten, die nicht vom Meister John Barry selbst geschrieben wurden. Die Inszenierung zeigt sich rundum verbessert. Guy Hamilton dirigiert Cast und Crew energischer und zupackender, was der Handlung einen stärkeren atmosphärischen Biss verleiht als beim sichtlich zu leutseligen Vorgängerfilm. Einzige Wermutstropfen sind jedoch die sehr deutlichen - auch dem alleinigen Script-Autor Tom Mankiewicz mit anzulastenden - Amerikanismen und der abermals etwas unter seinen Möglichkeiten bleibende finale Endspurt. Ansonsten ist den Machern eine grundsolide Erstmission für den dritten 007-Akteur gelungen.

Voodoo für Nullnullsieben – Der achte Serieneintrag kann als reißerischer Abenteuer-Thriller mit Drogenthematik überzeugen, als dessen höchste (Tarot-)Trumpfkarte sich der neue Hauptdarsteller selbst erweist. Eine fade Optik, billige Kulissen, zu viel Plakativität und ein zu starke Versumpfung im US-Genre der Zeit lassen das Werk aber nicht über einen Mittelfeldplatz hinauskommen.

00 00 00 00 00 Doppel-Null-Lizenzen
"Enjoying our little party, Monsieur... Saint John Smythe?"

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Martin

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Mittwoch, 19. Juni 2019, 14:32

Im alten Forum gab es mal mehrere Themenstränge, die sich intensiv mit der Frage beschäftigten, ob und wieso die frühen Siebziger Jahre eine wahlweise unruhige, schwierige, wechselhafte oder glücklose Zeit für die Serie waren. In Bezug auf die drei Hamilton-Filme geisterte – aufgrund ihrer starken Zeitgeist- und Subgenre-Assimilierung - auch vielfach die Einschätzung als sogenanntes "Trash Triple" durch den Raum. Auch wenn ich nicht soweit gehen wollen würde, sehe ich den Kernaspekt dieser Kritik auch deutlich stärker als früher hervortreten.


Da kann ich mich auch noch dran erinnern. Gab sogar etwas Protest gegen diese Formulierung, aber ich kann es auch nachvollziehen. Bei mir ist es aber eher LALD, der in diesem Triple am ehesten heraussticht. Die Kritik am Handwerklichen und Visuellen kann ich schon nachvollziehen. Irgendwie haben viele Filme der frühen Siebziger eine leicht minderwertig und körnig wirkende Filmqualität, wohingegen die A-Filme der Sechziger auch heute noch einen bestechenden Kontrast haben, teilweise sogar eine Art goldenen Schimmer. LALD kann da auch wegen des Formats weniger punkten.

Aber beim Produktionsdesign sehe ich ihn klar vor TMWTGG, der auf mich immer ein bisschen beengt und rumpelig wirkt. Von den US-Locations haben GF, DAF und allen voran LTK für meine Wenigkeit auch mehr unvorteilhaftes "Amistreifen-Feeling".

Grundsätzlich wundert es mich aber dann doch immer wieder, dass Guy Hamilton als Regisseur in der Fan-Wahrnehmung oft besser wegkommt als beispielsweise Lewis Gilbert, der optisch teilweise wesentlich mehr herausholt und in TSWLM auch viel sorgfältiger inszeniert als Hamilton allgemein.

Insgesamt aber wieder sehr gut geschriebene Review. Ich muss mich mal ranhalten, ich habe nur noch einen Film Vorsprung. ;( :)

Scarpine

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Mittwoch, 19. Juni 2019, 23:32

Von den US-Locations haben GF, DAF und allen voran LTK für meine Wenigkeit auch mehr unvorteilhaftes "Amistreifen-Feeling".

Live And Let Die hat für mich hier das Problem, dass er von den Vieren die stärkste Down-to-earth-Handlung besitzt, ab New York diesen Black Gangster-Style mit sich rumschleppt und diese erwähnte, unvorteilhafte Optik hat, die auch die US-Filme der Zeit haben. Zudem fehlt es dem Werk an Glamour und Larger-Than-Life-Feeling. Es gibt noch nicht einmal eine Casino-Szene; die hat sogar Licence To Kill. Und was mich - wie schon beim Vorgänger - massiv nervt: Ständig sind diese klobigen Ami-Schlitten im Bild und werden auch noch dutzendfach zu Schrott gefahren. Das ist so Siebziger-mässig billig und unbondig obendrein. Und dann ständig diese Polizei-Szenen; der blöde Sheriff aus Las Vegas ist ja auch wieder dabei und darf Pepper seinen nassen Hut entgegenschleudern. Witzigerweise meinten einige Fans ja mal, dass Craigs Filme so unbondig seien. Bei Live And Let Die bräuchte man nur aus den drei Toten FBI-Männer zu machen und aus Bond einen Ami-Agenten und schon könnten Charles Bronson oder Clint Eastwood hier ermittlen; mit demselben Drehbuch. Das ist mir bisher noch nie so krass aufgefallen wie diesmal.
Umso mehr ziehe ich meinen Hut vor dem großen Sir Roger: Er allein gibt dem Streifen britishness; ihm ist es zu verdanken, dass der Film als "Bondfilm" durchgeht. Das macht seinen - ohnehin schon souveränen schauspielerischen Einstand - für mich zu einem Triumph. "Ein weißes Gesicht in Harlem?" - Das konnte wirklich nur mit Moore funktionieren! :kneel:

Grundsätzlich wundert es mich aber dann doch immer wieder, dass Guy Hamilton als Regisseur in der Fan-Wahrnehmung oft besser wegkommt als beispielsweise Lewis Gilbert, der optisch teilweise wesentlich mehr herausholt und in TSWLM auch viel sorgfältiger inszeniert als Hamilton allgemein.

Da bin ich voll bei dir. Für mich ist Gilbert auch der kreativere, der stilsichere Regisseur, während Hamilton doch häufig immer etwas zu lax an das Sujet herangeht und aus Darstellern und Drehorten nicht immer das Optimum herauskitzelt. Symptomatisch ist auch die Bootsjagd, die im Gesamtkontext des Films viel zu lang geraten ist. Das Problem sind hier die ganzen Pepper/Zivilisten/Polizei-Szenen, die nicht nur leidlich witzig sind, sondern auch der Verfolgungsjagd immer wieder die Spannung und Intensität nehmen, was schade ist, da die Stunts großartig sind. Auch wenn das teilweise wohl so auch schon im Script stand, hätte Hamilton als Regisseur erkennen müssen, dass die Sequenz dadurch nicht so ihre Wirkung entfalten kann und gegensteuern müssen.

Insgesamt aber wieder sehr gut geschriebene Review. Ich muss mich mal ranhalten, ich habe nur noch einen Film Vorsprung. ;( :)

Danke, danke. Nur keinen Stress. :)
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Mister Bond

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Donnerstag, 20. Juni 2019, 01:33

Nochmal, ich finde kein Bondfilm der 60er und 70er sieht irgendwie billig oder trist aus. Gerade im Vergleich zu einigen Bronson Thrillern der 70er sticht LALD optisch viel mehr hervor. So sehr ich Bronsons "Kalter Hauch" mag, so ist dieser wesentlich grobkörniger geraten.
Und gerade die Ami Schlitten in LALD fangen den amerikanischen Lokalkolorit der frühen 70er superb ein. Gerade das ist an Bond doch immer das faszinierende gewesen: Lokalkolorit, Folkore und Zeitgeist einfangen. Dagegen sind die USA Szenen der anderen Bondfilme förmlich belanglos und langweilig, mit Ausnahme von Fort Knox, was aber eh hätte überall gedreht werden können und die Szenen um die Golden Gate Bridge in AVTAK.
Schön finde ich immerhin, dass Sir Roger gut wegkommt. Für mich strahlte er immer schon ab seinem Debüt absolutes Selbstvertrauen und Coolness aus. Und genau da sehe ich wieder eine weitere Stärke von LALD: den Kontrast zwischen der leger coolen Socke Moore als englischer Geheimagent im US-Amerikanischen Terrain. Einfach herrlich.
Dazu kommt noch, die meiner Meinung nach, beste Chemie zwischen James und Felix in einem Film.
Und auch Tee-Hee und Baron Samedi, wenn man sich auch noch weitere diverse Stimmen anhört, gehören hinter Grant, Odd-Job und Beisser wahrlich zur Topriege der Henchmen.
Es ist auch nicht verwunderlich, dass, mir kommt gerade nicht der Name des Herstellers in den Sinn, von LALD hochwertige Modellfiguren in Form von Bond (freilich), Solitaire und Baron Samedi erscheinen.
An Sheriff Pepper und seine Kollegen scheiden sich aber wahrlich immer die Geister.

Scarpine

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Donnerstag, 20. Juni 2019, 12:14

Gerade im Vergleich zu einigen Bronson Thrillern der 70er sticht LALD optisch viel mehr hervor. So sehr ich Bronsons "Kalter Hauch" mag, so ist dieser wesentlich grobkörniger geraten.Und gerade die Ami Schlitten in LALD fangen den amerikanischen Lokalkolorit der frühen 70er superb ein. Gerade das ist an Bond doch immer das faszinierende gewesen: Lokalkolorit, Folkore und Zeitgeist einfangen.
Dagegen habe ich ja auch gar nichts einzuwenden. Das Problem bei den beiden ersten Hamilton-Bonds der Siebziger Jahre ist jedoch, dass sie dem damaligen Zeitgeist so stark verhaftet sind, dass sie deutlich gestriger und weniger zeitlos erscheinen, wie die Sechziger-Bondfilme. Und die Ami-Schlitten stören per se nicht, sondern vor allem diese infantile massenhafte zu Schrott fahren derselben. Erst in der Wüste, dann in Las Vegas, dann auf dem Airport, dann auf San Monique, dann im Sumpf. Das potenziert sich einfach, gerade wenn man die Filme hintereinander konsumiert. Auch in der Inszenierung finde ich die Filme da stets sehr amerikanisch, vermutlich weil die Stunt-Leute hier auch mehrheitlich Amerikaner waren. Nein, es ist überhaupt die Gesamtmischung aus Handlung, Cinematographie, Szenenbild, Schauspielern, Production Design, Schauplätzen und Regiestil, die diesen unindividuellen US-Touch vermittelt.

Der Südstaaten-Sheriff, die Dialoge, dieses ganze "Baby-Standard-Gangster"-Geschnodder der Zeit, der ständig kichernde Taxifahrer mit seinen Balken-Koteletten usw. Die Schauplätze sind halt eben auch recht unglamourös. Die vermüllten Hintergassen von New York, die versiffte Tiefgarage unter dem Voodoo-Shop, das ländlich-staubige Inland von San Monique, die Krokodilfarm... Gerade beim Design würde ich Martin hier aus der Erinnerung eher widersprechen wollen. Mr. Bigs Unterschlüpfe in New York und New Orleans haben überhaupt keine Ambitionen, Solitaires Villa hinterlässt wenig Eindruck, Bonds Hotelzimmer (allein das Bett) auf San Monique ist völlig fad und der finale Unterschlupf sieht völlig künstlich aus mit der Untergrund-"Spielzeugeisenbahn". Ansonsten gibt es da auch nur Glastüren, Glasscheiben und ein paar Lampen von der Decke. Nun ja. Außerdem ist mir bei dem etwas schlappen Finale diesmal auch ein großer Logikfehler aufgefallen. Als Bond und Solitaire ankommen, ist Kananga umgeben von seinen Leuten. Nachdem Bond sich befreit hat, ist Kananga plötzlich mit Whisper allein. Und die ganzen Handlanger, die die Höhlenschächte durchforsten, tauchen auch nie wieder auf. Schon etwas abstrus die ganze Szene...

Irgendwie haben viele Filme der frühen Siebziger eine leicht minderwertig und körnig wirkende Filmqualität, wohingegen die A-Filme der Sechziger auch heute noch einen bestechenden Kontrast haben, teilweise sogar eine Art goldenen Schimmer. LALD kann da auch wegen des Formats weniger punkten.
Ich habe nochmal nachgeschaut. Das ist sicherlich ein gewichtiger Punkt. Scheinbar wurde hier nicht mit Panavision-Kameras gedreht und der Farbfilm stammt von Rank, nicht von Technicolor. Das erklärt gewiss auch mit den deutlichen Bruch in den Sehgewohnheiten vieler Zuschauer.

Und genau da sehe ich wieder eine weitere Stärke von LALD: den Kontrast zwischen der leger coolen Socke Moore als englischer Geheimagent im US-Amerikanischen Terrain. Einfach herrlich. Dazu kommt noch, die meiner Meinung nach, beste Chemie zwischen James und Felix in einem Film.
Das stimmt. Moore und Hedison harmonieren ziemlich gut, fast wie alte Kumpels; weswegen ich es auch etwas schade finde, dass man Hedison innerhalb der Moore-Ära (z. B. in Moonraker oder A View To A Kill) nicht nochmal zurückgebracht hat. In Licence To Kill finde ich ihn mit über Sechzig auch deutlich zu alt, gerade im Verhältnis zu dem 20 Jahre jüngeren Dalton. Und dieser Kontrast "englischer Geheimagent im US-Amerikanischen Terrain" hat natürlich schon seinen Reiz und gibt auch einen Eindruck davon, wie Diamonds Are Forver vielleicht geworden wäre, hätte man den Roman früher und originalgetreuer verfilmt.
"Enjoying our little party, Monsieur... Saint John Smythe?"

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Scarpine« (20. Juni 2019, 13:30)


Mister Bond

Felix Leiter

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Freitag, 21. Juni 2019, 01:27

Dagegen habe ich ja auch gar nichts einzuwenden. Das Problem bei den beiden ersten Hamilton-Bonds der Siebziger Jahre ist jedoch, dass sie dem damaligen Zeitgeist so stark verhaftet sind, dass sie deutlich gestriger und weniger zeitlos erscheinen, wie die Sechziger-Bondfilme. Und die Ami-Schlitten stören per se nicht, sondern vor allem diese infantile massenhafte zu Schrott fahren derselben. Erst in der Wüste, dann in Las Vegas, dann auf dem Airport, dann auf San Monique, dann im Sumpf. Das potenziert sich einfach, gerade wenn man die Filme hintereinander konsumiert. Auch in der Inszenierung finde ich die Filme da stets sehr amerikanisch, vermutlich weil die Stunt-Leute hier auch mehrheitlich Amerikaner waren. Nein, es ist überhaupt die Gesamtmischung aus Handlung, Cinematographie, Szenenbild, Schauspielern, Production Design, Schauplätzen und Regiestil, die diesen unindividuellen US-Touch vermittelt.

Nun, dieses Statement bezieht sich ja nicht nur auf LALD und bei DAF stimme ich dir zu. Die Verfolgungsjagden dort finde ich öde und auch das amerikanische Personal nicht prickelnd, im Gegensatz zu LALD.

Der Südstaaten-Sheriff, die Dialoge, dieses ganze "Baby-Standard-Gangster"-Geschnodder der Zeit, der ständig kichernde Taxifahrer mit seinen Balken-Koteletten usw. Die Schauplätze sind halt eben auch recht unglamourös. Die vermüllten Hintergassen von New York, die versiffte Tiefgarage unter dem Voodoo-Shop, das ländlich-staubige Inland von San Monique, die Krokodilfarm... Gerade beim Design würde ich Martin hier aus der Erinnerung eher widersprechen wollen. Mr. Bigs Unterschlüpfe in New York und New Orleans haben überhaupt keine Ambitionen, Solitaires Villa hinterlässt wenig Eindruck, Bonds Hotelzimmer (allein das Bett) auf San Monique ist völlig fad und der finale Unterschlupf sieht völlig künstlich aus mit der Untergrund-"Spielzeugeisenbahn". Ansonsten gibt es da auch nur Glastüren, Glasscheiben und ein paar Lampen von der Decke. Nun ja.

Dann müsste ja alles ab den 80ern schlicht grauenvoll sein.

Außerdem ist mir bei dem etwas schlappen Finale diesmal auch ein großer Logikfehler aufgefallen. Als Bond und Solitaire ankommen, ist Kananga umgeben von seinen Leuten. Nachdem Bond sich befreit hat, ist Kananga plötzlich mit Whisper allein. Und die ganzen Handlanger, die die Höhlenschächte durchforsten, tauchen auch nie wieder auf. Schon etwas abstrus die ganze Szene...

Ui, ganz heißes Eisen. Logikfehler könnte ich in fast jedem großen Actonfilm aufzählen.


Ansonsten finde ich LALD trotz Rank und 1,85:1 immer noch farbenfroh und "Abenteuer-Flair" ausstrahlend. Die Farben sind warm genug und für mich optisch ein größerer Augenschmaus als vieles ab den 80ern.

Aber bei deiner Kritik zu DAF bin ich wieder bei dir :)

Martin

Felix Leiter

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78

Freitag, 21. Juni 2019, 06:14

Die Schauplatz New York war ja nun mal durch den Roman vorgegeben und sah in den Siebzigern wohl allgemein nicht so glamourös aus. Ich mag diese Szenen, und ich bin ehrlich gesagt auch froh, dass die Stadt als Location zu genau dieser Zeit genutzt wurde. Auf mich wirkt es authentisch und teilweise faszinierend. Dieser vermüllte Hinterhof ist natürlich an sich nicht so bondig, aber für mich ist das halt die Umgebung, in der Mr. Big herrscht und seine Macht entfaltet. Und es ist wenigstens ein echter Schauplatz, und kein nachgestellter wie der Istanbul-Hinterhof in TWINE. Auch die Krokodilfarm war mehr oder weniger auch ein realer Ort, und ich finde, durch die Krokos hat er schon etwas sehr interessantes.

Auch das Thema Voodoo war schon durch den Roman vorgegeben. Sicherlich hätte man hier vielleicht auf das eine oder andere Klischee verzichten können, aber Plakativ waren die Bonds ja auch immer etwas. Für mich hält die Bondformel Ausflüge in solche Gefilde aus, und es verleiht dem Film auch ein deutliches Alleinstellungsmerkmal. Aber schon interessant, dass sich gerade bei diesem Film die Geister so scheiden...

Scarpine

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79

Samstag, 22. Juni 2019, 00:00

@ Martin & Mister Bond
Ich finde es klasse, dass ihr so für den Film in die Bresche springt. Mein großen Respekt. :thx:
Dann müsste ja alles ab den 80ern schlicht grauenvoll sein.
Soweit würde ich nicht gehen wollen, aber prinzipiell hast du recht. Ich will Syd Cain jetzt auch nicht niedermachen, aber seine Arbeit an den 60er Jahre-Bondfilmen hat mir wesentlich besser gefallen. Vielleicht ist es auch das schlechte Los von Live And Let Die von den Sixties-Streifen und den zwei Gilbert-Design-Giganten eingerahmt zu werden. Diamonds Are Forever hat den Las Vegas-Glamour & und die fantasievolle Inneneinrichtung von Adam und The Man With The Golden Gun die Asien-Exotik, Scaramangas Dschunke und das coole Inselversteck. Für mich wirkt Moores Debütfilm da bei den Interieurs und Bauten schon recht einfach und schlicht; aber - wie erwähnt - ist es auch die Gesamtmischung des Streifens, die diesen biederen Eindruck vermittelt. Wenn ich jedoch nachdenke, habe ich kein einziges Einzeldekor mehr von dem geistigen Auge. Bei allen anderen Filmen schon und da sind die Sichtungen teils mehrere Wochen her.

Ui, ganz heißes Eisen. Logikfehler könnte ich in fast jedem großen Actonfilm aufzählen.
Nein, so penibel wollte ich gar nicht sein; es ist klar, dass kaum ein Genre-Film einer strengen Logikkontrolle standhalten würde. Ich habe den Streifen 1999 das erste Mal gesehen und seitdem ist mir das auch zum ersten Mal aufgefallen. Mit "abstrus" meine ich eher, dass das Finale fast die gleichen merkwürdig-abgehackten Brüche aufweist und unbefriedigend früh endet, wie das des Vorgängers. So als würde man förmlich spüren, dass Hamilton die Produzenten im Nacken sitzen und ihm ständig zuraunen: "Nun mach mal Tempo, Guy. Laufzeitbegrenzung. Der Film darf nicht über zwei Stunden gehen." Für einen Endkampf ist die finale Konfrontation doch arg knapp und unspektakulär. Die großartigen Stunts hat man alle bereits im Filmverlauf verpulvert und Kananga platzt einfach nur. Naja...

Die Schauplatz New York war ja nun mal durch den Roman vorgegeben und sah in den Siebzigern wohl allgemein nicht so glamourös aus. Ich mag diese Szenen, und ich bin ehrlich gesagt auch froh, dass die Stadt als Location zu genau dieser Zeit genutzt wurde. Auf mich wirkt es authentisch und teilweise faszinierend. Dieser vermüllte Hinterhof ist natürlich an sich nicht so bondig, aber für mich ist das halt die Umgebung, in der Mr. Big herrscht und seine Macht entfaltet. [...]Auch das Thema Voodoo war schon durch den Roman vorgegeben. Sicherlich hätte man hier vielleicht auf das eine oder andere Klischee verzichten können, aber Plakativ waren die Bonds ja auch immer etwas. Für mich hält die Bondformel Ausflüge in solche Gefilde aus, und es verleiht dem Film auch ein deutliches Alleinstellungsmerkmal. Aber schon interessant, dass sich gerade bei diesem Film die Geister so scheiden...
Ja, für mich ist es mit den Voodoo-Elementen in der Summe einfach zu plakativ; aber - wie oben geschrieben - ist es auch eher die Art, wie Story, Regie, Cinematographie, Darsteller, Kostüme, Schauplätze usw. hier zusammenwirken. Bei New York gebe ich dir auch gerne recht; das mit dem atmosphärischen Zeitfenster stimmt schon. Mein Problem ist eher, dass fast der ganze Film so aussieht und in abgelegenen, provinziellen, heruntergekommenen US-Milieus spielt. Da gibt es gar kein Gegenwicht. Es fehlt das gewisse Etwas, der Larger-than-Life-Aspekt. Das Mr. Big hier herrscht, kann ich nachvollziehen, aber da man Kananga zu Beginn seperat aufbaut und in einer ganz anderen gesellschaftlichen Sphäre verortet, hätte man ihn an ganz anderen Orten und in ganz anderen Räumlichkeiten agieren lassen können; tut man dann aber auch nicht wirklich. Hier finde ich es etwas schade, dass man gar nichts aus Kanangas Diplomaten-Tätigkeit gemacht hat. Hier hätte man eine atmosphärische Sequenz bei der UN einbauen und - da man da eh nicht hätte drehen dürfen - Syd Cain ein wirklich bondig-glamouröses Set bauen lassen können; weil der Zuschauer anno 1973 - analog zu Adams Fort Knox - ohnehin nicht genau wusste, wie es dort wirklich aussieht. Das hätte ich zum Beispiel cooler gefunden, als Ami-Gangstern massenhaft bei "Schlitten schrotten" oder Pepper beim "Austernwagen überholen" zuzuschauen. In solchen Szenen wirkt der Film dann eben streckenweise sehr austauschbar bzw. gewöhnlich. Vielleicht geht es da aber nur mir so. ;)
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Martin

Felix Leiter

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Dienstag, 25. Juni 2019, 22:19

@ Martin & Mister Bond
Ich finde es klasse, dass ihr so für den Film in die Bresche springt. Mein großen Respekt.


Ich finde es dagegen gut, dass du deinen Blickwinkel auf die Filme so stark ändern kannst. Ich bin da wohl sehr konservativ und finde fast immer meine Meinungen bestätigt. Ist aber vielleicht auch der Nachteil meines eher zähen Marathons. Manche Sachen fallen einem wirklich eher auf, wenn man die Filme relativ flott hintereinander sieht. Werd das wohl mal nach Bond 25 angehen.