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  • »Daniel Schweikert 1996« ist männlich

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Sonntag, 27. September 2015, 10:45

Danke Euch vielmals!

Dann suche ich mal die 87er Version in den unendlichen Weiten des Netzes und kläre im Vorfeld mit dem Verkäufer, dass es sich um die Variante mit schwarzer Klappe handelt :)

PS: Hoffentlich hat die Blu-ray von FRWL den deutschen Trailer.
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Bond '89 - Robert Davi

AnatolGogol

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Sonntag, 27. September 2015, 11:21


PS: Hoffentlich hat die Blu-ray von FRWL den deutschen Trailer.



hat sie nicht. ;)
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  • »Daniel Schweikert 1996« ist männlich

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Sonntag, 27. September 2015, 11:28

Faszinierend. Auf Youtube hat das jemand hochgeladen, womit sich eine erweiterte Frage stellt:
Wo hat der Mensch das nur her? :)
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AnatolGogol

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Sonntag, 27. September 2015, 11:39

Faszinierend. Auf Youtube hat das jemand hochgeladen, womit sich eine erweiterte Frage stellt:
Wo hat der Mensch das nur her? :)


Gute Frage, es handelt sich bei dem auf YT hochgeladenen Trailer ja nicht nur um den deutsch synchronisierten Trailer, sondern darüberhinaus um den tatsächlichen deutschen Trailer, also inklusive deutscher Titeleinblendungen. Auf den digitalen Medien gibt es lediglich die Originaltrailer mit englischen Titeleinblendungen und englischem Ton. Da die Bildqualität des YT-Trailers erstaunlich hochwertig ist vermute ich mal, dass er von der deutschen Laserdisc-VÖ stammt.
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  • »Daniel Schweikert 1996« ist männlich

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Sonntag, 27. September 2015, 14:37

Ok, danke für die Antwort.
Leider habe ich keinen Laserdisc-Player und gegenwärtig vermutlich auch nicht das Geld um eine solch seltene Version zu "Prüfzwecken" anzuschaffen, ich halte aber Augen und Ohren offen :)

Kann vielleicht jemand den YT-Trailer auf eine DVD packen? Sofern das überhaupt rechtlich gestattet wäre...

Puh, ich steigere mich ganz schön in diese Geschichte rein... :D
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Sonntag, 15. November 2015, 01:00

From Russia with Love (1963, Terence Young)

"From Russia with love I fly to you. Much wiser since my goodbye to you. I've travelled the world to learn I must return from Russia with love"
- Matt Monro

Nachdem Sean Connerys Einstand als mittlerweile berühmtester und beliebtester Agent der Filmgeschichte in DN anno 1962 zum Mega-Hit avancierte liess die Fortsetzung aus dem Hause EON der Produzenten Harry Saltzman und Albert R. Broccoli nicht lange auf sich warten. Mit FRWL, der Verfilmung von einem der populärsten Teile aus Flemings Romanreihe, verlegte Regisseur Terence Young das Spektakel von den idyllischen Stränden der Karibik an den Eisernen Vorhang und damit an den (damaligen) Puls der Zeit.

Bemerkenswert am zweiten Teil der langlebigen Filmreihe ist vor allem, dass Schauwerte und Spektakel im Vergleich zum fantasievollen Abenteuerreisser DN erheblich zurückgefahren und einer noch stringenteren und fokussierteren Inszenierung untergeordnet werden. Mit der exotischen Metropole Istanbul und einigen aufwändigen und charmanten Setbauten, darunter ein malerisches Zigeunerlager, muss sich FRWL zwar keineswegs vor den oftmals an "Sightseeing-Touren" erinnernden Serienkollegen verstecken, allerdings werden diese Schauplätze dennoch um Einiges nüchterner und dreckiger bebildert als noch die prachtvollen Landschaften Jamaikas im Vorgänger. Womit sich auch der Bogen zur Handlung schlagen lässt. Mit den fantastischen und bunten Abenteuerelementen von DN hat FRWL nur noch wenig gemein, die erfindungsreichen Over-the-top-Ingredienzen äussern sich lediglich im Detail. So zum Beispiel im ersten von Tüftler Q entwickelten Gadget der 007-Reihe, einem Aktenkoffer mit Tränengas-Sicherung und verstecktem Dolch. Über weite Strecken aber präsentiert Young seinen zweiten Beitrag zur Serie als straffen und geerdeten Agentenfilm. Hier bespitzeln sich Briten, Russen, Türken und Bulgaren während dem Höhepunkt des Kalten Krieges in den Strassen Istanbuls gegenseitig, hier werden ausgeklügelte Spionagepläne geschmiedet und jeder versucht, eine wertvolle Maschine zur Dechiffrierung von Geheimdienstcodes an sich zu reissen. Erstmals eingeführt wird als Dreh- und Angelpunkt der Handlung die geheimnisvolle Untergrundorganisation SPECTRE, die die verschiedenen Nachrichtendienste zu manipulieren versucht um ihre eigenen Ziele zu erreichen.

Sean Connery fährt genau dort fort, wo er in DN aufgehört hat und prägt seinen Bond wie gewohnt mit weltmännischer Eleganz, physischer Präsenz und herber Männlichkeit. Es macht den Anschein, als wäre der Schotte geboren worden nur um James Bond zu spielen. Allerdings scheinen die Konturen seiner Darstellung in FRWL etwas weicher gezeichnet zu sein, und er setzt nicht mehr ganz so viele prägnante Akzente wie noch in DN. Co-Star Daniela Bianchi als Bond-Girl Tatiana Romanova leistet quasi Pionierarbeit als die klassische unschuldige Blondine, die leicht und schnell dem Charme Bonds verfällt, jedoch ist ihr Charakter wesentlich essentieller und greifbarer ins Geschehen mit eingebunden als bei späteren Gespielinnen des Helden. Und Bianchi ist auch einfach nur bezaubernd. Den wohl stärksten Part des gesamten Films hat aber Pedro Armendáriz als türkischer Kontaktmann Ali Kerim Bey abgekriegt, den er mit solch einer starken Mischung aus kultivierter Weisheit und jovialem, spitzbübischem Charme verkörpert, dass es eine wahre Freude ist. Ali Kerim Bey und Bond nimmt man den gegenseitigen Respekt und die rasch entstehende Freundschaft jederzeit ab. Besonders beeindruckend ist seine fröhliche Darstellung, wenn man die damaligen gesundheitlichen Zustände des Darsteller kennt: Armendáriz litt an Krebs und setzte seinem Leben kurz nach Beendigung der Dreharbeiten ein Ende.

Kaum ein anderer Film der Serie hat eine derartig eigenständige Konstellation an Gegenspielern zu bieten. Bonds spätere Nemesis Ernst Stavro Blofeld tritt in FRWL zum ersten Mal in Erscheinung, hier noch als eiskalte, gesichtslose Graue Eminenz, die im Hintergrund alle Fäden in der Hand hält. Ausgeführt werden seine Befehle von der rüstigen Sowjetoffizierin Rosa Klebb, eine Rolle, die Darstellerin Lotte Lenya mit einer widerwärtigen Kratzbürstigkeit zum Besten gibt. Ganz vollständig will die Figur aber leider nie zünden, dafür wirkt sie trotz oder gerade wegen ihres rustikalen und groben Auftretens manchmal ein bisschen zu bieder. Bonds wahrer Erzfeind in diesem Film ist aber kein Geringerer als Red Grant, ein stoischer, blonder Muskelberg, der aber auch clever und gerissen vorgeht, und zunächst unerkannt im Schatten operiert, bevor er im richtigen Moment zuschlägt. Die Figur kann nicht nur als Vorreiter einer ganzen Armee von 007 nach dem Leben trachtenden Auftragskillern gewertet werden, sondern gehört in diesen Belangen auch problemlos zu den denkwürdigsten und besten Charakteren der Serie.

Terence Young inszeniert seine Agentengeschichte stilsicher und mit einer simplen Eleganz. Bei der Filmmontage arbeitet er mit einer straffen Schnittfrequenz und geschmacksvollen Kamerawinkeln, welche die Handlungen der Akteure besonders im Zusammenspiel mit der eindringlichen Ton- und Musikgestaltung dezent aber effektvoll akzentuieren. Was spektakuläre Actionsequenzen anbelangt hält sich FRWL auffallend stark zurück und ist von den über zwanzig Filmen der Reihe wohl derjenige, der sie inhaltlich und dramaturgisch am allerwenigsten nötig hat. Young macht den Fehler, dieses angebliche Manko kompensieren zu wollen und lädt die Erzählung mit zwei weitgehend redundanten Actionszenen unnötig auf. Wobei die grosse Zigeunercamp-Schiesserei im Kontext der Handlung zwar noch nicht unbedingt redundant erscheint, es durch die unpassende und auch etwas uninspirierte Inszenierung aber wird. Vollständig wegfallen sollte hingegen die reichlich schale Bootsverfolgung kurz vor dem Ende, die sich an dieser Stelle rhythmisch mir der wesentlich stimmigeren und besser inszenierten Helikopterattacke beisst. Dafür entschädigt aber die wahnsinnig intensive Keilerei zwischen Bond und Red Grant im Zug, deren wuchtige Choreographie und stramme filmische Umsetzung heute noch Ihresgleichen sucht.

FRWL ist nach DN eine weitere Perle der frühen Bondfilme. Obwohl er auch den ikonographischen Auftakt zur langlebigen Filmreihe inszeniert hat wagt Terence Young zumindest in Teilen einen völlig neuen Ansatz und treibt dieses Mal statt eines abenteuerlichen und bunten Detektivkrimis ein komprimiertes Katz-und-Maus-Spiel in den Ausläufen des Kalten Krieges, gespickt mit stringenten und wirkungsvollen Einzelszenen, die für die Bondreihe ungewöhnlich bodenständig und aufs Wesentliche fokussiert in Szene gesetzt werden. Der übergeordnete dramaturgische Rahmen der Geschichte hätte aber an manchen Stellen etwas mehr Feinschliff vertragen können und zögert das Ende im späteren Verlauf unnötig hinaus. Den damit verlorenen Boden macht FRWL mit den gut gespielten und denkwürdigen Charakteren und der gebündelten Atmosphäre zwar weitgehend wieder wett, zu einem Highlight der Reihe oder gar des Genres reicht es aber dennoch nicht ganz.

Wertung: 7,5 / 10

  • »Daniel Schweikert 1996« ist männlich

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Donnerstag, 7. Januar 2016, 18:15

@Anatol Gogol und an die gesamte VHS-Fraktion:
Jetzt wird's interessant! Habe mir nun die 87er Warner Home VHS zu Gemüte geführt, das Bild war natürlich eher besch...en ('bescheiden' ;) ), jedenfalls habe ich beim Kauf bewusst darauf geachtet, dass es sich um die Version mit schwarzer Klappe handelt, welche das "musikalische Nachspiel" enthält. Endlich fand ich einen ebay-Händler mit dem richtigen Tape, schlug einen Preis vor, erhielt die Bestätigung und letztlich die mystifizierte Ware. Resultat: Nichts, nada, niente, ne rien, nothing. Kein Nachspiel, kein Unterschied zu den normalen Fassungen. Die neue Erkenntnis deutet also in die Richtung, dass es nicht 2, sondern gar 3 (!) 87er Warner Home Versionen von FRWL gibt. Tja, man lernt nie aus. Meine Suche nach dem richtigen Exemplar wird also fortgesetzt.
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Bond '89 - Robert Davi

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Freitag, 8. Januar 2016, 16:12

Der neulich besprochene (komplett in Deutsch gehaltene) Trailer des Films ist übrigens nicht nur keiner DVD/BD entnommen, sondern ebenso wenig einer Laserdisc (habe bei Youtube den das Video hochgeladen habenden Mann gefragt und er hat es mir freundlicherweise erläutert). Vielmehr ist es die einzige noch existierende Kopie, nirgendwo sonst findet man einen deutschsprachigen Trailer von FRWL.
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Scarpine

Verschlagener Korse

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Montag, 13. Mai 2019, 22:57

James Bond 007: Liebesgrüße aus Moskau

Bond Marathon # 00…2; Originaltitel: From Russia With Love, GB 1963, Regie: Terence Young, Drehbuch: Richard Maibaum und Johanna Harwood nach dem Roman von Ian Fleming, Darsteller: Sean Connery, Daniela Bianchi, Pedro Armendáriz, Lotte Lenya, Robert Shaw, Bernard Lee, Lois Maxwell, Eunice Gayson, Walter Gotell, Vladek Sheybal, Aliza Gur, Martine Beswick, Desmond Llewelyn u. a., Premiere: 10. Oktober 1963.

Zitat von »James Bond 007: Liebesgrüße aus Moskau«

Die Terrororganisation Phantom (Original: SPECTRE) hat einen hinterhältigen Plan ausgeklügelt. Man will Briten und Russen gegeneinander ausspielen, um in den Besitz einer sowjetischen Dechiffriermaschine vom Typ Lector zu gelangen. Zugleich will man den Geheimagenten James Bond kompromittieren und liquidieren, um sich an ihm für das Ausschalten des fähigen SPECTRE-Mitglieds Dr. No zu rächen. Zu diesem Zweck hat der Schachgroßmeister Kronsteen eine perfide Strategie entwickelt, die Ex-KGB-Leiterin Klebb nutzt ihre alten Kontakte und der topfite Elite-Killer Donald "Red" Grant soll Bond beschatten und töten. Die ahnungslose junge russische Kryptographin Tatjana Romanova wird als Lockvogel eingesetzt. In Istanbul wird der Kalte Krieg durch diverse Morde und Attentate plötzlich sehr heiß und Bond erkennt erst langsam, welche düstere Verschwörung hier tatsächlich im Gange ist. Kann er das Blatt noch rechtzeitig wenden…?

Zitat von »Scarpine (2013)«

Auch der zweite EON-James Bond Film ist ein Volltreffer, der seinen Vorgänger in Sachen knisternder Spannung, schauspielerischer Überraschung und atmosphärischer Dichte übertrifft. Die gelungene Romanadaption kann innerhalb der Reihe die Bezeichnung "Agententhriller" am besten und nachhaltigsten ausfüllen, verpasst aber angesichts einiger leichter Schwächen den Status des Meisterwerks. Aber auch ohne diese Nobilitierung darf das Werk völlig zu recht als ein Klassiker seines Genres und des Franchises gelten.

From Russia With Love meistert die Aufgabe, die Reihe fortzusetzen und den Erstling zu übertreffen, mit sichtlicher Bravour. Der Streifen wirkt rundherum aus einem Guss, bietet fast keine nennenswerten Längen und auch sonst kaum Schwächen. Da müsste man schon penibel die wenigen Krümel zusammensuchen; aus dem Stegreif könnte ich nach der erneuten Sichtung nicht sagen, was man an dem Film noch groß verbessern könnte. Connerys zweiter Einsatz wirkt harmonisch in sich geschlossen und stimmig. Hier beginnt die Serie nun langsam das "Kino der Attraktionen" zu bedienen, mit deutlich mehr Action und dem legendären Orient-Express-Kampf. Letzterer wirkt auch heute noch eindrucksvoll, temporeich und exzellent choreografiert; man kann den Enthusiasmus der Zeitgenossen von 1963 noch gut nachempfinden. Auch den lange gehegten Kritikpunkt, dass das Zusammentreffen mit Grant den einsamen Höhepunkt des Films darstellt, und die restlichen Konfrontationen wie ein Antiklimax wirken, konnte das Werk diesmal ausräumen. Zwar ist die Zugsequenz natürlich der Höhepunkt in der Dramaturgie, aber die Flucht durch Jugoslawien und die Adria ist dennoch von rasanter Kurzweil geprägt und gipfelt dann noch gekonnt in einer unerwarteten Suspense-Szene in einem venezianischen Hotelzimmer, wenn der Zuschauer eigentlich schon das obligatorische Happy End erwartet. Superb, Mr. Bond.

Sean Connerys Leistung in diesem Film zählt sicherlich zu seinen besten 007-Auftritten. Anders als im Vorgänger verschiebt sich das Gewicht allerdings nun bereits ein wenig zu seinen Co-Partnern. Als Kerim Bey trumpft Pedro Armendáriz als einer sympathischsten und charakteristischsten Helfer der gesamten Reihe auf. Er ist fast so etwas wie die gute Seele des Streifens. Es ist bemerkenswert wie es der todkranke Darsteller in dieser, seiner letzten Rolle schafft, soviel warmherzige Lebensfreude auszustrahlen. Positiv überrascht war ich diesmal von der Leistung von Daniela Bianchi. Ihre zwischen treuem Pflichtbewusstsein, leidenschaftlicher Liebe und spitzbübischem Eigensinn pendelnde Rolle verkörpert die Italienerin sehr gewissenhaft. Tatjanas Auftauchen in Bonds Suite übertrifft sogar bei weitem die "Venus aus den Fluten"-Szene von Ursula Andress in Sachen Anrüchigkeit und Sexappeal. Bianchi ist mit ihrer Präsenz auch die unangefochtene Leading Lady des Films, während die Leinwandzeit ihrer Vorgängerin deutlich limitierter war und andere Girls zuvor als Eye-Candy mehr Screentime beanspruchten. Auf Seiten der Gegner erlebt man ein straff organisiertes Verbrechersyndikat, in dem jedes Mitglied bis in die kleinste Rolle präzise gezeichnet und besetzt ist. Aus dem Kollektiv ragen besonders so markante als auch fähige Charakterköpfe wie Robert Shaw und Lotte Lenya heraus. Bernard Lee und Lois Maxwell haben im Gesamtbild mit ihre besten Auftritte innerhalb des Franchise.

Die Kamerarbeit Ted Moores gibt sich nüchterner, dunkler, erdiger, bleibt dabei aber stets dynamisch und ist dem Geschehen noch dichter, noch nachdrücklicher verhaftet als bei Doctor No. Als großartig und stilbildend erweist sich abermals die Arbeit des Design-Teams rund um Syd Cain; die Main-Titles von Robert Brownjohn erweisen sich gar als optischer Augenschmaus. Der eigentliche Star des Films ist jedoch die Metropole am Bosporus: Istanbul. Zwischen nostalgischem Charme und altehrwürdiger Architektur bildet die Stadt einen idealen Rahmen für eine makabere Schachrunde der Mächtigen. Abermals ist die Inszenierung sehr auf die intensive, eindringliche Wirkung der Schauplätze und ihrer Bewohner bedacht. Seien es traditionelle Zigeunerlager auf dem Lande, die bukolischen Weiten des Balkan oder die majestätische Grazie der Lagunenstadt. Insgesamt kann man sicherlich von Terence Youngs konzentriertester Regieleistung sprechen. Das betrifft auch die Härte, die Zynik des professionellen Tötens, ebenso wie den unerbittlichen Zweikampf Mann gegen Mann. Selbst im beschaulich-heimeligen Zeltlager unter Freunden nimmt der brutale Todeskampf der Frauenfurien den nächtlichen Angriff der bulgarischen Söldner vorweg. Und auch im scheinbar sicheren italienischen Hafen ist die Gefahr dann noch immer nicht gebannt. Zu den Klängen von Matt Monros Titelsong entlässt den Zuschauer eine der schönsten Schlusseinstellungen der ganzen Serie.

007 als Kalter Krieger in einem eiskalten Verwirrspiel. Ein hervorstechender Beitrag zur Reihe, der zwar gleichsam der frühen Phase des Franchise entstammt, aber so stringent und stilsicher gemacht ist, dass man an ihm kaum einen Makel findet. Vielleicht sogar der beste klassische Bond-Cocktail?

00 00 00 00 00 Doppel-Null-Lizenzen
"Enjoying our little party, Monsieur... Saint John Smythe?"

Mister Bond

Felix Leiter

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130

Montag, 13. Mai 2019, 23:52

Kann dir nur beipflichten, ist dieser Film doch mein zweitliebster Connery Bond und in den Top 5 aller Bondfilme. Die Gründe hast du exakt wiedergegeben.
Sehr schön finde ich übrigens, dass du Daniela Bianchi Achtung schenkst. Auch ich finde Sie, ihren Charakter wesentlich interessanter als Honey Rider und ja, verdammt nochmal :) , ihre Szene im Bett, im Hotel, das erste Aufeinandertreffen mit Bond, ist wesentlich prickelnder, erotischer als die von Honey und Bond in Dr. No.

ollistone

Consigliere

  • »ollistone« ist männlich

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Dienstag, 14. Mai 2019, 09:49

Die Kamerarbeit Ted Moores gibt sich nüchterner, dunkler, erdiger


Wenn ich Bond-Filme mit Farben assoziieren müsste, würde es bei FRWL wohl ein Grau-Braun sein. Einer der Gründe, weshalb mir FRWL aus der Distanz immer etwas zu "geerdet" vorkommt, obwohl ich dann jedes Mal begeistert bin, wenn ich ihn sehe.
"Morgen spreche ich endlich mit Malone."

Daniel Dalton

Felix Leiter

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132

Samstag, 12. Oktober 2019, 15:01

Rezension/Essay/Meinungsbild , LG


Schon weiland in den 80er
Jahren zu VHS-Zeiten ein -einstmals ebenso wie gegenwärtig so
brillant gewesener und nach wie vor es seiender- Klassiker: FROM
RUSSIA WITH LOVE, ob nun in den 60er Jahren im Kinosaale, 1982
erstmals auf Videokassette, 1987 gleich in zwei Ausführungen (einmal
mit „Nachmusik“ nach dem Abspanne, einmal ohne), in weiteren
moderneren Ausgaben oder gar zur augenblicklichen Stund'
hochauflösend auf Blu-ray, gelang es diesem als der „Hitchcock“
der Bondreihe geltenden Filme (ich persönlich finde ihn bedeutend
besser, galt noch nie als der größte Hitchcock-Jünger, gleichwohl
ich das insbesondere als DePalma-Verehrer in einigen Filmkosmen kaum
sagen „darf“) stets in allen erdenklichen Varianten
bonderfolgstechnisch in den Seelen der werten Zuschauerschaft zu
reüssieren und so ist es auch T. Young's formvollendetste
007-Regiearbeit (mangels Schauplatzwunderwelt vielleicht nicht auf
visueller Ebene, aber bezüglich jener des Gesamtbildes
zweifelsohne), obendrein handelt es sich freilich um den
vielseitigsten Allrounder der Gesamtreihe, bedächte man die mediale
Breite, denn tatsächlich überzeugen Buch, Film (1963) und
Videospiel (2005) gleichermaßen und erzeugen ein einmaliges Bondtrio
als Einheit, die sich ein einziges Werk betreffend über die
unterschiedlichsten Jahrzehnte erstreckt, Filmwerk es nunmehr begänne
nächtens am „D1“-Springbrunnen in den Dunkelheitsuniversen eines
regelrechten Irrgartens, das Nachtspiel der außerordentlich
atmosphärisch veranlagten musikalischen Untermalung (ein Genie: John
Barry) geleitet uns sodann mithilfe einiger nicht unspannend' Figuren
und Charaktere in ein ebenso ernstes wie klangpoetisches Filmgedicht,
dessen Geschichte -und Umsetzung- (wohl neben licence to kill, so
deucht's mich – so scheint es also jeweils der ZWEITE Bondfilm
eines hervorragenden Schauspielers zu sein, welcher das
entscheidendste Signal gesandt hat für die Qualität der
entsprechenden Ären) die womöglich „Realistischste“ der
gesamten Filmreihe darstellt, sogleich verendet die Vorsequenz und es
gelänge der Schritt zum vielleicht besten Titelliede (wenngleich
sich selbiges Überlob lediglich auf die anfängliche Version ohne
Gesang bezöge, tatsächlich funktioniert FRWL nach meinem
Dafürhalten in erster Linie instrumental, vollkommen gleich wie
gesangstalentiert jemandes Person auch sein mag, ...die weniger
lebhafte Songvariante MIT Stimme erklänge hingegen erst gegen Ende
des Films – nun gut, im Wesentlichen handelt es sich ohnedies
mitnichten um dasselbe Stück, wie in TND '97 dominieren vorn und
hinten gewissermaßen ZWEI Titelsongs, doch im Geiste mag ein Hauch
von seelischer Verwandtschaft nicht gänzlich auszuschließen sein,
deutlich extremer handhabt es da jedoch etwa ein Film wie the living
daylights, in gewisser Weise orientiert sich subjektivermaßen
erfühlt fast der gesamte Soundtrack an „where has everybody gone“,
selbst der Haupttitelsong bedient sich einiger Elemente des
restlichen Scores, dies ist eine dieser heut'gen Tage viel zu kurz
kommende Herangehensweise), das Klangwunder harmoniert in keinerlei
Grenzen kennender Perfektion mit den bewegungspoetischen und
bauchtänzerisch gefärbten Bildern der zeitgleich in unser
Bewusstsein dringenden Titelsequenz, welche ebenfalls einen ebenso
enigmatisch-undurchsichtigen wie dennoch harmonischen Höhepunkt der
Bondreihe bildet mitsamt eines dunklen und geheimnisumwobenen
Rotstichs, die beste musikalische Stelle ertönt nach etwa hundert
Sekunden, alsbald kehren wir zum Hauptfilme zurück und Streicher
empfingen uns vor der nächsten Schauspielszene, das erzählerische
Tempo pausiert nur selten, sodass dieser Filmdiamant selbst nach sage
und schreibe 56 Jahren erstaunlich stringent arbeitet, staubfrei.


Ich finde diese
Parallele sehr amüsant“, Klebb mit Ruth Gordons Stimme einer
Columbo-Mörderin und eines personifizierten Apartment-Horrors in
Polanskis Rosemary's Baby oh fürwährlichst weiß ihrer Rosa in
Liebesgrüße aus Moskau den richt'gen gar so strengen und rigorosen
Ausdruck zu verleihen, um der Härte der unsanft anmutenden Rolle
adäquat synchrongerecht zu werden, in Verbindung mit der perfekten
und kongenialen Auswahl der deutschen Stimme somit ist Klebb eine
wahrhaft beängstigende Erscheinung und erhöbe den ohnehin reichlich
unschlechten Spionage-Thriller zu erweitertem Spannungsglanze,
Daniela Bianchi als Tatjana Romanova (man kann sagen: das eine Auge
russisch, das andere italienisch) hingegen ist eine der elegantesten
Damen, die jemals das Licht der Welt erblickten, ihre aparte Rolle
ist ungefähr so exquisit in der Höhe des Schwebens wie einige Jahre
darauf jene der Maud in Rohmers „Meine Nacht bei Maud“,
'scherzhaft sexistisch' könnte man(n) also gewissermaßen äußern,
dass ihre gigantomanisch graziöse Anmut visuell die Tatsache
ausgleicht, dass es in diesem Filme bedauerlicherweise keine
ÜBER-Kulissen des Meisters Ken Adam zu bestaunen gibt, aber so und
in dieser Formulierung würde ich das natürlich nicht schreiben, tu'
es nur eben trotzdem, weil mir der Sinn gerade danach stand und ich
im Zuge schreiberischen Rausches nur ungern für einen Abbruch der
innersten Gedankengüter plädieren würde, pardon.


Zu unserem
tieflichsterweise inniglich empfundenen Bedauern ist dieses Werk als
einziger Bondfilm bis zum heutigen Tage geschnitten (auch in der
„Uncut“-Variante), „Sievergessendereingehabt“, ein Teil der
Szene mit dem „Halsbande“ (Tanya und Bond in ihrer Suite im
Hotel) schuf bis schaffte es noch in den Trailer, letzten Endes aber
fielen einige (gleichwohl synchronisiert worden seiende) Parts
bereits ungefähr im Jahre 1964 der Schere der Ewigkeit zum Opfer,
sodass infolgedessen die ursprüngliche Fassung nur wenige Wochen
über zu sehen und zu erblicken gewesen sein dürfte, auch die in den
frühen 90er Jahren von Criterion als Laserdisc veröffentlichte
Version (dorten natürlich nicht in Synchronfassung) dürfte eines
Uncut-Daseins eher entbehren, zu beklagen ist all dieses aus der
Sicht eines Film-Otaku natürlich über die Maßen, doch wenn ich die
Nerd-Brille einmal absetzte und „sachlich“ (nicht dass das ginge)
darüber nachdächte, so käme ich dennoch zu dem nicht alles Schöne
verneinenden Schritte, anzuerkennen, dass die übriggebliebene
Version völlig d'accord geht, besagtes „Sievergessendereingehabt“
bei den „drei Liebhabern der Ballettschülerin“ schloss der
Cut-Zuschauer über die Jahre als legendären Sprachfilmfehler ins
Herz und er ist somit auch die unvollendete Version nicht zu missen
gewillt.


Mir ist so zumute als
befänden wir uns noch am Anfangspunkte, bereits hier (so
eigenständig FRWL auch aufgebaut sein mag) ertönen Anspielungen auf
den Vorgänger, Bond bezeichnet seine Doctor-No-Freundin, das
erdreistet er sich in IHRER Gegenwart und ist für seine geübten
Verhältnisse natürlich recht uncharmant, als „alten Fall“, als
er mit Moneypenny am Telefone parliert, es erwiese sich aber immer
noch als deutlich erträglicher als diverse Szenen aus Rogers
(ebenfalls zweitem) Manne mit dem goldenen Colte, mit der brutalen
Haaresbrust Connery funktionieren solcherlei Szenen tatsächlich, bei
Lord Brett Sinclair wirken sie dagegen eher deplatziert.


In unferner Bälde
besuchen wir Q, die Szenen mit ihm gestalten sich in diesem Frühwerke
noch recht „normal“ und so hieße er auch noch „Waffenmeister“,
die humoristischen Elemente des Stichelns und
Auf-seine-Arbeiten-scheinbar-Herabblickens traten erst ab Goldfinger
zutage, dem meines Erachtens meistüberschätzten Film der gesamten
Reihe (wenn nicht sogar der Dekade), in Thunderball übertrieb man es
und entraubte Bond jedwede Sympathie diesbezüglich, ab Japan '67
löste man es wieder sehr gut, sie wurden wieder „Freunde“, nach
Vollendung der Q-Zeiten in FRWL naht sogleich ein Reiseflug nach
Russland und uns folget das legendäre 007-Thema als herausragende
Untermalungskunst, Bond prüft auch diesmal seinen Abholer am
Flughafen mit einem extrem genialen Blick ultrakonzentrierter
Genauigkeit, checkt binnen wenigster Sekunden alles Relevante ab,
schaut von hinten auf sein zuvorig' Gegenüber und entscheidet
entschlossenermaßen extrem schnell und doch wohlbedacht, inwieweit
er der Person „Vertrauen“ angedeihen lässt oder auch nicht, nach
dem Hotelvorschlage im Wagen wedelt 007 auf unvergleichlich coole Art
und Weise mit dem Hute und sagt (in solchen Momenten lieben wir ihn
am Meisten: GG Hoffmann, fürwahr: endlich ist er in Erscheinung
getreten und stellte die perfekteste Wahl dar, die man nur hätte
treffen können) „Ja“, klingt unspannender als es ist, Sie
müssten erspüren WIE er es sagt!, auch Zeilen à la „Wir werden
beschattet, hat das einen besonderen Grund oder ist das hier so
üblich?“, werden dafür Sorge tragen, dass Sie einen herrlich
trockenen und nur mithilfe gelassener Pointen seinen ansonsten schier
unmöglich zu verkraftenden Beruf meisternden Bond erleben dürfen,
HIER jedoch läge die ironisch gefärbte Note noch im genau richtigen
Rahmen, wohingegen ab Goldfinger eine diesbezügliche Übertreibung
nicht mehr gänzlich zu meiden gewesen zu sein schien, so dünkt es
mich.


Unweit dieser Zeitszene
trafen wir erstmals auf unseren Kameraden Kerim (Klaus Miedel –
Ramses 1956, Fantomas 1964, Draco 1969!), NOCH ist Connery's Coolness
mitnichten mit Lustlosigkeit verbunden, ich trenne ganz und gar klar
zwischen Connery 1962-63 und 1964-1983 und zu konstatieren ist in den
ersten beiden Filmen eine um Welten konzentrierter und entschlossener
zu handeln vermögende Bondperson als in den zuweilen
(selbst-)parodistisch gefärbten Nächstlingen, kurz und unlang
darauf beträte Bond sein Hotel, die Rezeptionsdame der
Hochzeitsreisenden ist uns akustisch nicht unbekannt, es handelt sich
um die hiesige Stimme verschiedener Bonddamen der 60er Jahre, doch
unsere zärtlichen Synchronausflüge währen nicht lange, denn die
politisch frohsinnlosen Unannehmlichkeiten treten kaum eine Szene
danach bereits planungsförmig in Kraft, Klebb bekundet
unmissverständlich ihre strikten Ansichten und es wird versuchet,
einen kalten Krieg der Worte in Istanbul, sagen wir höflich, zu
„erwärmen“, zur Tat werden zu lassen, auch Kerim erlitt erste
unsanfte Augenblicke, das heißt beinahe, denn seine werte Gattin und
Gemahlin errettet ihm (in gewisser Weise sexuell, zuvor nämlich
provoziert werdend mithilfe der lasziv erstöhnten
„Ali-Kerim-Bay“-Rufe) das Leben, zerrt ihn sexualverbal vom
Stuhle des Schreibtisches, der er in Kürze in die Luft flöge,
ungebetene Gäste traten explosiv herbei, „ich wollte mich auf dem
Sofa etwas ausruhen“, so umschreibt man als Kerim den Wunschakt mit
der Lady, noch genialer aber Bonds Replik bezüglich der
undiplomatischen Zwischenfälle mit den Gegenspielern: „Sehr
rücksichtslos von ihnen“, herrlich unaufgeregt, dieser Film
begleitet mich (führte ihn mir im Alter von acht Jahren heimlich auf
Video zu Gemüte) seit nunmehr 15 Jahren und dies ist eine meiner
unangefochtenen Lieblingsstellen, seitdem sage ich immerzu, wenn mir
jemandes Person unsanft kommt: Tun Sie mal etwas Unschönes, so
gestalten Sie es bitte zumindest rücksichtsvoll, merci.


Und es wirkt: Zarte
Sprache blumiger Betonung provoziert die Menschen, aber manchmal
lassen sie dich auch in Frieden, so nach dem Motto: Lassen wir den in
Ruhe, seine nervige Antwortreaktion ertrügen wir sowieso nicht. Ganz
recht, so verhält es sich.


Die Freundschaft mit Kerim
festigt sich u.a. auch in der Liebe zum „zarten Geschlecht“,
Szenen wie „Würd' sie gern mal in natura sehen.....ja“ (auch
hier wieder wird das Ja von Herrn Hoffmann brillant auf die Spitze
getrieben), das sind einfach zwei Herren unteren mittleren (Bond) und
oberen mittleren (Kerim) Alters, die trotz der extrem ungünstigen
Umstände ihres Beisammenseins eine kameradschaftliche und
offen-leidenschaftlich konversierende Zeit verleben und mit welchen
der Zuschauer vielleicht tatsächlich gerne mal ein paar Minuten des
Erzählens verbrächte, selbst der von extrem unerfreulichen
Momentaufnahmen des Schießwütigen geprägte „Ausflug“ in das
„Z.i.g.e.u.n.e.rlager“ (Wörtchen mit Punkten umschrieben und mit
Anführungsstrichen verwandt worden falls aus politischen Gründen
nicht säglich und somit nicht rezensatorisch hochgeladen werdend
bzw. dem Filter zum Opfer fallend weil nicht ausreichend zulässig)
gliche einer gemeinsamen Abendgestaltung unter Freunden, erschwerend
stieße und käme hinzu, dass Kerims Schauspieler zum Drehzeitpunkte,
gelinde gesagt, nicht mehr sonderlich gesundheitsgesegnet war, sodass
speziell die Szene der Liquidierung Krilenkos, in welcher Kerim
verletzt ist und Bond behilflich zu sein willens sich zeigt, geradezu
berührend erscheint, ein Strolch nämlich (für die Insider)
verließe Tatjanas Mund und möchte hinabklettern, doch ein
Schüsslein naht und führet Kerim zu dem legendären Satze „der
Bursche wäre erledigt“, die Kunst des Films hierbei ist die
erfolgreiche Erhaltung der Sympathiefaktoren, denn wenn wir den
kameradschaftlichen Aspekt im Dienste einer „guten Sache“ einmal
außer Acht ließen, harmonieren wir hier am Ende des Tages eben
immer noch mit zwei Mördern, sie sind vielleicht eleganter gekleidet
und bedienen sich höflicherer Umgangsformen, doch der Finger am
Abzuge ist allzu zurückhaltend dann doch wieder nicht.


Grüne Feigen, weißen
Joghurt, schwarzen Kaffee!, danke.“, der Bestellung und den
georderten Lebensmitteln nach zu urteilen..., befinden wir uns nun
wieder in Bonds Hotel, die Vorhänge am Bette lüden zu bestimmten
Gedanken mit TANYA ein (ein hübscher Name, ein noch hübscherer
Mensch, die hübscheste MenschIN, gleich nach L.), Tatjana und unsere
Wenigkeit machen sich in wenigen Minuten auf die Reise, wir sind
nicht mehr weit von den legendären Szenen im Zuge (genauer gesagt:
im Orientexpress) entfernt, die authentische Bindung zu Kerim spielt
auch hier abermals eine nicht unwesentliche Rolle, Kerims (Achtung,
massiver Spoiler!) Tod jedoch führet Bond nicht allzu sehr in einen
Kelch vollkommener Herzlichkeit, trotz verständlicherweise recht
knapper und kühler Antworten (immerhin: „alles Gute“) nämlich
ist sein darauffolgender (wenn auch aus zeitlicher Hektik und nicht
aus einem Mangel an Sympathie resultierender) Umgang mit Kerims Sohn
etwas grenzwertig, dieser erführe mal eben vom Tode seines Vaters
und soll sich, ohne dass Bond irgendetwas langsam wiederholen könnte,
binnen weniger Sekunden diverse Informationen merken und Aufträge
erfüllen, ein temperamentvolles Aufeinandertreffen bildeten im Zug
jedoch nicht nur Kerim und sein Mörder („Sie brauchen ihn nicht
mehr zu rächen, er hat sich selbst gerächt“, in gewisser Weise
stürbe also gleich der GANZE Kampf und nicht nur dessen bessere
Hälfte), sondern vor allen Dingen Bonds Szenen mit Grant (Rotwein
zum Fische, Robert Shaw, LINDSEY Shaw gefällt mir jedenfalls
bedeutend besser... :D), Shaw fungiert als eiskaltes Instrument
seiner Auftraggeber und wird von den finstersten auch nur
erdenklichen Köpfen regiert, ist entweder überzeugt von ihnen, oder
aber kein eigenständiger Denker und daher blindlings zu folgen
imstande so manipulierbar wie nur irgend möglich, Stress ist bei
einer solchen Zugfahrt nicht gänzlich abwegig, dennoch (menschlich
wohlgemerkt, schauspielerisch alles hervorragend, kinematographisch
wurde somit nichts falsch gemacht) missfällt mir Bonds auch Tanya
gegenüber härter werdender Umgangston, auch die watschnhafte
Handfläche auf ihrer Wange sagt mir nicht sonderlich zu, obzwar er
sie von dieser „einmaligen Entgleisung“ einmal abgesehen die
meiste Zeit über insgesamt relativ akzeptabel behandelt (dennoch: es
ist keine Apologie),



so VIEL passiert in so
wenig Zeit, etwa wie sich (Station Y, nicht Station T wie noch recht
früh im Spiele, vierte Mission und gleich eine der Schwierigsten und
Anspruchsvollsten) wie gesaget Kerims Sohn nahe der Todesnachricht
alle Auftragsinformationen hinsichtlich der Gefälligkeit für Bond
ermerken soll, ist mir wahrhaft schleierhaft, andererseits aber
ergäbe es auf verquere Art einen Hauch von Sinn und bildet seitens
des Bondes eine psychologisch anti-unkluge Taktik: Bond gab ihm gar
nicht erst die Zeit, um in einen Schockzustand zu geraten, hier galt
eiskalt: Erst die Arbeit, dann das Nichtvergnügen (die Trauer).


Eine Szene mit Shaw im
Abteile dagegen wiederum, nachdem Bond im restlichen Filme doch eine
äußerst geistreiche Figur macht, entbehrt nicht einer gewissen
Komik: Gemeinsam blicken Bond und Shaw wie Partner auf die Karte, wie
zwei Freunde auf der Suche nach einer gemeinsamen Schatztruhe,
unglaubwürdigerweise völlig unvorsichtig (oder aber einfach mal,
selbst als Bond, zu übermüdet und überanstrengt, um pausenlos
logisch zu handeln?) bückt sich 007 vor, blickt auf die Karte als
befände sich hinter seinem Rücken nichts Erbostes, hier hat er es
Grant faszinierend leicht gemacht, Letzterer übrigens mag noch so
unangenehm sein, doch auf eine fürchterliche Art und Weise wohnt ihm
immerhin ein gewisser Humor inne, besonders gut zündet die
rabenschwarze Pointe „EINE ÜBERFLÜSSIGE FRAGE“, Bonds soeben
noch beschrieben worden seiende „Pause seiner sonstigen
Intelligenz“ wird ein weiteres Mal auf die Spitze getrieben, er
fragt Shaw allen Ernstes:


Wie ist es möglich,
dass es Menschen gibt, denen ein so teuflischer Plan einfällt?“,
er als Agent sollte es eigentlich besser wissen, soooo unfassbar ist
das doch auch wieder nicht, das klänge für Bondverhältnisse doch
recht naiv, fast süß, aus dem Munde eines von Berufswegen das Leben
eines Killers führenden Menschen sind solche Sätze besonders
niedlich, eine andere Interpretationsweise wäre hingegen, dass Bond
bestrebt ist, vor Grant harmloser und ärmer an Vorstellungskraft zu
erscheinen als er es tatsächlich ist, um anschließend wider
Erwarten doch noch mit einem gut kalkulierten Effekt und
Überraschungsschlage aufwarten und arbeiten zu können, Kurve sie
nämlich ist es die Bond noch so gerade bekäme (wie immer, „FÜR
immer“) und so wird Grant letztlich doch noch überlistet, das
bedeutet aber keineswegs dass Entspannungsphasen nahen, es folget
etwa eine Hubschrauberszene, welche äußerst knapp an Bond
vorbeiflöge und Connery gar beinahe ins Jenseits befördert hätte,
des Weiteren wird auch Schachspieler Kronsteen auf wenig liebevolle
Weise dran glauben müssen im Sinne des Ablebensgesichtsausdruckes im
verwirrten Antlitz im Stile von „Wieso?“, ebendiese Frage
präsentiert sich in Anbetracht der ansonsten recht harten
Geschehnisse der bitt'ren Situation fast belustigend, doch auch
hierin läge noch nicht das Ende der Qualen, es gäbe auch noch die
Lektor (eine Dechiffriermaschine) in einem (erneut anderen) Hotel,
viel zu unbewacht legte man sie dorten nieder, Klebb stürbe sodann
geradezu im Stöhnen wie von orgiastischer Erlösungskunst ergriffen
und (!) es tobt, tost und rast eine Flucht mit dem Boote, erst DANN
kehret Ruh' ein und die Venedig-Bildnisse des Postkartentages
streichelnder Schönheit poetisieren die Leinwand (obgleich Leinwand
wörtlich zu nehmen ist, verdächtig nah sind die Bilder schon der
Künstlichkeit), hier nun endet ein Filmmeisterwerk, welches sich
tatsächlich stark an Flemings Vorlage orientiert, die Wörtnisse
sprudeln, doch der Platz ist zunehmend beengt und besänne sich
hiermit daher auf einen Abschlussgruß, merci, fünf Sterne
zweifelsohne, gepräget vom Lobe.



Poesie im Bilde,

Soundtrack der Nacht,

Klebbschuh der Wilde,

der Orient erwacht.


Klassiker der Herzen,

Spannung der Seelen,

das letzte Licht der
Kerzen,


Filmkunst zwischen
Gefühlen und Befehlen...
"Loyalität bedeutet mir wesentlich mehr als Geld." - Aus des Problembeseitigers Spiegelbilde sprach die Stimme sanften Verwesens!
Bond '89 - Robert Davi