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Mister Bond

Felix Leiter

Beiträge: 1 372

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61

Donnerstag, 23. Mai 2019, 22:28

Brunnemann finde ich eh zu Unrecht unterschätzt...oder besser, ich wundere mich immer, warum meistens nur Rainer Brandt erwähnt wird. Die besten Spencer/Hill Filme, also die von 1970 bis 77 enstanden zumeist unter Brunnemanns Fittichen mit Brandt als zweiter Mann. Danach übernahm Brandt mehr und verkrachte sich mit Wolfgang Hess.
Dialogregie wechselten sich ja beide ab, auch bei "Die 2". Für das Dialogbuch, also diese irrwitzigen Texte, war schon nur Rainer Brandt verantwortlich, zumindest bei "Die 2".

Damit wir aber wieder beim ursprünglichen Thema wären...und ich euch eine Gute Nacht wünsche :)
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Daniel Dalton

Felix Leiter

  • »Daniel Dalton« ist männlich

Beiträge: 1 689

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62

Freitag, 24. Mai 2019, 14:20

Ein hübsches Bildnis der Göttlichen ;)

Ja, Brunnemann fehlt mir vor allen Dingen in den Die-2-Folgen, welche erst 1994 ausgestrahlt worden sind, hier zeichnete Brandt ja meines Wissens eigentlich für so gut wie alles Dialogbezogene allein verantwortlich - und das merkt man irgendwo auch, der Ton ist manchmal etwas schroffer und unsanft, da fehlen mir die geschmeidigen Zeilen Brunnemanns, Brandt böte hier und da vielleicht lustigere Parts, aber schon im Sounde der Stimme selbst hat Brunnemann teils Klangelemente, die mich fast erstaunt sein lassen, dass man nicht gleich ihn als Brett Sinclair auserwählt hat ;-)
"Loyalität bedeutet mir wesentlich mehr als Geld." - Aus des Problembeseitigers Spiegelbilde sprach die Stimme sanften Verwesens!
Bond '89 - Robert Davi

Scarpine

Verschlagener Korse

  • »Scarpine« ist männlich

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63

Freitag, 12. Juli 2019, 22:38

James Bond 007: Der Spion, der mich liebte

Bond Marathon # 00…10; Originaltitel: The Spy Who Loved Me, GB 1977, Regie: Lewis Gilbert, Drehbuch: Richard Maibaum und Christopher Wood nach dem Roman von Ian Fleming, Darsteller: Roger Moore, Barbara Bach, Curt Jürgens, Richard Kiel, Caroline Munro, Walter Gotell, Shane Rimmer, Michael Billington, Geoffrey Keen, Bernard Lee, Lois Maxwell, Desmond Llewelyn u. a., Premiere: 07. Juli 1977

Zitat von »James Bond 007: Der Spion, der mich liebte«

Fast zeitgleich verschwinden auf britischer und sowjetischer Seite Atom-U-Boote spurlos. Die Nachrichtendrähte laufen heiß. James Bond wird aus Österreich abgezogen und erwehrt sich erfolgreich einer Attacke durch eine operative KGB-Gruppe. M setzt 007 umgehend auf den kritischen Fall an. Es stellt sich heraus, dass jemand ein Ortungssystem entwickelt hat, mit dem sich sogar getauchte Atom-U-Boote aufspüren lassen. Die Weltmächte sind alarmiert. Bond reist nach Kairo und trifft dort auch sein russisches Pendant, den KGB-Major Anya Amasova, Codename Triple X. Die Pläne der brandneuen Erfindung sollen zum Verkauf angeboten werden. Doch der Kontaktmann und sein Auftraggeber werden ermordet. Der Mikrofilm, der die Details des Ortungssystems enthält, befindet sich nun im Besitz des brutalen Killers "Beißer". Mit vereinten Kräften können sie dem Hünen den Film abjagen. Kurz danach setzt die Sowjetagentin 007 mit einem Betäubungsmittel außer Gefecht und flieht mit dem wertvollen Gut. Doch bald trifft Bond die ebenso schöne, wie tödliche Anya wieder. Briten und Russen haben sich auf einen Burgfrieden geeinigt. Die beiden Top-Agenten sollen nun zusammenarbeiten. Rasch kommen sie sich näher, doch keiner der Beiden ahnt, dass 007 Anyas Geliebten in Österreich getötet hat. Die Spur der Entwicklungspläne führt nach Sardinien. Hier residiert der mysteriöse Schwede Karl Stromberg wie ein Einsiedler in seinem bizarren, hypermodernen Unterwasserlaboratorium...

Zitat von »Scarpine (2013)«

Die erste längere Franchise-Pause zahlte sich aus. Das zehnte 007-Abenteuer präsentiert seinen Titelhelden in neuer Frische und auf der Höhe der Zeit. Das beste Drehbuch der Siebziger, die spielfreudige Besetzung, die pointierte Regie und das gigantische Production Design erheben den Film zum stilbildenden Klassiker der Reihe. Lediglich die nicht voll überzeugende Charakterisierung einiger Hauptfiguren, einige platte Gags und der nicht ganz so eindrucksvolle Soundtrack, lassen den Film nicht unter den Besten rangieren.

Es wird im Fandom immer mal wieder die Frage aufgeworfen, ob The Spy Who Loved Me als "Retter" des Franchise - nach der langen Durststrecke der frühen und mittleren 1970er Jahre - postwendend nicht ein wenig überbewertet wurde. Eine durchaus berechtigte Frage, ist doch an dem epochalen Klassiker-Status des Werks schon seit geraumer Zeit kaum mehr zu rütteln. Tatsächlich, glaube ich persönlich, dass der Film von einem solchen Bonus aber weitaus weniger profitiert, als die nach so unterschiedlichen Pausen enstandenen "Retter"-Filme GoldenEye und Casino Royale. Vielmehr sind es die starke, stilbildende Kraft, die dem Streifen innewohnt, und die durchweg souveränere, stringentere, ja schlicht sorgfältigere Machart, durch die sich Roger Moores dritter Einsatz merklich von den Vorgängern abzusetzen weiß. Zum einen liegt das am Drehbuch, das durch viele reizvolle Ideen und futuristische Elemente besticht und dabei dennoch nicht der Versuchung erliegt, den Stoff zu einer vollkommen fantasterischen Farce geraten zu lassen, sondern – im Gegenteil – auf geradliniges Erzählen und plastisch ausgestaltete Charaktere setzt. Der andere Garant für die überdurschnittliche Klasse der Produktion sitzt auf dem Regiestuhl. Lewis Gilbert gelingt es weitaus besser als noch bei seinem Einstand 1967 eine ausgeglichene Balance zwischen Hektik und Ruhe, zwischen halsbrecherischer Action und schwärmerischen Momenten, zwischen technischem Gigantimus und menschlichem Drama zu finden. Gerade im Vergleich zu den letzten drei Filmen unter der Federführung von Guy Hamilton fällt es ins Auge, wie sichtlich eindringlicher, atmosphärisch dichter und visuell eingängiger Gilbert hier über weite Strecken inszeniert. Viele Szenen glänzen durch eine gewisse Größe und werden durch reizvolle Einstellungen adäquat eingefangen und nobilitiert. Dahingehend gehören beispielsweise der Kairo-Part und die Ägypten-Sequenzen sicherlich zum Besten, was die Serie zu bieten hat. So feierte anno 1977 wahrlich ein Streifen seine Premiere, der mit Fug und Recht von sich behaupten darf, die Reihe auf genauso wirkmächtige Weise geprägt zu haben, wie die stilbildenden Filme der Goldenen Sechziger.

Bei dem Ensemble fällt auf, dass man sich von Seiten der Regie und des Scripts geschickt darauf versteht, die zentralen Hauptakteure in den Fokus zu rücken, obwohl im Filmverlauf eine wahre Armada an Nebenfiguren die Story bevölkert. Folglich gelingt es auch nur wenigen Darstellern beim Zuschauer Eindruck zu hinterlassen. Als 007 vollbringt Roger Moore abermals eine sehr gute Leistung, an der es nichts auszusetzen gibt. Zwischen Humor, Ernsthaftigkeit, Härte und lässiger Eleganz hin und her pendelnd, sieht man den Engländer in gewohnt guter Verfassung. Es gerät ihm allerdings ein wenig zum Nachteil, dass er bzw. Bond besonders in der zweiten Filmhälfte von der Größe der Verschwörung und des technischen Overkills ein wenig in eine Teilnehmerrolle gedrängt wird, weshalb seine beiden vorherigen Darbietungen im Gesamtbild erinnerungswürdiger erscheinen. Mit Barbara Bach hat man eine Darstellerin gefunden, die der russischen Top-Spionin ein glaubwürdiges Gesicht gibt. Mit festem Blick und einer damenhaften Nonchalance zeichnet Bach die für Bond-Verhältnisse ausgesprochen facettenreich auftretende Leading Lady. Die Gegenseite hat man mit Curt Jürgens und Richard Kiel sehr kompetent besetzt. Gerade die ehrwürdige Präsenz eines altgedienten Mimen wie Jürgens steht dem modernen, hochtechnisierten Spektakel sehr gut zu Gesicht. Durch inszenatorische Mittel werden die Schurken zudem effektvoll dem Zuschauer präsentiert. Während sich Strombergs stoisches, entrücktes Antlitz in den Bullaugen seines Unterwasserparadieses spiegelt, erfährt der Beißer mit dem abwechslungsreichen Licht- und Schattenspiel an historischen Stätten beinahe den klassisch-anmutigen Gruseltouch eines Boris Karloff im Stil der Horrorfilme der 30er Jahre. Und obwohl seine Action-Physis aberwitzig erscheint, passt sie Rolle doch in die Tradition eines Oddjob und ebenso in die Moore-Ära, in der wir zuvor auch bereits mit Kneifzangenmännern, teuflischen Zwergen und unsterblichen Todesbaronen konfrontiert wurden. Von den sonstigen Mitwirkenden sind noch Walter Gotell als glaubwürdiger KGB-Chef und Shane Rimmer als kompetente Helferfigur hervorzuheben. Das MI-6-Team ist ganz gut aufgelegt, wobei vor allem Desmond Llewelyn einige schöne Szenen gewährt werden.

Auch in den handwerklichen Sektionen leistet sich The Spy Who Loved Me keine Schwächen. Die Cinematographie von Claude Renoir ist an malerischer Finesse kaum zu übertreffen. Wie einst Freddie Young darf Renoir wunderschöne Panoramen und traumwandlerische Bauten in einer breiten Farbpalette fotografieren. Man spürt förmlich Regisseur Gilberts Intention – wie es ein Forumuser einmal so treffend ausdrückte – einen besonders schönen Bondfilm zu drehen. Auch in den Action-Sequenzen beweist die Kameraführung Vielseitigkeit und dynamisches Geschick. Der Vorspann von Maurice Binder trifft mit der gewohnten Klasse einen Nerv, ohne jedoch an die allergrößten Leistungen des Designers heranzureichen. Gleiches lässt sich auch über den Titelsong von Carly Simon und den Score von Gastkomponist Marvin Hamlisch sagen: Sie passen einfach exzellent zu diesem Film. Der Soundtrack bewegt sich nicht nur in neue akustische Gefilde, sondern sorgt auch für einen zeitgemäßen, lebendigen Touch. Gekonnt erweist sich der blütenweiße Lotus Esprit als ebenbürtiges Äquivalent zum klassischen Aston Martin DB5. Ein echter Triumph ist das Production Design von Ken Adam, das mit seinem Einfallsreichtum, den Formen und Farben, die Leinwand breit ausfüllt und den Zuschauer gefangen nimmt. Neben You Only Live Twice ist es das wirkmächtigste und beeindruckendste Set-Design der Bond-Geschichte. Obwohl das Script aus verschiedenen Treatments zusammengeschrieben wurde, ist es Richard Maibaum, Tom Mankiewicz und Christopher Wood gelungen, die einzelnen Elemente zu einem flüssigen Ganzen zu verbinden. Die Handlung baut sich weitgehend harmonisch und logisch auf und die Autoren entwickeln die Liebesgeschichte schrittweise und situativ glaubwürdig. Anyas Rachemotiv und Strombergs abgründige Visionen bereichern den spannenden Plot zusätzlich. Wie eingangs erwähnt, gelingt Lewis Gilbert eine ausgesprochen ausgewogene und schnörkelose Inszenierung, die einerseits neue, frische Akzente zu setzen weiß und andererseits in ikonischen Momenten die Traditionen des Franchise auf optimale Art und Weise bedient. So gerät Gilbert The Spy Who Loved Me nicht nur zu seinem besten Bondfilm, sondern auch zu einem der herausragendsten Einträge in der langen Serienhistorie.

Wieder einmal lässt der dritte Streich eines Amtsinhabers 007 zur absoluten Höchstform auflaufen – Ob alpine Schneewelten, sandige Pyramiden, staubige Wüsten, mediterrane Küstenstreifen, tiefblaue Ozeantiefen oder atlantische Festungen; stets ist der Doppel-Null-Agent aufpeitschend und atemlos auf der Überholspur. Ein Meilenstein in der Entwicklung der Reihe.

00 00 00 00 00 Doppel-Null-Lizenzen
"Enjoying our little party, Monsieur... Saint John Smythe?"

Mister Bond

Felix Leiter

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64

Mittwoch, 24. Juli 2019, 11:54

Na, das freut mich sehr, dass Martin und Scarpine sich ebenfalls wieder so begeistert für mein Lieblingswerk zeigen :) Deshalb möchte ich da momentan nicht widersprechen, die handwerkliche Raffinesse und die künstlerische Kameraarbeit Claude Renoirs möchte ich neben Ken Adams Gestaltung aber natürlich auch noch mal hervorheben.