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Django

Der Andere

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181

Montag, 16. Dezember 2019, 10:05

Danke für das Review. Schön geschrieben und Deine Beurteilung deckt sich ziemlich mit meiner. Schade, aber TB ist wohl der am meisten "unterschätzten" Bond-Filme. Und auch wenn ihm vielleicht etwas die "Lockerheit" des Vorgängers fehlt, so macht er dennoch vieles einfach noch besser! Vor allem ist es einer der wenigen (früheren) Bond-Filme, denen ein Schurkenplan zugrunde liegt, der theoretisch tatsächlich hätte funktionieren können und der vor allem wirklich Sinn macht :schlau: . Aber: Auch für mich sind die Unterwasserszenen in TB etwas zu lange geraten :S

Zitat

Und Sie darf im Finale groß auftrumpfen! Das einzige Mal, dass der Bösewicht nicht von Bond, sondern von der Dame getötet wird und die Dame somit sogar Bonds Leben rettet.

Ich war jetzt grad dran zu schreiben "Und was ist mit FYEO?". Bis mir in den Sinn kam, dass das ja schliesslich doch Columbo und nicht Melina "erledigt" hat... Asche über mein Haupt :whistling:

Zitat

Misstrauen ist nicht angesagt und das nervte mich bei späteren, viel späteren, Filmen.

Leider wahr :(

ollistone

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182

Montag, 16. Dezember 2019, 10:25

Mein Eindruck, als ich GF und TB im Rahmen meines Bond-Marathons direkt hintereinander gesehen hatte, war der eines kleinen Quantensprungs zwischen beiden Filmen, auch wenn sie nur ein Jahr trennt. Alles an TB wirkt auf mich moderner, zeitgemäßer, "cooler", während GF - dem ich seine epischen Momente nicht absprechen will - aus heutiger Sicht etwas altbacken, piefig und bieder wirkt.

Besonders deutlich abzulesen an der weiblichen Besetzung - hier eine Pussy Galore mit ihrem spröden Nicht-Charme, die sich selbst als Lesbe noch James hingibt, wie könnte es auch anders sein, und recht unangenehm dem Rollenbild der Frau in den frühen 60ern entspricht (mal ganz abgesehen von den Austin-Powers-Flying-Circus-Amazonen) - dort beispielsweise eine Fiona Volpe, die Motorrad fahrende Gewitterhexe und emanzipierte Serienkillerin.

Die Militärszenen in GF (rund um Fort Knox) wirken auf mich nicht überzeugend, während das bei TB eine ganz andere Qualität hat, denke ich beispielsweise an die Nachtaufnahmen und Innenszenen der Kampfjets - im direkten Vergleich ist TB deutlich moderner und produktionstechnisch aufwändiger.

In GF die dröge Ranch, in TB die "Swinging Bahamas", ein (wie MisterBond selbst schreibt) eher onkelhafter Felix Leiter mit Hut vs. den lässigen Felix mit RayBan und ohne Hut - ich könnte auf jeder denkbaren Ebene so weitermachen. TB markiert für mich den Anfang der groß gedachten und inszenierten Bonds, weshalb er nach meinem Empfinden deutlich besser punktet und besser gereift ist als GF.
"Morgen spreche ich endlich mit Malone."

Mister Bond

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183

Montag, 16. Dezember 2019, 13:36

Also für mich ist GF bis heute alles andere als piefig. Sehe es wie Django, bis heute ist GF einer der coolsten, lässigsten Filme. Da ändert auch ein onkelhafter Felix nix, der ja immerhin auch ganz schön locker ist und nicht so verbissen und piefig wie Norman Burton in DAF.
Honor Blackman finde ich auch in vielen Projekten scharf. Es gibt ja auch den spröden Charme, der ungemein wirken kann. Aber Erotik ist ja auch jedermanns Geschmackssache ;)
TB ist halt, wie ich es beschrieb, der mondäne Bond und in diesem Vergleich hätte auch jeder andere Film als direkter Vorgänger auf manch' Person bieder wirken können.

ollistone

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  • »ollistone« ist männlich

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184

Montag, 16. Dezember 2019, 14:06

Dazu passt ja übrigens auch Bonds despektierliche Äußerung über die Beatles, die ich als Beatles-Fan dem Film nie verziehen habe. Wie man sich popkulturell nur so irren konnte... unbegreiflich! Mit dem gleichen Kleingeist hat man damals Jazz als "Negermusik" bezeichnet. Unverzeihlich für einen Bond-Film.
"Morgen spreche ich endlich mit Malone."

Mister Bond

Felix Leiter

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185

Montag, 16. Dezember 2019, 15:14

Ach, du. Bin Jahrgang 1980, seit 1986 Beatles Fan. Sie waren meine erste Lieblings-Band und trotzdem liebe ich Goldfinger.
Außerdem verstehe ich beim besten Willen nicht, warum man Bonds Aussage nicht einfach so interpretieren darf, dass die Beatles Konzerte, wegen den kreischenden Fans, laut waren, was ja schlicht Fakt ist.

MilesM

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186

Montag, 16. Dezember 2019, 17:14

Mein Eindruck, als ich GF und TB im Rahmen meines Bond-Marathons direkt hintereinander gesehen hatte, war der eines kleinen Quantensprungs zwischen beiden Filmen, auch wenn sie nur ein Jahr trennt. Alles an TB wirkt auf mich moderner, zeitgemäßer, "cooler", während GF - dem ich seine epischen Momente nicht absprechen will - aus heutiger Sicht etwas altbacken, piefig und bieder wirkt.
Genau den Eindruck hatte ich auch. Im gefühlten Gedächtnis war für mich GF immer der strahlende Sieger, während TB einen guten zweiten Platz gemacht hat. Das hat sich zwischenzeitlich geändert. Ich würde zwar GF nicht piefig oder bieder nennen, aber er ist in meinen Augen nicht ganz so gut gealtert wie eben TB.
You know what's great about you English? Octopussy. Man I must have seen that movie... twice.

Martin

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187

Montag, 16. Dezember 2019, 22:24

Interessant dass gerade dieser Film doch ganz schön polarisiert. Also ich kann die Pro-TB-Argumente objektiv alle gut nachvollziehen. Vom Aufwand her ist TB natürlich krasser und beeindruckender, und aus heutiger Sicht wirkt es schon verblüffend, dass das in nur einem Jahr Produktionszeit bewältigt wurde. Man muss allerdings auch sagen, dass dieses höhere Budget dadurch ermöglicht wurde, dass GF das Publikum so verzaubert und Massen von Geld eingespielt hat.

Von den Schauplätzen her ist GF innerhalb der 60er tatsächlich der am wenigsten beeindruckende. Kentucky ist größtenteils ähnlich gefakt wie viele Locations seit den 90ern, aus Pinewood-Aufnahmen und Second-Unit-Szenen aus Florida. Ist aber auch handlungstechnisch bedingt durch das Setting in Fort Knox. Und dessen Nachbau finde ich dann doch so genial, dass das die zweite Hälfte wieder enorm aufwertet. Die Ranch hat tatsächlich etwas ländliches und vielleicht "piefiges", aber das passt auch zum Charakter von Goldfinger, der im Gegensatz zu Largo weniger weltmännisch und mondän auftritt. Aber gerade das macht für mich auch seinen Reiz aus.

Frauentechnisch sehe ich Domino auch weit vor Pussy, allerdings passt der reifere und herbe Charme auch zu einer Gangsterchefin. Fiona fährt Motorrad, Pussy ist aber auch immerhin Pilotin. Dann gibt es ja auch noch Jill, deren Zusammentreffen mit Bond in Miami ich enorm sexy finde. Auch Dink finde ich attraktiv.

Beim Marathon ist mir auch aufgefallen, wie völlig unterschiedlich die Herangehensweise von Young und Hamilton war. Young nahm die Bücher und die Agentenwelt von Bond insgesamt sehr ernst, was auch der Sichtweise der meisten Fans entspricht. Hamilton dagegen hatte eher einen ironischen und leichteren Zugang, was eher der Perspektive der Normalzuschauer entspricht und ihnen entgegenkam. Das merkt man bei der Figur von Leiter, bei der der Romanhintergrund Hamilton völlig egal war. Insofern ist es verständlich, dass die drei Youngfilme bei Fans relativ hoch angesehen sind, während GF als Liebling der Gelegenheitszuschauer oft als überbewertet wahrgenommen wird.

Wo ich GF dann auch weit vor TB sehe ist die Art des Erzählens. GF flirtet mit dem Zuschauer. Den Gag mit der netten alten Lady, die später ein MG abfeuert, sehe ich dafür als Musterbeispiel. Auch Bonds Überrumpeln der Wache. Diese Leichtfüßigkeit mit einem großen Augenzwinkern bezieht den Zuschauer viel mehr mit ein, während TB über weite Strecken einfach seinen Technik-Bombast abspult. Die ganzen Unterwasserszenen sind reine Schauwerte, die dem Zuschauer nichts weiter als Staunen abverlangen wollen.

Django

Der Andere

  • »Django« ist männlich

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188

Dienstag, 17. Dezember 2019, 08:06

Zitat

Wo ich GF dann auch weit vor TB sehe ist die Art des Erzählens. GF flirtet mit dem Zuschauer. Den Gag mit der netten alten Lady, die später ein MG abfeuert, sehe ich dafür als Musterbeispiel. Auch Bonds Überrumpeln der Wache. Diese Leichtfüßigkeit mit einem großen Augenzwinkern bezieht den Zuschauer viel mehr mit ein

Man kann es aber auch als "Anbiederung" sehen... Ich geb's ja zu: GF macht unglaublich Spass. Gleichzeitig führte diese Richtung aber auch in eine Sackgasse, gerade auch wegen Szenen, die derart hanebüchen sind, dass man sie weder toppen noch wiederholen kann. Als man nach OHMSS Hamilton zurückholte und er versuchte, das GF-Erfolgsrezept zu wiederholen, ist er doch eher gescheitert. GF ist somit leider kein "nachhaltiger" Bond-Film. Einmal funktioniert das, aber dann wird's schwierig. Young hingegen ist es mit seinen drei Bond-Filmen gelungen, konstant auf "Kurs" zu bleiben und ich bin überzeugt, dass ihm das auch noch weiter gelungen wäre. Von daher ist auch eine wirkliche Schande, dass man bei YOLT ohne jegliche Not alles (Flemingsche) über Bord geworfen hat und mit einem neuen Regie/Drehbuch-Team gestartet ist. Aber das ist ein Anderes Thema... Und was GF Und TB betrifft: Ich möchte keinen der beiden missen. sie haben beide ihre leichten Schwächen, vor allem aber viele Stärken und das macht beide Filme zu absoluten Ikonen. Und TB war für seeeeehr lange Zeit der für mich letzte wirklich überzeugende Bond-Film

Mister Bond

Felix Leiter

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189

Dienstag, 17. Dezember 2019, 10:31

Zum einen freuen mich die anregenden Kommentare. Dann lohnt sich das Schreiben doch.


Wenn ein Bondfilm aber nachhaltig war und noch ist, ist es GOLDFINGER. Es ist ja nicht wichtig, was Fleming Fans oder Bond Nerds denken, sondern eben die große Masse. Und da hat kein Bondfilm nur ansatzweise das geschafft, was eben GF schuf.

Und sonst sehe ich es wie Martin, GF schaffte es mit dem Zuschauer zu flirten. alleine die Begegnungen zwischen Bond und Hauptvillain, so wie Bond und Henchman, das schaffte Moore nur noch mit Beißer.

Nichtsdestotrotz gehört FEUERBALL zu den großen Bondklassikern. Und ich schrieb ja, das Connersche Triumvirat sind für mich FRWL, GF und TB.
Jeder Film unterhält auf seine eigene Art und Weise.