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macon

MI6 Staff

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101

Sonntag, 23. August 2015, 15:08

Also ich mag DN ja sehr und ziehe ihn z. B. einem GF deutlich vor. Das mit dem B-Movie würde ich auch verneinen. Allein schon dass als europäische Produktion vor Ort in Jamaika gedreht wurde. Das Flair dieser Location dürfte auf den Europäer Anfang der 60er beeindruckender gewirkt haben als manche große Actionszene in einem Bond heute.

  • »Daniel Schweikert 1996« ist männlich

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102

Sonntag, 23. August 2015, 15:45

Hiermit stimme ich macon uneingeschränkt zu. Michael Apted hat das auch mal recht treffend beschrieben. 1962 ließ sich ein jeder Ottonormalverbraucher von Wunderwelten des wellenartig dahergespülten H2Os beeindrucken, doch als er dann 1999 einen Bondfilm auf die Beine stellen sollte, mussten etwas andere Vorstellungen von Exotik Gestalt annehmen, so sieht man davon etwa in Bilbao das, was Mister Apted diesbezüglich vorschwebte, gleichwohl der Film dennoch "studiöser" aussieht als DN. Ich finde DN sogar schöner als SF, da ich ein Faible habe für die noch nicht gänzlich auf Hochglanz polierten Werke - wie eben aus heutiger Sicht DN. Es war eine vollkommen andere Zeit, nehmen wir das Land in welchem wir leben einfach mal als Beispiel, dürfte es damals nämlich nahezu niemanden gegeben haben, der sich in den Sommerferien nach Jamaica begibt.
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Bond '89 - Robert Davi

  • »Daniel Schweikert 1996« ist männlich

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103

Mittwoch, 7. Oktober 2015, 22:50

Sehr interessant! Da gäbe es viel zu diskutieren.
Was ist der Grund für die unterschiedliche Einstufung von TSWLM (ab 6) und MR (ab 12)?

Nochmals Hallo.

Ich hatte zwar damals schonmal grob darauf geantwortet, habe MR in der Zwischenzeit allerdings nochmal gesehen und kann die Antwort nun womöglich etwas präzisieren (zumal ich immer noch der Ansicht bin, dass die 12er Freigabe gerechtfertigt ist, da der Film trotz des kindlichen Grundtons nicht für Kleinkinder geeignet ist).

Begründung:

Bei der letzten Sichtung habe ich auf die betreffende Szene (auf jene mit der Schlange, weniger auf die mit den Hunden) etwas genauer geachtet und nun fiel mir offenbar wieder ein, was mich zu dieser für einen Comic-Bond recht hohen Einstufung führte. Es ist der Todesgenuss der weiblichen Schönheiten, welche sich den Kampf bildlich vor Augen führen - diesen direkt mitverfolgen. Bevor man klar deren Enttäuschung sieht, als Bond als Sieger hervorgeht, sieht man klar deren erregt anmutende Befriedigung, als sich das geradezu monströs erscheinende Riesenvieh Bond annimmt. Etwas ähnlich wie Xenia Onatopp sichtlich höhepunktverdächtiges Vergnügen darin findet zahlreiche Menschen zu erschießen. Der Punkt ist, dass die Mädchen am Becken des Geschehens zugegebenermaßen sehr hübsch sind, äußerst ansehnlich sogar. Sollte also nun beispielsweise ein 7-jähriges Mädchen den Film sehen, könnte dieses denken: "So will ich irgendwann auch mal aussehen." Ist dieser Gedanke erstmal hergestellt, kann daraus im ungünstigsten und unschönsten Extremfall auch noch ein "So möchte ich mich eines Tages auch mal verhalten" werden, immerhin wird die Wahrnehmung durch die exotisch schöne Umgebung zum Positiven getrübt und die Mädchen sehen aus wie Vorbilder. Hier hat ein Kind vielleicht mehr Interpretationsfähigkeit als man glaubt - und sei es auch Fehlinterpretation. So bildet sich im Geiste eines Menschen von noch einstelligem Alter ein Falschbild, welches im Sonderfall zu unerwünschten Verhaltensmustern und Folgen führen kann. Im Gegensatz zu den anderen "Schlangen-Bonds" ist das Vieh aus MR deutlich größer und viele Kinder funktionieren denktechnisch noch nach dem Wahrnehmungsbild: "Je größer, desto gefährlicher." Hier über-interpretiere ich vermutlich, weil ich selbst Angst vor Schlangen habe, aber wenn wunderschöne, aus Sicht der jungen Mädels beneidenswerte junge Damen sichtliche Befriedigungseffekte erzielen, wenn gerade ein Würgeprozess der unerfreulichsten Art vonstatten geht, verformt das das Bild vor dem geistigen Auge der Kinder unter Umständen zum Schlechten. Ich würde den Film ja ab zehn Jahren freigeben, aber dadurch dass ich nach dem FSK-Muster argumentierte, wählte ich die 12, da die 10 selbiger näher steht als die 6er FSK-Freigabe. Die ganze Art und Weise mit welcher Bond von den Damen angelockt wird ist geradezu verführerisch, dies trübt das Wahrnehmungsbild der jüngsten Zuschauer unter Umständen, da Schönheit von Anfang an mit einer Todessituation assoziiert/verbunden wird. Wie dem auch sei, dies war die Begründung. :)
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Bond '89 - Robert Davi

Erik Lehnsherr GP

Lord of the Sith

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104

Mittwoch, 7. Oktober 2015, 23:43

James Bond 007: Dr. No (1962, Terence Young)

Mit Terence Youngs DN hielt vor über fünfzig Jahren eine der mittlerweile wohl bekanntesten Filmreihen aller Zeiten, basierend auf den Romanen des Ex-Spions und James Bonds geistigem Vater Ian Fleming, Einzug in die Kinosäle. Ausserhalb von leidenschaftlichen Fankreisen findet dieser Erstling in Bestenlisten häufig kaum Beachtung und wird nicht selten auf die Tatsache reduziert, dass es sich eben um den Auftakt der Reihe handelt. Schade, wie ich finde, denn der mit einem bescheidenen Budget von einer Million und ohne grossen Erwartungsdruck gedrehte DN ist auch nach mehr als zwanzig Fortsetzungen und diversen weiteren Highlights noch eine wahre Perle der filmischen Bondwelt und trotz seiner Einzigartigkeit bis heute prägend für die Missionen des berühmtesten Agenten ihrer Majestät.

Verglichen mit späteren Adaptionen ist DN noch relativ tief in Flemings Romanvorlage verwurzelt und lässt sich am besten als Synthese aus spannender Detektivgeschichte und fantasievollem Abenteuerfilm bezeichnen. Die erste Hälfte widerspiegelt dabei den Detektivfilmteil, in dem Bond wie so oft als Aufhänger einem dubiosen Mordfall nachgeht, was sich in DN aber noch um Einiges ausführlicher und damit spannender abspielt, als in den folgenden Werken der Reihe. Die zweite Hälfte, in der das Erkunden der Insel durch den Protagonisten im erzählerischen Fokus steht, repräsentiert den actionreicheren und findigeren Abenteuerfilm. Young lässt aber in seiner Inszenierung die Elemente dieser beiden Seiten derselben Medaille immer wieder ineinandergreifen und sorgt besonders im Mittelteil für einen fliessenden Übergang. Wie bereits angetönt sind Bonds Ermittlungen in und um Kingston nicht bloss der übliche einfache Anfangspunkt, sondern integraler Bestandteil der Handlung und deren dramaturgischer Entwicklung. Selten in über fünfzig Jahren wurde die Arbeit von 007 so reduziert und schlicht erzählt wie in der ersten Dreiviertelstunde von DN, allerdings sorgt auch hier eine ganze Palette an unterschiedlichen Faktoren für exzellenten und spannungsvollen Unterhaltungswert.

Kaum ein anderer Bondfilm hat eine so schöne und atmosphärische Kulisse aufzuweisen, wie der Erstling DN. Die faszinierende Symbiose aus dem exotischen und traumhaften Flair der karibischen Hafenstadt Kingston und dem alltäglichen Lebensstil der frühen 1960er-Jahre ist mehr als nur ein Hintergrund, sie ist ein Teil des Films. Der geografische und zeitliche Rahmen bedingen immer wieder, dass Bond auf eigene Faust vor Ort unterwegs ist, das Umfeld erkunden und seine Fantasie benutzen muss, um Informationen in Erfahrung zu bringen. Gleichzeitig werden Gefahrensituationen wie eingeschmuggelte Giftspinnen, lauernde Attentäter und verräterische Handlanger simpel und effektvoll in die Handlung mit eingebaut. Generell ist DN durchgehend straff, schnörkellos und zielgerichtet inszeniert, ohne sich mit Nebenhandlungen oder Ähnlichem aufzuhalten. Akzentuiert wird diese Stringenz durch den rasanten und auch heute noch sehr modern wirkenden Schnitt des späteren Bondregisseurs Peter Hunt, der Youngs traumhafte Bilder mit spielender Leichtigkeit arrangiert. Dazu kommen ein minutiöses und eindringliches Sounddesign sowie Musikgestaltung, die dafür sorgen dass die Spannung inmitten des visuellen Charmes nicht untergeht. Als musikalisches Leitmotiv dient nicht wie bei den anderen Serienbeiträgen ein Titelsong im Vorspann, sondern das launige und leichte Underneath the Mango Tree, das immer wieder eingespielt, variiert und sogar von den Charakteren gesungen wird, und das exotische Flair des Films perfekt unterstreicht.

DN ist das Ventil, das Flemings Romanbond adaptiert und daraus die Filmfigur James Bond geschaffen hat. Und für die darstellerische Umsetzung hätte man keinen besseren Mann verpflichten können, als Sean Connery. Der Schotte brilliert als Agent mit der Lizenz zum Töten, und verleiht ihm maskulinen Charme, energisches Auftreten und eine gehörige Portion Zynismus, aber auch weltmännischen und kultivierten Charakter. Egal ob er bei Gegner zuschlägt, bei Frauen zuschnappt oder sich einen Drink kredenzen lässt, Connery trifft stets den optimalen Ton und die haargenau richtige Geste, um seinen Bond zu formen und zu definieren. Er trägt den Film von seiner ikonographischen Vorstellung im Casino bis hin zum Kampf auf Leben und Tod gegen Dr. No. Ob Connery als Bond jemals wieder so gut war wie in seinem Debüt lässt sich schwer sagen, sicher ist, dass er nie wieder so kantig und cool war wie in DN.

Der von Joseph Wiseman verkörperte titelgebende Oberschurke ist für mich einer der drei besten Gegenspieler in der gesamten Bondreihe. Nicht obwohl, sondern gerade weil er erst kurz vor Schluss auftritt. Bis dahin wird Dr. No als geheimnisvoller und unsichtbarer Strippenzieher immer wirkungsvoller aufgebaut, sei es durch die merkwürdigen Gerüchte über seine Privatinsel und die darauf lauernden Gefahren, oder durch seinen indirekten ersten Auftritt als kalte Stimme, die Professor Dent in einem leeren Raum energische Anweisungen erteilt. Die Präsenz, die der Doktor den Film gewinnt, ohne dabei vor die Kamera zu treten, ist wahrlich bemerkenswert. Umso beeindruckender, dass Wiseman die Versprechungen dann auch einhalten kann. In seinen wenigen Minuten Screentime spielt er den hageren Chinesen mit dem maskenhaften Gesicht und den metallenen Händen mit einer solchen Kälte und Intensität, dass es einem kalt den Rücken runterläuft. Ein weiterer Höhepunkt sind hier auch die fantasievollen Dekors von Nos Appartement, entworfen vom legendären Setdesigner Ken Adam.

In der Besetzung und Gestaltung der Nebenrollen wartet DN mit einer ganzen Palette farbiger Charaktere auf, die rund um Connerys Bond arrangiert sind. Absolut ikonographisch und dazu noch über alle Massen erotisch ist Ursula Andress‘ Honey, das erste Bondgirl der Filmgeschichte. Andress‘ erster Auftritt wird nicht zu Unrecht regelmässig als eine der Sternstunden der Bond-Historie bezeichnet. Wie sie singend aus dem Wasser steigt, als wäre sie eine Kreatur des Meeres, ist mindestens genau so stark wie ihr Zusammenspiel mit Connery. Jack Lord als kumpelhafter und lässiger CIA-Kollege Felix Leiter zählt von den vielen Darstellern, die die Rolle gespielt haben, mit Sicherheit zu den passendsten und eindrücklichsten. Unvergesslich ist natürlich auch John Kitzmiller in der Rolle des abergläubischen aber todesmutigen Fischers Quarrel, der für Bond sein Leben lassen muss. Mit Bonds „Casino-Bekanntschaft“ Sylvia Trench und der ebenso verräterischen wie naiven Miss Taro wird bereits vor Honeys erstem Auftritt für den richtigen Schuss Erotik und Eye-Candy gesorgt. Und Bernard Lee legt als autoritärer und strenger Geheimdienstchef M den Grundstein für seine Darstellung in den darauffolgenden Filmen. Die respekt- und vertrauensvolle Beziehung zwischen dem zuweilen etwas von Bond genervten M und 007 selbst wurde hierfür direkt aus Flemings Romanen übernommen und erfährt durch Connery und Lee eine fantastische Belebung.

Es gibt für mich kaum etwas, das an DN auszusetzen ist. Natürlich könnte man sagen, dass der Film verglichen mit den späteren Bondabenteuern unspektakulär daherkomme, das wäre in meinen Augen aber der völlig falsche Denkansatz, da DN ein ausladendes Spektakel gar nicht nötig hat. Die ikonographische Location Jamaika, die Härte und Straffheit der Inszenierung, die richtige Portion trockener Witz und viel Charme, ein farbiges Figurenensemble, stimmungsvolle Filmmusik und nicht zuletzt eine Bombenleistung von Sean Connery als unverbrauchter Bond, wie er ihn cooler nie mehr zu spielen vermochte, all das macht Terence Youngs Auftakt der langlebigen Filmreihe zu einem schillernden Juwel, dem meiner Meinung nach nur noch ein kleiner Sprung zur Perfektion fehlt.

Wertung: 9 / 10

  • »Daniel Schweikert 1996« ist männlich

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105

Donnerstag, 8. Oktober 2015, 00:05

Interessanter Stil! Eine Schreibweise, wie man sie in dieser sprachgewaltigen Form der Formulierungskunst sehr selten findet, wunderbare Wortwahl!
DN ist ja auch mein Favorit der Connery-Ära und die Sets gefallen mir gar am Besten. Ob Sir Sean Connery später erneut so wirkungsvoll auftrat wie in DN? Meiner Meinung nach durchaus, aber ausschließlich in Liebesgrüsse aus Moskau.
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Bond '89 - Robert Davi

Scarpine

Verschlagener Korse

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106

Montag, 6. Mai 2019, 22:58

James Bond 007: James Bond jagt Dr. No

Bond Marathon # 00…1; Originaltitel: Dr. No, GB 1962, Regie: Terence Young, Drehbuch: Richard Maibaum, Johanna Harwood und Berkely Mather nach dem Roman von Ian Fleming, Darsteller: Sean Connery, Ursula Andress, Joseph Wiseman, Jack Lord, John Kitzmiller, Bernard Lee, Eunice Gayson, Zena Marshall, Lois Maxwell, Peter Burton u. a., Premiere: 05. Oktober 1962.

Zitat von »James Bond 007: James Bond jagt Dr. No«

Eine Routine-Meldung von Jamaika via Funk bricht urplötzlich ab. Nachforschungen ergeben: Der Nachrichtenoffizier Strangways und seine Sekretärin sind spurlos verschwunden. Strangways' Meldepult sendet noch, der Teppich ist blutbefleckt. James Bond – Codename 007 – mit der Lizenz zu Töten übernimmt die heikle Aufgabe, das rätselhafte Verschwinden des Secret Service-Mannes vor Ort aufzuklären und herauszufinden, welche brandheiße Spur der offensichtlich Ermordete zuletzt verfolgte. In der Karibik steht 007 sofort unter Beobachtung. Wem kann er trauen? Schritt für Schritt erkennt James Bond, wer Freund und wer Feind ist. Doch gleich auf welcher Seite die Beteiligten stehen: Sie alle eint die Furcht vor einem einzelnen Mann, den nie ein Mensch zu Gesicht bekommen hat, dessen Augen, Ohren und Hände aber überall zu sein scheinen. Ein rätselhafter Inselbewohner namens Doktor No…

Zitat von »Scarpine (2013)«

Ein rundum gelungenes Seriendebüt, dem es sowohl gelingt der ikonischen Romanvorlage gerecht zu werden, als auch dem damaligen Kinozuschauer einen eigenwilligen und völlig neuen Filmcocktail zu servieren. Mögen manche später etablierten Trademarks und Ingredienzien noch fehlen und zudem gewisse Elemente noch etwas unsicher umgesetzt sein, so debütiert der Agent mit der Serienummer 007 doch mit einem spannenden, furiosen und phantastischen Erstlingseinsatz.

Ein Eindruck, der sich beim erneuten Wiedersehen mit Bonds Debütmission vollauf bestätigt hat. Es ist interessant, dass vielen Bondfans Connerys Einstand immer ein wenig zu behäbig, bodenständig, unspektakulär und tempoarm erscheint. Für die Kinobesucher 1962/63 war er vermutlich genau das Gegenteil. Denn der erste Bondstreifen ist nicht nur ein Thriller, eine Agentenstory oder eine 50er Jahre-Hard Boiled-Detektivgeschichte, sondern verrührt darüber hinaus Exotik-, Erotik-, Glamour-, (Life-)Style-, Design-, Science-Fiction- und Mystery-Elemente mit diesen Genres zu einem einmaligen Cocktail, der seinerzeit gewiss seinesgleichen suchte. Abseits diesen historischen Blickwinkels kam mir der Film dieses Mal auch ungemein geschmeidig und über die gesamte Laufzeit geschickt ausbalanciert vor. Sicherlich gibt es nicht viele Actionmomente, aber die, die vorhanden sind, werden geschickt gestreut und ausgekostet. Ansonsten dienen die brutalen Morde, das Mysterium um Crab Key, die unheimliche Figur des Insulaners und der Countdown zum Start der Mondrakete als Spannungsmacher. Demgegenüber ist es Sean Connery selbst, der den Zuschauer mit seiner Präsenz zu fesseln weiß. Ob in Gesellschaft, im Büro, auf Mission oder im Umgang mit Freund, Feind oder Frauen; immer strahlt der Schotte eine bemerkenswerte Souveränität aus. Selbst in so kleinen Momenten, wie wenn er sein Hotelzimmer präpariert, oder bei seiner Rückkehr – eine Vergiftung fürchtend – lieber lässig die frische Wodka-Flasche aus der Schublade holt, während der Zuschauer - der Handlungslogik folgend - bereits mit dem Einsatz der todbringenden Tarantel rechnet.

Dagegen fällt die restliche Besetzung fast zwangsläufig ab, wobei immerhin Joseph Wiseman mit stiller Dämonie gewisse Akzente zu setzen weiß. Jack Lord und John Kitzmiller sind sympathische, kompetente Helfer. Die Kritik an Quarrels Darstellung finde ich übertrieben, zumal Honey ihn in Sachen Naivität und Aberglauben beinahe noch überbietet. Wenn überhaupt sind beide Figuren aus heutiger Sicht kritikwürdig. Für 1962 waren ihre Biographien und Erfahrungshorizonte gar nicht so unrealistisch. Mag ihr erster Auftritt auch noch so ikonenhaft sein, die Rolle und Ursula Andress' Darstellung erscheinen im Serienkontext reichlich blass. Anthony Dawson und Bernard Lee bieten als verschlagener Scherge und als autoritärer Vorgesetzter gute Leistungen auf den Punkt, während Eunice Gayson und Zena Marshall ebenso pointiert in den weiblichen Nebenrollen brillieren. Ein großes Lob muss man dem Design-Team aussprechen. Von den Maintitles, über das Art-Design bis hin zu den Dekors erkennt man bereits das detailreiche, liebevolle Auge für Stil, Zeitgeist und Postmoderne. Mag Doctor No von der Besetzung und dem Sujet her eigentlich noch ein B-Picture sein, so ist es die Ausstattung, die den Film und seine Nachfolger für die A-Riege empfiehlt. Ein weiteres Lob muss man Ted Moore an der Kamera zusprechen, der die Karibik und die prächtigen Innenräume kraftvoll und mit einem guten Gespür für stimmungsvolle Momente fotografiert. Das Drehbuch bleibt noch relativ eng an dem Roman, verdichtet die Handlung der Vorlage effektiv und ist mit kurzen, prägnanten Dialogen gespickt. Auch im Erstling sprühen die One-Liner bereits nur so vor Sex und Sarkasmus.

Als Regisseur war Terence Young sicherlich ein Glücksgriff für die Frühphase der Reihe. Seine Fähigkeit, aus überschaubaren Mitteln das Optimum herauszukitzeln und seine Nähe zu dem - Bond-Schöpfer Ian Fleming eigenen - arroganten, britischen Upper-Class-Snobismus, waren echte Garanten für eine stilsichere Umsetzung des literarischen 007-Komsos. Zudem gerieten unter seiner Regie die nachrichtendienstlichen Verwicklungen und Agentenabläufe, auch unter Zuhilfenahme von genretypischen Härten und kaltem Zynismus, in seinen drei Bondbeiträgen am glaubwürdigsten und packendsten. Dasselbe gilt für die Handhabung der Drehorte; egal ob Jamaika oder die Türkei & der Balkan bzw. die Bahamas in den Serienbeiträgen 2 und 4. Young schafft es, die Kulturen, die Lebensweise der Menschen und die Schönheit der Natur dieser Orte auf geschickte Art und Weise und mit solchem atmosphärischen Biss zu porträtieren wie kaum einer seiner Nachfolger auf dem Regiestuhl. Es gibt nicht viele andere Bondfilme, die ein solches "on location"-Feeling bieten, wie die Young-007-Streifen. Leider ist ihnen das – neben zwei, drei anderen Serienbeiträgen – auch häufig zum Nachteil ausgelegt worden. Die Jamaika-Impressionen dieses Films jedenfalls zählen zu den schönsten Natur- und Folklore-Aufnahmen der Reihe.

Bond Begins – aber auch "Bond at his best"? Nicht ganz. Insgesamt ein früher, aber trotzdem sehr qualitätvoller Serieneintrag, der sicherlich gewisse Ansprüche noch nicht voll erfüllen kann, aber dennoch in puncto Klasse so manches, später entstandenes Bondwerk zu überbieten weiß.

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Daniel Dalton

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Dienstag, 7. Mai 2019, 11:16

Perfekt geschrieben!, darüber hinaus kann ich so gut wie jedwedem Punkte meine Zustimmung schenken.
Willkommen zurück, lieber Patrick Bauchau (Rohmer, Zulawski, Glen, Argento, Columbo, Wenders etc., wo du eben überall mitspieltest).
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Scarpine

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Donnerstag, 9. Mai 2019, 21:15

Danke für die freundliche Rückmeldung, Daniel Dalton. :prost:
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Daniel Dalton

Felix Leiter

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Freitag, 10. Mai 2019, 17:55

So geschah es gern :prost:
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Mister Bond

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Sonntag, 12. Mai 2019, 22:42

Welcome back, Scarpine :thumbup:

Im Grunde haben deine Argumente alles, allerdings sehe ich dan nin meiner persönlichen Wertung, welche ja auch bis 10 gehen würde, mehrere Bondfilme, die doch um einiges besser sind. Angefangen freilich beim direkten Nachfolgefilm. So kommt Dr. No bei mir nie über die 7 Punkte hinaus.
Die hervorstechendsten Punkte sind bei mir auch Connerys Performance, die tolle Location, Ken Adams Arbeit, Jack Lord als Felix Leiter und im Grunde auch Joseph Wisemans "Doctor No".

Scarpine

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Montag, 13. Mai 2019, 21:44

Dankeschön, Mister Bond! :)

Ja, die Bewertungen gehen halt immer ein wenig auseinander. Und Doctor No hatte schon immer einen deutlich besseren Stand bei mir, als bei den meisten anderen Fans, was die jüngste Sichtung wieder eindrucksvoll untermauert hat. Manche Filme habe ich aber tatsächlich seit circa sechs Jahren nicht mehr gesehen, sodass ich glaube, dass es innerhalb des Marathons auch zu einigen - positiven wie negativen - Überraschungen kommen könnte.
Ich bin da selbst mal gespannt... :pop:
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Daniel Dalton

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Mittwoch, 28. August 2019, 11:39

Seid gegrüßt,
hier nun Rezi Nr. 1, demnächst schreibe ich noch einen umfassenderen Text zu dem Film, LG





Betretet den Tempel der
Ursprünge, willkommen im Reiche dessen, was zur
Unvergesslichseinswunderdauerperfektionsreihe avancierte, der
häufigerweise „nur“ als flacher Actionheld (fehl?-)diffamiert
worden seiende James Bond ward geboren und präsentiert hiermit in
verdorrter Trockenheit, zynisch gefärbten Pointen und
unmissverständlich klaren Ansagen des frühen Connery eine
hervorragend den Geist der Romane in die frühen 60er Jahre der
Filmkunst transportierende Klarheit, eingebettet in eine anfänglich
als Detektivgeschichte sich zeigende, späteren Momentes zum
Zauberabenteuer sich formende Entbietung größlicher visueller
Schönheit am Strande Jamaicas – und trotz vergleichsweise geringer
Laufzeit nimmt der Film, der er fürwahr an und für sich durchaus
stringent auf den Punkt zwar kommt, aber Raum übrigließe für
Freiheit und Phantastik, nur langsam Konturen an und gönnt unseren
Augen minutenlanges Beobachten einzelner Szenenpassagen, bitter und
herb ist dabei bisweilen der Grundton des Gesagten, doch der Film
verkommt niemals gänzlich zum Missvergnügen, sondern kombiniert die
Elemente Härte einer- und „Urlaub“ andererseits auf kongeniale,
fast einzigartige Weise und bildet den meines Erachtens knapp nach
Liebesgrüße aus Moskau zweitbesten Connery-Bond, zudem trotz der
erdentrückt schönen Ken-Adam-Sets wird auch noch weitgehend auf
barocke, diffus-verwirrend-extreme Elemente verzichtet, in welchen
die Form WEIT über dem Inhalt stehen würde, so wird der Ästhetizist
unter den Zuschauern zwar auch beim 62er Jahrgange mitnichten
enttäuscht sein, doch der Film böte eben nicht NUR diesem bildlich
orientierten Zuschauer die richtige Dosis des Visuell-Erwünschten,
sondern bereichert auch „sachlicher“ eingestellte Gemüter
gleichermaßen, so gelänge ein Spagat gar, der bei nur zu vielen
Werken auch außerhalb des Bondes nicht von Erfolg hat gekrönt sein
können, Terence Young fügt seinem Oeuvre hiermit einen Film hinzu,
welcher zwar weniger den Hitchcock-Charakter der Liebesgrüße in
sich trüge und noch nicht die beschwingt-lockere Entspannungsaura
Feuerballs (was auch nicht zum verbissenermaßen harten, frühen
Bonde gepasst hätte), doch im Wesentlichen versteht er es, die
Kernkompetenzen der beiden/späteren anderen Young-Bonds so zu
verbinden, dass etwas Einzigartiges entstünde, nämlich ein Film,
welcher zumindest in der ersten Hälfte Teile des 'Realismus' der
Liebesgrüße beinhaltet, in der zweiten Hälfte hingegen die
tiefblaue Liebe zum Meere, deretwegen Feuerball sich so intensiv in
unsere Herzen spielte, demzufolge ist der erste Bondfilm auch gleich
schon die erste Bewusstseinserweiterung, noch nicht so
ironisch-charmant-charmeuristisch wie die späteren Werke, sondern
mit messerscharfen Argusaugen beobachtet Bond ein jedwedes Detail und
nimmt bereits zahllose Dalton-Elemente indirekt vorweg, an welchen
sich Timothy zweieinhalb Jahrzehnte darauf gekonnt hat orientieren
können zwecks eigener Interpretation der Rolle, DN '62 ist ein
kleiner UND ein großer Film, Kleinod und Großschau zur fast exakt
selben Zeit, das hieße von zwar nicht gleich nihilistisch
angehauchter, aber doch KLARER Drastik lebe/stürbe er in Momenten
wie „you've had your six“ (hier bemerkt man doch, dass Bond ein
kalt exerziert worden seiender Mensch ist, so viele Schwächen er
andererseits beispielsweise für Frauen haben mag, was ich ihm nicht
verdenken kann), aber ein gewaltig hübsches Bounty-Abenteuer (ja,
die Meuterei ist indirekt GG Hoffmanns DN, darin läge ein gewisser
Trost stimmlicher Art, klänge der ansonsten doch so gute Klaus
Kindler in den frühen 60er Jahren schließlich noch zu jung und
dünn, sodass der Wechsel in Richtung Hoffmanns mehr als zu begrüßen
war) ist ihm spätestens dann inhärent, wenn Sände und Strände
unsere Andacht fordern, denn wie ich eingangs schon sagte: So
betretet den Tempel der Ursprünge.



Ein DN-Bond ist nicht über
die Maßen zimperlich, nicht als sonderlich zartbesaitet zu
bezeichnen:


Rücklings werden Wachen
Sam-Fisher-gleich von hinten angegriffen (hart: „weil es sein
muss!“, Bond zu Honey Rider), zugleich erleben wir aber alledem zum
Trotze einen bisweilen recht beherrschten, zurückgenommenen Bond,
welcher sich gar nicht allzu sehr domestizieren muss („Disziplin,
007, Disziplin“), um sich NICHT in den Vordergrund zu spielen,
sondern durchaus auch mal zuhöret und nicht immer mit sofortiger
Wirkung alles Erdenkliche beantworten bzw. mit einer Replik versehen
muss, vielmehr bei allem Bisse vereinzelt auch für bedächtige
Momente stünde, hier manifestiert sich aller Entschlossenheit zum
Trotze ein nicht immer performativ-AKtiver Stil, sondern ein Gespür
dafür, wie Bond BEIDES kann und vermag, ohne aber durch diese
Doppelbegabung ZU sehr über den Dingen zu stehen, wie es nach
einiger Menschen Dafürhalten etwa in Feuerball der Fall gewesen ist,
Bonds Prämissen in DN nämlich entbehren nur selten einer
nachvollziehbaren, akzeptablen Grundlage und machen die Figur somit,
ironischerweise gerade in der hiesigerseits wie gesagt definitiv
vorhandenen Schärfe in Auftritt und Tonfall, in den richtigen
Augenblicken sogar irgendwo fast sympathisch auf menschlicher Ebene,
überhaupt: der gesamte Gestus des Films ist äußerst erträglich,
weder zu aufdringlich noch langweilig-überzurückhaltend, Bond
„nervt“ nirgends, ist aber dennoch weitaus weniger passiv
unterwegs als etwa in der zweiten Hälfte von Goldfinger, wir sehen
Bond agieren und simultan zu unserer Sichtung seiner, schössen uns
bereits in der Sekunde der Betrachtung unzählige assoziativ
angehauchte Gedankenkosmen durch den Kopf, denn obschon (von Honey
abgesehen) oftmals als eher unbedeutender Beitrag zur Reihe abgetan
werdend, ist dieses Erstlingswerk in seinen Einflüssen auf die
Gesamtreihe nicht völlig zu unterschätzen und mutet meiner Meinung
nach auch deutlich weniger krude an, als sich der Vorwurf oftmals
erhöbe aus mir nur bedingt zugänglichen Gründen.


Einige wenige Elemente
mögen indessen albern erscheinen (man dächte etwa an den zwar nicht
anthropomorphen, aber angeblich immerhin an einen „Drachen“
erinnernden Unglücksbringer mit Diesel-Aggregat), zeugen auch von
einem etwas klischeebehafteten Blick auf die dort'gen Einheimischen
und freilich freilich, DN ist generell nicht frei von Mängeln in der
Umsetzung, doch erlangen wir erst einmal die Gewahrwerdung, wie SCHÖN
Teile dieses Films wirklich sind, erreichen wir erst einmal das
Uns-ins-Bewusstsein-Rufen, wie himmlisch Ursula dem Wasser entstieg
und betrachten wir abermals Kens Sets, so wissen wir sehr genau,
weshalb wir uns zum Kaufe dieses rundum exotischen Films
entschlossen, eben weil das Mysterium um „diese Insel“ so
einladend ist, beiklangvollerweise zudem wohnt fast jedem Wort über
und von Doctor No eine Konnotation inne, wir hören EIN Wort und
DENKEN an ein ANDERES, verspielte Details sind es, kleine Spitzen in
den geschliffenen Dialogen, drum intrinsisch und instinktiv folget
Bond hochgradig tatkräftig seinen inneren Befehlen und wagt sich
bisweilen weit vor, in diesem breitflächigen Mausoleum der mit einem
Fuße bereits im Grabe Platz genommen habenden Überlegung also, der
Frage wie man den Doc des Neinwortes wirkungsvoll aus der Reserve
locket, spielt Bond bewusst mit dem Feuer und lüde zum Zwiste ein,
überbordend schön abermals die Sets, wir huldigen und frönen ihrer
abstrakten Schönheit, kennen dergleichen aus nur wenigen Werken und
bekommen einen Vorgeschmack serviert bezüglich der nächsten
Fantomas-Filme, auratisch erstrahlen die Farben, sämtliche Details
akzentuieren das ohnehin schon nicht gänzlich unspannende Geschehen
zu einer erlebnisreichen Begegnung voller Ereignisse, situativ kommet
es zu gewissen Unannehmlichkeiten, die kapriziöse Sprechweise No's
dominiert den gesamten Raum und spränge uns eklatant ins Äuglein,
er postuliert teils Dinge, bei welchen die Vermutung naheläge, dass
er jemand ist, der sich durchaus auch mal etwas erdreistet, erweist
sich als ein äußerst diffiziler, aber wahrhaftig nicht unspannender
Mensch, welcher perfekt ins Bonduniversum passt und auch/gerade mit
unbreiter, nur kurzer screen time dennoch eine gewisse Wirkung
hinterließ, seine gesamte Rhetorik ist recht eigenartig und kann
nach Belieben unterschiedlich interpretiert werden, in jedwedem Falle
ist seine Bindung zu Bond nicht völlig uninteressant, er wirkt fast
„enttäuscht“ dass der vielfach begabte James ihm nur mit,
gelinde gesagt, überschaubarem Respekte begegnet, sich nicht
vollends auf seine Seite schlüge und jawohl, DN nimmt damit, wenn
auch sehr abgeschwächt, bereits erste Sanchez-Elemente vorweg, die
Eigenschaft eines eventuellen „Teamplayers“ (obzwar er letztlich
allein dasteht), welcher eine Zusammenarbeit mit Bond nicht
ausgeschlossen hätte, der größte „Fan“ Bonds war hingegen
möglicherweise Scaramanga, dorten war es noch extremer.


Aufgrund der Tatsache,
dass DN im Rahmen der prägenden, langlebigen und lobenswerten Reihe
als Erstling natürlich eine Sonderstellung einnimmt, gedenke ich in
einigen Tagen oder Wochen (nachdem diese recht allgemein gehaltene
Einführung noch nicht allzu sehr ins Detail ging) eine weitere
Rezension zu diesem Film zu verfassen, bis zum dort'gen Punkte
verbleibe ich fünfsternigen Grußes und empfehle das ebenso
detektivische wie gleichsam meeresdurchtränkte Werk wärmstens
weiter, haben Sie recht vielen Dank.



Glasklar die Gewässer,

Bambusbauten formschöner
Wunder,


selten nur ein Film war
besser,


gelungener Streich ein
Runder und Gesunder.



Die Nähe zu Fleming noch
vorhanden,


die verliebte Geschicht'
eine Mär am Meer,


Klänge wir sie als
fruchtbar empfanden,


vollendet und pur oh welch
Wonn' gar so sehr.
"Loyalität bedeutet mir wesentlich mehr als Geld." - Aus des Problembeseitigers Spiegelbilde sprach die Stimme sanften Verwesens!
Bond '89 - Robert Davi

Daniel Dalton

Felix Leiter

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Sonntag, 8. September 2019, 13:52

So Leute, wie versprochen endlich die Hauptrezension, war ja kürzlich mehr ein Teaser.
Heute allerdings nur 1.1 , 1.2 folget übermorgen, so dünkt's mich. LG
1962, Kelch der Erzeugung, avantgardistisch-wegweisender Pfad
des Urknalls, acht Jahre nach Barry Nelson, dieser Tag, dieses Jahr,
diese Prägung im Gedächt', diese Schöpfung, diese Entstehung – dieser
Moment nun, in welchem ein weiteres Mal dergestalten leidenschaftlich
„Doctor No“ rezensieret wird, da dem bedeutsamen und nur zu häufig
vergessen werdenden Erstlinge gleich ZWEI Texte angedeihen' zu lassen
sind , durchlaufet die Wege im Tore des Ursprungs und ersuchet um
umfassendes Fan-Dasein, begebet euch nach Jamaica, meine närrisch
absurde und gerade dadurch hoffentlich sehr herzliche Rezension übrigens
entsteht diesmal auf Basis einer O-Ton-Sichtung, zumal wie an anderer
Stelle schon erwähnet, waren Klaus Kindler und ich in den 60er Jahren
noch nicht die größten „Klangfreunde“, erst in den 70er Jahren sowie den
darauffolgenden Nachjahrzehnten ertönte sein Stimmorgan in einer
weniger jungen, auch bondigeren Weise, die mich untertänigst mit dem
Kopfe nicken ließe, zuvor war die selbige Stimme für einen Killer namens
Bond zu dünnlich, ironischerweise ist DIE Bondstimme des Films Dr. No
aber Anderswer, ein Synchronpoet, welcher diese Rolle eigentlich gar
nicht vertonte, der hiesige Felix Jack Lord nämlich (der er überhaupt
auch visuell nicht völlig Bond-unähnlich erscheint) wurde in hiesiger
Synchronfassung von Rainer Brandt gesprochen, welchen ich mir in diesem
Jahrzehnt, obgleich es ab Liebesgrüße aus Moskau mit GG Hoffmann NOCH
passender gelöst worden ist, tatsächlich sehr gut auf Connery und/oder
Lazenby hätte vorstellen können, im Zuge meiner mir selbst auferlegten
Synchron-Neugierde habe ich einige Minuten über auch die anderen
Connery-Stimmen DN's auf mich wirken lassen, Seans französische Stimme
hat zuweilen minimal etwas von Engelbert von Nordhausen, welcher Connery
2005 im From-Russia-with-Love-Videospiele sprach sowie in fehlenden
Szenen aus Sag niemals nie, die spanische Stimme klingt äußerst gut,
gereicht und geleuchtet der Rolle mehr als zu Ehre, aber sie wirkt etwas
zu betagt, jene in der portugiesischen Fassung dann erschien akzeptabel
mindestens, aber auch nicht perfekt, bei der Cestina-Version war der
Klang zu leise und zurückgenommen, letzten Endes empfehle ich Connery
tatsächlich am Ehesten im O-Tone, oder aber ab den Liebesgrüßen
definitiv auf Deutsch, Hoffmanns Organ reüssiert in einer Klangbrillanz
kosmischen Ausmaßes.

Endlich!, der Film er begänne (zugegebener- und
zugestandenermaßen habe ich zum Filme selbst ja in all diesen Zeilen
noch nicht wirklich etwas gesagt, trug noch nichts bei), ungewöhnlich
erscheint der gunbarrel, der Stil scheint sich, was bei einem
Erstlingswerke auch mitnichten ein Wunder darstellt, noch formen zu
müssen, doch immerhin gelänge es den psychedelischen und farbenfrohen
Pünktchen, die sie wie wild umhersprängen, John Barry's legendäre
Theme-Arbeit recht grell und unternehmungslustig einzuleiten, es handelt
sich um keinen zu kruden Film, denn Abwesenheit der Perfektion hin oder
her, überwöge bereits das richtige Gefühl für die richtige Szene,
alsbald wird dem Zuschauer aber der büntlichen und farbfreudigen
Einleitung zum Trotze gewahr bis bewusst werden, dass die erste Hälfte
des Films an und für sich eher „sachlich“ erscheint (es ist sehr
edelmütig und gütig von diesem Film, dies mit der Zeit zu ändern und
unseren Wünschen anzupassen, sodass sich der Film den heißesten Ideen
assimiliert), erst hauptsächlich ab Miss Taro, Crab Key und Honey, so
deucht's mich, scheint sich das bildschöne Werk endgültig zum
Abenteuerfilm zu entwickeln, in den zuvorigen Szenen hingegen wohnen wir
(eigentlich wahrlich nicht in meiner Gunst, nicht mein Genre, hier
jedoch weiß es zumeist zu gefallen, denn Setting und Gesamtgestaltung
nahmen mich mit auf die richt'ge Reise, zudem handelt es sich, das war
2004, mit um meinen ersten Bondfilm) eher einer Art „Detektivgeschichte“
bei, NOCH ist es also nicht jene eskapistische und zum Gigantismus
neigende Weltexkursion, welche am Strande und im doktörlichen
Ken-Adam-Anwesen sich in Bälde wird entfalten dürfen, vielmehr überwöge
anfangs der „logische Verstand“ (es ist mir genant, zuzugeben, über
einen Ebensolchen nicht zu verfügen), denn erst durch diesen erführen
wir überhaupt davon, WO sich dieses Inselparadies des Grauens überhaupt
befände und durch wessen Hilfe man dorthin gelangt, ich kann mich des
Gefühls nicht erwehren: HART ist der Film bisweilen!, aber (!) die
fruchtigen und betörenden Bäume Jamaicas bilden eine Bühne der Natur
(auch die seelische Nähe zu Flemings Residenz „golden eye“, HAUS und
Filmwerk 1989 mit Charles Dance sowie 1995 mit Pierce Brosnan, erzeugt
einen gewissen Fanservice), die auf den ersten Blick nicht im Geringsten
darauf hindeutet, dass der „You've-had-your-six“-Bond in den
entscheidenden Augenblicken kein Erbarmen kennt, sodass seinen
Widersachern Unschönes widerfährt, gleichwohl er dadurch paradoxerweise
noch nicht automatisch „unsympathisch“ wirkt (er „freut“ sich ja nicht
direkt darauf, spielet nur eben in Seelenruhe Karten, ehe ANDERE Karten
durch den Tod neu gemischt werden, getreu dem
Wie-du-mir-so-ich-dir-Motto, pragmatischer Selbstschutz, irrationale
Taten als rationale Taten und umgekehrt), nur ist man eben mitnichten
gewillt, ihn zum Feinde zu haben, da seine Methoden nicht aus
Zuckerwatte bestünden, sondern, siehe quantum of solace, ungefähr so
hässlich schmecken, als verzehrte man Motoröl, ein solcher Trank
zementiert nun einmal den Augenblick des letztverbliebenen
Abschiedskonzertes, es ist ein Schlussakkord des Adieu-Sagens, in dessen
Zuge man sein Leben zum letzten Male umklammert, rein philosophisch
betrachtet in gewisser Weise gar zum Ersten.

Doch wortpassenderweise zurück zu den Anfangsszenen: Zum ersten
Male erblicken wir, --seine erste Inszenierung gleichermaßen gelungen
wie sieben Jahre darauf in OHMSS, besser noch – und in beiden Werken
erspähen wir zunächst lediglich die Zigarette, ehe Qualmkunst ab '89
gemieden wurde-- , nunmehr den legendären Spion und der Film sei
merci-isiert für diese gelungene Vorstellungsweise in Geheimnis, Bild
und Ton, die häufig zitierte und in Parodien nervigerweise völlig
überstrapazierte Vorstellung dagegen, demnach „Bond, James Bond“,
stammet ursprünglich ulkigerweise nicht direkt von ihm, sondern schien
eine Reaktion auf Eunice Gayson's („Liebesgrüße aus Moskau“) Einführung
am DN-Spieltische („Trench, Sylvia Trench“) darzustellen („I admire your
luck, Mister....“), verführerisch werfen sich beide Filmfiguren gewisse
Blicke zu und haben einen Privattermin anberaumt für ein, sagen wir,
„Golfspiel“, die gesamten ersten Szenen vermögen es dabei glänzend, auf
auch klanglich sehr ikonisch untermalte Weise und in unvergleichlich
perfektionsfreudiger Mimik, ein Spannungsfeld zu erzeugen, bei welchem
zwar lange Zeit über darüber diskutiert werden könnte, ob es nun über
die Maßen „natürlich“ wirkt, oder aber „gewollt cool“, doch Bond
beherrscht die Kunst, dass uns die psychologischen Fragen bezüglich der
Authentizität nicht im Geringsten tangieren und wir auf eben derselben
Welle nur zu gern mitschwämmen, egal ob „echt“ oder nur bedingt, denn
auch das Coole ist (das wäre zu einfach) mitnichten nur aufgesetzt,
manchen Personen ist es inhärent und eben nicht nur eine
Inkompetenzkompensationskompetenz, sondern eine Lebens- und
ÜBERlebenshaltung, die Antwort also auf Sophies 1999er Frage, die Bond
dorten mit „Ich labe mich an Anmut und Schönheit“ beantwortete, wenn
auch meist nur wenige Minuten oder Stunden über, denn jeden Moment
erschösse man ihn wieder, wäre nicht nur um den Smoking schade, auch um
seine Seele, magnetisch also zöge die kinematographisch und
inszenatorisch kraftvolle Schau unser Fan-Dasein an, welches wir seit
Dekaden fristen und andernfalls auch vermissten, FAST so gut wie Dalton
bekleidet Connery hier erstmals seine berühmteste Rolle und nie tat er
es nach Liebesgrüße aus Moskau noch einmal derart glaubwürdig wie in
seinen ersten beiden Werken, auch die alsbaldige Abholung am Flughafen
(auch genau DAS gibt es leider Gottes nur in den ersten beiden Filmen in
dieser Form) ist brillant eingefangen worden, etwa wie Bond seinen
potentiellen Feind von hinten mit extrem strengem Blicke überprüft und
binnen weniger Millisekunden trotzdem glaubhaft einen „Gesamtcheck“
vornimmt, auch in anderen Zusammenhängen zeigt er Ecken und Kanten,
diskutiert etwa mit M über die Auswahl seiner Waffe, geht aber letzten
Endes dennoch auf die „Vorschläge“ (um nicht zu sagen Befehle) seines
Vorgesetzten ein, um keinen normalen Nachrichtendienst vollführen bzw.
verrichten zu müssen („das liegt mir nicht“), langsam aber sicher bauet
sich das Werk auf und geleitet uns hinaus in die sandige und strandige
Natur, exotische Damen traten gar „im Plural“ herbei und verstärken den
nicht singulären Effekt, dass der Film trotz seines vergleichsweisen
Realismus immer noch irgendwo die „Logik des Traumes“ verfolgt und
willens ist, Abstand zum Alltäglichen zu halten, in den Szenen ab Dr. No
wird sich dieser Eindruck noch einmal in einem Übermaße visueller Art
bewahrheiten, das beschrieben zu werden kaum möglich scheint, das
Geheimversteck ist eine Kunst so pur und extrem wie nur annähernd
vorstellbar.

Des Bondes Rhetorik ist wie gesaget noch recht härtlich und im
Tonfalle fast zynisch, wenig ist noch zu spüren von der später oftmals
ZU sehr auf die Spitze getriebenen Grinse-Ironie, tatsächlich wohnt dem
frühen Connery-Bond (obgleich Sean mit den Büchern definitiv weniger
vertraut war als später insbesondere Timothy, dessen Sachkenntnis sehr
lobenswert ist, ihm aber beim Publikum nur selten hat helfen können)
bewusst oder unbewusst eine klare Nähe zur Romanvorlage inne, ganz
nebenbei mag Fleming unter Umständen, sich zudem in der Nähe befunden
habend, lebenderweise noch einen Hauch von Einfluss auf das Machwerk
gehabt haben, ehe er nicht allzu lange Zeit darauf (1964) bereits
verstarb und somit hinfort eilte.

Die Figur des Quarrel, das werden auch viele andere Zuschauer
schon konstatiert oder erwähnt haben, ich selbst band diese Meinung auch
in meine zuvorige Rezension ein, wurde „etwas“ zu klischeehaft
dargestellt (Aberglaube, der „Drache mit dem Dieselmotor“, überhaupt das
Phänomen des Sich-so-Einiges-einreden-Lassens, zudem schnell unsanft
werdend und das Messerleinchen stets parat etc., „ob ich ihr wohl ein
bisschen den Arm brechen sollte...“), der allgemeine Blick auf
dunkelhäutige Einheimische schien nicht der Differenzierteste zu sein,
allerdings ist ein betagter Film irgendwo auch ein politisches
Zeitdokument und zudem lag es noch so gerade in einem erträglichen
Rahmen, schließlich wurden auch Weiße in diesem Film nicht
ausschließlich von ihrer Sonnenseite dargestellt, des Weiteren gehöre
ich nicht zu jener Sprachpolizei, welche nichts Anderes zu tun bestrebt
ist, als selbst in der Kunst (!) 24 Stunden am Tage nach eventuellen
Grenzüberschreitungen zu suchen, die dann anschließend brav „gemeldet“
werden müssen, in gewisser Weise tat Quarrels naive und in zu wenige
Richtungen schauende Darstellung dem Filme sogar recht gut, da sie
scherzhaft als Alibi fungieren kann, wenn sich mal wieder der Vorwurf
erhöbe, Bondfilme würden dazu neigen, ausschließlich die Damen in naive
Positionen zu rücken und die Herren der Schöpfung als alleinige Erretter
und Meister der Idee darzustellen, ganz SO einfach ist es nämlich
letzten Endes nicht und mit Figuren wie Fiona Volpe boten selbst die
60er Jahre vereinzelt Ladys auf beeindruckender Augenhöhe – mindestens,
sie lässt selbst Bond alt aussehen, erst nach ihrem Tode ist er ihr
wieder überlegen, da sie sich aus eigenem Antriebe nicht mehr
nennenswert in Bewegung setzen kann, aus diesem, für die Insider, Grunde
belästigt sie auch nicht ihre Tischnachbarn, wie Bond so schwarzhumorig
sprach.

Mehrmals sagt SC (Sean Connery, nicht Splinter Cell) „I see“,
somit ist im Falle der O-Ton-Fassung auch für Fans von „Shenmue“ ein
netter Gag entstanden, Crab Key (auch verwandt worden in Goldeneye –
Rogue Agent, 2004, bedauerlicherweise ist das Werk misslungen, obwohl
von Electronic Arts erzeugt worden) wird sogleich ein sagenumwobener,
unheilschwanger daherkommender, wundersam anmutender, gar enigmatischer
Ort sein, the best place to be – doch gebet Acht, denn vor DN haben die
Einheimischen und seine Mitarbeiter bzw. Untertanen wahrlich nicht wenig
Angst, nur ein Mensch scheint nun in der Lage und somit NICHT
außerstande zu sein, den erbosten Kameraden in seinen Örtlichkeiten zu
besuchen und dem Treiben des Finsterlings ein Ende zu setzen, Connery
hat in seinem gesamten Gange, den Blicken und Gesten bestimmte
Bondelemente mehr oder weniger von Natur aus inne, aus ihm musste man
nicht Bond MACHEN (bei Moore und Brosnan sehe ich das etwas anders), er
ist es und auch unabhängig davon ob nun freiwillig oder eher weniger,
gewisse Eigenschaften können auch in 100-jähriger Schauspielschul' nicht
automatisch als erlernbar sich erweisen und genau dieser weniger
antrainierte denn vielmehr pur und echt daherkommende Urbezug zur Rolle
war es somit, der die anfänglichen Resultate so passend erscheinen ließ,
sie legendär machte.

An einigen Stellen des Films (allen voran beträfe es eine
gewisse Automobilverfolgungsjagd, nicht auf Dr. No, sondern auf dem
Taro-Tacho die Nadel springen lassend) sind definitiv Tricks (!)
erkennbar, auch die Szene mit der Spinne funktioniert deretwegen nur
bedingt und muss sich mit bloßem Kopfkino begnügen, doch die
Erkennbarkeit gewisser Hilfspraktiken trübt den filmischen Gesamtgenuss
nur außerordentlich unwesentlich und zeigt auch nur zu menschlich, dass
ein SchauSPIEL eben irgendwo auch ein Spiel bleiben dürfen sollte und
nicht zur realen Horrorschau mutieren müssen sollte (es sei denn, der
Filmschaffende hieße Zulawski – da finde ich es irgendwo fast gut ;-) ),
in Bälde übrigens statten wir besagter Miss TARO einen heißblütigen
Besuch ab, ebendiese außergewöhnliche Dame vermag im Gedächtnis zu
bleiben, im damaligen Jahre 2004 habe ich gar einmal nächtens von ihr
geträumt, glücklicherweise entkam ich ihren unsanften Methoden genauso
stilvoll wie Bond und Mord scheint trotz ihrer diesbezüglichen Lüste
nicht ihre Stärke zu sein, schräg war der Traum aber dennoch, denn es
kam zu einem Kusse und sie hat mich doch tatsächlich gebissen, das werde
ich nie vergessen ;-), bei ihr riskiert man wahrlich eine rötliche
Lippe , leider habe ich im Gegensatze zu Connery versäumt, während des
Küssens auf die Uhr zu sehen, diese Szene ist wirklich köstlich, aber es
sei mir verziehen, denn wer mit acht Jahren etwas Derartiges, Tariöses
möcht' ich sagen, träumt, dächte wohl kaum an den hektischen Blick auf's
Zeiteisen.

Dieser erste aller offiziellen Bondfilme ist geprägt von hoher
Urlaubsnote, gänzlich als Kontrast zu den scharfen und geschliffenen
Dialogen, zu den harten Tötungsmethoden und eben besagtem „Biss“, auch
die Pointen bedienen sich herrlich trockener Elemente und böten von
„Passend, wofür?“ bis „Die hatten es eilig, zu ihrer eigenen Beerdigung
zu kommen“ für jedweden dunklen Filmlord die richtigen Spitzen, ganz
anders also als der visuelle Bambus-Stil, die bildliche Note der
Zartheit und des Tanzes, ist der Film selbst äußerst entschlossen und
zuweilen auch gewaltbereit, interessanterweise bezöge sich besagte Härte
hauptsächlich auf die beruflichen und eben irgendwo ein „Feindbild“ aus
dem Wege räumenden Betätigungsfelder und Aktivitäten seines
Bond-Daseins, im zwischenmenschlichen Bereiche dagegen ist Bond
ausgerechnet in diesem frühen Werke meines Erachtens weniger Macho als
in so manch anderem Filme der Reihe, auch die sonstige Süffisanz hält
sich überwiegend in Grenzen, etwa bei Honey's Aussage, dass sie gar mehr
wisse als er zwar, nun..., da deutet sich ganz minimal fast ein Grinsen
an, aber eine Reaktion im eigentlichen Sinne und insbesondere
wörtlicher Art spart er sich und überdenkt seinen Ursprungsansatz,
DN-Bond ist (am Ehesten noch Doctor No gegenüber, aber bei den Damen ist
sein hiesiger Auftritt tatsächlich sehr erträglich) nicht sonderlich
respektlos und begegnet seinem Gegenüber einigermaßen auf Augenhöhe
(eben so weit es einem beinahen Alleskönner nun einmal möglich ist),
auch hier also gelobe ich mich zu wiederholen: Die Morde und dergleichen
werden dadurch nicht automatisch sympathisch und Bond ist zweifelsohne
ein Killer, welchen man, gelinde gesagt, nur ungern als
Nicht-Verbündeten an seiner Nichtseite hätte, doch die allgemeine
Charakterzeichnung ist verblüffenderweise tatsächlich halbwegs
ehrenwert, lediglich die schon erwähnte Passage der „sechs Dinger in der
Matratze“ geriet etwas unerfreulich, da Leichenschändung „nicht
vonnöten“ war, ein einziger Schuss völlig „ausgereicht“ hätte (nun gut,
„er“ schoss ja zuvor ebenfalls nicht nur einmal..., also auf Bonds
Attrappe, aber als Apologie ist das etwas schwach), hier erweist sich
Bond eben mal wieder als Verschwender und legt den Grundstein für
Begriffe meiner Generation, z.B. „Ballern“, erinnert hingegen in der
„Komik“ ein wenig an „Mann beißt Hund“ 30 Jahre darauf: „dadurch spare
ich eine Kugel“, die Szene mit den Herztabletten. In ebendiesem
„herz“lichen Sinne pausiere ich, Part 1.1 ist vollendet, die sechs
Dinger sind im Texte, die restlichen Wortschüsse und Gedankenergüsse
(1.2) folgen im Kommentarbereiche, merci.
"Loyalität bedeutet mir wesentlich mehr als Geld." - Aus des Problembeseitigers Spiegelbilde sprach die Stimme sanften Verwesens!
Bond '89 - Robert Davi

Daniel Dalton

Felix Leiter

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Dienstag, 10. September 2019, 13:14

Fürwährlichst Freunde, es geht weiter



1.2
Der
(SEHR GUTE – dito, ita est) Film er verzichtet im letzten Drittel nur
bedingt auf Science-fiction-Elemente und nahm so gesehen viele spätere
Elemente vorweg, hofiert uns in schwebende Richtungen, obgleich doch
eigentlich erst Fantomas (erstmals bunt: 1964) und Goldfinger (ebenfalls
1964) die ersten typischen Over-the-top-Bonds waren, besagte
Kombination aus nüchterner Detektiverzählung einer- und futuristischem
Abenteuer andererseits sie wirket fast einzigartig und trotz enormer
Kontraste irgendwo in sich stimmig, die nächtliche Schleichfahrt zur
Insel nun führet uns zu einem göttlichen Wasserfalle, strahlende
Gewässer des Ozeans sind von Magie geprägt und bitten huldvollst um
unsere begeisterte Ehrerbietung und Verbeugung ihnen gegenüber, helle
Bilder von fast transparenter Klarheit, Honey brachte meeresbiologischen
Touch ins Geschehen ein, verleitet unsere Kinoseelen zu psalmzarten
Gedichtzeilen im Palmgarten und Bond macht sich freundlicherweise auch
nicht lustig, wenn es denn hieße: „Er hat Feuer gespien“, sondern
toleriert fair, dass am Rande des Wassers, wo die Grenzen zwischen
Arbeit und Urlaub auch mal verschwämmen, szenenweise eine andere Logik
herrschen darf als im Geheimdienste, eine andere Interpretation wäre:
Bond denkt, dass es ohnehin keinen Sinn hätte, mit den Charakteren über
ihre Theorien zu diskutieren, also nickt er sie einfach mehr oder
weniger ab und gibt sich machtlos dagegen, um seine Nerven zu verschonen
und kostbare, ihn das Leben kosten könnende Zeit zu sparen.
Wie auch
40 Jahre darauf in Splinter Cell, einem der brillantesten
Agentenstreiche der interaktiven Filmgeschichte, DEM Ausnahmetitel,
werden wir in DN sogar von Bluthunden verfolget, das Wortverb
„jagt“/jagen im Titele also kommt abermals nicht von ungefähr, ähnlich
der Filmkunst eines John Glen (Bondregie 1981 bis einschließlich 1989)
ist es sodann ein Die-Vögel-Aufscheuchen, welches kurz für einen
Schrecken hat sorgen sollen, zum Kontraste: Teile des DN-Soundtracks
sind extrem betagt und das Gegenteil von allem Uns-Beängstigenden,
unfreiwillig komisch mag das erscheinen, doch dafür erleben wir in Kürze
Ken Adams BESTE Bildarbeit (Fantomas '65 sowie das dort'ge
Vulkanversteck lassen grüßen, wenn auch dorten Anderswer zugange war als
Ken), höfliche Asiatinnen empfingen uns kurz darauf im Anwesen des
finsteren Doktors, im sagenumwobenen Steintempel des Todes, Gefangene
also werden als „Gäste“ behandelt und freundlichst-zuvorkommend begrüßt,
was den Zynismus nur noch bissiger erscheinen lässt!, ...unser Dr. wird
nur wenig screen time für sich in Anspruch nehmen und gleichwohl
nachhaltig in Erinnerung zu bleiben vermögen, die Präsenz ist
verblüffend, intensiv, sie schmeckt bitter, wenn auch Teile ihrer
Darbietung irgendwo wieder etwas Ulkiges an sich haben, so verwandte DN
etwa äußerst häufig das Wort „D.u.m.m.köpfe“ (mit Pünktchen versehen ob
der Gefahr einer Löschung da ein „Kraftausdruck“) und bedient sich, so
brillant er auch ist, recht trotziger Kindlichkeit, eben in der Art, WIE
er seine Rachegelüste gestaltet nämlich, wirkt er wie ein kleiner
Bengel, dessen Gehirn aber etwas zu groß geraten ist.
Ungeniert und
ohne Umschweife lockt Bond DN aus der Reserve, dieser wiederum genösse
bis zu einem gewissen Grade sogar mein Verständnis, da man seine Dienste
im Rahmen der Vergangenheit oftmals abgelehnt zu haben scheint, man ihn
links liegen ließ, dennoch sind seine gegenwärtigen Methoden (nicht nur
Bond gegenüber, vor diesem hat er irgendwo sogar Respekt – daher sprach
ich in der vorherigen Rezension, es gäbe bereits Bezüge zu Scaramanga
und Sanchez) unleugbar als unschön zu bezeichnen, ganz im Gegensatze zur
visuellen Präsentation selbstverständlich, denn die sinist're Höhle des
Löwen ist wie gesaget ein Adam'scher Hochgenuss mit sich selbst
öffnenden Türen, Kerzenschein, Kaminfeuer stimulierenden Designs und
einfallsreichster Schauerromantik, die ihresgleichen suchet,
unvergesslich auch das „artificial light“ mit den sich dahinter
befindlichen, gigantomanisch stark vergrößerten Fischen in einem
beeindruckenden Unterwasser-Aquarium (der
„Wie-ihr-Herr-und-Meister“-Spruch Bonds war risqué, „alle Achtung“, Bond
kommt sehr brutal auf den Punkt, kränkt sein Gegenüber in einer
Selbstverständlichkeit, die derart dreist ist, dass sie schon fast
wieder zum Schmunzeln einlüde), spannenderweise ist auch DN (apropos DN:
Was ich auch noch erzählen wollte: Der Name Dr. No wurde in „Neds
ultimativer Schulwahnsinn“ von Vice Principal Crubbs ebenfalls mal
aufgegriffen/verwandt, weiland als Spitzname, tatsächlich gibt es ja in
anderen Serien und Filmen nur selten Verweise auf dieses Werk und Filme
ab Goldfinger werden dagegen deutlich häufiger im parodistischen Sinne
umscherzelt, mir persönlich ist das oftmals zu viel, da es zuweilen
weniger den Insider als vielmehr das ALLGEMEINE Bondklischee anspräche,
aber sei's drum, Ausnahmen sind existent) selbst (!), höchstpersönlich
und pur, bisweilen sehr ehrlich und reflektiert im Umgange „mit sich“,
diesem Dr. No, unvergessen sein „Sie haben meine Organisation
angeschlagen – und meinen STOLZ“, in einem anderen Satze gibt er sogar
zu, einstmals als Neugeburt kein Wunschkind gewesen zu sein, auf bizarre
Art haftet der Unterhaltung fast etwas Therapeutisches an, den Mangel
an Heilbarkeit mal ausgeklammert, denn dieser ist zweifellos enorm.
Belustigend
nun die deutsche Version von Spectre („GOFTER“), Bond äußert dass ihm
die Abteilung Rache am Ehesten läge und zusagte, dies dürfte sich
spätestens 27 Jahre darauf in Licence to Kill herb und filmgenial
bewahrheitet und widergespiegelt haben, der gesamte Dialog am Tische ist
zitatwürdig („WORLD DOMINATION – SAME OLD DREAM“) und DN neigt zwar
dazu, in seinen vorschnellen Urteilen ein wenig zu verallgemeinern, auch
was die Nationen der ihn abgelehnt habenden Personen und Akteure
anbelangt, doch sein tiefes inneres Enttäuscht-Sein derart pur und
unverfälscht vorzutragen, ist irgendwo schon fast wieder
empathiefördernd, interessant ist in dem teils nicht unbeschwerten Film
DN aber auch, womit der Sympathiefaktor den Villain betreffend sofort
wieder eingeschränkt wird, dass wir Bond wirklich LEIDEN sehen, er wird
von DN's Kollegen nämlich auf des Doktors Wunsch äußerst unsanft
bearbeitet, in vielen Werken der Reihe umgeht Bond solche
Unannehmlichkeiten eher, indem es den Widersachern gar nicht erst
gelänge, ihn in einer derart machtlosen Position zu präsentieren
(natürlich gibt es Ausnahmen, z.B. TWINE '99 , Marceau la foltereuse
sozusagen), in jedwedem Falle bildete die Begegnung ein fulminantes
(Vor-)Finale, das Tatsächliche, das Ende der Enden, dagegen wirkt etwas
dünnlich, der Arbeitsplatz DN's in hohen Hallen wirkt auch überraschend
menschenleer und wird miserabel bewacht, ein Helm reicht als
Identitätsschutz schon aus, das Konzept wirkt für ein Genie wie No nicht
vollends durchdacht, Bond kann in Seelenruhe Unruhe stiften, die
Festung sprengen und dafür Sorge tragen, dass viele Mitarbeiter
notdürftig ins Meer werden springen müssen, um ihrem erbosten Heime zu
entfliehen, sodann befreien wir Honey, begeben uns zu Boote, zu Wasser
und agieren nicht mehr zu Lande – und gleiten davon, lassen uns auf dem
Meere vieldeutig treiben, vollendet ist er nun, der „nur“ ungefähr eine
Million gekostet bzw. im Meere versenkt habende (inflationsbereinigt
dennoch nicht wenig!, aber für Bondverhältnisse knapp budgetierte)
Erstling, dessen 2008er BD ein recht scharfes Bild präsentiert, PERFEKT
zwar ist das Werk nicht, doch ich empfehle es wärmstens und bin diesem
außerordentlich zugetan, fünf Sternchen aus nostalgischer Seel'.

Jamaikanische Romantik am Strande,
visuelle Brillanz und Kulisse oh so glanzvoll gar,
Muschel sie lag so poetisch im Sande,
ein Meilenstein und prägend fürwahr.

Der Erstling er den GRUNDstein legte,
tiefenhistorisch ein Ereignis ohne Grenze,
Filmkunst sie die Gemüter erregte,
ein Zeichen gesetzt in Schönheit und Gänze.
"Loyalität bedeutet mir wesentlich mehr als Geld." - Aus des Problembeseitigers Spiegelbilde sprach die Stimme sanften Verwesens!
Bond '89 - Robert Davi