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ollistone

Consigliere

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  • »ollistone« ist der Autor dieses Themas

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1

Freitag, 7. Juni 2013, 11:13

DER REGISSEUR: Sam Mendes

Hier Eure Meinungen zum Regisseur des 23. und vielleicht auch 24. und 25. Bondfilms.

[img]http://theactionelite.com/site/wp-content/uploads/2013/03/1245357201-sam_mendes_20090603.jpg[/img]
"Morgen spreche ich endlich mit Malone."

allaboutbond

Anfänger

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2

Sonntag, 19. Juli 2015, 13:54

Sam Mendes: "Es ist Zeit aufzuhören"

Wollen wir hoffen das man ihn ein zweites mal überzeugt bekommt!? :S
Sam Mendes: "Es ist Zeit aufzuhören"

Gruß

Spree

Bondforumswissenschaftlicher Forscher & Mitglied der QOS-Splittergruppe

  • »Spree« ist männlich

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3

Sonntag, 19. Juli 2015, 15:05

Ööööhmmmmmmm, NEIN! :thumbdown:

I never left!

Kronsteen

James Bond Club Deutschland - SPECTRE Nr. 005

  • »Kronsteen« ist männlich

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4

Sonntag, 19. Juli 2015, 18:16

Ich würde das aber noch nicht ganz abschreiben. Das was in SPECTRE jetzt aufgebaut wird, schreit nach einer Fortsetzung der Geschichte. Und ob da Mendes keine Vorstellungen hat, wie es weitergehen soll?!
"Wer ist schon Bond im Vergleich zu Kronsteen?!"

  • »Daniel Schweikert 1996« ist männlich

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5

Sonntag, 19. Juli 2015, 22:48

Wollen wir hoffen das man ihn ein zweites mal überzeugt bekommt!? :S
Sam Mendes: "Es ist Zeit aufzuhören"

Gruß

Zumal sich ja auch die Frage stellt, ob es ein zukünftiger Bond jemals schaffen würde Spectre zu toppen. So sehr wie Spectre Skyfall toppt, wird Bond 25 Spectre nicht zu toppen vermögen - wenn überhaupt! Ich bin zuversichtlich, dass es sich bei Spectre um den besten Bond seit 26 Jahren handeln wird, dessen bin ich mir sicher!
"Loyalität bedeutet mir wesentlich mehr als Geld." - Aus des Problembeseitigers Spiegelbilde sprach die Stimme sanften Verwesens!
Bond '89 - Robert Davi

Django

Der Andere

  • »Django« ist männlich

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6

Montag, 20. Juli 2015, 07:54

Ich bin zuversichtlich, dass es sich bei Spectre um den besten Bond seit 26 Jahren handeln wird, dessen bin ich mir sicher!

Häh!? Ich muss einfach immer wieder grinsen, wenn Leute lediglich anhand von ein paar wenigen Vorab-Infos meinen, ein fertiges Werk beurteilen zu können... :vogel:

Don-Corleone

009 - Killed in East Berlin - Dressed as a clown with a fake Faberge egg in my hand

  • »Don-Corleone« ist männlich

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7

Montag, 20. Juli 2015, 10:10

Naja er schreibt ja ich bin zuversichtlich, so was nenne ich eher gesunden Optimismus :D

Zum Thema Mendes: Man hat ja schon nach Skyfall einige andere Regisseure angefragt (u.a. Danny Boyle) und die haben aufgrund des Riesenerfolgs von Skyfall abgelehnt. Ich denke das Mendes nach Spectre in Sachen Bond mindestens eine Pause von 1 Film einlegt. Ich glaube 2 Mammutproduktionen in 5 Jahren, da ist erst mal der Akku leer und von den Ideen her hat er mit Sicherheit alles das verarbeitet was er in Sachen Bond erzählen will.

Ich denke man kann den eingeschlagenen Weg auch ohne Mendes weitergehen, man führt wieder Spectre ein, also muss man dies jetzt auch konsequent weiterverfolgen (min für 1-2 Filme).
Schönes Gewehr, passt eigentlich mehr zu einer Frau. - Verstehen Sie etwas von Waffen Mr.Bond ? - Nein, aber etwas von Frauen.

chrimarx

James Bond Club Deutschland - 007010

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8

Montag, 20. Juli 2015, 10:49

Also die ganze Sache erinnert inzwischen schon ein bisschen an das Fußball-Geschäft. Im Zweifel legen wir noch ein paar Scheine drauf. Wichtig ist auch hier sicher, wie SPECTRE bei Kritikern und natürlich auch an der Kasse ankommt. Da haben sicher Mendes wie die Broccolis auch Haltelinien im Kopf.

Ich glaube und hoffe auch, dass Mendes es ernst meint und vor allem die Broccolis eine akzeptable Alternative finden (glaube ja, dass das der eigentliche Punkt ist). Ich spekuliere ja auf Nolan, und wenn das der Fall ist, kann man konzeptionell ja wirklich einfach weitermachen, denn da sind wir ja schon.... :D
"Darf ich mal meine Freundin hierhersetzen? Sie belästigt sie nicht, sie ist nämlich tot."

Kronsteen

James Bond Club Deutschland - SPECTRE Nr. 005

  • »Kronsteen« ist männlich

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9

Montag, 20. Juli 2015, 11:14

Also die ganze Sache erinnert inzwischen schon ein bisschen an das Fußball-Geschäft.

Stimmt. Und seinen Trainerstab (Newman usw.) bringt er ggf. auch wieder mit.

Ich hoffe ja noch auf Lewis Gilbert. ^^
"Wer ist schon Bond im Vergleich zu Kronsteen?!"

  • »Daniel Schweikert 1996« ist männlich

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10

Montag, 20. Juli 2015, 11:16

Also die ganze Sache erinnert inzwischen schon ein bisschen an das Fußball-Geschäft. Im Zweifel legen wir noch ein paar Scheine drauf. Wichtig ist auch hier sicher, wie SPECTRE bei Kritikern und natürlich auch an der Kasse ankommt. Da haben sicher Mendes wie die Broccolis auch Haltelinien im Kopf.

Ich glaube und hoffe auch, dass Mendes es ernst meint und vor allem die Broccolis eine akzeptable Alternative finden (glaube ja, dass das der eigentliche Punkt ist). Ich spekuliere ja auf Nolan, und wenn das der Fall ist, kann man konzeptionell ja wirklich einfach weitermachen, denn da sind wir ja schon.... :D

Mir kam gerade der Gedanke, wie es wohl wäre wenn Mike Leigh Bond 25 drehen würde. Auf der etwas "tiefgründigeren" Nolan-Schiene liegen wir nun spätestens seit SF, Mendes möchte nicht mehr und Leigh würde daraus womöglich eine Mischung aus Actionfilm und Sozialdrama machen. Seine Filme sind immerhin ähnlich britisch wie James Bond...
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Bond '89 - Robert Davi

chrimarx

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11

Montag, 20. Juli 2015, 12:13

Also eigentlich ist ja bei Bond seit einigen Jahren nichts mehr unmöglich - Mendes als Bond-Regisseur wäre vor zehn Jahren auch noch eine bizarre Vorstellung gewesen - , aber Mike Leigh und Bond: also eher glaube ich, dass sich Connery und EON noch versöhnen werden. :D
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  • »Daniel Schweikert 1996« ist männlich

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12

Montag, 20. Juli 2015, 14:56

aber Mike Leigh und Bond: also eher glaube ich, dass sich Connery und EON noch versöhnen werden. :D
:D
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Bond '89 - Robert Davi

Daniel Dalton

Felix Leiter

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13

Samstag, 29. Juni 2019, 11:09

Da ich den richtigen Thread nicht habe finden können (d.h. doch, dort aber nicht die Antwortmöglichkeit genoss), melde ich mich hier,
es folgt Part 1 meiner SP-Rezension. Wie anderswo schon gesagt, habe ich meinen ursprünglichen Text leider zu einem absoluten Großteil unwiederbringlich verloren und bin auf 180, da ich wirklich Mühe investiert hatte. Wie auch immer, ich habe mich noch einmal rangesetzt und zumindest Teil 1 wiederbelebt. Die weiteren Teile der Rezension folgen irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft, LG

Spectre (ein Stern)







Ehe ich in sehr enigmatischer und bewertungstechnisch
unverständlicher Weise begänne (rätselhaft insofern, als sich meine
Zeilen, von den Kritiken an den Dialogen einmal gänzlich abgesehen, eher
so lesen werden, als sei ich dem Film durchaus zugetan, was aber nicht
zuträfe), sei gesagt, dass Spectre trotz meiner Hassliebe zu diesem
Filme, wobei die Betonung auf dem Worte Hass läge, dennoch recht viele
Fürsprecher und Stärken genösse, meinen einen Stern also fürwahr, dem
sollte man nicht zu viel Bedeutung beimessen, denn mag der Film bei mir
persönlich in der Bondliste auch ganz unten nur zu finden sein, so
werden Sie im Laufe der Rezension konstatieren können, dass ich dieses
und jenes auch lobend hervorhöbe, nur gab es eben kein einziges Element,
welches mir ausgereicht hätte, um die Ärgernisse diverse Dialoge
betreffend auszugleichen, weshalb der Film meinerseits eine
ausnahmsweise extrem niedrige Wertung von 18% erhält, diese geradezu
brutale Strenge lege ich hier aber auch wirklich nur in
Bondzusammenhängen an den Tag, denn wäre der Film kein Teil dieses
Kultuniversums, sondern ein x-beliebiger Blockbuster der 2010er Jahre,
wären durchaus mehr Sterne denkbar gewesen, dies also nur im Vorfelde,
um unsanfte Kommentare im Stile von „Welch Arroganz, nur einen Stern zu
vergeben, obwohl Sie in Wirklichkeit doch gar keine richtigen
Kritikpunkte fanden“ von vornherein zu meiden, haben Sie daher vielen
Dank für Ihr Verständnis dafür dass ich den Film schlichtweg nicht mag,
denn natürlich möchte ich die positiven Seiten weder kleinreden noch
bagatellisieren, zwar ist der Film eher Prosa als Poesie, aber er mag
seine Momente haben, drum so nun die Reise beginnt.



Wie es im Rahmen der auf Bond bezogenen Gegenwart nicht
unüblich ist, zog sich die Wartezeit auf diesen seinen jüngsten Streich
mal wieder ins (gefühlet) Unermessliche, doch die Tugend der Geduld
lohnte (nicht), Bond kehrte im Jahre 2015 wieder und bewies, dass die
5er Jahrgänge Bonds (von Feuerball abgesehen) unter keinem sonderlich
gutherzigen Sterne standen, mitnichten in AVTAK '85, ebenso wenig in
GoldenEye (d.h. 1995, das golden eye aus dem Jahre 1989 war dagegen sehr
gut, daher sage ich im Spectre-Zusammenhange auch gar so frech
provokant: Wer einen guten Christoph-Waltz-Bondfilm zu sehen gewillt
ist, möge hier ein Biopic mit Charles Dance betreffend eher zugreifen)
gelang es, Bond ein Zeichen setzen zu lassen, Spectre gibt sich hier
bedauerlicherweise keiner Ausnahme hin und schafft es
faszinierenderweise geradezu grandios, nahezu alle Elemente zunichte zu
machen, deretwegen die Ära Craig überhaupt erst so innovativ hervorstach
(mögen auch Ursprünge dessen eher Lorbeeren für Mister Timothy Peter
Dalton sein, das gilt es deutlich hervorzuheben, viel zu häufig vergäße
die Allgemeinheit dieses), denn wie sich in Skyfall bereits vorsichtig
eine Lockerung hat andeuten sollen, jedoch in durchaus erträglichem
Maße, ist Craigs neuester Einsatz, bedächte man den Besuch bei Blofeld
überhaupt nicht bezüglich der Folter, sondern "nur" allgemein, ein
einziges Picknick ohne die geringste Dramatik, ...der anfänglichen
Beginns so düstere Teaser („You're a kite dancing in a hurricane, Mister
Bond“, obendrein diese Musik etc., die einsamen Örtlichkeiten) war
herausragend und hat letztlich nicht das Geringste mit dem finalen
Hauptfilme zu tun, zwar werden hier schon gewisse Vertrauensthematiken
aufgegriffen, im letztendlichen Produkte jedoch verkommen gerade diese
speziell zu einer völlig verzichtbaren Albernheit, wie sie künstlicher
ihren Anspruch nicht hätte simulieren können, völlig unentschlossen und
tölpelhaft changiert der Film ungekonnt zwischen spaßdurchtränktem Witze
und unglaubwürdig eingefangenen Versuchen, ernsthaftere Momente zu
etablieren, beide Varianten sind nicht abzulehnen und könnten
szenenweise gar gemeinsamen (vermeintlichen) „Widerspruchs“ harmonieren,
zerbeißen sich aber nur gegenseitig und keine der beiden Versionen kann
auf ihrem Gebiete merklich punkten, denn welcher Richtung sich der Film
auch gerade bedient, er bleibt profillos.

Das Menü der DVD bzw. Blu-ray empfing uns, ehe der halbherzige,
halbgare, halb-alles-Mögliche Film seiner Eröffnung diente, mit
durchaus lobenswerter Musik und ergreifenden Schneebildern ist
ebendieses Menü mit das Beste des Films, sodann drücket das Ich in mir
auf Play, der gunbarrel fand endlich seinen Weg zum Anfange zurück und
die ersten Zeichen scheinen wenig Unerfreuliches auszusagen, der VIERTE
007-Film eines Bonddarstellers ist IMMER ein Über-Bond der Übertreibung,
ein lockerer und höchst selbstsicherer Auftritt, das bewiesen Connery,
Moore und Brosnan in drei nach den Sternen der Filmkunst greifenden
Over-the-top-Beiträgen zur Reihe, wohingegen weder Lazenby noch Dalton
die Chance auf eine Nr. 4 haben ergreifen dürfen (was ich sehr bedaure,
denn wäre ihnen der Effekt eines zweiten – Lazenby – oder dritten –
Dalton – Films beschieden gewesen, hätte das der Qualität der Reihe
meines Erachtens gut zu Gesicht gestanden, fragt sich lediglich ob sie
unter diesen Umständen überhaupt noch existieren und fortgesetzt würde
angesichts der vielen eine andere Sprache sprechenden Meinungen), Craig
stünde somit an und für sich in perfekt in der Rolle angekommen seiender
Tradition, was aber keinesfalls nur Vorteile böte, denn im Gegensatz zu
Roger, welcher, mag ich ihn auch „nur“ für den fünftbesten
Bonddarsteller halten, eigentlich in so gut wie jedwedem Szenario
relativ gut aufgehoben war, gelänge es Connery und Craig nicht, die
Leistung ihrer ersten beiden Beiträge konstant über eine ganze Ära zu
erstrecken (oder aber man redete ihnen ein, sie mögen und möchten ihren
Ton doch mit der Zeit zunehmend ironisieren bis gar ins Parodistische
abgleiten lassen, Roger hatte diesen „Ratschlag“ sozusagen nicht nötig,
da er eine solche Komponente, mal mehr und mal weniger, hauptsächlich in
den beiden letzten 70er Filmen, in gewisser Weise von Beginn an in
seine Rolleninterpretation eingeflochten hatte, eher riet man ihm wohl
für TMWTGG '74 und FYEO '81 ein Stück weit davon ab), kurzum: Spectre
wirkt durch den extrem entspannten Ton nicht etwa sonderlich „cool“,
sondern reichlich entlüstet und abgenutzt, zwar steht der Streifen
sichtlich in der Tradition der Gesamtreihe und spart keineswegs an
Verweisen und Reminiszenzen, doch auch das macht ihn noch lange nicht zu
einem Bondfilme, gemessen daran könnte man ja, überspitzt gesagt,
selbst einen Film wie „Die Unglaublichen“ als offiziellen Bondfilm
einstufen.

Soeben betraten wir indes die verblüffend verschwommene Sequenz
VOR der Titelsequenz bzw. dem Filmliede, die Bilder muten in ihren
nicht gerade HD-tauglichen Farbgebungen eher weichzeichnerisch an und
würden, auch hier überspitzt ausgedrückt, auch einem Filme von David
Hamilton zu Ehre gereichen, wogegen ich prinzipiell allzu viel gar nicht
einmal hätte ob meiner Vorliebe für surreale bildliche Verzerrungen auf
VHS-Niveau, jedoch harmoniert dieser wenig moderne, in Richtung Marian
Dora gehende Stil nur bedingt mit Flachbildfernsehgeräten und mit einer
technisch mit der Zeit gehenden Figur wie James Bond erst recht nicht,
der belustigende (aber hier unfreiwillig komisch anmutende,
ungenießbare) Effekt setzt sich spätestens dann fort, wenn Bond einige
Zeit darauf doch tatsächlich ein VHS-Band zur Hande nimmt, wohingegen er
in Casino Royale (nicht 1954, nicht 1967, sondern 2006) bereits an
einem Blu-ray-Geräte zugange war, hier hätte man konsequenter sein
können und den Spaß ausdehnen sollen, indem man Spectre gleich auch in
limitierter Fassung zusätzlich auf Videokassette veröffentlicht hätte,
dergleichen geschah jedoch nicht, schade...., meine Sichtung übrigens
beruht auf einer O-Ton-Erfahrung (drum zum Glücke ohne den
„Flugdrachen“?!), die deutsche Fassung erblickte ich zuletzt Anfang
2016, nach wie vor durchtraben wir den Kosmos der Zeit VOR dem
Titelliedchen, das Auge erstrahlt wenn Stephanie und James den
legendären Aufzug aus LTK '89 betreten, wir befinden uns in Mexiko, die
Salma-Hayek-artig gefärbte Musik entbehrt nicht einer gewissen Magie,
stilsicher wandelt 007 über die Dächer vom Tage der Toten (weshalb aber
nur wird er sodann mit dem Gewehre nicht gesehen?, können seine
Widersacher nicht durch transparentes Glas gucken?, auch der
darauffolgende Fall auf das Sofa ist nicht vollends von Lustigkeit
geprägt, zwar entwickelt der Film zuweilen trashigen Charme, nicht
jedoch in derart hübschem Maße, dass sich Comedy-Kameraden in ihm
heimisch und häusig würden fühlen können - nun gut, ein paar Freunde der
Pointen wird es schon geben), das langsame erzählerische Tempo mag
zunächst so angehaucht sein, als sei der Film gewillt, sich ebenso
langsam aufzubauen (!) und Spannung zu erzeugen, doch weit gefehlt,
genau das Gegenteil geschähe, Bond 24 ist nach meinem Dafürhalten der
leichteste und gedankenloseste aller Bondfilme und schier unmöglich aus
der inneren Ruhe zu bringen, ein schießwütiges Schlaflied geradezu,
definitiv kein Actionfilm trotz diverser in diese Richtung deutend'
Elemente, dies ist als Ruh' etwas, das mir eigentlich sehr
entgegenkommt, hier jedoch merkwürdigerweise nicht annähernd, nur das
Schicksal weiß weswegen, wie gesagt werden viele Fandetails exhumiert,
jedoch auf derart unbedachte und „pointless“ daherkommende Weise teils,
dass es eher so wirkt als begrübe man sie lieber sofort wieder dorten,
wo sie herausstiegen.

Ein wahrlich unkleines Problem ist nicht selten, dass dieser
seelisch kühle Film wenig Respekt speziell den drei Craig-Vorgängern
gegenüber aufzubringen bereit ist, indem er die Werke CR '06, QoS '08
und SF '12 praktisch überflüssig erscheinen bzw. lächerlich (wohingegen
qualitativ inzwischen besser denn je da in Relation zu Spectre stehend)
werden lässt, zumal die Verbindungen dreier Werke, die angeblich alle zu
Oberhauser führen bzw. dessentwegen es zu diesen vorherigen Gegnern
überhaupt erst hat kommen sollen, von einer Absurdität sind, die die
drei Einführungsfilme Craigs im Nutzen der Geschichte weiter
herunterzögen als zuvor man's für möglich hätte halten können, als habe
EON von 2006 bis 2008 bzw. einschließlich 2012 voller Mühsal und
Feingefühl Stück für Stück ein Kartenhaus zusammengebaut, welches nun
mit einem ignoranten Pusten ruinös wird oder gar mit einem einzigen
Hauche endgültig entschwände, auch geht die Rechnung eines
Over-the-top-Bonds mit Craig schlichtweg nicht auf, vor allen Dingen
haftet ihr etwas an von wegen „Verschwendung von Talent“ auch auf die
Regie bezogen, da man für einen Film wie Spectre definitiv keinen
versierten American-beauty-Autorenfilmer hätte engagieren müssen, auch
einen technisch brillanten Handwerker hätte man übrigens ebenfalls nicht
verpflichten müssen, da der Film im Verhältnis zur Gesamtlaufzeit für
einen Bond über recht wenige Actionszenen wie gesagt verfügt, doch sei
dem wie dem wolle, mein Erzürntseinszustand wüchse und IMMER NOCH sind
wir nicht beim Titellied angelangt, zuvor nämlich pilotiert Craig noch
einen andernfalls unsanft zu landen drohenden Hubschrauber zurecht,
geleitet uns stolzen Grinsens und enigmatischen Ringes aus der
Anfangsszene hinaus und erst JETZT verließen wir die schwindelerregenden
Höhen, um uns endlich dem (bedauerlicherweise vielfach kritisierten)
Titelsong äußerst gefühlvoll widmen zu können, ich persönlich halte von
dieser Komposition keineswegs wenig, füge aber an, dass ich eine
weibliche Gesangsstimme für deutlich passender hielte, da sie den
erdentrückt zarten Strophen eher gerecht würde im Klange,
nichtsdestoweniger gehört die musikalische Note an diesem Punkte zu den
wie ich finde wenigen in Erinnerung zu bleiben vermögenden Stärken des
Films, nicht zuletzt aufgrund der extrem kreativen Visualisierung in
Form der goldbarrenfarbenen Damen, tänzelnd in einem
Zulawskis-Possession-Glen's-Octopussy-artigen Video reptiliös
glitschiger Gefahrensymbolik, gelungen fürwahr.

Spiegelbildnis es zerbräche, Erinnerungsfragmente bezüglich
Vesper traten zu Bilde, Silva nicht minder, M ebenfalls, auch die Kraken
mit Fantomas-maskiertem Deckantlitz wissen der Atmosphäre, ohne allzu
sehr ins Alberne abzudriften (dafür schließlich zeichnet der restliche
Film verantwortlich), dienlich zu sein, emotionalen Tones schlösse sich
die Momentaufnahme der Musik langsam und wir kehren ein in die Welten
des eigentlichen Hauptfilms, ...die dortige Idee des Bond-Suspendierens
mag ihrerzeit (in gewisser Weise schon, obzwar es noch rechtzeitig
korrigiert worden ist, im Jahre 1969, letzten Endes aber gänzlich dann
erst unter Dalton im Jahre 1989, schon 1987 gab es mit Saunders und 007
im Audi 200 eine Szene, in welcher Bond, „I will thank him for it“ eine
Passage so lautet, minimal in diese Richtung deutete) in der zweiten
Hälfte der 80er Jahre noch innovativ gewesen sein ob der interessanten
Frage, wie sich Bond auf eigene „Faust“ wohl 'schlüge' im wahrsten Sinne
des Wortes, indessen aber wandelten sich die Zeiten und die
Suspendierung erscheint eher wie eine „Mal-wieder“-Last, auch in 'die
another day' (2002) schließlich war Bond bisweilen einer Art „burn
notice“ zum Opfer gefallen und provisorisch kaltgestellt, überhaupt sind
die (obgleich durchaus nicht komplexen bzw. abgesehen von Die Welt ist
nicht genug und Quantum wie Popcorn so locker flockig überkonsumierbar
daherkommenden) Filme ab 1995 allesamt nicht mehr sonderlich stringent,
Bond bis einschließlich 1989 konnte zwar emotional schwierige
Augenblicke glaubwürdig in die Filmhandlung einbinden und wurde ihnen
innerlich gerecht, handelte aber letzten Endes stets in einer
buchstäblich auf den Punkt kommenden Form (im Gegensatze zu meinem
Schreib-Ich, möchte ich sagen, dieses schwafelt sich von Satzbau zu
Satzbau), diese in seinem Berufe unabdingbare Stärke stringenter
Vorgehensweisen verlor er schon vor knapp 25 Jahren, die
Psychologisierung ab Brosnan wirkt künstlich, d.h. bei Brosnan weil sie
in teils absurde Baller-Bumbum-Filme eingebettet worden ist, bei Craig
hingegen, weil das Bestreben nach "Anspruch" derart aufgesetzt wie ein
Not-Neustart wirken mag (weshalb eigentlich so neu?, Bond '02 lief als
Kassenerfolg glänzend, nur der Rest war kritisierbar, ein weiterer
Kitesurfer wäre also denkbar gewesen - nun gut, ihn gab es bildlich
gesprochen in Alles oder Nichts, Anfang 2004), dass es ob der
Offensichtlichkeit des bemühten Versuches den Schluss zuließe, dass die
eigentlichen „Anspruchsfilme“, wenn überhaupt, lange VOR den
diesbezüglichen Bemühungen schon entstanden, nämlich in den 60er- und
80er Jahren, überhaupet: die Idee vom Anspruche als Formel ist oftmals
anspruchslos, da sie dem Anspruch der Kunstform FILM ALS FILM nicht mehr
vollends gerecht wird, da hülfe es dem unbeholfenen Film Spectre noch
nicht einmal über die dramaturgischen Schwächen hinweg, dass man nach
einem missglückten Überredungsversuche im Jahre 1997 endlich Monica
Bellucci (eine zauberhafte Schauspielerin in einem entzauberten Film)
hat herbeisehnen und einladen können, ihr gar die deutsche
Synchronstimme von Sophie Marceau im ihrigen Bondfilm (TWINE '99)
angedeihen ließ, dies/letzteres jedoch hätte eher Sinn ergeben,
zeichnete man Monicas Part etwas theatralischer und wortgewaltiger,
emotionale Breite wäre angebracht, doch an ihrer statt bliebe selbst
Monicas Part ein Aktbildnis inszenatorischer Blässe ohne jede
Diversität.

Die „Leistungsentwicklungen“ griff ich ja bereits ein Stück
weit auf, insofern etwa, als ich betonte, Craig agiere zu locker,
leidlich wie gegen Ende Sean Connery scheint der seinige Bond so
veranlagt zu sein (umso gespannter dürfen Sie auf das Werk von 2020
sein, wer glaubet noch an eine Kehrtwendung?, rein theoretisch möglich
wäre es, zumindest visuell wirkte Bond ja schon in Spectre wieder
bondiger als in Skyfall, da in Letzterem Berufsmüdigkeit stark
thematisiert worden ist), zwar zwei schauspielerisch großartige
Erstlinge erschaffen zu haben am Anfange der jeweiligen Ära, aber von
Film zu Film mehr Verlass darauf sein zu lassen, dass die Coolness es
schon "irgendwie" wird richten können, bei Roger war die Ära hingegen
recht konstant (er war in dieser Rolle nie oberste Weltklasse, aber
schauspielerisch auch kein einziges Mal völlig deplatziert und
überzeugte tendenziell sowohl in entspannten als auch ansatzweise
ernsten Szenarien, sähe man nun von der Tatsache ab, dass er 1985 zu
entjüngt gewesen ist und den minimal härteren Part nur in FYEO '81
glaubwürdig hat erfüllen können, nicht jedoch in TMWTGG '74), Pierce
erlebte es anders, nach meinem Dafürhalten begann sein Bond in GE '95
reichlich schwach, gewann aber anschließend von Film zu Film an
Bond-Sicherheit und bot in seinem 99er Werk vermutlich die beste seiner
007-Darbietungen, zu guter Letzt natürlich werde und sei Dalton erwähnt,
sein Bond war „immer“ gut, jedoch auch nur zweimal eingesetzt worden
und unterlag ebenfalls einer leichten Steigerung, da LTK '89 nahezu
perfekt auf ihn zugeschnitten wurde, zu schade dass der LTK-Blinkfisch
gegen Ende so Vieles zunichte macht..., bei Lazenby können wir die Ära
nur "deuten", eine Verbesserung wäre aber nicht vonnöten gewesen ob
seiner hervorragenden Leistung in OHMSS, womöglich hätte er nach dem
zweiten Filme eher das Connery- und Craig-Problem über sich ergehen
lassen müssen, die Erstlingswerke nicht mehr erneut erklimmen zu können,
den Zenit der Rolle demnach.


Doch zurück zu Spectre, dorten begegnen wir in Bälde der
atemberaubenden Naomie Harris, die sie aber bedauerlicherweise in den
Filmen nicht ihre erlänglicht geglättete Frisur „echten Lebens“ trüge,
sondern eine Andere, doch wie den Haarwundern auch sei, schnell wird uns
ins Bewusstsein gerufen, dass die exotische Naomie (deren Szenen in
Skyfall übrigens deutlich positiver hervorzuheben sind, die Hiesigen
wirken eher verzichtbar, wofür sie selbst jedoch mitnichten etwas kann,
nehme ich an) nicht die einzige internationale Erscheinung des Films
darstellt, nicht wenige Reisen nämlich stünden uns bevor, erstmals seit
Jahren bis Dekaden entwickelt sich Bond (so extrem wie weiland in den
70er Jahren in Moonraker wird es aber vermutlich nie wieder ausgereizt
werden, denn dafür ist die gegenwärtige Filmindustrie nicht zur Genüge
mutig und experimentierfreudig, beinahe hätte ich durchgedreht gesagt)
wieder zum Globetrotter (welch Garant für Visuelles), zu diesem
klassischen Gefühle passet auch (obzwar Judi nicht Bernard Lee oder
Robert Brown ist) erfreulich übrigens, dass die 20 Jahre mit von der
Partie gewesene Judi Dench (buchstäblich auf dem Bildschirme nun) noch
rasch ihre Abschiedsvorstellung erbrachte, nachdem Skyfall sich ja
bereits so angefühlt hat, als würden wir ihr nicht erneut begegnen, wir
wünschen ihr einen gesegneten Ruhestand und widmen ihr eine erhabene
Eloge in ewiger Liebe und Treue, sie brachte frische Winde in das
alteingesessene damalige Patriarchat ihrer Branche und schuf Mitte der
90er Jahre trotz stark ausgeprägter Strenge eine recht enge Verbindung
zu 007, ihren Gipfel findend in Die Welt ist nicht genug. Passend zu
diesen Abschlussworten, endet an dieser Stelle Part 1.1, die Parts 2 und
3 (eventuell auch 4) folgen zu gegebener Zeit (wenn auch gekürzt da
kein Speichermedium mehr verfügbar) und sind den Kommentaren zugedacht.
"Loyalität bedeutet mir wesentlich mehr als Geld." - Aus des Problembeseitigers Spiegelbilde sprach die Stimme sanften Verwesens!
Bond '89 - Robert Davi

Daniel Dalton

Felix Leiter

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14

Samstag, 29. Juni 2019, 14:10

1.2, LG
Fahrzeugtechnisch ist Spectre, wie nach meinem Geschmacke alle
Bondfilme nach 1997 und selbst zuvor die Meisten wohl, eine einzige und
herbe Enttäuschung (nicht dass ich Erfreulicheres erwartet hätte,
schließlich sind meine geschmäcklerischen Ausrichtungen auch schlichtweg
zu speziell), hier im Jahre 2015 haben wir auf der einen Seite den
überstrapazierten DB5 und konträr hierzu irgendein müdes Neumodell, das
hieße: die wenigen mich interessierenden Ären, allen voran die 80er,
wurden dagegen mal wieder als ignorabel erachtet, noch weniger amüsiert
haben mich aber die diesbezüglichen Wortspiele („in einem Stück zurück,
nicht ein Stück zurück“ oder so ähnlich, anstelle des Zuschauers lachet Q
einfach selbst, er ist so gütig und übernimmt das für uns, das schont
unsere Schmunzelmuskeln, damit sich diese hoffentlich gebührend, und
diesmal besser, gedanklich auf Bond 25 vorbereiten können), auch andere
Parts mit Q („im Interesse der Katzen“ etc.) erreichten mich nur
bedingt, doch es GING, denn so RICHTIG ermüdend wird der Film wahrlich
erst dann, wenn wir Madeleine Swann zu treffen begännen (Léa Seydoux,
eine EIGENTLICH sehr gute Schauspielerin, auch auf Christoph traf sie
schon zuvor bzw. umgekehrt, beide Schauspielgrößen hätten dem Film
Sensibilität und Kammerspielartiges verleihen können, durften diesmal
aber nicht befugt sein zur Entfaltung zu schreiten, besonders ulkig auch
insofern, als gerade Leas Figur oftmals als recht vielschichtig und
auch selbstständig etc. angepriesen worden ist im Vorlaufe der
Spectre-Ankündigungen auch gerade ihrerseits höchstpersönlich, gar mit
Vergleichen zu Eva Green versehen, stattdessen jedoch ist Madeleine nach
meinem Dafürhalten das emotional farbloseste Bondgirl seit
Menschengedenken).

Auch David Bautista hätte uninspirierter nicht be- und
eingesetzt werden können, sein „Sch...ße“ bei der unfreiwilligen
Ausfahrt aus dem Zuge schlösse vorerst mit einem auch ansonsten ohne
jeden Zweifel nicht erhabenen und in Erinnerung bleibenden Filmpart,
oftmals täuscht der Film zwar visuell gekonnt über seine inhaltlichen
Schwächen hinweg, etwa wenn er schwelgerisch die Umgebung einfinge oder
mit Weitwinkeln, hübschen Perspektiven und Kamerasternstunden bestrebt
ist, einige Bilder an Postkarten erinnern zu lassen bzw. das
Eskapistische zu fördern, doch das unheilschwangere Gefühl, einen
tatsächlich „schlechten“ Film auf mich wirken zu lassen, blieb
weitestgehend erhalten, lediglich einige wenige Ansätze schwarzen Humors
schienen passend, doch auch diese hätten nicht zwingend sein müssen,
gemeint ist die Figur der Monica, eine Witwe welche sich alsbald schon
zu „trösten“ beginnt, einen Kelch verfrühten bzw. „bedenklichen“
Verhaltens durchschwämme und den Verlust ihres Gatten nur sehr
unerlänglicht betrauert, sodass wir nur kurze Zeit über beileidieren,
ihre Aura übrigens ist auch/gerade im Alter von sage und schreibe 50
Jahren ein Atemberäubnis sondergleichen stets, nichtsdestotrotz hätte
ihre Protagonistin etwas mehr Profil durchaus gut vertragen können, doch
zum Glücke konzentrieren wir uns hierauf auch kaum mehr/noch, indes
flogen wehende Vorhänge der Nacht, opulente Bilder und opernhafte
Untermalung leiten die Liebe ein und es folget eine sinnlich inszenierte
Liaison am Spiegel, eine Szene, welche in Indien gar gekürzt worden ist
da angeblich zu „ausschweifend“, ich kann hier nur für Uncut-Offenheit
plädieren, ulkig nur, dass diese selbst bei einem Bondfilm keine
Selbstverständlichkeit zu sein scheint, interessant im Jahre 2015.

Nächtens die Beleuchtung blüht und glüht, doch kaum entwickelt
sich der Film momentweise unschlecht, folgen mit Gags im Stile von
„Mickey Mouse“ schon wieder die nächsten Pointen ohne Zündung, die erste
Begegnung mit Waltz führt uns in eine Art Octopus-Basis (fiele mir nun
namentlich ein, hieß doch so und nicht anders die finale Hauptmission
des 2005er Interaktiv-Werkes Liebesgrüße aus Moskau), diese beträte das
Ich in uns gespannt, aber andererseits inzwischen fast auch sicher
seiend, dass es nur wenige positive Überraschungen wird geben können,
Herr Waltz ist wie gesaget eine Größe seiner Zunft bzw. Branche (siehe
etwa „Der Gott des Gemetzels“) und darf bei seiner hiesigen Begrüßung
auch durch ein gigantisches Tor treten, um sich episch einzuführen („wer
Sie auch sind, Sie haben sich gut eingeführt“, 1981), doch der
multilinguistisch brillante Alleskönner der Sprache (welchen wir auf
Spectre bezogen meines Wissens „nur“ in 2 Sprachen hören, welcher aber
auch überhaupt gesamtrhetorisch wirklich ein geniales Köpfchen ist - und
anti-unfroh bin ich somit, dass er sich diesmal abermals selbst
synchronisiert) scheint in Spectre, wie angedeutet, nicht befugt zu
sein, aus sich herauszukommen, die Leine an ihm ist kurz und
bedauerlicherweise darf er sich ihrer nicht entledigen, Risse aller Art
sind ja im glattgebügelten und nur selten den Mut zum Extremen habenden
Kino der Gegenwart unerwünscht, Waltz' Antlitz ist zunächst nicht
sichtbar in Anlehnung an die Tradition der frühsten Widersacher der
Reihe (vielleicht auch an George Lazenby in der PTS von OHMSS), in Kürze
jedoch erblickt Bond mit uns gemeinsam das Feindbild, wirkt dabei auch
involviert, es löst etwas aus, doch die Aussagen des Regisseurs, der
Film sei „totally driven by Bond“ unterschreibe ich nicht annähernd,
hierfür ist der wenig engagierte Film viel zu gemütlich und austauschbar
geraten, hier und da werden gewisse Unklarheiten zwar angenehm
mystifiziert, doch die Antworten gestalten sich letztlich zu simpel als
dass der Film dauerhaft es vermöchte, in Richtung Suspense oder des
Undurchsichtigen sich zu bewegen.

Zweifelsohne inhärent ist dem Werke eine überragende,
hochkarätige Besetzung, doch gerade diese machet das ungenügende
Endresultat umso unerträglicher, sie hat wenig Sinnvolles zu tun und
auch ich als großer Befürworter kinematographischer Kontraste und
gegenübergestellter Extreme, welchem ein Hang zum filmischen Exzess
innewohnt, kann in diesem hiesigen Filme gerade mit diesem Phänomen
äußerst wenig anfangen, als da wäre einerseits die außerordentlich
kindliche Gesamterscheinung, andererseits aber etwa ein Mister Bautista,
welcher auf geradezu LTK-'89-brutale Weise reißerisch die Äuglein eines
Mitmenschen „bearbeitet“, ganz besonders wenig lösten bei mir auch die
„Kuckuck“-Szenen aus, welche niemals zu wissen scheinen, ob sie nun
gewillt sind, tiefenpsychologisch, ultra-lustig -oder was auch immer zu
sein, Spectre zwar ist eine visuell durchaus stimulierende Bilddroge
fürwahr und lässt uns zumindest in dieser einen Hinsicht nicht
vollkommen kalt, doch die Dialoge würde ich mit genau dem Wort
bezeichnen, mit welchem sich Bautista wie gesagt aus dem Zuge
verabschiedet hat, einem häufigen Sch-Wort also, welches ich nun elegant
umgehen möchte, da es im Netze je nach Seite ohnehin zensiert würde,
die menschenleere Nachtpoesie der Straßen wird sogleich Einiges zwar
wiedergutmachen können, wird jedoch bestimmt von wie bereits angedeutet
reichlich seelenlosen Fahrzeugen, sie sind ausschließlich flach, laut
und breit, von Wurzelholz wie etwa in Daltons Cello-geräumigem 87er
V8-Aston keine Spur, keine Eleganz, kein Esprit (also nicht der Lotus,
sondern die Eigenschaft), nicht der geringste stilvolle Spirit im Geiste
eines britischen, eloquenten oder fahrtraditionellen Films, Moonraker
beschrieb ich trotz der einen Mangel an Perfektion erahnen lassenden
Drei-Sterne-Wertung als den „Jaguar Xj-12 unter den Bondfilmen“, Spectre
dagegen ist in solcherlei Hinsicht deutlich draufgängerischer und
extrovertierter in Fahrt, aber ohne dass die prahlerischen Elemente der
(zwar zweifelhaften, aber immerhin „witzigen“) Kunst (!) des Prahlens
gerecht würden, zwei Spielzeugautos in einem Lichtgewitter, keine
Emotion, völlige Austauschbarkeit.

Mag Christoph auch ein brillanter Schauspieler sein, so merket der geneigte Freund der GESAMTREIHE schnell:

Ein FRANZ Oberhauser ist KEIN FRANZ Sanchez, die Begegnung mit
einem „brüderlichen“ Blofelde sollte Bond eigentlich in einen dunklen
Spiegel schauen lassen, Bond als Getriebener mit den tiefsten Gelüsten
den Widersacher auf unbehagliche Weise zur Strecke zu bringen, DAS
gedachte ich zu sehen gewillt zu sein, Spectre dagegen ist inszeniert
wie ein zwangloses Familientreffen, bei welchem man sich aber dennoch
fragt, wann es „endlich“, hart gesprochen ob der Tötungsabsichten
Oberhausers, „verenden“ möge, all dieses ist unsagbar bedauerlich, denn
die Schauplätze überzeugen über alle Maßen, zum ersten Male seit 2002
(nightfire) begibt sich Bond wieder nach Österreich („Two dead men
enjoying the evening“, Schachmatt für den altbekanntermaßen werten Herrn
in der D2-Schneehütte) gar und ich weiß es zu würdigen, es
"rechtfertigt" aber nicht den ansonsten an sämtlichen Enden schwer
vernachlässigt worden seienden Film, dessen Drehbuch einen mehr als
gespaltenen Eindruck hinterließ, sogar eine ganze Ära in Frage zu
stellen scheint.


Bis hierhin nun, Part 1.3 (eventuell 1.4) folget beizeiten.
"Loyalität bedeutet mir wesentlich mehr als Geld." - Aus des Problembeseitigers Spiegelbilde sprach die Stimme sanften Verwesens!
Bond '89 - Robert Davi

Mister Bond

Felix Leiter

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15

Samstag, 29. Juni 2019, 19:33

Korrektur, Bond ist auch 2008 in Österreich.

Daniel Dalton

Felix Leiter

  • »Daniel Dalton« ist männlich

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16

Sonntag, 30. Juni 2019, 13:20

Echt?
Okay, Danke,
das sollte der QoS-Fan in mir eigentlich wissen. Womöglich hängt es schlichtweg damit zusammen, dass ich Österreich grundsätzlich mit Schnee in Verbindung bringe, ein Winterfilm ist QoS leider nicht gerade.
Hier nun die Parts 3 und 4, LG




1.3


A licence to kill is
also a license not (!) to kill“, M versucht die Situation ein Stück
weit zu domestizieren, doch die Wegpfade sind steinig gar so sehr und
schreien nach Drastik, OHMSS-gleich (auch ein Anwesen in „agent
under fire“, 2001, ließ bereits an das Jahr 1969 zurückdenken)
nunmehr beträte der Zuschauer einen Berggipfel, man dächte also an
die „Klinik“ aus OHMSS '69, doch inzwischen herrschen nicht mehr
die feudal betagten Bilder, sondern eine Art Glashaus modernisiert
das Geschehen völlig, die unendlichen Weiten wissen wahrhaftig zu
gefallen, doch die alsbaldigen Szenen mit Miss Swann wurden derart
küchenpsychologisch aufgesetzt in das Drehbuch hereingestampft, dass
es schon fast wehtut, zum Glücke ist der um Antworten nicht
verlegene Bond zur Genüge kess, um teils mit cleveren Gegenfragen zu
repliken, schnell müsste ihr bewusst werden, dass er einer
bevorstehenden Situation wegen die ihrige Seele fast leichter aus der
Reserve locket als sie mit der seinigen es vermag, das Verhältnis
wirkt künstlich und setzt sich aus den uninteressantesten Elementen
zusammen, viele Bondfilme in der Vergangenheit haben doch gezeigt,
dass gewisse „Spitzen“ zwischen einer Dame und Bond mehr oder
weniger modern und geschliffen funktionieren können, ohne aber
darauf angewiesen zu sein, derart anstrengend alberne Gespräche zu
inszenieren, glücklicherweise betreten wir in Kürze schon eine
Seilbahn und fühlen uns somit erneut an OHMSS erinnert, sähe man
davon ab, dass selbst diese stark modernisiert worden ist und eher
wie eine Glaskapsel aussieht, bis zum Abwinken häufig kann ich nur
zur Wiederholung erheben, dass der visuell durchaus kunstfertige Film
unter schrecklich uninspirierten Dialogen litt, deren Oneliner nicht
ausreichend kreativ gewählt sind, außerdem stört mich Eines in der
Tat gewaltig:


Da inszeniert man doch
tatsächlich endlich einmal einen Bondfilm von der ausgedehnten
Laufzeit eines Gangster-Epos, kredenzt aus dieser hervorragenden
(fast einmaligen, bis dato längsten) Chance von ungefähr
zweieinhalb Stunden jedoch eine derart unspannende Farce, dass die
Handlung genauso gut in einen anti-unkurzen TV-Krimi hineingepasst
hätte, argghh!


Im idyllischen und
gleichwohl gefühlt leicht unbehaglichen da bedrohlichen Winterdorfe
existieren diesmal, abermals spiele ich auf OHMSS an, leider Gottes
keine Nachtszenen, Freunde der Reihe wissen um die Bildpoesie der
nächtlichen Dorfszenen im Jahre 1969 und hätten dergleichen nur zu
gern erneut erlebet, Spectre ist zwar an Erinnerungen reich, aber ein
recht fader Aufguss eben, all die Versatzstücke passen kaum
zueinander und nicht erst unlängst hat der (wenn auch physisch nach
wie vor selbst den härteren Parts der Rolle entsprechende) gute
Mister Craig seinen geradezu ultra-intensiven, fast Dalton-gleich
konzentrierten und fixierten, zielgerichteten Blick seiner ersten
beiden Missionen mehr oder weniger verloren (aus dem Auge im wahrsten
Sinne des Wortes), die in Bälde in Kraft tretenden Szenen in Tangier
ermöglichen theoretisch visuelle Wunder und könnten auch an the
living daylights erinnern, dessen zweite Hälfte um genau zu sein,
dennoch gelänge es Spectre nicht, sich zu einem düsteren
1001-Nacht-Märchen zu entwickeln in diesen in Kürze auf uns
zukommenden, eigentlich vielversprechenden und verheißungsvollen
Szenen, sondern es wirkt als wolle man all die Schauplätze nur
„abklappern“, zwar bin ich dankbar dass man sie einband, doch
nirgends scheint eine Örtlichkeit für uns dieselbe Relevanz zu
haben wie in anderen Werken der Reihe es zumeist der Fall gewesen...,
nach wie vor wirkt Miss Swann trotz Doktortitel und anfänglich noch
dominanter Einleitung dennoch kein Stück fortschrittlicher als
einige Bonddamen etwa der 60er Jahre es für sich haben in Anspruch
nehmen können, sie ist nahezu permanent auf Bond angewiesen, dabei
warb man – verkrampft um politische Korrektheit ÜBERbemüht –
mit klarer Erneuerung und dergleichen mehr, ich finde es zwar an und
für sich nicht allzu tragisch dass sie die Handlung nicht merklich
voranbrächte, doch WENN ein Film schon in den, pardon, Bereich „Lady
als schmückendes Beiwerk“ zurückfiele, dann kann man auch den
verspielten Mut haben, augenzwinkernd von vornherein zu sagen und zu
kommunizieren, dass die Rolle vornehmlich der (hier tatsächlich mal
überwiegend männlichen, obgleich ich unlängst mal eine Lanze für
die These brach, Bondfilme seien auch für die Damenwelt ein
hervorragendes Filmprogramm, manchmal mag das zutreffend sein,
manchmal weniger) Unterhaltung dient, letztlich bliebe es stets
individuell und ist fast unmöglich zu beantworten wie SIE das wohl
empfinden werden, ich jedenfalls habe keine innere Beziehung zu Miss
Swann gespürt.


Die sinnliche Französin
räkelt sich zwar sehr visuell im Bette (Frankreichs Kunst des
Räkelns, in TWINE '99 wurde sie viel geheimnisvoller in Szene
gesetzt, hier hingegen wirkt es abermals emotionslos) und präsentiert
sich auf den ersten Blick sehr sicher, aber selbst naiver gezeichnete
Figuren wie etwa Kara (1987) trugen letzten Endes mehr zur Handlung
bei (zumindest ihre Liebe zum Cello blieb in Erinnerung und eine
wundersame Ausstrahlung hat sie ebenfalls), die in Spectre
hoffnungslos unterforderte Léa avanciert damit Stück für Stück,
wenn dem nicht gar „immer schon“ so war, sofern man das bei einem
derart jungen Film beurteilen kann, zu meinem „least favo(u)rite
bond girl“, womöglich neben „Goodnight“, Spectre ist
zweifelsohne ein Film welcher für zehnjährige Einsteiger der Reihe
recht gut geeignet sein könnte, um überhaupt erst einmal zum Fan zu
werden, doch für den Kenner der Gesamtreihe ist das Werk trotz
besagter Reminiszenzen potentiell uninteressant (ich sage also
bewusst vielleicht, da es selbst dort glücklicherweise einige
Befürworter wird geben können und dürfen), wie gesaget werden die
drei (blood stone lasse ich außer Acht, da der interaktive Film eine
ganz eigenständige Geschichte erzählte im Jahre 2010) vorherigen
Craigs sehr lieblos handlungstechnisch verknüpft, wohl damit Spectre
die überwiegende Abwesenheit einer ganz und gar eigenen Storyline
weitestgehend zu kompensieren, oder sagen wir auszugleichen imstande
ist, die Abwesenheit eigener Elemente zwar muss nicht zwangsläufig
schlecht sein und die Verwendung dreier Vorgeschichten ist an und für
sich eine recht unschlechte Idee, doch die hanebüchene Art und Weise
der Umsetzung verursacht Schmerzen im Bauche und im Kopfe, ja gar im
Herzen.


Der Film schrieb seine
Geschichte nicht filigran mit der Schreibfeder, sondern mit einem
Holzhammer so unsanft, zwar muss auch das nicht notwendigerweise ein
Nachteil sein, doch selbst gröbliches Kreieren will gekonnt sein und
ist eine komplexere Aufgabe als es möglicherweise den Anschein haben
mag, in Spectre jedenfalls ist der Spagat zwischen Spaß und Drama
grandios missglückt, die Beine tun noch immer sehr weh von dieser
spreizenden Bruchlandung, auch der Soundtrack ist nur sehr selten
ausreichend geheimnisumwoben gestaltet worden, als dass er besagte
1001-Nacht-Ansätze in Klänge kleiden könnte, derweil übrigens
stünden die Dinge anderswo auf dieser Welt so, dass, dort
gegenwärtig ohne Bond, beim MI6 ein gewisser „C“ (ein
Unruhestifter ohnegleichen) für viele unschöne Überraschungen
Sorge trüge, kurz darauf reisen wir wieder zurück zu Miss/Dr. Swann
und Mister Bond, sie als Psychologin (wobei der Doktortitel im
Zweifel eher darauf hinwiese, sie sei Psychiaterin, aber sei's drum,
ihre beruflichen Details sind ob der Bedrohungen inzwischen ohnehin
ihr geringstes Problem, Frau Doktorin der Psychologie wird
baldestmöglich nämlich ihre ganz eigene (!) Psychologie erleben)
erwähnet gegenüber Bond natürlich, man verfüge IMMER „über
eine Wahl“, man habe immer Einfluss sozusagen, sei verantwortlich
etc., ich persönlich tendiere eher zu Bonds dies negierend'
Reaktion/Auffassung, sein Agentenschicksal ist im brutalen Herzen der
Finsternis so verfestigt, dass es sich nur schwerlich davon könnte
befreien wohl, der unbequeme Weg war zumindest bis zu einem gewissen
Grade vorgezeichnet, Lady Swann mag in den „lebenden Akten“ ihrer
Büroregale in viele Seelen geblickt haben, aber: ihr nicht nur
theoretisierender, sondern zunehmend konkrete Züge und Konturen
annehmender Ausflug mit Bond mutet jedoch so an, als werde sie seit
Jahren zum ersten Male spürbar mit der Eigenen (!) konfrontiert,
„sie hat keine Wahl“ (mehr).



Part 1.4 gehört den
Kommentaren, es folgt mal wieder eine Pause, 1.3 ist geschlossen.



1.4

Bautistas Part wird in
eben demselben Zug, in welchem wir nunmehr Passagier sind, wie schon
gesagt ebenfalls mit von der Partie sein, seine Rolle ist reichlich
wortkarg (wie würde Hermine aus Harry Potter nun sagen: „Er ist
vom Wesen eher körperlich“), ich bedaure es ein wenig, hätte es
begrüßt, wenn man eine Figur etabliert hätte, welche (ähnlich wie
Bond himself, oder aber z.B. ganz und gar genial: Necros in the
living daylights) sowohl mental als auch physisch viel zum Film
beizutragen gewillt ist, Bautistas Rolle wird reduziert und geht in
die Richtung „Hauptsache Kampfgeist und Muskeln“, viele
sportliche UND zugleich geistreiche Zuschauer dürften (für's
Protokoll: ich maße mir weder die eine- noch die andere Eigenschaft
sonderlich an, es sei denn verwirrte und obskure Gedankenflut der
Zusammenhanglosigkeit gälte als Intelligenz und es sei denn Tippen
im Rekordtempo als Sport :D) solche Figuren und Stereotypen langsam
leid sein, da auf diese Weise so getan wird, als seien
Gedankenreichtum und Fitness ein Widerspruch, es wird zwar nur subtil
suggeriert, hat aber einen unschönen Beigeschmack (anders bei Werken
wie Bully- die Ehrenrunde, dort werden die Gruppen der Schüler
bewusst augenzwinkernd präsentiert und der Zuschauer weiß z.B.,
dass die unterbelichtete Darstellung der Cheerleader satirisch
scherzhaft überspitzt wird und keine realistische Beleidigung
darstellen muss), unklar bliebe hingegen, ob Bautista dergleichen
wörtlich Spannenderes nicht „könnte“, oder ihm aber das
Drehbuch schlichtweg zu wenige Chancen nur hat bieten können,
hierfür kenne ich diesen Schauspieler schlichtweg nicht zur Genüge
gut, um mir ein Urteil gestatten zu können, schade aber ist es wie
gesagt sehr, denn im Vorfelde hat er sympathischen Lächelns in die
Interview-Kameras geblickt und uns eigentlich erwarten lassen, seine
Rolle sei etwas ausgedehnter und eben nicht ausschließlich dazu da,
Menschen zu „zerquetschen“, sämtliche Videospiel-Bösewichter
der Brosnan-Ära hatten uns jedenfalls deutlich mehr mitzuteilen als
einige Figuren aus Spectre es taten, sehr interessant auch:


Trotz geradezu
stumpfsinnig rudimentären bis beinahe dümmlich angehauchten Umgangs
mit der wirren Geschichte, ist der Film noch nicht einmal sonderlich
unterhaltsam, er müsste eigentlich prädestiniert sein für
waschechtes Popcorn-Kino, doch meines Erachtens gilt: ein
gehaltvoller Rohmerfilm wirkt dagegen fast kurzweilig, selbst ein
Besuch in einem Museum würde schwungvoller erscheinen, Spectre
bedient sich diametral zweier Richtungen, ohne aber ein Prinzip von
wegen „best of both worlds“ zu verfolgen oder herzustellen, auch
die Szenen in der Wüste haben mich nicht erreicht, die letzte
reüssiert habende Verwendung einer Wüste war wohl quantum of solace
(Atacama), wobei auch in dieser Hinsicht abermals the living
daylights als Paradebeispiel für formvollendete
Wüsten-Bond-Filmkunst erwähnt werden kann, inmitten der
Spectre-Wüste übrigens scheint meine vorhin erhobene Autokritik
endlich zu beginnen, sich aufzulösen, denn ein 48er Rolls Royce
brächte Esprit, Schwung und Staub in die Wüste, flauschigen
Polsters säßen Swann und Bond beisammen, wartend auf ihren
gastlichen Empfang in der Höhle des Löwen, geführt werden wir in
eine opulente Residenz, doch dann ginge es auch schon wieder los:
Oneliner im Stile von „Vorsicht, die ist geladen“ (der Scherz auf
dem Tablette) ruinieren sogleich die rätselhafte, schwebende
Stimmung, Spectre ist ein Meister darin, geniale Szenen einzuleiten
und Erwartungshaltungen emporschießen zu lassen, um anschließend
wieder alles Erdenkliche zunichte zu machen, all die alsbald
folgenden psychologisch gefärbten Erinnerungen wirken unheimlich
undurchdacht und konstruiert, zu hanebüchen um „sachlich“ zu
wirken und zu seelenlos um wiederum mit Herz und Spürsinn ertastet
zu werden, somit weder für blumige noch für nüchterne Menschen
interessant (jetzt mal ganz flach getrennt, nicht sehr differenziert
zugegebenermaßen) , Herr Waltz hat nun gleichermaßen viel Pech wie
Bonds „Anhängsel“ Léa, beide Figuren bleiben abermals
meilenweit hinter ihren breitflächigen schauspielerischen
Möglichkeiten zurück, Oberhauser verstünde sich geradezu
künstlerisch als Visionär und Urheber der Schmerzen Bonds, kann
hier ein wenig zündeln und grinsen, trotzdem waltzt es nicht, ja
selbst die Folterszenen verkommen zu einer schwarzhumorigen Blödelei,
die an Absurdität ihresgleichen sucht (immerhin: Genial fand ich
„Kann dich nicht verstehen, James“, im O-Ton klang es weniger
lachmuskelerregend, überhaupt erachte ich Herrn Waltz in der
deutschen Fassung als noch besser, wenngleich besagter Flugdrache
u.a. mich dazu veranlasst, prinzipiell eher die englische Version zu
bevorzugen), auch die ursprünglichen MOTIVE 'Blofelds' sind an und
für sich deutlich niedlicher als es bei einem Bösewichte dieses
Formats spannend wäre, Rache zwar ergäbe dramaturgisch durchaus
Sinn und machet sich auf Kinoleinwänden oftmals sehr gut, aber das
gesamte „Papa-hatte-dich-lieber-als-mich“-Setting erreicht nur
sehr schwer vollumfänglich das Zuschauerherz da inszenatorisch
unfreiwillig komisch eingefangen, selbst empathisch veranlagte
Zuschauer dürften ob der Inszenierung Schwierigkeiten haben, sich
mit der Seele Blofelds vollends anzufreunden und zu verbünden, so
lieblich die an Sandkästen und Ursprünge erinnernde Grundidee auch
sein mag.


Spectre als Reise der
sandigen Seelenstrände, diese Formel vernichtet sich selbst, viele
Regisseure beherrschen das Abgründige nicht (wobei: Mendes
eigentlich durchaus, ich verweise zum zweiten Male auf seinen 1999er
Geniestreich mit Mena Suvari) und erzeugen daraus vielmehr eine
Farce, solchermaßen intensiv daherkommend' Exzesse emotionaler Art
bräuchten schon ein diesbezügliches Naturtalent wie Andrzej
Zulawski, so etwas KANN ein Regisseur in der brillantesten
Arbeitsausbildung nicht lernen, also wäre es ratsam, würde der Film
weniger dicklich auftragen und es gar nicht erst versuchen, um nicht
ins Lächerliche abzudriften und eine Kultreihe in Mitleidenschaft
geraten zu lassen, der Film versucht sich abermals an einem
„Tiefgange“ à la TWINE '99, doch im Gegensatze zu Letzterem, der
sich im Kerne klar als Drama bekannt und positioniert hat und
trotzdem die typischen Bondelemente gekonnt einband, sodass es für
Fans beider Seiten im Detail weniger schlimm ausging, wo doch Action-
wie Drama-Freunde gleichermaßen auf ihre Kosten kommen können in
diesem sowohl transzendenten als auch irrwitzigen Film, wirkt Spectre
hingegen gewollt, ja gar unnütz und schlichtweg unvollkommen, Herr
Waltz ist indessen zu einem (ohne dass der Film aber die Intensität
eines DePalma-Werkes erreichen würde) „Scarface“ geworden, drein
blickt er wie jemandes Person, die zerschmettert worden ist (unklar
bliebe, wie Waltz dies eines Tages „ahnden“ wird, wo Bond doch
diesmal „gewonnen“ hat), denn inzwischen schwang Bond seine
Action-Hand in des Gegners Richtung, für den „Fall von oben herab“
ist für Miss Swann und Bond wie „zufällig“ ein Auffangnetz
gespannt, sehr praktisch, hinunter rutschen wir nunmehr und haben es
endlich geschafft, die Augen sind erschöpfet und die Nerven
zunehmend geschwächt, das Ausklingen wirkte relativ rund in
einigerlei Hinsicht, doch man wusste mal wieder nicht wo die
Verendung zu setzen ist und fügte noch eine DB5-Szene hinzu, selbige
Abfahrt als Ende der Enden wurde emotional zwar stark inszeniert in
musikalischer Hinsicht, wirkte aber ansonsten wie die einfallslose
Antwort darauf, wie man nach einem Blutbad noch im letzten Momente
etwas „Lustiges“ herbeizaubert, um den Kinobesuchern zu
suggerieren, es sei ein netter Abend gewesen – war es aber nicht.


Fazit und Resümee
insgesamt und allumfassend:


Wow, man kann den Mangel
an Spannung ja förmlich greifen, faszinierend, dafür immerhin einen
Stern...



Grauenhaft in durchaus
vielen Szenen,


Ambition zwar sichtbar und
dennoch tot,


nach echtem Bonde die
Zuschauer sich sehnen,


der hiesig' Film dagegen
marod'.



Versuch misslungen,

Bilderkleid gleichwohl
recht heiß,


Dialoge niemals
ungezwungen,


Gesamteindruck bitter oh
welch unschöner, entpoetisierter Sch....ß
"Loyalität bedeutet mir wesentlich mehr als Geld." - Aus des Problembeseitigers Spiegelbilde sprach die Stimme sanften Verwesens!
Bond '89 - Robert Davi

Scarpine

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Montag, 1. Juli 2019, 23:00

Durchweg spannende Gedankengänge, Daniel Dalton. :thumbup:

Unsere jeweiligen Einschätzungen des Streifens ähnlen sich. Zwar wird es noch ein Weile dauern, bis ich mich im Rahmen meines Marathons Spectre widmen werde, aber die letzten Sichtungen zementierten leider den stetigen Abwärtstrend dieses Beitrags. Da diese Eindrücke noch recht frisch sind, denke ich nicht, dass das Urteil in naher Zukunft groß anders ausfallen wird. Ich sehe ihn - mit deutlichem Abstand - als Craigs bislang schwächsten Bondfilm und auch als eines der schlechtesten Werke der ganzen Serie.

Von daher hoffe ich sehr, dass Craig mit seinem fünften/finalen Film nochmal an die frührere Qualität und Frische seiner Ära anknüpfen kann. :!:
"Enjoying our little party, Monsieur... Saint John Smythe?"

Daniel Dalton

Felix Leiter

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18

Freitag, 5. Juli 2019, 11:06

Sei auf das Herzlichste bedankt, lieber Herr Bauchau,
ich bin ebenfalls sehr gespannt inwieweit das 25. Hauptwerk es vermag, eventuell neue Impulse zu setzen, zwar skeptisch mag man da wohl sein, doch ein paar gute Nachrichten hat es ja durchaus gegeben. Liebe Grüße
"Loyalität bedeutet mir wesentlich mehr als Geld." - Aus des Problembeseitigers Spiegelbilde sprach die Stimme sanften Verwesens!
Bond '89 - Robert Davi