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Django

Der Andere

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101

Dienstag, 15. August 2017, 17:31

Lief gestern am TV (hab's allerdings nicht zu Ende geschafft). Sogar noch schlechter als ich's in Erinnerung hatte. Einfach abgrundtief schlecht. Und diesmal fielen sogar die trashigen CGI-Effekte auf (meine Bessere Hälfte meinte, dass der Film offensichtlich unter Budget-Restriktionen gelitten haben muss. Schön wär's!). Der Anfang bis Hongkong geht ja noch. Er ist zwar für damalige Verhältnisse nicht Bond-typisch, aber insbesondere das Fallenlassen durch M nimmt doch einiges der Craig-Ära vorweg. Aber ab dann wird's abgrundtief. Vor allem stört mich die eigentlich recht positive Darstellung der Nordkoreaner. Nichts dagegen, ein reales Land als Hauptschurken zu nehmen. Aber dann bitte richtig und nicht so wie in DAD: Der Sohn ist Böse, der nach Frieden suchende(!) Vater aber eigentlich ganz okay. Geht gar nicht. Ich meine, die "echten" Nordkoreaner sind ja wie wir wissen, noch weit psychopatischer und vor allem grausamer als im Film dargestellt. Dazu so Schwachsinn wie der unsichtbare Aston Martin, oder der ganze Gentherapie-Schrott. Oder die Sache mit den Diamanten: Der Kubaner findet nach ein paar Stunden raus, dass es sich um Blut-Diamanten handelt, aber der Rest der Welt ist der Meinung, dass Graves tatsächlich eine Diamanten-Mine auf Isalnd gefunden hat. Ist klar, ne? Was haben sich die Macher dabei nur gedacht?!

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Django« (15. August 2017, 17:38)


Daniel Dalton

Felix Leiter

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102

Freitag, 7. Februar 2020, 15:00

So stürbest an einem anderen
Tage, wir schreiben das Jahr 2002, es sollte ein merkwürdiges Jahr
für Bond sein, mit dem zeitgleichen nightfire und „die another
day“ (DAD) bildet dieser gleich zwei Brosnan-Bonds beinhaltet
habende, vor nunmehr knapp 18 Jahren sich zugetragen habende
Zeitpunkt wohl Bonds „Eisjahr“, von Palästen (DAD) bis hin zu
Tanz-der-Vampire-Schneeschlössern in Österreich (welch Feuer der
Nacht) reichend, 007 jedenfalls schlich in seinem Jubiläumsjahre, in
welchem auch das Meisterwerk Splinter Cell erschien, durch die
Eiswüsten als gäbe es kein Morgen und verbrachte die Nacht mal
wieder mit den schönsten Geschöpfen, darunter u.a. Zoe „Kelly“
Nightshade und Rosamund „Mia“ Pike, DAD versprach seinerzeit
großes Kino und wurde anfangs mitnichten nicht gelobt, die
Begeisterungsstürme waren beachtlich, indessen aber wandelte sich
das Bild doch recht rasch und so wird das Werk heute als ein recht
peinlicher und simpler Beitrag betrachtet, beide Sichtweisen ergeben
für sich genommen Sinn und trügen Grund zur Versuchung in sich, den
speziellen Jahrgang 2002 einmal genauer unter die Lupe zu nehmen,
hierzu lüde ich Sie demzufolge genau JETZT ein, noch sind wir des
Schreibens kundig, denn gestorben wird ja erst an einem anderen Tage,
legen wir los.




Schon der gunbarrel wirkt
reichlich künstlich (Anfang des Jahres 2004 in „Alles oder Nichts“
war er wieder um Welten besser), der Filmbeginn hingegen wirkt doch
recht vielversprechend, in extrem tristessedurchtränkten Farben
präsentiert sich ein kalter und fast an einen Kriegsfilm erinnernder
visueller Anfangsstil (von den Surf-Weltmeistern einmal abgesehen),
welchen wir in dieser Form bei Bond nur selten zu Gesichte bekommen,
es ergeben sich also Hinweise auf eine gewisse Dramatik, doch schon
wenige Minuten darauf ward das Werk zum wilden Actioner und das
Düstere wirkt nur noch wie ein pseudo-anspruchsvoller Vorhang,
Brosnan zwar ist spätestens seit TWINE (1999) endlich in dieser
seiner berühmtesten Rolle angekommen, doch der Film entwickelt sich
in Bälde schon zur Farce, wie gesaget wurde er einstmals gefeiert,
ehe er binnen weniger Jahre für viele Beobachter und Fans eher zu
einem Schlusslichte avancierte, uns beschleicht das Gefühl einen
recht asiatisch angehauchten Filmbeginn zu erleben und in Korea wird
Bond unsanft festgehalten bis zum Erhalt eines jesusgleichen
Gesichtes, monatelang lebet er gefoltert werdend am Existenzminimum
und so erscheint der Kontrast umso extremer, dass wir ihn, sobald er
sich befreit, nach einem (wenn man so will)
„Jetzt-erst-recht“-Prinzip so snobistisch erleben wie in
vielleicht keinem anderen Bondfilme (mit leichten Abstrichen
vielleicht Goldeneye), DAD ist pures (!) Kontrastkino absurder
Gegensätze, eine teils ambitionierte erste Filmhälfte träfe sodann
auf eine völlig over the top daherkommende Zweite, der Film ist
zweifelsfrei, ich wiederhole es gern, PUR und extrem, traut sich
etwas, hat den Mut zum Absurden, doch all dieses gelänge nur dann
vollends, setzte man auch bei den CGI-Bildern und Dialogen auf
dasselbe Maß an Qualität, das jedoch geschah überhaupt nicht,
nervtötende Oneliner wie „Ich müsste mal wieder in die Kirche“
und unerträglich künstliche Computer-Bilder wie etwa die
Kitesurf-Parts (ein faszinierender Sport wird hier völlig ins
Lächerliche gezogen) wissen nur selten zu gefallen, sodass ein DAD
wohl tatsächlich ausschließlich (dorten wäre es hingegen Kunst,
das meine ich ernst) als Videospiel funktionieren würde, DAD ist
Filmkunst zwischen Unfug und Anmut im Eispalaste, selten beinhaltete
ein Film derart viel Blödsinn und in anderen Augenblicken wiederum
solch unbändige Eleganz (Miss Frost im Frostpalast, ein Gedicht!,
bei solchen Kreationen könnte man Gott wirklich in Väterchen Frost
umbenennen, auch wenn ich ja, wenn überhaupt, nur an GöttINNEN
glaube), 007 himself agiert stilvoll und unterhaltsam, aber auch der
folgende Satz ist, vollkommen gleich wessen Seite er (Bond) nun
dienlich ist und wie gut die Intention und Integrität sein mögen,
irgendwo keineswegs unwahr: „Sein Name ist James Bond, ein
britischer Mörder.“




Mit Sätzen im Stil von
„Westliche Korruption war mein Hauptfach“ funktioniert der (für
einen „kritischen“ Film aber vielleicht zu alberne)
Wunderstreifen auch wieder als weltpolitisches Zeitdokument,
wenngleich vieles derart fiktiv wirkt, dass etwaige geistige
Verbundenheiten zur „echten“ Welt fast irreal erscheinen würden,
äußerst gelungen ist teils auch die Auswahl der deutschen Stimmen
(nicht alle Figuren betreffend, aber Frank Glaubrecht bekommt von
meiner Seite ja ohnedies immerzu ein Lob nach dem Anderen, das ich
ihm angedeihen lasse), bei den Stimmen selbst (herausragend auch: Tom
Vogt) fände die Zufriedenheit aber bereits ein Ende, denn Text,
Dialog und Pointen sind dagegen mehr als durchwachsen, auch sonsten
wieder dominieren die Gegensätze das Bild: Ein sich in
Gefangenschaft befunden habender Bond am Rande des ewiglichen Ruins,
getaucht in tatsächliches Leid, alles scheint zu zersplittern und
zerschmettert zu werden, in der gefühlt nächsten Szene dagegen
wieder friedvolle Späße und narzisstische Übertreibungen mit Kamm,
Föhn und Rasierer in der Hand, wenige Meter von diesen
Schönheitsförderern entfernt wartet selbstredend bereits eine
exotische und einladend gekleidete Dame, ähnlich wie Moonraker also
arbeitet der Film buchstäblich zwischen zwei Welten, d.h. die
Bedrohung der Handlung ist mehr als groß, das Playboyriöse wird
aber gleichwohl noch extremer auf die Spitze getrieben als in den
meisten anderen Werken, das Resultat also ist „witzig“ weil so
widersprüchlich, eine gewisse Unausgewogenheit aber lässt sich nur
schwerlich leugnen leider – obzwar: Irgendwo ergibt es Sinn: Wie
außer durch die Anwesenheit einer schönen Frau, hältst du all
diese Gefahren nur aus, welchen ein Böndchen nun einmal
allgegenwärtigerweise permanent ausgesetzt ist?, die Formel daher
lautet: Je höher die Gefahr, desto wichtiger die charmanten
Abenteuer in den Schlafgemächern, oder wie drei Jahre zuvor als
Dialog entstanden:



Wie schaffst du es zu
überleben?“ - „Ich labe mich an Anmut und Schönheit.“ ,
verschwommen sind die Grenzen hingegen erst dann, wenn genau die
Person, mit welcher du schliefest, im nächsten Momente willens ist,
dich ins Jenseits zu befördern, da sie für die andere Seite tätig
ist, unschön...




Dass der Film wie ein
interaktives Werk anmutet und sich somit geradezu „spielbar“
anfühlt, ließ ich bereits verlautbaren, für meine eigene
Generation mag das als Lob zu verstehen sein, einem an und für sich
eher aber für das „klassische“ Kino konzipierten Werke ist es
dagegen eher weniger zuträglich, DAD willst du nun einmal SPIELEN,
nicht SEHENDEN Auges nur an dir vorbeirauschen lassen, denn all jenes
(Stichwort „unsichtbares Auto“), was in Werken wie nightfire oder
Alles oder Nichts so kongenial funktionierte, etwa mit einem
transparenten V12-Fahrzeuge unentdeckt deine Gegner zu manipulieren,
wirkt auf der großen Leinwand, egal ob es eines Tages technisch mal
im Bereiche des Möglichen läge, geradezu lächerlich, auch der sehr
elektronisch und verzerrt angehauchte Madonna-Titelsong wirkt für
das 40-jährige Jubiläumswerk einer Traditionsreihe im Zweifel zu
modern und klänge als Einleitung einer interaktiven Reise sicher
etwas besser, den Song selbst begrüße ich einigermaßen („es gibt
Besseres und Schlechteres“), aber Madonnas Nebenrolle im Film
selbst hingegen, nun ja, wirkte dann doch etwas „pointless“, ein
weiterer berühmter Name eben, der irgendwie in die Handlung hat
eingeflochten werden sollen, das wirkt so als habe man den
Drehbuchautoren gesaget: „Höret Freunde, wir haben jetzt
tatsächlich Madonna dazu bewegen können unserem Projekte
beizuwohnen, ihr habet 5 Minuten Zeit um ihr das Drehbuch
anzugleichen bzw. es so umzuschreiben, dass sie im Film irgendetwas
zu sagen hat“, Sie, werte Person des Lesens, konstatieren also: Da
nähme selbst die Arbeitsanweisung bereits mehr Zeit in Anspruch als
das Schreiben selbst…, ihre Rolle erfüllt schlichtweg kaum Zwecke.




Zweifelsfrei empfinde ich den
Film als den Besseren, vergliche ich ihn mit Goldeneye, Goldfinger, a
view to a kill, sag niemals nie und Spectre, auch den zehn Jahre
jüngeren „Skyfall“ finde ich nur unwesentlich besser als DAD und
so gehöre ich Letzteren betreffend mit 3 von 5 Punkten sogar fast
schon zu den Befürwortern, ihm wohnen nämlich viele tolle Momente
inne (die Fahrt durch Cuba empfehle ich Ihnen in Dauerschleife), im
Gesamtbilde jedoch sind es zu viele miserable Szenen, die das Endbild
merklich trüben, sodass der Film in meinem persönlichen Ranking
ungefähr den 20. Platz belegt (passenderweise wohlgemerkt, handelt
es sich doch ohnedies um den 20. offiziellen Bond, aus diesem Grunde
auch die 20 Uhren seitens Q, „dürfte die Zwanzigste sein“), die
grässlichen und qualvollen Zeiten der Gefangenschaft verließ Bond
wie gesagt jesusgleichen Leidens-Erscheinungsbildes, doch schon
wenige Minuten darauf (gut hingegen nämlich: „Danke für den
belebenden Kuss“) wirkt er wieder so aalglatt und föhnfrisiert als
trüge sich nie etwas Unliebsames zu, daher sage ich wiederholt, dass
derjenige, der einen „ernsteren“ Bondfilm aus dem Jahre 2002
sucht, im Zweifel eher auf Splinter Cell (1) zurückgreifen sollte,
das Werk geht in Sachen Spannung und Spionage deutlich tiefer, ein
Politthriller für Taktiker mit viel Geduld, obgleich die Geschichte
an sich ein recht klischeehaftes und mal wieder zu
pro-US-amerikanisch geratenes Clancy-Konstrukt ist, welches keinen
sonderlich differenzierten Blick auf das Ausland warf und
dümmlicherweise recht platt zwischen „Gut“ und „Böse“
unterschied, gleichwohl: Gerade diesen Stumpfsinn kann man hier auch
als ironisches Abwechslungsprogramm interpretieren, da der gesamte
Rest des Spiels sehr viel feinsinnigeres Vorgehen voraussetzt, sei
ein Stratege, handle geschickt.




Schon kurz nach dem Titelliede
tränkte der Film DAD seine Bilder in fast Silent-Hill-gleichen
Nebel, betreffend die Szene auf einer Brücke, die sie metaphorischen
Bildes buchstäblich zwei Kosmen voneinander trennt, alsbald verlöre
Bond provisorisch seinen Doppelnull-Status (dessen Ur-Erhalt wiederum
im Nachfolger „Casino Royale“ thematisiert und begleitet wird –
„ZWEI!“), M (dies deckt sich mit meiner These, dass das Jahr 2002
Bonds Eisigstes ist) spricht nun kalt wie Eis: „Wir haben keine
Verwendung mehr für Sie.“



Ohne ihren Segen (oder aber
mit ihrem Klammheimlichen – sie hegt Sympathie für ihn) begeben
wir uns auf die Reise, wir betreten ein Neonwunderland (Hongkong, das
Ich in mir dächte kurz an Shenmue II), auch der Soundtrack bedient
sich zahlloser Kontraste (teils leise und emotional brillante Parts,
einige andere dagegen kaum erträglich, was aber zum Glücke im
geschmäcklerischen Bereiche läge), Bond changiert zwischen
aalglatten und vereinzelt aber auch härteren Momenten („gut, Sie
haben mich zur Kenntnis genommen!“), der Film selbst ist
einstweilen gewillt, uns mittels unzähliger Verweise und
Anspielungen auf seinen Jubiläumscharakter penetrant hinzuweisen,
überall verstreut er Details (z.B. die Feuerball-Trauben, „Zoey“
hätte ihre helle Freude) , wir zelebrieren 40 Jahre, zugleich vermag
DAD selbig‘ Party momentweise aber auch zu entbehren, die
ernsthafteren Ambitionen der ersten Hälfte strahlen nicht die größte
Festivität aus und prägen das Bild eines abermals unentschlossenen,
verschiedene Elemente sehr wirr in sich vereinenden Films, die
Kombination all dessen wirkt nicht sonderlich geglückt, aber sie ist
zur Genüge originell..., überladen zwar, aber eben auch ein
Paradies zwischen Havanna, Eispalästen, Schicksalsbrücken à la
Chihiro, Hongkong und London, ein Wirrwarr, ein Sammelsurium der
Gedanken, Kulturen, Örtlichkeiten und Vorgehensweisen einer ganzen
Welt, somit ein trotz aller Unzulänglichkeiten begrüßenswerter
Beitrag zum (zwar seriellen, aber doch auch immer wieder in
Einzelwerken funktionierenden) 007-Universum.




Es gibt da eine merkwürdige
Klinik“ (Christian Rode als Zigarrenmann), auf Cuba erweist sich
der Film als am Sonderbarsten, nicht nur ob einer (siehe auch OHMSS)
Klinik, die genau genommen Keine ist, sondern wir lernen auch eine
wunderschöne Person namens Jinx kennen, deren Dialoge mit Bond aber
mit Abstand das Anstrengendste im gesamten Film darstellen, Halle
Berry (hier leider – wahrscheinlich um sich beim Sporte nicht zu
verheddern – gekürzten Haares auftretend, aber nicht minder
faszinierenden Antlitzes , ...die Dame aus dem Video „behind blue
eyes“, grandioses Lied) ist mit der Rolle der Jinx maßlos
unterfordert, ihre Zeilen sind hochgradig unspannend und ihr
Wortaustausch mit Bond geriet häufig doch recht peinlich,
interessanter finde ich da unter den häufig kritisiert werdenden
Personen die Figur des Gustav Graves (erinnert visuell wie
verhaltenstechnisch stark an Sebastian Hawks bzw. Jeremy G. Smart aus
Mike Leighs Meisterwerk „naked“), vor allen Dingen aber Miss Pike
als Miss Frost bildet das darstellerische Highlight des Films und
insbesondere ihre originale Stimme mitsamt des eleganten „Hauchs“
im Sounde ist ein Höhepunkt ohnegleichen (die deutsche Stimme von
Jordana Brewster passt nur bedingt zu ihr, sie trifft zwar perfekt
den fiesen Charakter einiger Szenen und schön ist sie obendrein,
aber es fehlt das Geheimnisumwobene, genau das nämlich ist Pikes
klangliche Domäne und für ihre manipulative Protagonistin
maßgeblich), die Rolle der Madonna hingegen erinnert bisweilen ein
wenig an P. Galore aus Goldfinger, nicht nur auf visueller Ebene,
sondern auch sind beide Figuren Trainerinnen bzw. Lehrerinnen von
Beruf, wenn auch in unterschiedlichen Branchen (Flugzeuge pilotieren
und Fechtkunst betreiben), die Fechtszenen erinnerten mich
assoziativerweise vor allen Dingen an Werke mit Tony Curtis: Das
große Rennen (Unannehmlichkeiten mit dem Baron – „und bei den
Damen ist er nicht weniger tüchtig“), später die „Ozerov-Juwelen“
aus Die 2: „Jedenfalls riechen Sie eine ganze Ecke besser als
Sergej.“, dorten war selbiger Neffe Ivan ein ähnlich unangenehmer
Gegner wie gegenwärtig nun Gustav in James Bond, der Fechtkampf wird
auch hier nun in eleganter Umgebung ausgetragen, gar mit (noch
britischer ginge es kaum) Chesterfield-Gestühl im Raume, Gemälde
bereichern eine Atmosphäre der roten Teppiche und altbetagten
Standuhren (Magnus‘ „Hobby“ aus dem Hause von Anubis), so sind
es einmal mehr, ich kann es nicht häufig genug zur Betonung erheben,
die Kontraste, die den Film auszeichnen, eben einerseits Gemälde aus
einer nicht erst unlängst vergangenen Zeit, anderswo dann wieder
dieser (siehe auch NfS Hot Pursuit II) transparente Aston Martin mit
zwölf unsichtbaren Zylindern oder auch das moderne
Underground-Setting für ein bedeutsames Treffen und Geheim-Meeting
mit M, Klassik und Moderne gehen Hand in Hand, Bond war lange Zeit
über kaltgestellt (erinnert an Michael Weston aus burn notice) und
ist nun endlich wieder befugt, seiner komplizierten Arbeit
nachzugehen.




Thomas Danneberg (perfekt:
Adrien in Rohmers „Die Sammlerin“) auf Q bzw. R trug zweifelsohne
etwas zu dick auf, er verzerrt seine Stimme bis zur vollkommenen
Klangabsurdität, um der etwas überdrehten Rolleninterpretation
Johns („Triumph Daytona 600“, der running gag in Alles oder
Nichts, dorten aber ohne Thomas) weitestgehend gerecht werden zu
können, die Abwesenheit des 1999 verstorbenen Desmond stellt einen
großen Verlust dar und es schien schier unmöglich in dessen
Fußstapfen zu treten, das Verstellen der Stimme passt aber irgendwo
wieder zum künstlichen Gesamtcharakter des Werkes (wie
beispielsweise bei der deutschen Élisa-DVD das Rauschen des
schlechten Tons deswegen zum Film passt, weil diese Geschichte später
häufig von Meeresrauschen lebt), in Bälde begeben wir uns endlich
in die „angedrohte“ Eiswüste, diese saget mir zu und auch die
häufig kritisiert werdende Idee ihres Palastes gehört für mich
eher zu den Stärken des Films, ein Paradies in Weiß, eine noce
blanche zwischen uns und der Visualisierung des Films (Bond zu Miss
Frost: „Ein Eispalast, Sie fühlen sich hier sicher wie zuhause.“),
die gesamte Diamantengeschichte des Films („der Stoff, aus dem
Träume gemacht sind“) ist kein Musterbeispiel der Schreibkunst
bzw. verfällt wieder einmal der einen oder anderen Absurdität, doch
zumindest verleitet eine so realitätsferne Filmwelt Graves zur einen
oder anderen theatralischen Aussage: „Es werde Licht!, ich
präsentiere…. : ICARUS“ (nicht zu verwechseln mit iCarly), in
Anlehnung an alte NES-Zeiten könnte man Graves auch „Kid Icarus“
taufen – „und jetzt wollen wir diese Nacht mit unserer eigenen
inneren Ausstrahlung erhellen...“



Part 1.2 folgt im Folgebeitrage,
empfohlene Version: Special Edition mit Nightfire-Trailer
"Loyalität bedeutet mir wesentlich mehr als Geld." - Aus des Problembeseitigers Spiegelbilde sprach die Stimme sanften Verwesens!
Bond '89 - Robert Davi

Daniel Dalton

Felix Leiter

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103

Freitag, 7. Februar 2020, 15:02

Graves‘ im Palaste
befindlicher und an Künstlichkeit kaum mehr zu übertreffender
Pflanzendschungel (die zum Verlieben seiende Pflanzenfee Nikki aus
dem 1993er Sport- und Jugendfilme „Airborne“ hätte ihre
lieblichsten und blumigsten Freuden) nicht ohne die Anwesenheit
brodelnder Gewässer, zeugt nicht immer von erlesenem Geschmacke
(Freunde der Nacht, vergleicht DAS mal mit der
Ken-Adam-Dschungelgrotte aus Moonraker!), die frostige
Faszinationspersonifikation Miranda/Rosamund ist im Palaste die pure
sexuelle Magie und gleichwohl brandgefährlich, ein eiskaltes
Mordinstrument, apropos Mord: Herrlich sonoren Klanges erleben wir
Thilo Schmitz als „Mr. Kill“ („ein unwiderstehlicher Name“),
die finale Schau mit all den abermals an Moonraker erinnernden Lasern
kann bedauerlicherweise nicht überzeugen und in weiteren
Kitesurf-Momenten verkommt der Film erneut zur Farce (ein toller
Sport, keine Frage, in meinem Bekanntenkreise befindet sich auch eine
bezaubernde Kitesurf-Lehrerin, alles wunderbar, nur sind die Szenen
im Filme eben nicht ECHT, die Wellen sind höher als der Himmel und
auch die Meere wirken wenig authentisch), die Bilder und ihre Sprache
machen dich im negativen Sinne fassungslos (sogar Pierce himself hat
sich in der 2012er Dokumentation „everything or nothing“ nach
zehnjähriger Retrospektive köstlich über diese Szene amüsiert und
musste kräftig schmunzeln ob ihrer irrealen Darstellungsweise),
erschwerend hinzu kommt Bonds Fahrt mit den „Winterfahrzeugen“,
diesem an der Kante der hier tatsächlich eine „Scheibe“ seienden
Welt festhängenden Tiefflieger, das Maß an Übertreibung ist voll,
Bond ist schneller als iCarly, ich meine Icarus, Bond hängt am
Abgrunde und Icarus schösse an ihm vorbei, es kommet ob der in
Graves wütenden Frohsinnsabwesenheiten zu unliebsamen Begegnungen im
Glashause, endlich demaskiert sich der Gegenspieler (Zulawski über
Szamanka: „no masks“), er entpuppt sich als ein alter Bekannter
und stellt sich bzw. sein Konzept der Maskerade als Bond-ähnlich dar
(einen bondähnlichen Bösewicht zu inszenieren, das gelang aber eher
13 Unglücksjahre zuvor in dem Meisterwerke Lizenz zum Töten), diese
etwa auch in Goldeneye angewandte Formel eines physisch auf
Bondniveau agierenden Gegners funktionierte in nur wenigen Werken,
minimal hielt auch TMWTGG (1974) Bond einen Spiegel vor (im wahrsten
Sinne des Wortes), der an und für sich teils ambitionierte Film DAD
scheitert letztlich an seinem zu stark ausgeprägten
Höher-schneller-weiter-Syndrom, erhöbe den Anspruch auf ALLES und
kann hiervon eben nur Bruchteile bieten und Teilaspekte aufgreifen,
auch Graves ist eine Art „Bondfan“ und orientierte sich, obschon
er abfällig über die Arroganz spricht, an Bonds Eigenschaften bzw.
machte sie sich in überspitzter und unsympathischerer Form zu eigen,
auch hier sind die Bezüge zu TMWTGG greifbar, doch war Mr. Lee wohl
der „lustigere“ Bond-Verehrer, wohingegen Graves bereits in
seinem Gesichtsausdrucke wenig Freundlichkeit auszustrahlen vermag.
Vor allen Dingen aber ist er verbissen und u.a. hieraus resultiert
selbige Härte, er dürstet nach pathetischem Stolze und spricht zu
seinem Erzeuger: „Erfreue dich am glorreichen Sieg deines Sohnes.“




In einer Nebenrolle (deren
Person nicht entgeht, dass Bond merklich litt: „Er sah schon einmal
besser aus, unser Held“) begegnen wir Michael „Tarantino“
Madsen, hier nun von Engelbert von Nordhausen synchronisiert werdend
(Sean Connery im Liebesgrüße-aus-Moskau-Videospiele sowie in
nachsynchronisierten Passagen aus Sag niemals nie), der nach wie vor
viele Stärken innehabende Film (der er nostalgischerweise noch auf
VHS erschien) geht an vielen sich unkreativ anfühlenden „lines“
zugrunde, die Dialoge sind furchtbar, die missglückten CGI-Effekte
ein stümperhafter Tiefpunkt früher hochtechnisierter Gehversuche am
PC, drum Stirb an einem anderen Tage, das sind 127 Minuten zu
anstrengend geratener Action und langatmiger sich ziehender
Absurditäten, nicht flüssig wie etwa Der Morgen stirbt nie, sondern
eine Mühsal mit gegen Ende sehr uninspiriert wirkenden
Abschlussszenen im Flugzeuge (wer wissen möchte, wie man einen
Bondfilm im Flugzeug drehen sollte, möge sich als „Lehrprogramm“
lieber mal „toxic“ von Britney Spears zu Gemüte führen und sich
hieran orientieren), auch die finalen herzbrechenderweise recht
drastischen Stiche zwischen Jinx und Frost wirken wie ein bissiger
und unfreiwillig komischer Zickenkrieg zwischen zwei voneinander
genervten Klassenkameradinnen, die sich sogleich an den Haaren zu
ziehen gedenken, doch das ist noch gar nichts, Graves ist in wenigen
Minuten (ob der Hektik sei ihm dieser Fauxpas verziehen) unklug
genug, um sich Bond mit einem Fallschirm noch einmal SO weit zu
nähern, dass es Bond ein Leichtes ist, sich den Fallschirm des
Gegners zunutze zu machen („Zeit der Schwerkraft ins Auge zu
sehen“), auch viele der Wortspiele „stören“, ich selbst neige
zwar ebenfalls zu Ebensolchen und betreibe dergleichen am laufenden
Bande, doch DAD betreibt das derart inflationär und uninspiriert,
dass auch ich hierfür nicht mehr das Verständnis in Person war,
viel kreativer löste man es im zuvorigen Jahrhundert (z.B. „aber
mitnichten“ in Anlehnung an zwei Nichten), des Weiteren nerven
viele zu virtuell daherkommende Szenen (bereits 3 Jahre zuvor
versuchte man sich an holographischen Elementen, erinnert ein wenig
an die Zeitkapsel-Episode aus Zoey 101, da befänden wir uns nach
Adam Riese aber bereits im Jahre 2025), welche auch hier wieder im
interaktiven Bereiche besser aufgehoben wären, die Rede ist von der
sich gern in einem Schlafgemache aufzuhalten gewillt seienden Miss
Moneypenny in Qs „Trainingscenter“, Humor schimmert durch und
vermag dennoch kaum zu zünden, auch wie sodann Jinx und Bond (beide
namentlich einsilbig mit vier Buchstaben und sportiv on Tour, beide
mit kurzem dunklen Haar, beide auf temperamentvolle
Kurzzeitbeziehungen programmiert, sah man in ihr tatsächlich einen
weiblichen 007?, ich finde die Protagonistin in ihren Aussagen
hierfür zu austauschbar, „für dich werde ich immer die kleine
Jinx bleiben“ etc.) Steinchen für Steinchen ihr Finale
zusammentragen und auf anti-unvergessliche Weise einen Film enden
lassen, den Sie nach wenigen Minuten kaum mehr im Gedächt haben
werden,



jawohl, all dieses spricht
GEGEN das Werk – und dennoch: der wankelmütig-wechselhafte bzw.
mal konsumierbare und mal „ernstere“ Film weiß partiell zu
überzeugen und in seinen Gegensätzen zu verblüffen, drum gebet ihm
eine faire Chance, auch wenn er sie wahrlich definitiv nicht nutzen
wird...




Am anderen Tage erst
verstorben,



am Heutigen schon ermüdet,


doch die Frostige herrlich
verdorben,



sich wahrlich nichts erprüdet.



Auch aufregende Momente,


Ansatz hier und da nicht
schlecht,



danach ging Brosnans Bond in
Rente,



Alles oder Nichts“ als
finales Gefecht blieb im Gedächt.
"Loyalität bedeutet mir wesentlich mehr als Geld." - Aus des Problembeseitigers Spiegelbilde sprach die Stimme sanften Verwesens!
Bond '89 - Robert Davi

Martin

Felix Leiter

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104

Sonntag, 23. Februar 2020, 15:17

Die Ära von Pierce Brosnan ist geschafft, mit Stirb an einem anderen Tag. Was für ein seltsamer Film... Und was hätte man daraus machen können.

Auch wenn ich die Brosnanfilme nicht so extrem negativ sehe, vor allem GE und TWINE - ich freue mich jetzt wie Bolle auf die Craig-Ära!

Scarpine

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105

Sonntag, 23. Februar 2020, 16:05

Das Mojito-Bild... der Hammer, Martin! :thumbup:

Ich freue mich schon darauf, dein Essay später am Abend zu lesen. Leider erlaubt es die Zeit nicht immer, deine und die anderen tollen Besprechungen hier entsprechend mit Kommentaren zu würdigen. Aber jeder neue Marathon-Eintrag von dir ist ein echter Genuss und ich bewundere die Akribie (Punktevergabe) und den Aufwand (Foto-Motive), welche du da reinsteckst! Vielleicht solltest du eines Tages ein eigenes großes Buch über die Serie schreiben. Ich wäre der erste Käufer! :prost:
"Enjoying our little party, Monsieur... Saint John Smythe?"

Martin

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Sonntag, 23. Februar 2020, 23:14

Vielen Dank für das Lob, lieber Scarpine! :prost: Es macht einerseits schon Spaß, andererseits bin ich auch froh, wenn ich durch bin. Zeitlich sieht es bis NTTD ja ganz gut aus. Deine Beiträge lese ich auch immer sehr gern, vor allem wegen des Hintergrundwissens um frühere Drehbuchentwürfe.

Django

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Montag, 24. Februar 2020, 07:53

Auch von meiner Seite (und wie immer) vielen Dank für das wie immer starke Review. DAD war der erste Bond, bei dem ich mir halbwegs ernsthaft überlegt habe, das Kino in der Pause zu verlassen... spätestens als der Vanish aufgetaucht ist, wähnte ich mich wortwörtlich im falschen Film :thumbdown: . Auch heute noch finde ich den Film für einen Bond richtig schlecht. Aber (und das finde ich echt beunruhigend): Im Gegensatz zu zumindest den letzten beiden Bond-Filmen SP und SF gibt's hier keine "dunkle Vergangenheit", keine pseudo-psychologischen Spielchen - Bond ist immer cool und obenauf, er zweifelt nicht an sich und weiss, was zu tun ist. Selbst zwei Jahre nordkoreanische Gefangenschaft, Verrat und das Beinahe-Fallenlassen durch M vermögen es nicht, ihn zu brechen. So will ich meinen Bond haben :thumbup:

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Django« (24. Februar 2020, 08:01)


Scarpine

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Freitag, 6. März 2020, 22:42

Eine sehr gelungene Besprechung zu diesem schwierigen und enorm polarisierenden Bondfilm, Martin! :)
Ich bin mal gespannt, wie der Streifen auf mich demnächst wirkt... ;)

Am tragischsten an diesem vierten Brosnan-Bondfilm ist wohl, dass er nicht nur Brosnans Bond nachhaltig in unguter Erinnerung ließ, sondern auch das Konzept eines leichter konsumierbaren Larger-than-Life-Bondfilms versenkte. Gerade diese Bondfilme waren bei aller Kritikerschelte immer sehr attraktiv für ein adultes Publikum.

Das finde ich auch enorm bedauerlich. Eigentlich hat die Serie immer von einem fruchtbaren Wechsel der Ansätze Larger-than-Life und Down-to-Earth gelebt. Seit Die Another Day scheint das Vergangenheit zu sein. Fairerweise muss man aber auch sagen, dass der heutige Zeitgeist diese Art von Filmen kaum mehr oder nur noch sehr bedingt zulassen würde. Ob sich das wieder ändert, muss die Zukunft zeigen. Aber es ist schon sehr schade, dass seit der Craig-Ära überlebensgroße Schurkenpläne, Supergadgets und Zukunftstechnologien keine große Rolle mehr spielen. Auch in Sachen Production Design vermisst man schmerzlich die Kühnheit, das Innenleben eines Vulkankraters oder eines Tankers im Maßstab nachzubauen, statt viele Dinge nur noch mit CGI-Effekten zu lösen. Ein Bondfilm, der wirklich mal wieder mit riesigen Schauwerten, mit markanten Action-Momenten, die sich den Zuschauern ins Gedächtnis brennen, und mit einer visionären Filmarchitektur von sich reden macht und schnell zum Klassiker avanciert. Das wär's... :kneel:
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Martin

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Montag, 9. März 2020, 00:02

Eine sehr gelungene Besprechung zu diesem schwierigen und enorm polarisierenden Bondfilm, Martin!


Merci! :)

Fairerweise muss man aber auch sagen, dass der heutige Zeitgeist diese Art von Filmen kaum mehr oder nur noch sehr bedingt zulassen würde. Ob sich das wieder ändert, muss die Zukunft zeigen. Aber es ist schon sehr schade, dass seit der Craig-Ära überlebensgroße Schurkenpläne, Supergadgets und Zukunftstechnologien keine große Rolle mehr spielen.


Grundsätzlich muss man ja schon sagen, dass es DAD zumindest versucht hat. Ich frage mich manchmal, wie der Film auf mich im Alter von 7 bis 12 gewirkt hätte. Manche Dinge hätten mir sicherlich auch imponiert, wie etwa die große Halle im Eispalast, die ich wirklich ganz gelungen finde, oder die Eisjagd.

'Black Panther' soll ja so ein bisschen in diese Richtung gegangen sein. Also grundsätzlich wäre sowas schon noch machbar, denke ich. Entscheidend wäre wohl, dass man weitestgehend auf CGI verzichtet. Vielleicht sollte man beim Produktionsdesign mal einen renommierten, visionären Künstler engagieren, wie H.R. Giger seinerzeit für Ridley Scotts 'Alien'.

Scarpine

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Donnerstag, 28. Mai 2020, 22:14

James Bond 007: Stirb an einem anderen Tag

Bond Marathon # 00…21; Originaltitel: Die Another Day, GB 2002, Regie: Lee Tamahori, Drehbuch: Neal Purvis & Robert Wade nach Ian Fleming, Darsteller: Pierce Brosnan, Halle Berry, Toby Stephens, Rosamund Pike, Rick Yune, Judi Dench, Michael Madsen, Will Yun Lee, Kenneth Tsang, Emilio Echevarría, Madonna, Colin Salmon, Samantha Bond, John Cleese u. a., Premiere: 11. November 2002

Zitat von »James Bond 007: Stirb an einem anderen Tag«

In Nordkorea soll James Bond Undercover die Basis von Colonel Moon infiltrieren und den Kommandeur ausschalten. Moon ist der missratene Sohn des Oberbefehlshabers der Streitkräfte und verkauft illegal schwere Waffen und Ausrüstung des nordkoreanischen Militärs für Blutdiamanten, die durch ein UN-Embargo geächtet sind. Doch der Agent wird enttarnt und seine Mitstreiter werden getötet. Doch 007 gelingt es Chaos in dem Militärstützpunkt zu stiften und im Laufe einer halsbrecherischen Jagd den Colonel schließlich zu töten. Im Anschluss wird der Doppel-Null-Mann von Soldaten unter Führung von General Moon gefangen genommen und fast zwei Jahre brutal gefoltert – aber nicht gebrochen. Bei einem letzten Verhör will der General wissen, wer der Komplize im Westen war, der seinen Sohn zu einem Landesverräter gemacht hat. Bond weiß darauf keine Antwort, außer dass es sich um diesselbe Person handeln muss, die ihn kompromittiert hat. Statt vor einem Erschießungskommando findet sich der Agent jedoch auf einer Schleusenbrücke zwischen den koreanischen Staaten wieder. Nullnullsieben wird gegen Zao, Moons treu ergebenen Lakaien ausgetauscht. Die Männer versprechen sich gegenseitig zu jagen. In Hongkong wird der Doppel-Null-Mann außer Dienst und unter Arrest gestellt. Der Vorwurf lautet, er habe unter der Folter den Informanten im nordkoreanischen Oberkommando verraten, der daraufhin exekutiert wurde. Um zu verhindern, dass er weitere Geheimnisse preisgibt, wurde Bond gezwungenermaßen gegen Zao ausgetauscht, der in den vergangenen zwei Jahren als Terrorist in Asien zahlreiche Attentate verübt hat. M lässt 007 fallen und erklärt, sie habe keine Verwendung mehr für ihn. In der Nacht flieht der Agent von dem britischen Kriegsschiff im Hongkonger Hafen. Mithilfe eines chinesischen Sektionsleiters, der Zao ebenfalls zur Strecke bringen will, gelangt der Doppel-Null-Mann nach Kuba. Hier erfährt er von seinem Kontaktmann Raoul, dass Zao sich in einer Klinik auf der Inselgruppe Los Organos befindet. An der Küste trifft Bond auf Giacinta Johnson alias Jinx und verbingt mit ihr eine Liebesnacht. Am nächsten Morgen ist die mysteriöse Amerikanerin verschwunden. Nullnullsieben dringt unter einem Vorwand in die Klinik ein und entdeckt Zao, der sich hier eine Gen-Therapie unterzieht, um sich eine neue Identität zu verschaffen. Jinx entpuppt sich als Attentäterin, die es ebenfalls auf den Nordkoreaner abgesehen hat. Doch Zao entkommt und auch Jinx verschwindet auf spektakuläre Weise von der Insel. Der einzige Anhaltspunkt für den Agenten sind nun die Diamanten, mit denen der Terrorist seine Therapie bezahlen wollte. Raoul entdeckt, dass sie die Lasersignatur GG enthalten. Sie stammen aus der Island-Mine des exzentrischen britischen Milliardärs Gustav Graves sind aber chemisch identisch mit Blutdiamanten. Dem Doppel-Null-Mann dämmert, dass Graves vielleicht Moons Partner im Westen war. In London wird der Tycoon von der Queen für seine sozialen Verdienste zum Ritter geschlagen. Im altehrwürdigen Fechtklub treffen Bond und Graves erstmals aufeinander und liefern sich ein Fechtduell, das zwar ausartet, aber dem Agenten trotzdem eine Einladung nach Island verschafft. Im Londoner Untergrund trifft 007 auf M, die ihn wieder in Dienst stellt. Man ist sehr an Graves und seinen Geschäften interessiert. In seinem gigantischen Eispalast veranstaltet der Egomane eine großangelegte Laserpräsentation. Hier trifft der Doppel-Null-Mann auch Graves' unterkühlte PR-Agentin Miranda Frost wieder, mit der er eine Affäre beginnt. Als kurz hintereinander die verschlagene Jinx und der eiskalte Zao in Island auftauchen, spitzt sich die Lage schnell zu...

Zitat von »Scarpine (2013)«

Ein unterdurschnittlicher Beitrag zur Reihe, der zwar merklich bemüht ist an die großen Over-the-Top-Filme der siebziger Jahre anzuschließen, deren Qualität und Klasse aber zu kaum einem Zeitpunkt erreicht. Dem Skript fehlt es an Struktur, Substanz und Stil, während die Regie abseits der Action-Höhepunkte nur ihre Einfallslosigkeit zur Schau trägt. Das Ensemble dagegen ist bemüht, während sich Titeldesign, Production Design, Cinematographie und Score auf einem guten Niveau bewegen. Das allein reicht jedoch nicht, um das Ruder herumzureißen. Unterm Strich geriet "Die Another Day" zu einem der schwächsten und verschenktesten Bondabenteuer.

Zurecht wird vielfach darauf hingewiesen, dass Die Another Day an einem für das Blockbuster-Kino entscheidenden Wendepunkt entstand. 1999 waren noch einige Monate vor dem Start von The World Is Not Enough zwei Filme in die Kinos gekommen, die in punkto Coolness-Faktor und beeindruckend-innovative Spezialeffekte neue Maßstäbe setzen sollten: Der Cyber-Thriller The Matrix und die erste Prequel-Star Wars-Episode The Phantom Menace. In beiden Kategorien sollten Anfang des ersten Jahrzehnts des neuen Jahrtausends eifrige Nachfolger in den Startlöchern stehen. In Sachen überbordende Coolness folgten rasch Streifen wie Mission: Impossible II, The Fast And The Furious, Men In Black II und xXx und im neuen CGI-Trend, der völlig neue Möglichkeiten bietete, die zweite Sternenkrieger-Folge Attack Of The Clones, die ersten Marvel- und Harry Potter-Filme und vor allem die epochenmachende Lord Of The Rings-Trilogie. Diesem sturen Hang zur alles beherrschenden, unerschütterlichen Souveränität des männlichen Helden und dem – zum PC- und Konsolen-Hype jener Epoche überaus passenden – cineastischen Abtauchen in am Computer perfekt durchdesignte Fantasy-Welten gab ein Ereignis Nahrung, das die reale Welt bis ins Mark erschütterte: Der 11. September 2001. Dieser Terroranschlag sollte auch das Kino jener Zeit nachhaltig prägen. Es ist schon erstaunlich, was für ein anderer Film Die Another Day vielleicht geworden wäre, wenn es das Attentat nie gegeben hätte. Auch die Reputation des umstrittenen Autorenteams Neal Purvis & Robert Wade wäre heute innerhalb des 007-Fandoms vermutlich eine ganz andere. Aber die (Film-)Geschichte denkt nicht in Konjunktiven. In der Folge wurde die an sich brauchbare Ausgangsidee derart oft angepasst und verändert, dass am Ende eine gänzlich weichgespülte Jubiläums-Hommage mit futuristischen Over-The-Top-Ingredienzien stand. Leider hat man vor dem Hintergrund der vielen Referenzen und Zitate sowie der gewagten Science-Fiction-Elemente den Streifen insgesamt nicht in den Griff bekommen. Zu oft fehlt es an Tiefe, an Stringenz, an situativer Spannung und an einem durchgehenden roten Faden. Dabei ist Die Another Day knackig und kurzweilig inszeniert, bietet atmosphärische Drehorte und kann den Zuschauer mit reizvollen, neuartigen Stuntarrangements wie der Hovercraft-Jagd, der Car Chase im ewigen Eis oder dem Degen-Duell im Fechtclub bei der Stange halten. Im Endeffekt reichen gute Ideen und eine ansprechende Umsetzung aber einfach nicht aus, wenn schon in der Gesamtanlage der Mission zu viele Fehler gemacht wurden. Man spürt zwar in jeder Filmminute den Willen und den Wunsch mit zeitgenössischen Mitteln dort anzuknüpfen, wo Bonds Zukunftsflug mit Moonraker einst endete, aber anders als in den Siebzigern hat man sich wohl zu wenig die Frage gestellt, welche Ideen im Kontext der filmischen Realität und der Geschichte Sinn ergeben, welche nicht funktionieren und vor allem welche auch technisch überzeugend umsetzbar sind. Ohne den engagierten Einsatz des Hauptdarstellers würden die meist mauen schauspielerischen Leistungen das Werk in punkto Glaubwürdigkeit endgültig ins Bodenlose stürzen lassen. Aus heutiger Sicht passt Die Another Day absolut in seine (Pop-)Epoche, aber bleibt aufgrund seiner kuriosen Unzulänglichkeiten und seiner chimärenhaften Unentschlossenheit ebenso ein partiell unzugängliches Mysterium und damit leider auch einer vergessenswertesten Beiträge der ganzen Serie.

Es gibt wohl kaum eine Darstellerriege innerhalb der Franchise-Historie, deren Potenzial so wenig ausgespielt bzw. ausgeschöpft wird, wie jene in diesem Werkbeitrag. Dabei ist die Besetzung fast durchweg erstklassig. Umso bedauerlicher erscheint die magere schauspielerische Ambition seitens der Akteure und des Regisseurs. Eine große rühmliche Ausnahme bildet dagegen abermals Pierce Brosnan. In einem so künstlichen Film, der derart konträre stilistische Direktiven vermischt und beständig zwischen Höhe- und Tiefpunkten pendelt, als Hauptdarsteller konstant eine gute Figur zu machen, ist auch eine Kunst. Ähnlich wie Roger Moore kann man auch dem Iren zu keinem Zeitpunkt vorwerfen, dass er die ikonische Rolle gerne abstreifen wollen würde. Als fünfter Amtsinhaber mag Brosnan sich zwar gerne bisweilen auf einer klischeehaften Lässigkeit und den Lorbeeren seiner Vorgänger ausruhen, aber er beweist stets aufs Neue Spielfreude und echten Enthusiasmus für Nullnullsieben. Mit jeder Mission scheint sich der Mann mit der Lizenznummer 005 wohler in seiner zweiten Haut zu fühlen, sodass man seine Performance in seinem letzten Film als die Quintessenz seiner drei vorangegangenen Interpretationen betrachten kann. Ob es Brosnans bester Auftritt als Bond ist, vermag ich jedoch nicht abschließend zu beantworten. Allerdings muss ich den lobenden Stimmen beipflichten, dass dem Iren die süffisante Tour de Force von Verrat, Folterung, Vertrauensverlust, Rachegelüsten und smarter Rehabilitation weitaus stimmiger gelingt, als Drehbuch und Regie das als undurchdachte Melange vordergründig anbieten. Eine souveräne Leistung von Brosnan zum verfrühten Abschied; man hätte ihm anno 2004 noch einen fünften Film als würdiges Ära-Ende gewünscht. Leider fallen die anderen zentralen Figuren demgegenüber deutlich ab. Nach den nuancierten Charakterstudien des letzten Films erleben wir nun wieder einen Rückfall zu den Klischeefiguren und Pappkameraden der mittleren Neunziger Jahre. Das ist zwar zuallerst ein Versäumnis des Regisseurs und der Autoren, aber die Akteure kann man nur bedingt von einer Mitschuld freisprechen. Ganz kurios ist da Toby Stephens, dessen Darstellung derart platt und überzeichnet anmutet, dass man - angesichts einer zur selben Zeit entstandenen feinen Charakterstudie in dem Poirot-Fernsehfilm Five Little Pigs – kaum glauben kann, denselben Schauspieler vor sich zu haben. Wenig besser präsentiert sich Halle Berry, die sonst fast überall sympathisch agiert, aber in diesem Film ihrer auf dem Papier schon ziemlich hohlen Heroine nicht mehr als markige Posen und lahmes Overacting abzugewinnen weiß. Auch Oscar-Preisträger/Innen passen sich offensichtlich dem Niveau der Produktion an. Besser hat es da noch Rick Yune getroffen, der – obwohl sein optisch zwischen Albino und Submariner zu verortende Zao ebenso trashig anmutet wie Graves – mit seinem Talent immerhin einen guten, präsenten Henchman abgibt. Rosamund Pike stand noch am Anfang ihrer Karriere, weshalb die Aktrice in dieser schablonenhaften Rolle noch keine Akzente setzen kann. Sie wirkt wie gefangen in ihrer Haut. Die restliche Besetzung bleibt ziemlich blass, auch wenn Will Yun Lee, Kenneth Tsang und Emilio Echevarría sich in ihren kleinen Parts redlich mühen. Beim Secret Service agieren alle Verbündete so ausdruckslos wie nie. Samantha Bond bekommt leider einen eher unrühmlichen Ausstand eingeräumt und John Cleese kaschiert mit trockenem Understatement, dass er in der Rolle des Quartiermeisters eigentlich ziemlich fehlbesetzt ist.

Mit David Tattersall ist abermals ein neuer Kameramann mit an Bord. Die Cinematographie wechselt je nach Handlungsort überzeugend zwischen kräftig-warmen und kühl-entsättigten Farbpaletten. Die Ausleuchtung ist ansprechend und zumeist werden dynamische Fahrten und Schwenks unternommen sowie interessante Winkel und Perspektiven gewählt. Schwächen zeigt die Kameraführung da, wo eine zu starke Anlehnung an den Zeitgeist erfolgt. Wenn Terroristenprojektionen in der Luft stehend eingefroren werden, Zaos Ledermantel wie von Geisterhand bewegt wird und Verfolgungsjagden und Partyszenen unnatürlich beschleunigt werden, dann ist das in vielerlei Hinsicht stilbildende Vorbild The Matrix nicht weit. Die Zeitlupen- und Speed Ramp-Effekte wirken in ihrer übertriebenen Zelebrierung doch mittlerweile recht altbacken. Auch die eingeflochtenen CGI-Sequenzen sind als solche aufgrund mangelnder Sorgfalt bei der Gestaltung überdeutlich zu erkennen. Hier ist Die Another Day leider auch im Verhältnis zu anderen Filmen aus dieser Zeit sehr schlecht gealtert und dadurch verstärkt sich die künstliche, dysfunktionale Atmosphäre des Jubiläumsfilms noch zusätzlich. Tattersall leistet ansonsten gute Arbeit, ohne dabei zu brillieren. Der Vorspann ist dagegen wundervoll animiert und mit grandiosen Einfällen gespickt. Es handelt sich nicht nur um ein Highlight in Daniel Kleinmans Oeuvre, sondern auch um eine der besten Titelsequenzen der ganzen Serie. Große Geschmackssache ist freilich der Song von Madonna, allerdings passt er ziemlich gut zu den Main Titles und auch zur restlichen Stimmung des Films. Die Techno-Elemente finden sich auch verstärkt im Score wieder, der von David Arnold zwar kohärent zu Wege gebracht wurde, jedoch vereinzelt – und auch das mit rätselhafter Analogie zum Gesamtwerk – in ausgeflippte Sprunghaftigkeit ausartet. Ingesamt hat Arnold der Reihe aber deutlich bessere Soundtrack-Alben beigesteuert. Großbritannien, Spanien, Norwegen, Island und Südkorea werden über weite Strecken prinzipiell ordentlich in Szene gesetzt, wobei man sich aber gerade in Island gerne abwechslungsreichere Motive und mehr authentisches On-Location-Feeling gewünscht hätte. Beim Production Design hat sich Peter Lamont sichtlich gesteigert. Die Dekors sind durchweg passend entworfen, wobei besonders Raouls Tabakfabrik und Graves' Residenz positiv auffallen: Ein düsterer Märchenprinz, der in einem Eispalast lebt, niemals schläft und sich seine Träume aus einer Maschine beziehen muss. Ich gebe zu, diese Allegorie hat durchaus etwas Bestechendes. Womit wir beim Drehbuch wären, das eines der schlechtesten Vorlagen überhaupt ist. Die Probleme sind altbekannt. Es fehlt an einer einheitlichen Linie, an Klasse, an guten Dialogen und an stilistischer Geschlossenheit. Als Zuschauer wird einem hier einfach zu viel an futuristischem Unfug auf einmal zugemutet und teilweise auch durch eine allzu penetrante Darstellung verleidet. Und ob der Zwittercharakter Moon/Graves dramaturgisch eine gute Idee war, wäre gewiss auch noch diskussionswürdig. Abgesehen von den bereits erwähnten Schwächen fällt Lee Tamahoris Inszenierung solide aus und besitzt durchaus Tempo und Timing. Dagegen ist seine Schauspielführung ungemein nachlässig und in der Breite ist ihm der Streifen insgesamt entglitten. Inwieweit die development hell auch auf sein Konto geht, bleibt letztlich strittig, ändert aber auch nichts daran, dass der Neuseeländer der bislang wohl verzichtbarste Mann auf dem 007-Regiestuhl sein dürfte. Summa summarum bleibt ein Film, der unter den schwächsten und am wenigsten prägenden Serieneinträgen rangiert.

"I'm gonna suspend my senses." - Das neue Jahrtausend und der Siegeszug der Computertechnik im Filmgeschäft gehen nicht spurlos an James Bond vorbei. Überfrachtet mit Science-Fiction-Ideen, Pixel-Effekten, Serienzitaten und oberflächlichen Klischee-Abziehbildern erleidet Die Another Day bedauerlicherweise einen qualitativen Schiffbruch. Es fehlt an starken Charakteren, an echten Schauspielmomenten und an einer allgemein ordnenden Instanz. Denn was nützen intelligenter Futurismus, CGI-Bombast und der Nordkorea-Konflikt als realpolitisch motivierter Storyaufhänger, wenn diese Versatzstücke lieblos in den Raum geworfen werden, ohne auch nur ein wenig gewinnbringend für das Gesamtwerk narrativ verzahnt zu werden? Leider ist Pierce Brosnans Abschiedsstreifen am Ende nicht mehr als die Summe seiner Teile. Erlahmte hier bereits erstmals der Eifer der Eon-Verantwortlichen? Oder aus welchem Grund reichte es bei diesem Jubiläum für 007 nur zu einer narzisstischen Nabelschau? Man ist geneigt, der Forderung der Queen of Pop in diesem Punkt Nachdruck zu verleihen: "Sigmund Freud... analyze this!".

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Martin

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Sonntag, 31. Mai 2020, 18:38

Freut mich, dass es mit deinem Marathon auch weitergeht, Scarpine! Deiner Bewertung kann ich zu 100 % zustimmen. DAD macht es einem wirklich nicht leicht, ihn zu mögen.

Scarpine

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Montag, 1. Juni 2020, 18:24

Dankeschön. :) Ich muss allerdings einräumen, dass der Film - wie erwähnt - durchaus seine Momente (lässiger Brosnan, innovative Action-Highlights) hat und kurzweilig inszeniert ist. Wäre er in den Details sorgsamer konzipiert und allgemein mit einheitlicherer Direktive sowie mehr Substanz & Stil gefertigt, würde er bei mir mühelos diverse andere Bondfilme ausstechen.
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Martin

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Dienstag, 2. Juni 2020, 01:32

Ja, Potential hatte der Film enorm. Vielleicht noch mehr als TND. Ich könnte mir beispielsweise gut vorstellen, dass Purvis und Wade sich bei diesem Robocop-Anzug von Graves am Ende mehr gedacht hatten. Die Idee ist eigentlich richtig gut: Der Schurke kann den Satelliten jederzeit und ohne Hilfe von Technikern steuern, und sich damit auch noch verteidigen. Das ursprüngliche Drehbuch sah ja ein Finale in einem riesigen japanischen Beach-Resort vor. Wenn man sich vorstellt, dass Graves am Ende entkommt und durch solche unbekümmerten Menschenmassen spaziert, und mit ein paar Handbewegungen ganze Großstädte auslöschen könnte, und Bond ihn aufhalten muss, das hätte schon was.

Scarpine

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Mittwoch, 3. Juni 2020, 18:34

Ja, Potential hatte der Film enorm.
Definitiv. Ich mag auch den Anfang sehr. Die knackige Pretitle, Verrat, Folterung, Austausch, Vertrauensverlust, Flucht, Kuba... aber schon ab London beginnt man sich leider so langsam zu verzetteln. Die Virtual Reality-Brillen sind auch eine coole Idee. Im Kino war das seinerzeit ein Überraschungsmoment, auch wenn die tote Moneypenny freilich kaum glaubwürdig war. Aber leider gibt man solche Ideen dann inklusive einer armen Samantha Bond für einen lauen Schlussgag der Lächerlichkeit preis. Wie überhaupt zu viele solcher 'unmöglichen' Dinge dem Zuschauer zusammenhangs- und lieblos auf einmal untergejubelt werden. Ein No-Go und ziemlicher Tiefpunkt im Film ist für mich der Laserfight mit Mr. Kil, der besser in einen Prequel-Star Wars-Film aufgehoben gewesen wäre. Zumal die "bessere Idee" von Jinx auch noch cool und witzig sein soll, aber eigentlich nur ziemlich unappetitlich ist. Ein abgerissenes Körperteil, um eine verschlossene Tür per hypermoderner Handflächensignatur-Konsole zu öffnen? Hier wähnte ich mich fast bei Alien vs. Predator oder so...

Die von vielen Fans leidenschaftlich gehasste Gen-Therapie fand ich auch immer schon sehr reizvoll. Alvarez erklärt ja, dass man junge Ausreißer, die niemand vermisst, fängt und umbringt, um an deren DNA zu kommen (quasi ein 'Gen-Identitätsdiebstahl'). Trotz kriminellem Organhandel in der Realität ist das natürlich alles utopisch und science-fiction-mäßig. Aber es wirkt auch deswegen nicht, weil es nur dafür genutzt wird, zu erklären, warum Graves in Wirklichkeit Moon ist. In einer zeitgenössischen Kritik der ZEIT hieß es mal, dass trotz aller Abwegigkeit die Vorstellung von 'genetisch maskierten' Terroristen - gerade nach 9/11 - eine erschreckende Vorstellung sei. Das ist schon was dran, zumal Zao zu Thomas Schiller werden sollte, der in Hamburg lebt, von wo aus ja auch die New York-Attentäter operierten. Auch daraus hätte man etwas machen können, indem die deutschen Sicherheitsbehörden Bond nach Hinweis der NSA (Falco: "Er ist außer Kontrolle." ) verhaften, weil gegen 'Thomas Schiller' ja auch überhaupt nichts vorliegt und Zao ungehindert seinen Anschlagsabsichten weiter nachgehen kann. Auch wenn solche Einfälle prinzipiell ziemlich gaga sind, kann man doch einiges mehr aus ihnen herausholen, wodurch sie am Ende gar nicht mehr so plump bzw. undenkbar erscheinen, weil man mit der konkreten Umsetzung einen Nerv trifft.
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