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Django

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Dienstag, 12. November 2019, 07:23

Bin endlich auch mal dazu gekommen, die Besprechung zu Sag niemals nie fertig zu schreiben.

Danke, Martin. Es war mir bisher gar nicht bewusst, wie unglaublich tendenziös die damalige Berichterstattung pro NSNA war :wacko: . Und schon seit jeher wundert es mich, wie viele Elemente McClory in NSNA verwenden "durfte", die weder er noch Fleming in dieser Form "erfunden" bzw. etabliert habe und die auch nicht Teil des Romans TB waren ?( . Ich meine: Broccoli/Saltzmann und Co. haben mit ihren ersten Bond-Filmen aus der Figur Bond das gemacht, was sie (bis) heute ist und es geschafft, Flemings Romanvorlage kinotauglich zu machen, in dem sie sie mit etlichen neuen Elementen "würzten". McClory konnte sich da einfach ins gemachte Nest setzten. Was bei TB ja noch okay und verständlich war, da beide Seiten profitierten, geht meiner Meinung nach im Falle von NSNA gar nicht (was nicht heissen will, dass ich diesen Film missen möchte :pop: ) und ich frage mich als nicht Nicht-Jurist schon, durch welch verworrenes rechtliches Geschwurbel so was überhaupt möglich war. Ich meine: Angenommen, ich hätte einen Motor erfunden und patentieren lassen und dieser Motor wird von einem Autobauer gegen entsprechendes Entgelt in eines seiner Modelle eingebaut. Dann darf ich doch auch nicht einfach die anderen, nicht von mir entwickelten Bestandteile dieses Autos auf immer und ewig weiterverwenden und damit Geld machen :whistling:

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Martin

Felix Leiter

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Mittwoch, 13. November 2019, 04:58

Das Ganze ist schon eine ziemlich verwirrende Geschichte. Ich will dabei den Anteil von McClory gar nicht so klein reden. Er hat sich noch vor Broccoli und Saltzman mit Fleming hingesetzt und übelegt, wie man aus den Büchern filmtaugliche Stories machen kann. Dass das nicht so einfach war, haben Broccoli und Saltzman ja später auch festgestellt. Vor allem waren die Bücher durch die KGB-Organisation zu politisch für große Familien-Unterhaltungsfilme. Ich denke, von McClory und Whittingham kam die Idee einer politisch neutralen Schurkenorganisation anstelle von Smersh. Dadurch, dass diese als "lachender Dritter" die Weltmächte erpresst oder gegeneinander ausspielt, konnte man den Kalten Krieg als Hintergrund benutzen, aber trotzdem einen völlig unpolitischen Krieg der Agenten zeigen. Eigentlich ein genialer Schachzug. EON benutzte dieses Prinzip ja dann auch bei DN und den weiteren Filmen.

Allerdings ist es schwer zu sagen, was genau von wem kam. In der persönlichen Erinnerung scheint immer jeder den entscheidenden Anteil geleistet zu haben. Ich denke schon, dass von McClory und Whittingham entscheidende Impulse kamen. Aber ich glaube auch, dass der Name SPECTRE eher von Fleming kam, der ein Faible für Akronyme hatte, und auch der gesamte Background der Figur Blofeld. Das fühlt sich schon sehr nach dem typischen Flemingmaterial an. Dazu kommt ja, dass Fleming eh die Rechte an der Hauptfigur Bond bereits besaß, außerdem an Moneypenny, M, etc. Also selbst wenn man McClory zugesteht, dass er von Fleming - ob aus Naivität oder Arroganz - ungerecht behandelt wurde, sehe ich da eigentlich nur eine Mit-Urheberschaft am Buch Feuerball und dessen Verfilmungen. Dass McClory die alleinigen Filmrechte zugestanden wurden verstehe ich nicht ganz. Ein Anteil aus den Erlösen von Buch und Verfilmungen hätten eigentlich voll ausgereicht.

Auch das McClory dann Ansprüche auf die Figur Blofeld erheben und diese aus den EON-Filmen verschwinden lassen konnte, finde ich völlig überzogen.

Die Zusammenarbeit mit McClory nahm EON dann hin, um ihn wenigtens zehn Jahre von einer weiteren Verfilmung abzuhalten. Ob das langfristig wirklich der beste Weg war, darüber kann man natürlich spekulieren. Man hätte ihn auch seine eigene Verfilmung auf die Beine stellen lassen können, die dann angesichts des Connery-Hypes wohl ähnlich enttäuschend verlaufen wäre wie CR von 1967. Zumal McClory allein wohl kaum das Budget für eine derartige Unterwasserschlacht zusammen bekommen hätte. Wenn der Erfolg dann ähnlich wie bei CR eher bescheiden gewesen wäre, wären Geldgeber für eine erneute Verfilmung wohl auch etwas schwerer zu finden gewesen sein. Vielleicht hätte EON das Problem einfach aussitzen können und wäre irgendwann wieder in den Besitz der Rechte gelangt, ähnlich wie CR. Andererseits wäre der Reiz einer noch unverfilmten Flemingstory ohne den oppulenten TB vielleicht auch größer gewesen. Who knows...

Die Macher von NSNA und auch ein Großteil der Presse sparten ja nicht mit Häme über die Moore-Filme, obwohl die harte und unermüdliche Arbeit von Broccoli eigentlich der Grund war, warum Bond noch in den 80ern Leute in Scharen ins Kino lockte. Während McClory in all der Zeit nichts wirklich Interssantes zustande brachte und über seine Rechte brütete. Dass Broccoli alle rechtlichen Mittel ausnutzte, um McClorys Film zu verhindern, sehe ich einfach als sein gutes Recht. Zumal McClory umgedreht genau dasselbe gemacht hat, und SPY wegen der Unterwasserszenen verhindern wollte. McClory dachte, dass er einen Freibrief für eigene Bondfilme hatte, was einfach nicht so war. Dass ein Großteil der Presse das sehr einseitig darstellte ist kein Ruhmesblatt. Aber ich finde, wenn man sich Kinozeitschriften von damals durchliest, wurden journalistische Standards eh nicht gerade hochgehalten. Die "Kritiken" strotzten vor persönlichen Sympathien und Antipathien, teilweise sogar Beleidigungen, und verrieten teilweise einfach mal die komplette Filmhandlung von der ersten bis zur letzten Szene. 'Spoiler' war da wohl noch ein Fremdwort.

Django

Der Andere

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Mittwoch, 13. November 2019, 14:56

Ja, das sehe auch so - vieles ist sehr verwirrend und aus heutiger Sicht auch unverständlich. Ich kann allerdings sehr gut verstehen, weshalb Cubby und Co. Mitte der 1960er unbedingt TB verfilmen wollten - der Stoff war einfach viel zu verlockend. Und das war auch gut so! Von daher mache ich da keinen Vorwurf und dass McClory derart "durchdrehen" würde, hat damals wohl niemand ahnen können. Ich muss jetzt zwar gestehen, dass ich NSNA schon länger nicht mehr gesehen habe und dass es noch viel länger her ist, seit ich TB als Buch gelesen habe. Aber wnn mich meine Erinnerung nicht täuscht, so haben den "Film-Bond" Broccoli und Saltzmann mit ihrem Team geschaffen, genauso wie auch etwa das Geplänkel zwischen Bond und Moneypenny oder Q oder dessen "Labor" generell. Alles Dinge, die bei Fleming so in all seinen Romanen nie vorkamen. Aber trotzdem durfte sich McClory dieser Elemente einfach so bedienen :S . Und hätten Broccoli und Co. die Marke Bond in den schwierigen Zeiten ab Ende der 1960er nicht erfolgreich am Leben gehalten, dann hätte in den 1980ern kein Hahn mehr nach einem Bond-Film geschrien!

Und für mich die absolute Frechheit: Als "Dank" hat er noch (teilweise sogar erfolgreich - siehe TSWLM) versucht, die EON-Filme rechtlich zu torpedieren X( . Das finde ich noch viel schlimmer als das - durchaus gelungene - Konkurrenzprodukt NSNA, das ja wie Du in Deinem Review treffend schreibst, die EON-Bonds durchaus positiv beeinflusst hat

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Django« (13. November 2019, 15:02)


Martin

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Dienstag, 3. Dezember 2019, 16:56

Im Angesicht des Todes. Ein Film, der selten weit oben landet in Rankings, aber ich mag ihn irgendwie und sehe ihn immer wieder gern. Jetzt werde ich mir über die Feiertage die großartige Dalton-Ära gönnen.

Mister Bond

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Dienstag, 3. Dezember 2019, 23:38

Ich finde wieder viele Gemeinsamkeiten in unseren Ansichten, Martin.

Kleine Korrekturen:
Alison Doody spielte später mit Ford und Connery in "Indiana Jones and the Last Crusade". David Yip war vor AVTAK in "Indiana Jones and the Temple of Doom" zu sehen.

Interessant zu erfahren, dass Staceys Heim, dass Anwesen in Phantasm ist.

Was mich an AVTAK heute mehr stört, wenn man es so bezeichnen kann, als früher: ebenfalls, leider, Rogers Alter. Zumindest in physischer, optischer Hinsicht. Seine Darstellung finde ich auch sehr reif und im Zusammenspiel mit Walken und Macnee sehr gut.
Und eben, dass man hier die Stuntleute wie in keinem anderen Bondfilm zu deutlich erkennen kann.

Duran Durans Titelsong ist nach McCartneys Live and let die und knapp vor Carly Simons Nobody does it better, mein Lieblings-Bondsong. Durch "A View To A Kill" wurde ich damals sogar zum Duran Duran Fan.
Und Barrys Score, da sprichst du auch alle Punkte an. Definitiv Top 5 der Bond-Soundtracks.

Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von »Mister Bond« (3. Dezember 2019, 23:50)


Martin

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Mittwoch, 4. Dezember 2019, 05:46

Kleine Korrekturen:
Alison Doody spielte später mit Ford und Connery in "Indiana Jones and the Last Crusade". David Yip war vor AVTAK in "Indiana Jones and the Temple of Doom" zu sehen.


Danke. Das sind so die kleinen bescheuerten Fehler, die sich immer wieder einschleichen. :wacko:

Django

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Mittwoch, 4. Dezember 2019, 15:04

Danke für das (wie immer) hervorragende Review, Martin. AVTAK wirkt auf mich "speziell" beziehungsweise ambivalent: Einerseits macht der Film eigentlich das meiste richtig und leistet sich auch keine gröberen Patzer. Andererseits fehlt ihm für mich irgendwie das gewisse Extra...

Mister Bond

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Heute, 00:03

So, vor gut 2 Wochen startete ich mit einem guten Freund auch mein, unser Bond-Marathon. Wir sind nun schon mit den ersten vier Werken durch, aber ich fand keine große Zeit zu schreiben.
Die nächsten Filmbesprechungen folgen in Kürze.
Den Anfang macht natürlich der Erstling: DR. NO

Daniel Dalton

Felix Leiter

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Heute, 11:20

Gelesen und für gut befunden :)
"Loyalität bedeutet mir wesentlich mehr als Geld." - Aus des Problembeseitigers Spiegelbilde sprach die Stimme sanften Verwesens!
Bond '89 - Robert Davi